piwik no script img
Hier starben 11 Angehörige der Familie Kilani: der Al-Salam Tower in Gaza-Stadt am 22. Juli 2014 Foto: Eloise Bollack/Zuma Press/imago

Der Fall KilaniErmittlung unter Freunden

Ein israelischer Militärschlag tötet 2014 eine deutsch-palästinensische Familie. Doch deutsche Ermittler zögern. Neue Daten zeigen mögliche Gründe auf.

E lf Jahre und sechs Monate ist es her, dass Ramsy Kilani das letzte Mal mit seinem Vater Ibrahim telefoniert. Er ruft damals aus dem westfälischen Siegen an. Sein Vater, ein in Deutschland ausgebildeter Architekt, telefonierte aus dem Gazastreifen. Es ist der Sommer 2014: Israel führt Krieg gegen die Hamas im Gazastreifen, und Ibrahim Kilani flieht mit seiner Familie vor den Bomben in ein Bürogebäude in Gaza-Stadt.

Einen Tag nach dem Telefonat ist Ibrahim Kilani tot. Und mit ihm seine Ehefrau, ihre fünf gemeinsamen Kinder sowie vier Geschwister der Frau. Getötet bei einem israelischen Luftangriff auf das Bürogebäude.

Der gewaltsame Tod der Familie wird sowohl die deutsche als auch die israelische Justiz über Jahre beschäftigen. Denn Ibrahim Kilani und seine Kinder waren deutsche Staatsbürger. Sobald deutsche Ermittlungsbehörden Kenntnis von einer mutmaßlich schweren Straftat gegen die eigenen Staatsbürger erhalten, auch im Ausland, sind sie verpflichtet, sich den Fall anzusehen. Die Generalanwaltschaft des Bundes beginnt mit Vorermittlungen. Doch ein offizielles Ermittlungsverfahren wird nie eröffnet.

Neue Daten aufgetaucht

Ramsy Kilani, Sohn und Halbbruder der Opfer, verlangt Aufklärung. Und stellt deshalb mithilfe des European Center for Constitutional and Human Rights (ECCHR) im Jahr 2014 einen Strafantrag. Die Tötung seiner Familie soll nach dem Völkerstrafgesetzbuch geprüft werden.

Recherchefonds Ausland e.V.

Dieser Artikel wurde möglich durch die finanzielle Unterstützung des Recherchefonds Ausland e.V. Sie können den Recherchefonds durch eine Spende oder Mitgliedschaft fördern.

➡ Erfahren Sie hier mehr dazu

Über den Fall – vor allem aber über die juristische Aufarbeitung und deren Grenzen – hat die taz bereits 2022 ausführlich berichtet: Damals gab der Generalbundesanwalt die Beendigung der Vorermittlungen bekannt. Eine abschließende Feststellung, ob ein Kriegsverbrechen begangen wurde, sei nicht möglich, weil die Beweise nicht zu erbringen seien, hieß es damals zum Tod der deutsch-palästinensischen Familie.

Doch nun sind Mails aus dem isrealischen Justizministerium aufgetaucht, die ein komplexeres Bild zeichnen. Es ist ein gewaltiges Leak interner Dokumente, vermutlich hat eine der Islamischen Republik Iran nahestehende Hackergruppe die Papiere erbeutet. 245 Gigabyte Daten landeten bei der gemeinnützigen Whistleblower-Organisationen Distributed Denial of Secrets – dort sind über zwei Millionen E-Mails, Bilder, Dokumente und weitere Dateien abrufbar.

Das Schlagwort „Kilani“ taucht darin Hunderte Male auf, auf Deutsch und Hebräisch: in internen Protokollen, Entwürfen für offizielle Schreiben und Korrespondenzen mit deutschen Behörden.

Ziemlich beste Freunde

Aus den geleakten Unterlagen geht hervor: Der Fall Kilani band im israelischen Justizministerium erhebliche Ressourcen – und wurde als Chance betrachtet. Um zu zeigen, dass das eigene Rechtssystem funktioniert und Ermittlungen in Fällen mutmaßlicher israelischer Kriegsverbrechen durch Drittstaaten oder durch internationale Gerichte nicht nötig seien.

So wurde in einem internen Dokument, das sich in den Leaks befindet, auf „den hohen zusätzlichen Nutzen“ einer eigenen Untersuchung im Fall Kilani verwiesen, „wenn es darum geht, dass der Staat mit Versuchen umgeht, ihn vor verschiedenen Gerichten im Ausland anzufechten“.

Darüber hinaus zeichnen die Dokumente ein Bild enger und freundschaftlicher Kontakte zwischen der Generalbundesanwaltschaft und dem israelischen Justizministerium.

Doch von vorne: Im Sommer 2014 herrscht im Gazastreifen wieder einmal Krieg zwischen Israel und der Hamas, die 2007 die Kontrolle über den gesamten Küstenstreifen mit Gewalt übernommen hatte. Die Familie Kilani flüchtet vor den Gefechten aus ihrer Heimatstadt in das Büro eines Verwandten in Gaza-Stadt. Am Abend des 21. Juli 2014 befindet sich in der darunterliegenden Etage im selben Gebäude Shaban Dahdoh, ein ranghoher Kommandant der Iran-nahen Miliz Palästinensicher Islamischer Dschihad. Ihm galt der Angriff.

Vorsichtige Vorermittlungen

Doch mit ihm wurden elf Angehörige der Familie ausgelöscht. Zwei Kinder aus Ibrahim Kilanis erster Ehe, Ramsy und seine Schwester, bleiben in Deutschland als Halbwaisen zurück.

Schon kurz nach dem Angriff gibt es erste Medienberichte, die besagen: auch Deutsche sind unter den Opfern. Am 22. Juli 2014, dem Tag nach dem Angriff, legt die Generalbundesanwaltschaft einen sogenannten Beobachtungsvorgang an. Die Vorermittlungen haben damit begonnen. Und sie dauern. Im August 2015 schickt sie einen Fragenkatalog Richtung Israel. Und betont: Darauf zu antworten, sei freiwillig.

