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Debatte um GenitalverstümmelungVon allen guten Feministinnen verlassen

Tina Hartmann

Kommentar von

Tina Hartmann

Weibliche Genitalverstümmelung und kosmetische Vulva-Operationen zu vergleichen, ist fragwürdig. Genau das taten einige Fe­mi­nis­tin­nen vor Kurzem.

Endlich sicher! Im Winbridge Bildungszentrum im kenianischen Kajiado leben Mädchen, die vor Genitalverstümmelung weggelaufen sind Foto: Daniel Irungu/epa

I m September 2025 erschien im Journal of Medical Ethics ein Artikel über „Negative Auswirkungen der aktuellen globalen Kampagne gegen FGM“. FGM steht für Female Genital Mutilation, also weibliche Genitalverstümmelung. Darauf folgte eine Welle der Empörung über „woke Feministinnen“, die angeblich die Praxis der Genitalverstümmelung verteidigten.

Bestenfalls alle zehn Jahre wird ein akademischer Artikel Gegenstand breiter Feuilletondebatten. Da der Text von Ex­per­t*in­nen stammt, sollten seine Argumente aber ernst genommen werden.

Auffällig ist die ungewöhnlich hohe Zahl von 26 Verfasser:innen. Das Kollektiv betont dabei seine innere Uneinigkeit. Einige von ihnen lehnten „jedes genitale ‚Cutting‘ ab, das nicht freiwillig oder medizinisch notwendig ist“, während „andere“ der Ansicht seien, dass Eltern über ihre Kinder entscheiden und der Staat sich aus „kulturell bedeutsamen Praxen“ heraushalten solle. Letzteres widerspricht der UN-Kinderrechtskonvention. Was kann derart diametrale Positionen verbinden?

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Die taz ist eine unabhängige, linke und meinungsstarke Tageszeitung. In unseren Kommentaren, Essays und Debattentexten streiten wir seit der Gründung der taz im Jahr 1979. Oft können und wollen wir uns nicht auf eine Meinung einigen. Deshalb finden sich hier teils komplett gegenläufige Positionen – allesamt Teil des sehr breiten, linken Meinungsspektrums.

Die Kritik richtet sich gegen die WHO, NGOs und westliche Medien, die Fehlinformationen bezüglich der körperlichen und seelischen Schäden durch FGM verbreiteten. Ihr Blick sei rassistisch, da er sich nur gegen Praktiken des Globalen Südens richte, um „lokale Stimmen und Alternativen zu marginalisieren“. Den Begriff FGM lehnen die Au­to­r:in­nen ab und schlagen „weibliche genitale Praxen“ vor. Denn im Globalen Norden praktizierte Vulva-OPs seien mit als FGM diffamierten afrikanischen und südostasiatischen Beschneidungspraktiken vergleichbar.

Bei diesen handele es sich ebenfalls um mehrheitlich kosmetische Eingriffe mit dem Ziel geschlossener äußerer Labien (Schamlippen der Frau) und vollständig verdeckter innerer Labien und der Klitoris. Das pädophil-patriarchale Ideal einer präpubertär geschlossenen Vulva bei einer gebärfähigen Frau wird nicht hinterfragt.

Aber sind FGM und kosmetische Genital-OPs soziologisch und juristisch wirklich vergleichbar? Letztere erfordern im Globalen Norden Volljährigkeit und Verstöße dagegen werden von den Au­to­r:in­nen zu Recht ebenso kritisiert wie Operationen an intergeschlechtlichen Kindern, die diese binär normieren und häufig künftige sexuelle Empfindungsfähigkeit reduzieren. Dass sie spät (2021) verboten wurden beziehungsweise immer noch praktiziert werden, verstößt gegen Kinderrechte.

