Friedrich Merz und der CDU-Parteitag: Trump light

Friedrich Merz gibt den US-Präsidenten: Den verschobenen Parteitag wertet er als Intrige, die verhindern soll, dass er Parteivorsitzender wird.

Portrait con Friedrich Merz

Friedrich Merz beim „Pitch“ der Jungen Union am 17. Oktober Foto: Michael Kappeler/reuters

Die CDU wird ihren Parteitag wohl frühestens im März 2021 abhalten. Das Risiko eines Treffens mit 1.000 Delegierten ist derzeit zu groß, wahrscheinlich würde das Gesundheitsamt den Parteitag ohnehin abblasen. Auch die Idee, dezentrale kleinere Treffen zu organisieren, Reden online zu übertragen und so schnell eine neue Spitze zu wählen, hat Tücken. Man weiß nicht, ob diese Treffen bei explodierenden Infektionszahlen möglich sein werden. Zudem muss dann per Brief in einem langwierigen Verfahren der gesamte Parteivorstand gewählt werden. Das wird Monate dauern.

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Ist die Absage übervorsichtig? Bei der Mitgliederversammlung von Hertha BSC waren doch auch 1.000 Leute, twittert forsch Friedrich Merz, der eine Intrige gegen sich am Werk sieht. Der Parteiapparat wolle ihn als CDU-Chef verhindern. Merz ist kein Autokrat wie Donald Trump, auch kein Verächter der Demokratie. Aber wie der US-Präsident bezieht Merz sehr schnell sehr viel auf sich: Ich und Corona. Ich und der Parteiapparat. Es gibt überhaupt sehr viel Ich bei Friedrich Merz.

Wenn ein CDU-Parteitag das Virus verbreiten würde, wäre die Glaubwürdigkeit der Kanzlerin, die ständig zur Vorsicht mahnt, Asche. Die CDU ist eben kein Fußballverein. Merz kümmert das nicht. Fixiert auf die Idee, dass es nur um ihn geht, versteigt er sich sogar zu der These, dass Corona nur ein Vorwand sei, um ihn als Parteichef zu verhindern. Hinter dieser Rhetorik – hier die manipulierte Parteielite, dort der unbeirrbare starke Führer – schimmert eine Verschwörungsidee hervor.

Merz hat Chancen, Parteichef zu werden. Große Teile der CDU wollen ihn, das Rennen gegen Armin Laschet ist offen. Oder sollte man sagen: Es war offen? Merz’ Chancen wären im Frühjahr gar nicht unbedingt schlechter als im Dezember. Aber wenn die CDU bei Verstand ist, muss sie spätestens jetzt merken, dass Merz eine loose cannon ist. Und dass es keine gute Idee ist, dass jemand, der so unberechenbar ist, die CDU und womöglich dieses Land führt. Merz verkörpert einen politischen Narzissmus, den niemand braucht. Gerade in Krisenzeiten nicht.

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Stefan Reinecke ist Autor im Parlamentsbüro der taz. Er beschäftigt sich mit Parteipolitik, vor allem mit der Linkspartei und der SPD, und Geschichtspolitik. Zuvor war er Redakteur bei der Wochenzeitung „Freitag“ und beim „Tagesspiegel“.

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