Das Konzept der „Vorermittlungen“, das die Generalbundesanwaltschaft dabei nutzt, ergibt sich gar nicht aus dem Gesetz, sagt Kai Ambos, Professor an der Universität Göttingen. Eigentlich ist der Ermittlungsablauf so: Liegt ein Anfangsverdacht auf eine Straftat vor, folgt daraus eine Verfolgungspflicht. Dann wird durch Ermittlungen ein möglicher Tatverdächtiger konkretisiert.

Ein formelles Ermittlungsverfahren hat Vorteile im Vergleich zu den inoffiziellen Vorermittlungen, erklärt Andreas Schüller. Der Rechtsanwalt betreute den Fall beim ECCHR. Er sagt: Man könne dann nicht nur ein Rechtshilfeersuchen an den Staat, aus dem die mutmaßlichen Täter stammen, richten und darin um Beweismittel bitten, sondern auch Zeuginnen und Zeugen, Expertinnen und Experten befragen, ohne dass Israel zustimmen muss. Prozessrechtlich haben die Geschädigten in einem offiziellen Ermittlungsverfahren zudem mehr Rechte als bei Vorermittlungen.

Ramsy Kilani bei einer Demonstration in Berlin 2015 Foto: Dror Dayan und Anne Paq

Tausende zivile Opfer

Der Begriff der Vorermittlungen ermöglicht es, ohne das große Besteck auszupacken, erst einmal zu ergründen: Liegt überhaupt ein Anfangsverdacht vor? Sprich: Haben israelische Soldaten bei dem Angriff, der die Familie Kilani tötete, gegen das Völkerrecht verstoßen?

Das klingt fast absurd – sind doch elf Zivilisten durch Gewalt ums Leben gekommen. Gewalt in Form einer Rakete. Ein Video, aufgenommen kurz nach dem Einschlag, zeigt die zerrissenen Körper der Kinder, grau vom Staub der zerstörten Wände. Nach Angaben der Vereinten Nationen starben im Krieg zwischen der Hamas und Israel 2014 insgesamt etwa 2.250 Palästinenserinnen und Palästinenser. Bei fast 1.500 von ihnen geht die UN davon aus, dass sie Zivilistinnen und Zivilisten waren. Auf israelischer Seite sterben 5 Zivilisten und etwa 65 Soldaten.

Doch Recht ist kompliziert, gerade im Krieg. Zwar soll das Völkerrecht Unbeteiligte schützen. Doch ihr Tod ist in einem Krieg nicht per se ein Verstoß dagegen. Etwa wenn der Angreifer erklärt, alles Mögliche getan zu haben, um die Zivilbevölkerung zu schützen. Und sich das Gegenteil, also eine Vernachlässigung dieser Sorgfaltspflicht, nicht hinreichend belegen lässt. 


Ob das der Fall ist, will auch die Generalbundesanwaltschaft ermitteln. Darauf zielt der an Israel gesandte Fragenkatalog ab, der im Leak zu finden ist. Er fragt etwa, ob es Alternativen zu den eingesetzten Waffen gab, die einen wirksameren Schutz der Zivilbevölkerung gewährleistet hätten. Oder welche Informationen dem Militär vor oder während des Angriffs auf das Gebäude hinsichtlich der Anwesenheit von Zivilisten zur Verfügung standen.

Keine Hinweise auf Fehlverhalten

Das israelische Militär selbst ist verpflichtet, jedem „außergewöhnlichen Vorfall“ während eines Einsatzes nachzugehen. Der sogenannte Fact-Finding-Mechanism funktioniert so: Das Militär trägt Fakten zum Fall zusammen, dann entscheidet der Militärgeneralanwalt, ob eine offizielle Ermittlung oder ein Verfahren gegen Soldaten eröffnet wird.

Im Fall Kilani wird die Eröffnung eines Verfahrens von dieser Stelle im Militär abgelehnt. Der Tod der Familie sei „bedauerlich“ – aber es gebe keine Hinweise auf kriminelles Fehlverhalten seitens des Militärs, so der Militärgeneralanwalt. Die Argumentation: Das Militär habe nicht wissen können, dass sich in dem Bürogebäude abends Zivilisten aufhielten.

Die deutschen Pässe der Familie Kilani Foto: Dror Dayan und Anne Paq

Das ECCHR zweifelte das später an: So habe der für das Bürogebäude verantwortliche Sicherheitsmann gegenüber einer mit dem ECCHR zusammenarbeitenden Nichtregierungsorganisation ausgesagt, dass die Familie mit einer Matratze und anderen persönlichen Gegenständen eingezogen sei. Sie habe außerdem mehrfach das Gebäude betreten und wieder verlassen.

In den geleakten Nachrichten aus dem Justizministerium findet sich eine E-Mail von Ende 2016. Adressat ist Roy Schöndorf, damals der stellvertretende Generalstaatsanwalt Israels und zuständig für internationales Recht. Es geht um ein Protokoll einer Sitzung mit Vertretern des Justizministeriums, des Außenministeriums, des Büros des Premierministers und des Militärgeneralanwalts, in der über den Kilani-Fall gesprochen wurde.