Ob sich eine Volljährige eigeninitiativ die inneren Labien kürzen lässt – oder sie einer einwilligungsunfähigen Sechsjährigen von ihren Angehörigen gekürzt werden, ist ein zentraler Unterschied

Ob sich hingegen eine Volljährige eigeninitiativ die inneren Labien kürzen lässt – Klitorisentfernungen dürften die Ausnahme bilden – oder sie einer einwilligungsunfähigen Sechsjährigen von ihren „Angehörigen“ gekürzt werden, ist ein so zentraler Unterschied, dass die Miturheberschaft im Artikel durch Ju­ris­t:in­nen befremdet. Kinder werden zu Opfern, wenn Erwachsene nicht medizinisch notwendige Operationen an ihnen vollziehen – und nicht, wenn Kampagnen diese anprangern.

Es ist fraglos edel von im Globalen Norden lebenden, nicht betroffenen Autorinnen, vor der heimatlichen Türe mit feinerem Besen zu kehren. Doch FGM zur Schönheits-OPs zu euphemisieren, ist weder juristisch noch gendertheoretisch schlüssig, zumal sich der Artikel nicht von Klitoris-Amputationen und Verkleinerungen der Vaginalöffnung distanziert. Wenn gar kindliche Opfer genitaler Manipulation im Globalen Norden als skandalöser eingestuft werden als im Globalen Süden, ist das dann friendly racism?

Zu Recht wird auf fehlende Kritik an männlicher Beschneidung verwiesen. Doch statt für ein Verbot der Praxis zu votieren, wird „weibliche Beschneidung“ zu „Gendergerechtigkeit“ stilisiert.

Dagegen, dass FGM für die Betroffenen eine tolle Sache ist, spricht, dass migrantische Communitys sie auch ohne staatlichen Druck überwiegend aufgeben. Dass deren Frauen unter geringer Bildung, Armut und Rassismus stärker leiden als unter den Narben ihres Genitalbereichs, macht diese nicht harmlos. Widersinnig ist, zugleich eine Traumatisierung durch erlittene FGM zu bestreiten und Kampagnen gegen sie „Retraumatisierung“ anzulasten.

Genderforschung hatte ursprünglich das Ziel, geschlechtliche Unterdrückungspraktiken aufzudecken und Individuen Entfaltungsraum gegen eine binär normierende Gesellschaft zu erstreiten. Die Sensibilisierung des Feminismus für intersektionale, rassistische Ausgrenzung ist bedeutsam. Doch derzeit erfolgt ein Tribal Turn, der rechtes und patriarchales Gedankengut in Gendertheorie einschleust.

Tina Hartmann ist Professorin für Literaturwissenschaft an der Universität Bayreuth. Zu ihren Forschungsschwerpunkten gehören die historische Aufklärung, Gender, Diversity Nonbinarität sowie Antisemitismus und Misogynie. Zuletzt erschien von ihr im Reclam Verlag: „Vergesst Kant! Was war und ist Aufklärung wirklich?“

Tribal-kollektiv denkende Wis­se­schaft­le­r:in­nen eint mit reaktionären Androzentrikern die gemeinsame Gegnerin: „Second Wave Western Feministinnen“, die eine angeblich westliche Idee individueller Freiheit als Brandfackel des Kolonialismus in Kulturen des Globalen Südens werfen, um Frauen ihren Ethnien zu entfremden.

Weder werden Ideale wie Reinheit, Jungfräulichkeit und weibliche Unterordnung, die FGM fast überall begründen, kritisch hinterfragt, noch warum patriarchale Kulturen rund um den Globus den Zugriff auf das weibliche Genital beanspruchen. Stattdessen wird der Zusammenhang zwischen Patriarchat und FGM hinterfragt, da sie oft von Frauen ausgeführt wird. Dabei gehört zu den Erkenntnissen der Genderstudies, dass alle patriarchalen Kulturen sich auf (ältere) Frauen stützen, die weibliche Menschen kontrollieren.

Unterschlagen wird auch, dass zahlreiche Regierungen des globalen Südens FGM verbieten. „Religiöse Kultur“ und „ethnische Community“ grundieren den Artikel, als sei Hegels Kugelmodell homogener Kulturen zurück. FGM wird zur Eintrittskarte in sie. Dabei ist die Ansicht, der „Körper“ gehöre zur „größeren Gruppe“ und Entscheidungen über ihn „oblägen eher deren Autoritäten als dem Individuum“, das eigentliche Skandalon des Textes.