Israels Justiz lobt sich selbst

Laut dem Protokoll wurde dabei eine Strategie für die Behandlung des Falls erörtert. So sei „Roy der Meinung, dass dieser Fall eine hervorragende Gelegenheit für uns ist“, den eigenen Umgang mit solchen Fällen in ein „positives Licht“ zu rücken. Auch im Gespräch mit der taz heute bestätigt er: Der Fall sei eine Möglichkeit gewesen, die Arbeit der israelischen Justiz zu zeigen. Und betont: „Ich bin stolz auf unsere Arbeit und denke, es war eine gründliche Untersuchung.“

Im Völkerrecht gilt das sogenannte Subsidiaritätsprinzip: Wenn ein vermeintliches Kriegsverbrechen vorliegt, haben der Staat, in dem der Angriff stattfand, oder der Staat der mutmaßlichen Täter Vorrang bei den Ermittlungen. Ein Drittstaat muss zwar ermitteln, ob ein Verbrechen vorliegen könnte. Er muss aber sein eigenes Verfahren nicht fortführen, wenn in den betreffenden Staaten bereits Ermittlungen durchgeführt werden.

Als die taz zuletzt mit Roy Schöndorf zu dem Fall sprach, im Jahr 2022, hatte er gerade seine Position im Justizministerium verlassen. Die Geschichte der Kilanis kenne er gut, erklärte er damals: „Ich habe viel Zeit mit dem Fall verbracht.“ Wie viel Zeit es gewesen sein muss, wird aus den Leaks noch mal deutlich.

Ich bin stolz auf unsere Arbeit und denke, es war eine gründliche Untersuchung

Roy Schöndorf, damals Vize- Generalstaatsanwalt Israels gegenüber der taz

Aus den Mails geht weiter hervor, dass ein Treffen mit einer Delegation der deutschen Generalstaatsanwaltschaft stattfinden soll. Im März 2017 ist es so weit. Das Ziel, so steht es in einer zuvor versendeten Mail: „Bei diesem Treffen wollen wir eine Einigung mit den deutschen Behörden erzielen, um ihnen dabei zu helfen, den Fall abzuschließen. Wir hoffen auch, dass diese Entscheidung […] mit einer positiven Stellungnahme zu den israelischen Ermittlungsmechanismen einhergeht.“

Danke für das schöne Dinner

Aus den E-Mails geht hervor: Man will den Besuchern zeigen, wie gut man selbst zu ermitteln weiß. Und ihnen einen möglichst angenehmen Aufenthalt bereiten, etwa mit einem Besuch in einem luxuriösen Restaurant in Jerusalem.

Bei dem Treffen darf die deutsche Delegation, bestehend unter anderem aus zwei Mitarbeitern der Generalbundesanwaltschaft, Ergebnisse der Untersuchung des Militärgeneralstaatsanwaltes einsehen, auch solche, die nicht öffentlich gemacht wurden. Ihnen wird die „faktische und rechtliche Basis“ der Vorgänge erklärt. Notizen dürfen sie aber nicht machen.

Auf Anfrage der taz erklärt Roy Schöndorf heute: An Details des Treffens mit den Kollegen aus Deutschland könne er sich heute nicht mehr erinnern. Er betont aber: „Sie haben viele Informationen von uns erhalten. Wir haben noch nie so viel mit einem anderen Staat geteilt.“

Aus den E-Mails lässt sich schließen: Das Treffen zum Fall der getöteten Kilani-Familie wurde wohl als erfolgreich betrachtet. Der Ton zwischen israelischen und deutschen Teilnehmern ist in weiteren geleakten Mails sehr freundlich: „Ein fruchtbarer Dialog“, heißt es da etwa oder ein „erfreuliches Treffen“. Von deutscher Seite wird sich bedankt „für die herzliche Einladung zum schönen Dinner“.

Ein Anfangsverdacht von sieben Jahren

Dass Beamte zweier befreundeter Staaten einen freundlichen Umgang miteinander pflegen, ist an sich nicht ungewöhnlich. Doch im Kontext des Falls blickt Rechtsanwalt Andreas Schüller darauf kritisch. Für das ECCHR betreute er den Fall der Familie Kilani, war dafür auch mit der Generalbundesanwaltschaft in Kontakt. Er sagt: Informationen zu sammeln, um festzustellen, ob ein Anfangsverdacht vorliegt, dauere normalerweise zwei bis drei Tage, vielleicht einige Wochen. Nicht aber sieben Jahre, wie im Fall Kilani.

Die Generalbundesanwaltschaft eröffnet zwar kein Ermittlungsverfahren, doch sie stellt die Vorermittlungen auch lange nicht ein, bis 2021. Das sorgt im Justizministerium in Israel für weitere Arbeit.

Im Herbst 2020 geht dort ein Brief der deutschen Staatsanwaltschaft ein. Darin werden teils Fragen aus dem Katalog von 2015 wiederholt, teils zusätzliche Fragen aufgeführt. In einer Mail zwischen Mitarbeitenden israelischer Ministerien steht dazu: „Wie du weißt, hatten wir im März 2017 einen intensiven Dialog hier in Jerusalem mit unseren deutschen Ansprechpartnern. Und wir dachten, das Thema liege schon hinter uns.“ 


Das Justizministerium beauftragt ein Rechtsgutachten einer in Deutschland ansässigen Anwaltskanzlei und fertigt ein eigenes Strategiepapier, in dem es den Fall noch mal durchgeht, an. Darin wird auch auf die verschiedenen Ermittlungsverfahren eingegangen, die in Deutschland möglich wären. Dabei werden auch Strukturermittlungsverfahren genannt. 


Die politische Komponente

Deutschland hätte ein solches eröffnen können, sagt Andreas Schüller vom ECCHR. Diese werden genutzt, wenn es wenig Informationen zu einem Fall gibt, aber ein krimineller Anfangsverdacht möglich ist. Ein solches hat Deutschland etwa im Ukrainekrieg angelegt – eine Woche nach Kriegsbeginn, sagt Schüller – oder auch für den Bürgerkrieg in Syrien.

Schüller sagt: Noch nie habe Deutschland ein solches Verfahren zu Israel angelegt. Nicht im Gazakrieg von 2014 und auch nicht in dem Krieg, der dem Hamas-Überfall vom 7. Oktober 2023 folgte. Dabei steht der Vorwurf des Genozids vonseiten Hilfsorganisationen wie auch der Vereinten Nationen im Raum, und der Internationale Strafgerichtshof hat Haftbefehle wegen Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit gegen Premier Benjamin Netanjahu und seinen Ex-Verteidigungsminister Joaw Gallant erlassen.

Warum ist das so? Schüller sagt: Es gebe eine Reihe von Faktoren. Zum Beispiel Ressourcen, und eine damit einhergehende Priorisierung von Fällen. Hinzu komme die politische Komponente „und die dürfte hier vermutlich ausschlaggebend sein“. Und betont: Gerade im Krieg in Gaza ab 2023 hätten solche Verfahren aber angelegt werden sollen.

Dann muss man eben formal ermitteln – ob der tatverdächtige Staat das will, oder nicht

Andreas Schüller von ECCHR

Zurück zum Kilani-Fall: Obwohl noch Ende 2020 ein weiterer Fragenkatalog an Israel gesendet wurde, geht im Jahr 2021 dann auf einmal alles ganz schnell: Es gibt ein Telefonat zwischen Roy Schöndorf und einem Mitarbeiter der Generalbundesanwaltschaft. Das geht aus den E-Mails hervor. Was darin besprochen wird, ist nicht bekannt.

Ein Satz für die Staatsanwaltschaft

Ein Hinweis ergibt sich aus den geleakten Mails. Dabei wird auf ein Telefonat Bezug genommen, in dem „sie Roy über ihre Bedürfnisse informierten“. Gemeint ist, so der weitere Kontext, die Staatsanwaltschaft. Demnach sei ein Satz, dass „wir der Staatsanwaltschaft keine weiteren Informationen zur Verfügung stellen können, unerlässlich, um ihm zu ermöglichen, ‚vom Baum herunterzukommen‘, sprich: die Ermittlungen einzustellen“. Und: „Anders als in anderen Ländern üblich, ist dieser Satz zusammen […] für den Abschluss der Ermittlungen unerlässlich.“

Roy Schöndorf sagt: An Details des Telefonats könne er sich nicht mehr erinnern. Doch er wolle betonen, dass die deutschen Staatsanwälte aus seiner Sicht „professionell gearbeitet und uns keinen Gefallen getan haben“.

Die Generalbundesanwaltschaft beendet kurz nach dem Telefonat ihre Vorermittlungen. Sie schreibt: Die „genaue Aufhellung der Faktenlage“ sei „unerlässlich in der zu prüfenden Situation“. Und die „vorhandenen Erkenntnisse lassen eine rechtliche Bewertung anhand der aufgezeigten Maßstäbe nicht zu“. Weitere Informationen seien nicht zu erlangen. Damit sei ein Verfahren wohl „aussichtslos“.

Auf Fragen zu den Leaks möchte die Generalbundesanwaltschaft nicht antworten. Das Jusitzministerium in Israel reagiert auf eine Anfrage der taz nicht.

Schüller sagt: Es sei normal, dass die betroffenen Staaten, in denen sich mögliche Täter aufhalten, diese Details nicht herausgeben wollen. „Dann muss man eben formal ermitteln – ob der tatverdächtige Staat das will, oder nicht.“ Rechtlich ist die Entscheidung der Generalbundesanwaltschaft zulässig. Doch Schüller sagt: „Job verfehlt.“ Man hätte mehr tun können.

Enttäuscht von Deutschland

Dass Deutschland mehr für die Aufklärung des Todes seines Vaters hätte tun können, hatte sich Ramsi Kilani schon gedacht. Die Enttäuschung, als er von dem Leak – und den darin ausgeführten engen Verbindungen – erfährt, ist ihm dennoch deutlich anzumerken.

Viel ist passiert seit dem letzten Artikel im Jahr 2022. In der Welt, aber auch im Leben von Ramsy Kilani und seiner Familie. In Deutschland: Als Aktivist wird er immer bekannter, organisiert Demos, spricht auf Veranstaltungen. Immer wieder verteidigt er dabei ein palästinensisches Recht auf bewaffneten Widerstand, auch seitens der Hamas. Deswegen wird er aus der Linkspartei ausgeschlossen.

Im Gazastreifen: Weitere Mitglieder seiner Familie sterben – die Cousine, die Frau eines Cousins. Die Familie verliert ihr Zuhause, leidet Hunger. Ob das Grab seines Vaters überhaupt noch existiert, wisse Kilani nicht, sagt er. Seine Heimatstadt Beit Lahia ist zu großen Teilen zerstört.

„Das Unrecht hält an“, sagt er, „für unsere Familie und für alle PalästinenserInnen.“

Transparenzhinweis: Der Co-Autor dieses Textes, Yossi Bartal, war 2022 für kurze Zeit beim European Center for Constitutional and Human Rights (ECCHR) tätig, das den Strafantrag von Ramsy Kilani unterstützt hat. An der juristischen Bearbeitung des Falls war er nicht beteiligt.

Gemeinsam für freie Presse

Als Genossenschaft gehören wir unseren Leser:innen. Und unser Journalismus ist nicht nur 100 % konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung. Unser nächstes Ziel: 50.000 – und mit Ihrer Beteiligung können wir es schaffen. Setzen Sie ein Zeichen für die taz und für die Zukunft unseres Journalismus. Mit nur 5,- Euro sind Sie dabei! Jetzt unterstützen

Mehr zum Thema

40 Kommentare

 / 
  • …..wenn man sich fragt, warum gelegentlich so wenig Stolz und Gemeinschaftssinn für Deutschland besteht, findet man hier die Antwort.:Warum sollte man positive Gefühle hegen für einen Staat, der seine Bürger nicht als das Schützenswerteste der Welt ansieht?