Legitim kann FGM, wenn überhaupt, nur dann sein, wenn sie auf Basis einer mündigen Entscheidung passiert. Wenn FGM als „Cutting“ analog zu anderem Piercing- und Cutting rehabilitiert oder als postkolonialer Widerstand inszeniert werden soll, sind Volljährigkeit und Freiwilligkeit Voraussetzung. Diese entscheidende Forderung fehlt in dem Artikel.

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37 Kommentare

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  • "Die Sensibilisierung des Feminismus für intersektionale, rassistische Ausgrenzung ist bedeutsam. Doch derzeit erfolgt ein Tribal Turn, der rechtes und patriarchales Gedankengut in Gendertheorie einschleust."



    Diese Behauptung ist nicht gänzlich falsch, in diesem Kontext aber irreführend. Der ideologische Hintergrund, das machen Sprache und Argumentation des Artikels überaus deutlich, ist in kulturrelativistischen Positionen zu finden, die im Schlepptau des gerade im angelsächsischen Raumes übermächtigen postkolonialen Gedankengutes enormen Auftrieb erhalten haben. Tina Hartmann hat diese anti-universalistischen Tenzenden auch schon mal sehr klar benannt www.fr.de/kultur/g...sses-93409640.html Dass der Postkolonialismus, der Menschenrechte gerne als bloße westliche Herrschafts- und Unterdrückungsinstrumente denunziert, in den teilweise finsteren Traditionen der Gegegenaufklärung wurzelt, möchten seine Vertreter zwar nicht wahrhaben, ist aber leider nichts Neues.

    • @Schalamow:

      Danke. Ich hatte mich lange gefragt, wie ich eine ähnliche Kritik formulieren soll, Ihnen ist es perfekt gelungen. Genau da liegt "der Hase im Pfeffer".

  • Danke! Ägypten hat FGM/C vor Jahren verboten, es war dort bis dahin kulturelle Praxis sowohl unter Christen wie Muslimen. Alle Ägypter*innen, die ich kenne (und es sind viele), sind auf diese Entscheidung zum Schutz der Mädchen und Frauen quasi stolz - niemand möchte zur Beschneidung zurück.



    FGM/C und die Bedrohung davon sind geschlechtsspez. Flucht- und Schutzgründe für z.B. Frauen aus Somalia. Anekdotische Evidenz aus der Asylverfahrensberatung: Nicht EINE Somalierin, die FGM/C befürwortete, dafür viel Erleichterung, wenn nach Anerkennung endlich Facharztbesuche und damit auch plastische Chirurgie möglich wurden, um endlich von Dauerschmerz und Beeinträchtigung befreit zu werden.

    Dass Frauen im globalen Norden sich aus eigenem Antrieb auch chirurgisch an Male Gaze-Normen anpassen, unter entsprechenden hygienischen Bedingungen - nun, weitgehend freie Entscheidung, im Gegensatz zu FGM/C bon Minderjährigen unter immensem sozialem Druck der umgebenden Gesellschaft.

  • Könnt Ihr diese Debatte bitte schließen? Schaut mal weiter unten herein - ich finde das alles unerträglich und pervers. Es gibt keinerlei Rechtfertigung für Genitalverstümmelung, es gibt auch keine "Vergleichbarkeit". Das Ganze ist einfach nur ein barbarischer patriarchal geprägter, frauen- und kinderfeindlicher Akt.

    • @ja wirklich?:

      und genau deshalb ist die Debatte mit Kritik an dem Beitrag ja wichtig.

  • Rein methodisch gäbe es wohl bessere Möglichkeiten über Genitalverstümmelungen zu diskutieren.