    • @Stout:

      .... und deshalb den Klimaschutz bekämpft, ein Tempolimit für unnötig hält obwohl es schlimme Unfälle reduziert, der gerne bestimmte Teile der Bevölkerung bevorzgt oder der es duldet, dass sehr schädliche Stoffe in Lebensmitteln und/oder Spielsachen weiter vervendet werden dürfen?

  • Ich meine, noch im Dezember 2023 oder Anfang 24 ist eine deutsche Familie (mit palestinensischen Wurzeln, waren zu Besuch) bei einem Bombenangriff in Gaza getötet worden. Ich habe seit der Meldung im taz-Nachrichtenticker nie mehr was davon gehört oder gelesen.

  • "Im Sommer 2014 herrscht im Gazastreifen wieder einmal Krieg zwischen Israel und der Hamas, die 2007 die Kontrolle über den gesamten Küstenstreifen mit Gewalt übernommen hatte.



    Die Familie Kilani flüchtet vor den Gefechten aus ihrer Heimatstadt in das Büro eines Verwandten in Gaza-Stadt. Am Abend des 21. Juli 2014 befindet sich in der darunterliegenden Etage im selben Gebäude Shaban Dahdoh, ein ranghoher Kommandant der Iran-nahen Miliz Palästinensicher Islamischer Dschihad. Ihm galt der Angriff."

    ...................

    Krieg ist Krieg, und wie immer war es die Hamas, die ihn gestartet hat. Und wie immer immer mischen sich Hamas und Islamischer Jihad unter die Bevölkerung um diese (hier die Familie Kilani) als Schutzschilde zu missbrauchen. Man sollte daher Ursache und Wirkung im Auge behalten.

    Im Juni/Juli 2014 waren etwa 200 Raketen aus Gaza auf israelisches Gebiet abgefeuert worden. Das entscheidende Motiv der Hamas für die Intensivierung des Raketenbeschusses war der Verlust an Einfluss und finanziellen Zuwendungen in den Jahren davor.

    Jede einzelne Rakete hatte das Ziel Menschen zu töten. Juden.

    Näheres unter:



    de.wikipedia.org/w...on_Protective_Edge

    • @shantivanille:

      Ich kann, ebenso wie Sie, den Wikipedia artikel nur empfehlen, besonders die englische Ausgabe. Nach BTselem und UNHCR wurden mehr als 2000 Palästinenser getötet, davon über zweidrittel Zivilisten, und ein Drittel der Zivilisten waren Kinder. Wieder wurden massiv Krankenhäusern angegriffen und doch soviel Punkte der Genfer Konventionen und Protokolle verletzt durch Israel. Aber wie Sie behaupten, Krieg ist Krieg, da lassen wir doch bitte Genf raus.

      • @Jo Lang:

        Der erste Verstoß gegen die Genfer Konvention ist es, dass man Krankenwagen und Ambulanzfahrzeuge und deren besonderen Schutz missbraucht, um damit die eigenen Kämpfer zu transportieren bzw. dort zu stationieren und Waffen dort zu lagern.

        • @Dr. McSchreck:

          Irgendwelche Belege dafür ? In den letzten 50 Monaten hat die IDF genügend Sanitäter getötet und sogar Krankenwagen verbuddelt. Ich frage mich ehrlich, wie ma auf solch einen Gedanken wie den Ihrigen kommen kann, ausser für Propaganda.

        • @Dr. McSchreck:

          Man kann ein Verbrechen nicht mit einem anderen rechtfertigen – und im Falle des NO-Konflikts ist eine solche Argumentation ohnehin sinnlos: Wo wollen Sie denn anfangen? Sie merken, dass man mit derselben Masche auch das Agieren von Hamas (die viel jünger ist als der NO-Konflikt) verteidigen könnte? Tatsache ist und bleibt, dass Israel in Gaza systematisch gegen internationales Recht verstößt – und das in einem Ausmaß, das vermutlich die Grenze zum Völkermord überschreitet. „Aber Hamas…“ ist als Antwort darauf einfach nicht genug.

          • @O.F.:

            Es ist aber kein Relativieren eines Verbrechens mit einem anderen Verbrechen, sondern die Hamas missbraucht den Schutz der Genfer Konvention, der für Krankenhäuser und Krankenwagen gilt - und daher muss Israel auch diese als potentielle Ziele ansehen.

            Es ist völlig klar, wer dafür die Verantwortung trägt.

            Und Belege gab es zuletzt ja genug, im Rahmen der Offensive nach dem 7. Oktober.

    • @shantivanille:

      Selbst wenn man sich auf ein so unterkomplexes Verständnis des NO-Konflikts einlassen möchte, ist die Floskel "Krieg ist eben Krieg" nicht nur unsäglich zynisch, sondern auch sachlich falsch - auch im Krieg gelten Regeln und werden diese gebrochen, ist das ein Kriegsverbrechen. Dass Israel sowohl in Kriegen als auch in "Normalzustand" der Besatzung systematisch gegen Völker- und Menschenrecht verstößt ist umfassend dokumentiert - auch von israelischen Menschenrechtsorganisationen. Wenn Ihnen dazu nicht mehr als "Pech gehabt" einfällt, Frage ich mich wirklich, was für ein Weltbild dahintersteckt - offenkundig keines, in denen Menschenleben der gleiche Wert zugeschrieben wird...

      • @O.F.:

        " . . . auch im Krieg gelten Regeln und werden diese gebrochen, ist das ein Kriegsverbrechen."

        Wer hat das eindrucksvoller demonstriert als die Hamas?

        Dazu Ferdinand von Schirach:

        "Wahrheit und Wirklichkeit"

        www.welt.de/debatt...-Wirklichkeit.html

        • @shantivanille:

          Und das legitimiert Kriegsverbrechen und andere Gewalt durch Israels Militär und Siedler:innen?

          Ich dachte eine der Kriegsparteien versteht sich als "Rechtsstaat".

          Die gezielte Unterdrücken, der fortschreitende Landraub, das Erschweren/Verhindern von Hilfslieferungen selbst nach dem Krieg, HUNDERTE Tote trotz "Waffenstillstand".