    Hier wird der Inhalt eines wissenschaftlichen Artikels kritisiert und mit eigenen Aspekten bedacht. Den Autorinnen des Artikels wird aber keine Gelegenheit gegeben sich zu äußern, wie es in einer wissenschaftlichen Diskussion üblich ist. Die Vorwürfe von mangelnden Hinterfragungen oder gar Unterschlagungen könnten auch zu kurz greifen, da der Ursprungsartikel vielleicht gar nicht alles abdecken wollte. Wenn er wirklich so mangelhaft ist, wie hier dargestellt, sollte man vielleicht den Editoren einen Rückzug des Artikels vorschlagen.

  • Ja, die FGM speziell in ihren radikalsten Formen, ist ein Übel, das Millionen von Mädchen und Frauen Qualen und gesundheitliche Probleme bereitet. Hier ist Aufklärung durch Betroffene und gerade auch ehemalige "Beschneiderinnen" in ihren Gesellschaften wichtig. Aber auch die sozioökonomischen Verhältnisse tragen ihren Teil zur Aufrechterhaltung dieser Tradition bei. Wir hier können uns darüber aufregen, auch darüber, dass es auch in unserer Gesellschaft immer wieder Rechtfertigungen dieser Praxis gibt. Aber die Lösungen müssen sich in den Gesellschaften selbst entwickeln. Es gibt übrigens auch weniger radikale Eingriffe, nur mit Entfernung der Klitorisvorhaut. Sind die eventuell mit der Entfernung der Penisvorhaut bei Jungen vergleichbar?

    • @Volker Scheunert:

      Ich würde sagen nein.

      Die Klitoris ist von der Anzahl der Nervenenden her deutlich empfindlicher als die Eichel.

      Vergleichbarer wäre es, aber im Endeffekt immer noch schwerwiegender.

      Frauen leiden auch ohne unnötige Eingriffe bereits unter dem Orgasmusgap. Eine weitere Beeinträchtigung des Lustempfindens würde ich als doppelte Bestrafung werten. Bei Männern hingehen könnte man es, wenn man zynisch sein will als "Ausgleichen" bezeichnen.

  • Der diskutierte Artikel ist eigentlich eigentlich konsequent zu Ende gedachter (Werte-) Relativismus.



    Und dennoch dreht sich mir beim Überfliegen dessen der Magen um. Da weiß man gar nicht, wo man beim Zerlegen der wirren Argumentationsakrobatik der Autoren anfangen und aufhören soll... Mögen diejenigen, denen FGM angetan wurde, dieser Artikel erspart bleiben. Wo sind eigentlich die Triggerwarnungen am Anfang der Originalartikels?

    • @Luftfahrer:

      Liebe/r Luftfahrer, wenn man/frau über Genitalverstümmelung schreibt, warum sollte eine Triggerwarnung kommen, das wäre so als müsste bei einem Bericht mit dem Wort Vergewaltigung in der Überschrift eine Warnung kommen, dass über Vergewaltigung geschrieben wird.

    • @Luftfahrer:

      Autorinnen. Es sind fast nur Frauen, die den Artikel verfasst haben. Die 1,2 Männer die mit dabei sind dürfen sich getrost mit gemeint verstehen.

    • @Luftfahrer:

      Der Artikel ist gut und notwendig.

      Nimmt nur zu viel Rücksicht auf die Befindlichkeit von woken Postkulturalisten, deren Wertehierarchien diverse kulturelle Bräuche höher einstuft als die wahnsinnigen Leiden von 250 Millionen Mädchen und Frauen.

  • Ein weiteres, „schönes“ Beispiel für einen intellektuellen Offenbarungseid aufgrund ideologischer Verblendung. Nur weil etwas aus dem globalen Süden kommt bzw. dort eine lange Tradition hat, ist es noch lange nicht gut. Aber leider gibt es die Tendenz in bestimmten Kreisen Dinge nicht danach zu bewerten was sie sind, sondern danach wer es tut oder sagt. Das ist so unsäglich dämlich und ganz das Gegenteil von progressiv. Ein Missstand ist ein Missstand, Punkt. Grade wenn ich gegen Rassismus bin, sprich dagegen Menschen nach Herkunft oder Hautfarbe zu beurteilen, sollte ich tunlichst nicht diese Merkmale heranziehen um eine Sache zu beurteilen.

  • Aufhebung der universalen Menschenrechte zugunsten eines dekolonial begründeten Kulturrelativismus - wie vollkommen verbohrt und blind kann man denn sein? Und das soll ein wissenschaftliches Papier sein? Da bleibt einem einfach nur noch die Spucke weg angesichts solcher Ignoranz.

    • @Klabauta:

      Vollste Zustimmung 👍🏻



      Nur Aufklärung ist hilfreich, wozu die Verbreitung der Information dient.

      "24.10.2025



      „Training for Trainers“ – Fortbildung für Community ExpertInnen und Community LeaderInnen im Rahmen des Projekts SAFE"



      Bei frauenrechte.de

      • @Martin Rees:

        "Nur Aufklärung ist hilfreich..."



        Ich will nicht wissen, wie die Aufklärung hier bei uns in einigen Jahren aussehen wird.

        • @Erfahrungssammler:

          Deutschsprach. Möglichkeiten



          Schweiz:



          www.maedchenbeschn...er-und-broschueren



          /



          Österreich:



          unicef.at/informie.../kinderschutz/fgm/



          /



          Deutschland:



          www.bmbfsfj.bund.d...stuemmelung-179280



          Gibt's in allen Sprachen, dank Übersetzungsprogrammen.



          Es wird auch über Frauen gehen müssen, die informieren über die verschiedenen Prozeduren, Morbidität u. !Mortalität.



          Die Landesärztekammer Hessen ging schon einen Schritt weiter:



          "Weibliche Genitalverstümmelung: Informationsvideos für medizinische Berufe



          Mehr als 100.000 Mädchen und Frauen sind in Deutschland dem Verein SAIDA International e. V. zufolge von Female genital mutilation (FGM) bedroht oder bereits betroffen. Die Fach- und Beratungsstelle hat sich den wirksamen Schutz von Mädchen vor Genitalverstümmelung zur Aufgabe gemacht. Denn immer mehr Menschen, in deren Kultur diese schwere Form der geschlechtsspezifischen Gewalt tradiert wird, leben laut SAIDA International in Deutschland. Deshalb müssten auch Ärztinnen und Ärzte hierzulande damit rechnen, dass sich eine betroffene oder gefährdete Pat..."



          Laekh.de

  • Nicht mal ansatzweise ist da ein Vergleich erkennbar! Vorab schon mal sorry, aber für Nachvollziehbarkeit muss Aufklärung her: FGM im schlechtesten Fall ist die totale Amputation der kompletten Vulva, unter Verbleib einer zurückgelassenen Naht & einem Toilettengang der ½ Stunde dauern kann. Denn neben der genannten Intention, dass „patriarchale Kulturen rund um den Globus den Zugriff auf das weibliche Genital beanspruchen.“ sind vorherrschend für derartig bestialische Praktiken die ebenfalls patriarchal & religiös geprägten Ansichten, dass Frau keine Lust empfinden darf. Da also das Lustzentrum der Frau neben der Klitoris auch die Labien umfasst, muss alles weg. Im besten Falle kommt also nach der Eheschließung besagte „Alte“ vorbei & öffnet die Naht vor dem Verkehr, im schlechtesten Fall… genug der Anschaulichkeit. Dennoch in aller Deutlichkeit: FGM ist ein Tortour, während sie ausgeübt wird, & – wenn das Mädchen das überlebt – für Mio Frauen eine lebenslange hygienische & schmerzhafte Qual. Daher hinkt auch der Vergleich mit männlicher Genitalbeschneidung, bis auf den Vorhautverlust bleibt der Mann intakt & lustempfänglich. FGM SOLL das Gegenteil davon bewirken!

    • @Lou Andreas-Salomé:

      Volle Zustimmung, Salomé, und Sie haben es noch milde ausgedrückt.

      Sehr gut der Satz: " . . . ebenfalls patriarchal & religiös geprägten Ansichten, dass Frau keine Lust empfinden darf."