          Man könnte fast den Eindruck bekommen Israel fördere gezielt die Unterstützung der Hamas.

          An tatsächlichen Frieden ist man auf jeden Fall nicht interessiert.

        • @shantivanille:

          Dass Hamas ebenfalls Kriegsverbrechen begangen hat, schaft keinen gesetzlosen Raum, in den Israel (übrigens schon vor 2023 Besatzungsmacht) nach Belieben an den Palästinensern Rache nehmen kann. Die Gewalttaten der IDF sind nicht weniger gut dokumentiert als die von Hamas und überschreiten sogar nach Einschätzung israelischer Menschenrechtsorganisationen die Grenze zum Völkermord - wenn Ihnen dazu nicht mehr einfällt als Relativierungen, argumentieren Sie gar nicht so anders als diejenigen, die in dem von Ihnen verlinkten Artikel kritisiert werden, bloß mit vertauschten Rollen.

  • Ich befand mich damals zur gleichen Zeit in Gaza Stadt und bat die deutsche Botschaft in Israel darum, meine Familie und mich zu evakuieren. Ich habe mehrmals mit ihnen telefoniert, aber ohne Erfolg. Sie halfen mir als deutsche Staatsbürgerin damals nicht. Ich hatte nur Glück gleichzeitig Staatsbürgerin eines 2. Landes zu sein, dessen Botschaft uns evakuierte. Seit dem Tod der Familie Kilani stelle ich mir immer wieder die Frage, ob sie ebenfalls die deutsche Botschaft kontaktierten und ihnen ebenfalls die Hilfe verweigert wurde?

    • @Mel A:

      Haben Sie auch einen israelischen Pass?Dann darf der deutsche Staat nach dem Wiener Abkommen nur eingeschränkt und nur mit Zustimmung des Passstaates, in dem Sieg sich aufhalten, intervenieren. Es ärgert mich, wenn Doppelpässler sich immer bei Problemen erinnern, dass sie Deutsche sind und der deutsche Staat sich gefälligst ein Bein für sie ausreißen soll.

    • @Mel A:

      Es ist nicht das erste Mal, dass deutsche Botschaften beim Schutz ihrer Landsleute komplett versagen.



      Die Entführung und Folterung von Khaled El-Masri durch den CIA wurde auch im Nachhinein von der Staatsanwaltschaft nie restlos aufgeklärt, die Botschaft blieb damals komplett untätig.



      Nach dem Wechsel Erdogans zum Autoritarismus blieben Hilfsanfragen von Deutschtürken an die Botschaft regelmäßig unbeantwortet.



      In jüngster Zeit werden Deutsche regelmäßig in den USA über Wochen in Haft genommen, ohne dass die deutsche Botschaft irgendetwas unternimmt.



      www.zeit.de/politi...tscher-freilassung



      Die Lehre: Wenn man sich als Deutscher im Ausland schützen will, muss man Kontakt zu lokalen NGOs und Journalisten suchen. Wer sich auf das AA verlässt, der ist verlassen.

      • @hedele:

        Gerade Deutschtürken sind meistens Doppelpässler und die Deutsche Botschaft darf nach dem Wiener Abkommen in dem Passstaat, in dem sie sich gerade aufhalten, nur eingeschränkt und nur mit Zustimmung des Passstaates intervenieren. In der Türkei sind deutsch-türkische Doppelstaatler halt Türken und unterliegen türkischem Recht.

      • @hedele:

        Sorry, ich sehe gerade, dass Sie den Fall Sharmahd selbst weiter unten aufgeführt haben.

      • @hedele:

        Ich ergänze die Hinrichtung des Deutschiraners Jamshid Sharmahd. Auch hier hat das AA die Familie im Stich gelassen.

        • @Oma:

          Sharmad war Passdeutscher mit auch US-amerikanischem Pass, der Deutschland schon lange den Rücken gekehrt hatte und in den USA lebte. Aus Sicht des Iran hatte er auch noch die iranische Staatsbürgerschaft, was Sharmad wohl wusste. Warum appellierte man nicht an die US-Amerikaner, und warum haben die USA sich nicht für ihn eingesetzt?

  • Ich schäme mich für mein Land. In Sachen Israel und Kriegsverbrechen ist es kein Rechtsstaat, sondern ein Unrechtsstaat. Man hat leider nichts aus der Geschichte gelernt.

    • @Dorian Müller:

      Ich schäme mich auch für dieses Land.

      In den kriegswichtigsten Monaten zwischen Januar und September 24 lieferte Deutschland an die Ukraine für 7056 Millionen Euro Waffen. An die Arabischen Emirate für 145 Millionen, an Katar, die Kumpels der Hamas für 107 Millionen Euro.

      Israel bekam läppische 14 Millionen Euro. Hauptsächlich Nicht-Angriffswaffen. Was grade reicht um für ein paar Tage Raketen aus Iran, Libanon und Gaza abzuwehren. Und auch was danach genehmigt wurde ist in kriegsrelevanten Vergleichen ein elendes Pillepalle. Ein faktisches Waffenembargo. Und das von einem Land was vor 80 Jahren die Juden der ganzen Welt umbringen wollte. Und dann eine derart mickrige Hilfe an Israel, das um sein Überleben kämpft.

      • @shantivanille:

        Israel kämpft um sein Überleben ? Eine Atommacht, die jährlich Milliarden von den USA bekommen. Und was ist mit den wunderschönen Merkavapanzern, haben die nicht alle Motoren von Mercedes ?

    • @Dorian Müller:

      "Rechtsstaat" bedeutet nicht, als selbstverständlich vorauszusetzen, dass israelische Soldaten, denen ein Verbrechen vorgeworfen wird, auch eines begangen haben. Wenn Sie die im Artikel mitgeteilten Fakten zugrunde legen, ist durch nichts belegt, dass die an dem Angriff beteiligten Soldaten wussten, dass sich in dem Bürogebäude Zivilisten aufhielten. Das sind alles nur Mutmaßungen.