      Nicht nur das, die Männer haben Angst vor der Sexualität der Frau. Einmal kurz kommen, Game over. Das ist nichts zur Fähigkeit der Frauen zu multiplen Orgasmen.

      Es geht um Kontrolle.

      Man sollte das immer wieder betonen. Und sehr, sehr klar machen.

    • @Lou Andreas-Salomé:

      Ich stimme Ihnen völlig zu und möchte hinzufügen, dass selbst die "harmloseste" praktizierte Form von FGM (die Entfernung nur der Klitoris) quasi mit der Amputation eines Großteils der Eichel beim Mann vergleichbar wäre. Das sind einfach völlig verschiedene Größenordnungen.

    • @Lou Andreas-Salomé:

      "Da der Text von Ex­per­t*in­nen stammt, sollten seine Argumente aber ernst genommen werden." schreibt Tina Hartmann explizit und es lohnt sich tatsächlich eine Analyse der verlinkten, frei zugänglichen Studie.

      • @Matt*Rix:

        Erzeuge ich den Eindruck, mir wäre das Thema nicht ernst? Wie das? 😯

        • @Lou Andreas-Salomé:

          Da du auf das Paper keinerlei Bezug nimmst, erzeugst du den Eindruck, dass du den Rat, die Argumente ernst zu nehmen, nicht befolgt hast.

          Darauf habe ich hingewiesen.

          Auch nutzt du in deiner weiteren Argumentation den Vergleich, das jede Form von 'FGM' damit vergleichbar sei, den kompletten Penis zu entfernen, was nicht der Realität entspricht.

          • @Matt*Rix:

            Welches Papier, sorry, aber ich kann Ihnen noch immer nicht folgen… aber scheinbar fehlt nicht mir der nötige Ernst in Anbetracht Ihrer regen Unkenntnis:

            „. Auch nutzt du in deiner weiteren Argumentation den Vergleich, das jede Form von 'FGM' damit vergleichbar sei, den kompletten Penis zu entfernen, was nicht der Realität entspricht.“

            Leider doch, da stimmen andere Foristen hier überein, offenbar fehlt auch Ihnen gründliches Fachwissen daher bitte erstmal informieren, bevor Sie halbseidenes bis gar kein Wissen verbreiten:

            „… dass die Frauenbeschneidung weit schwerer wiegende Folgen hat als die männliche Beschneidung und auch anatomisch gesehen nicht mit ihr vergleichbar ist (Stöckli, 2007, S. 475). Nach Stöckli (2007, S. 475) wäre das anatomische Äquivalent beim Mann eine teilweise oder komplette Amputation des Penis.“

            unipub.uni-graz.at...nload/pdf/10133918

    • @Lou Andreas-Salomé:

      "Daher hinkt auch der Vergleich mit männlicher Genitalbeschneidung, bis auf den Vorhautverlust bleibt der Mann intakt & lustempfänglich."

      Das Lustempfinden ist beim Mann eingeschraenkt und selbst in Deutschland kommen Komplikation bis hin zur Amputation vor.



      Entweder Kinder haben das Recht, nicht aus kulturellen und religioesen Gruenden am Genital verstuemmelt zu werden oder nicht. Solang Kinder dieses Recht in Deutschland nicht haben, solang sollten wir dieses Recht auch nicht von anderen einfordern oder andere verurteilen, weil sie das leben was wir erlauben.

      • @elektrozwerg:

        Es gibt einen Unterschied zwischen Beschneidung und Verstümmelung. In einer gesunden Debatte auf Augenhöhe verschließt man sich nicht vor Tatsachen, um mit einseitigen Meinungen und alternativen Fakten den Diskurs zu verschieben. So viel Respekt sollte man dem Gegenüber entgegenbringen wenn man einen aufrechten Dialog zu führen bereit ist.

    • @Lou Andreas-Salomé:

      1.) Auch Jungen sterben bei der Beschneidung: www.deutschlandfun...gestorben-100.html

      2.) Die Vorhaut ist eine extrem erogene Zone mit extrem hoher Nervendichte. Ein Satz wie "bis auf den Vorhautverlust bleibt der Mann intakt" ist bestenfalls übel zynisch.

      3.) Es gibt auch Beschneidungen bei Frauen, bei denen kein Gewebe entfernt wird ("Milde Sunna"), und die dennoch im europäischen Konsens verboten sind (m.E. richtigerweise). Insofern ist die Verharmlosung der Jungenbeschneidung hier vor allem auf vermutlich auf fehlendem Wissen basierend.

      4.) Es gibt eine einfache ethische Regel, auf die man sich einigen könnte: Man schneidet an den Genitalien von Kindern niemals aus nicht-medizinischen Gründen herum.

      5.) Wir haben das Gegenteil davon in Deutschland in Gesetzeform, ethisch eine ganz furchtbare Geschichte.

      • @Detlev Beutner:

        „Insofern ist die Verharmlosung der Jungenbeschneidung hier vor allem auf vermutlich auf fehlendem Wissen basierend.“

        Selbst Mann nehme ich beschämt den Vorwurf angeblicher Dummheit zur Kenntnis und kann nur raten, dass du dich selber mal informierst. Dein Link spricht von 41 verstorbenen Jungen bei der klassischen Beschneidung, also nur der Entfernung der Vorhaut. Gestorben sind die Kinder eher wegen mangelnder Sauberkeit. Der Artikel befasst sich aber mit der totalen Verstümmelung weiblicher Geschlechtsorgane, betroffen sind 230 Millionen Frauen, in der Regel sterben 25% an diesem Eingriff, das wären dann nach Adam Riese 76,7 Millionen Mädchen, die diesen Eingriff nicht überlebt haben. Prinzipiell sollte niemand derartige Erfahrungen machen, aber du ignorierst bei deinem Vorwurf eine strukturelle und qualvolle Folter, die keine medizinischen oder gesundheitlichen Ursachen oder Gründe hat, sondern absichtsvoll als lebenslange Qual für die Frau durchgeführt wird. Wir werden uns hoffentlich einig sein, dass das nicht die Intention bei männlicher Beschneidung ist.

        www.unicef.de/info...ltfrauentag/350744

        • @PeterS:

          „…in der Regel sterben 25% an diesem Eingriff, das wären dann nach Adam Riese 76,7 Millionen Mädchen, die diesen Eingriff nicht überlebt haben.…“



          Das wäre ja grauenhaft, 25 % sterben an FMG ….76,7 Millionen Mädchen“.



          Haben Sie dafür (25% sterben) eine zuverlässige Datenquelle, zumindest die Quelle die Sie verwenden ?

          • @RotEiche:

            „Haben Sie dafür (25% sterben) eine zuverlässige Datenquelle,“ diese Information (Link) hatte ich hier gelesen. Bitte die anderen Kommentare sichten.

      • @Detlev Beutner:

        Der zweite, der aufgrund von Einzelschicksalen das Leid Millionen anderer bagatellisiert, dabei noch das Gegenüber als zynisch und unwissend diffamiert. Sorry, aber ich debattiere auf dem Niveau äußerst ungern, empfehle aber dringend Bildung, daher Links anbei. Zum Verständnis vorab: Würde man beim einem Mann die Genitalverstümmelung durchführen wie bei einer Frau, würde man ihm den kompletten Penis entfernen! Jetzt begriffen??? Der Mann bleibt intakt und lustempfänglich, deswegen ja auch „nur“ Beschneidung und nicht Verstümmelung!

        www.kutairi.de/wp-...Christoph-Zerm.pdf

        frauenrechte.de/un...risiken-und-folgen

        www.caritas.de/neu...betroffener-frauen

        • @Lou Andreas-Salomé:

          Ohne das Thema verharmlosen zu wollen - nicht bei allen betroffenen Mädchen/Frauen wird die komplette Vulva entfernt. Es gibt drei Grade der Verstümmelung - der erste ist die Entfernung/Verkleinerung der inneren Lippen (also rein technisch mit den heutigen, selbstbestimmten OPs vergleichbar). Komplette Vulva ab ist der dritte Grad und betrifft die wenigsten der betroffenen Frauen - was es natürlich nicht besser macht. Es bleibt in jedem Fall ein unverzeihliches Verbrechen.