  • Wie schaffen wir es Antisemetismus und antisemitische Verschwörungsideologien zu bekämpfen, wenn Israel selbst durch seine Handlungen immer wieder Teile dieser Verschwörungsideologien bestätigt und durch seine völkerrechtswidrigen Militäroperationen den Hass auch rechtschaffender Menschen auf sich zieht? Sicher ist es Unrecht, wenn sich dieser Hass und die vielen Vorurteile gegen jüdisches Leben im Allgemeinen richten. Doch ist das kein Einzelphänomen. Der "kleine" Faschismus, von Einzelfällen auf ganze Bevölkerungsgruppen und Religionen zu schließen ist doch sehr verbreitet. Aber sicher klärt mich jemand gleich auf, daß ich antisemitischer bin, als ich dachte.

    • @So mal:

      Klar, die Juden pardon Israel sind selbst schuld am Antisemitismus.

    • @So mal:

      Welche Verschwörungsideologie hat Israel denn bestätigt? Es ist durch nichts belegt, dass die Soldaten, die den Angriff auf das Bürogebäude durchgeführt haben, wussten, dass sich darin Zivilisten befanden. Dass ein Sicherheitsmann, der dort gearbeitet hat, das wusste, besagt über das Wissen der Soldaten überhaupt nichts. Und der Gaza-Krieg 2014 wurde von der Hamas mit Raketenbeschuss auf die israelische Zivilbevölkerung angefangen. Dass Israel zurückgeschlagen hat, war nicht völkerrechtswidrig.

      Sehen Sie auch Vorurteile gegen Türken bestätigt, weil die türkischen Streitkräfte die Kurdengebiete in Syrien bombardiert haben (ohne dass die Türkei von dort angegriffen wurde)? Sehen Sie Vorurteile gegen Chinesen bestätigt wegen der vielen Hinrichtungen in China? Sehen Sie Vorurteile gegen Iraner bestätigt wegen des Mullah-Regimes? Wenn nicht, sind Sie dann antisemitischer, als Sie dachten? Das müssen Sie selbst beurteilen.

      • @Budzylein:

        Das ist ja Whataboutism vom Feinsten, geht aber an meinen Gedanken völlig vorbei. Natürlich können auch andere Länder durch ihre Handlungen Vorurteile bestätigen, die man gegen sie hat. Die von ihnen genannten Länder erwarten aber nicht, daß andere Staaten etwas gegen den Hass, der sich in den entsprechenden Bevölkerungen entwickelt, zu tun.



        Ich möchte mir auch kein Urteil darüber erlauben, ob die israelischen Soldaten in diesem Fall ein Kriegsverbrechen begangen haben. Es geht mir mehr um die Art und Weise, wie Israel kriegerische Handlungen durchführt und was die Berichterstattung über die Hintergründe aufdeckt. Da erfäht man dann, daß eine kriegerische Handlung, die wie eine spontane Reaktion Israels auf eine gegnerische Kriegshandlung wirkt, schon vor vielen Jahren vorgeplant wurde. Da werden frei erfundene 3D-Animationen verbreitet, um Angriffe auf Zivilisten zu rechtfertigen. Da wirken ausländische Vertreter, wie Herr Roy Schöndorf, wie israelische Staatsbedienstete, die im Interesse Israels handeln.

  • Das soll hier bei uns sich um einen Rechtsstaat handeln, wohlgemerkt das nennt sich hier nur so! Es gibt drei Abstufungen im Rechtsstaat bei uns, wenn es um eine Biodeutsche Familie geht, dann wären schon längst Ermittlungen eingeleitet worden weil der Aufschrei mitunter bei anderen Medien auch groß wäre, weil es hier aber nur um Passdeutsche geht ist das nicht mehr so relevant. Welchen Stellenwert bei uns Flüchtlinge besitzen darüber möchte ich lieber nicht erst anfangen zu reden. Einfach nur traurig was aus unseren so genannten Rechtsstaat geworden ist, war der schon immer so selektiv obwohl in unserer Verfassung steht das jeder vor dem Gesetzt gleich ist, nur das ich das nie so gesehen habe wie jetzt, weil es vielleicht nie so offensichtlich politisch gewollt und bewusst vorgeschoben dysfunktional war!

    • @taz.manien:

      Welche Belege haben Sie für die angebliche Benachteiligung von "Passdeutschen" ggü. "Biodeutschen"? Das sind haltlose Vorurteile mit denen sie Behördenmitarbeiter grundlos diskreditieren.

      Zwei objektive Aspekte könnten jedoch tatsächlich zu einer Andersbehandlung führen:

      1. Hatten die Betroffenen nur die deutsche Staatsbürgerschaft oder noch weitere? Es liegt auf der Hand, dass sollte jemand mehrere Staatsangehörigkeiten besitzen, die deutschen Behörden insbesondere AA, sich auch nur zur Hälfte zuständig fühlen, auch wenn das niemand zugeben wird.

      2. Gab und gibt es für den Gaza-Streifen eine Reisewarnung der höchsten Stufe. D.h. Deutsche sollten sich da gar nicht aufhalten, erst Recht nicht dort wohnen. Tun sie es trotzdem, wird eine gewisse "Selbst schuld"-Haltung der Behörden, die den Tatendrang dämpft, nicht zu vermeiden sein.

      Wie ich vorhin aber schon schrieb, würden die Behörden selbst bei biodeutschen Touristen, die in Israel umkommen nicht groß aktiv werden, da es keinen Mehrwert gegenüber den israelischen Ermittlungen bringen würde.