          Ich sehe den Unterschied zwischen männlicher Beschneidung bei nicht volljährigen Jungen und weiblicher Beschneidung (des ersten Grades) bei nicht volljährigen Mädchen aber auch nicht. Es ist beides gleichermaßen ein Verbrechen, und dabei ist es unerheblich, daß die Lustfähigkeit in beiden Fällen erhalten bleibt.

          FGM zweiten und dritten Grades ist so unvorstellbar schrecklich, daß ich allen Beteiligten (auch den Eltern), entgegen meiner Überzeugung, die Todesstrafe wünschen würde.

        • @Lou Andreas-Salomé:

          Kritik an männlicher Beschneidung gibt es seit der Antike und sie war immer antisemitisch. Die Praktiken der männlichen und weiblichen Beschneidung sind überhaupt nicht vergleichbar.

          • @Günter Picart:

            Bei den Moslems ist die männliche Genitalverstümmelung genauso verbreitet.

            Und in der heutigen Zeit hat die Kritik an diesen Verstümmelungen nichts (mehr) mit der Rivalität zwischen irgendwelchen Religionsgruppen zu tun, sondern ganz profan mit dem Recht aller Menschen auf körperliche Unversehrtheit.

            Und die männliche Beschneidung ist mit der weiblichen Beschneidung des ersten Grades sogar sehr gut vergleichbar. Es ist sogar exakt dasselbe. Über zweiten und dritten Grad brauchen wir nicht zu reden, da stimme ich Ihnen zu - u.U., da Sie die Antike erwähnt haben, könnte man die Eunuchen als Vergleich zum zweiten Grad heranziehen.

          • @Günter Picart:

            Das ist ein billiges „Argument“. Historisch mag dies der Fall sein, aber Stand jetzt sind die Hauptargumente gegen jede Art der Beschneidung das Recht auf körperliche Unversehrtheit, das Recht auf körperliche Selbstbestimmung und man könnte auch ein Argument bzgl. Religionsfreiheit machen, da sowohl die muslimische als die jüdische Beschneidungspraxis religiös begründet sind und nicht gesagt ist, dass der jeweilige beschnitte Säugling Teil der der Religionsgemeinschaft wird (Säuglinge haben schließlich sowieso keine Religion). Der Knackpunkt ist, ob wir sagen das elterliche Verfügungsrecht wiegt höher als diese drei Rechtsgüter des betroffenen Kindes. Genau das sagen wir aktuell nicht, daher ist Beschneidung auch nicht legal, wird aber ähnlich wie ein Schwangerschaftsabbruch unter bestimmten Bedingungen nicht verfolgt. Das ist der „Kompromiss“. Auch eine männliche Beschneidung beeinträchtigt übrigens das Lustempfinden und hat neben den anderen möglichen Komplikationen somit faktische Schäden, über die der Betroffene nicht selbst entschieden hat. Das sollte man nicht bagatellisieren nur weil FGM meist noch brutaler ist.

            • @Maxime Musterfrau:

              Natürlich gehören auch Säuglinge zur Religionsgemeinschaft, wenn sie das nicht verstanden haben, ist das einer grundsätzliche Verständnislosigkeit gegenüber Religion geschuldet, da kann man nichts machen. Säuglinge können auch noch nicht sprechen, gehören aber trotzdem zur Sprachgemeinschaft ihrer Eltern. Sie beginnen schon vor der Geburt im Mutterleib, die Sprache zu erlernen. Ähnlich ist es mit Religion.

          • @Günter Picart:

            …und trotzdem muss keine von beiden sein, die männliche höchstens bei medizinischen Gründen! Jedoch nicht aus religiösen und/oder kulturellen bei minderjährigen Jungs bis zu einem Alter von mindestens 13 (=Bar Mitzwa) oder 14 Jahren (=Religionsmündigkeit).