      • @ChristianAn:

        Ganz so haltlos sind die Vorwürfe nicht. Hätte Khaled El-Masri, der 2007 von der CIA entführt wurde, Werner Schmitz geheißen, dann wäre er wahrscheinlich spätestens nach 10 Tagen wieder auf freiem Fuß gewesen. Und bei der Tötung des Deuschen Jamshid Sharmahd durch das iranische Regime blieb die Bundesregierung in ihren Handlungen und Druckmitteln seltsam farblos. Man spürte keine persönliche Betroffenheit.

        • @hedele:

          Wäre Khaled El-Masri ein "alter weißer Mann" ohne Verbindung in die Ak

      • @ChristianAn:

        Wer die Pressekonferenz der Bundesregierung verfolgt hat, der weiß, wie auffallend wenig Interesse Deutschland gegenüber betroffenen Deutschen in Gaza gezeigt hat. Gleichzeitig hatte man aber auch das Gefühl, dass das Schicksal der deutschen Geiseln bedauert wurde, aber man sich selber gar nicht, um Verhandlungen zur Befreiungen gekümmert hat oder versucht hat Einfluss auf Netanyahu zu nehmen. Es wirkte als wolle man mit dem "unappetitlichen" Thema so wenig wie möglich zu tun zu haben.

      • @ChristianAn:

        Diese geschilderten persönlichen Ansichten werden den Gegebenheiten sachlich nicht gerecht. Dies erschließt sich schon allein daraus, dass die Generalanwaltschaft des Bundes Vorermittlungen aufgenommen und jahrelang fortgeführt hat. Gewiss wäre es absurd anzunehmen, dass die Generalanwaltschaft des Bundes über Jahre hinweg in einem Vorgang tätig ist, der außerhalb ihrer Zuständigkeit liegt.

  • Wie in vielen anderen Fällen -insbesondere im Zusammenhang mit Israel- ist die deutsche Justiz und Politik wieder mal lauwarm, luschig unterwegs. Eine konsequente Handlung, den internationalen und nationalen Gesetzesvorgaben entsprechend, findet einfach nicht statt. Es wird herumgeeiert, verschleiert und vertuscht. Das sind beschämende Vorstellungen gegenüber der Menschlichkeit und der Gerechtigkeit. Wieso machen sich Deutsche zu Mittätern an israelischen Kriegsverbrechen?

    • @Perkele:

      Vermutlich wirken hier verschiedene Faktoren zusammen, ein nicht unerheblicher Faktor dürfte allerdings schlicht und ergreifend Rassismus sein. Von Broder bis zum Stadtbild-Fritze haben erhebliche Teile der hiesigen medialen und politischen Kreise ihre Verachtung für Menschen, die nicht ganz so weiss und westlich sind und am Ende auch noch an den Islam glauben, hemmungslos rausgekotzt - dass das auch aussenpolitische Entscheidungen beeinflusst, überrascht eigentlich nicht...

      • @O.F.:

        Ja, leider.

  • Was sollen denn Ermittlungen Deutschlands bringen bzw. welchen Sinn soll das ergeben?

    Wenn z.B. eine Deutsche in der Türkei Opfer eines Verbrechens wird, ermitteln doch auch die türkischen Behörden und nicht die deutschen. Das hat man ja auch gut an diesen Bettwanzen-Fällen gesehen. Aus der Ferne kann man da doch überhaupt nicht sinnvoll ermitteln.

    Ist ja schön und gut, dass es eine Rechtsvorschrift gibt, dass sich der Generalbundesanwalt jeden Vorgang, bei dem ein Deutscher im Ausland gewaltvoll umkommt, einmal ansieht, nur können sinnvolle Ermittlungen ja trotzdessen nur durch das Land, in dem die Tat stattgefunden hat, durchgeführt werden.

    Zumal es sich bei Israel um einen demokratischen Rechtsstaat nach westlichem Standard handelt, bei der Türkei wären hier vielleicht Zweifel angebracht. Dass deutsche Ermittler hier Parallelermittlungen führen, weil sie den israelischen nicht trauen, wäre doch ein Schildbürger-Streich.

    • @ChristianAn:

      Der Unterschied ist: bei der Familie, die in Istanbul ums Leben gekommen ist, wird wegen Fehlverhalten einzelner Personen (Verantwortliche im Hotel, Schädlingsbekämpfer) ermittelt.



      Beim Fall Kiliani geht es um Völkerrecht (Bombardierung eines Hauses im Krieg, zu Tode gekommene Zivilisten).



      Würde der Verdacht bestehen (und im Laufe des Verfahrens entweder bestätigt oder ausgeräumt werden), dass die Türkei gegen Völkerrecht verstoßen hat und dabei deutsche Zivilisten zu Tode gekommen sind, wäre dann die Antwort auch: ja, das soll allein die Türkei ermitteln, die Deutschen sollen sich raushalten?

    • @ChristianAn:

      Nur geht es hier um Staatsaktivitäten im Gegenteil zu der von ihnen herangezogenen Türkei. Der Staat Israel hat mehrfach getötet und zwar deutsche Staatsbürger. Das ist etwas anderes als wenn in der Türkei ein fahrlässiger oder grob fahrlässiger Unfall passiert mit der Folge getöteter deutscher Staatsbürger oder auch eine gezielte Tötung unschuldiger Deutscher in der Türkei durch nichtstaatliche Akteure. Nochmal: In Israel ist es der Staat selbst der getötet hat und das ist der Punkt um den es geht. Und natürlich muss und wird da ein Staat von einem anderen Staat Auskunft erwarten und ggf. selbst einen Prozess anregen gegen bestimmte Staatsangehörige des ausführenden Staates - sofern es auf dieser Ebene belassen wird und nicht zusätzlich politische Maßnahmen folgen wie z.B. Sanktionen.

      Sie liegen völlig neben dem Thema. Ich hoffe, dass sie das nicht verstanden haben und nicht dass sie das absichtlich zu verwischen suchen.