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Danger Dan und Igor Levit Das hier kannst du tun

Gaby Coldewey

Kommentar von

Gaby Coldewey

„Keine Angst“ von Danger Dan klingt wie eine niedrigschwellige Gebrauchsanleitung gegen den erstarkenden Faschismus. Geht das zu weit? Muss nicht sein.

W as keiner sagen will“, titelte die Wochenzeitung Die Zeit Anfang Juli. Darunter ein Foto von Alice Weidel und Tino Chrupalla, mit Deutschlandfähnchen beim AfD-Parteitag in Erfurt. Während „die etablierten Parteien“ ihr keine Aufmerksamkeit verschaffen wollten, bereite die AfD schon ihre Machtübernahme vor, hieß es darunter. Das kann Angst machen. Hilflos. Lähmen.

Jetzt hat jemand etwas gesagt. Gesungen vielmehr. Und das sehr klar, sehr deutlich. „Keine Angst“ heißt das Lied, mit dem der Sänger Danger Dan alias Daniel Pongratz gerade von einem ZDF-Auftritt ausgeschlossen wurde, gemeinsam mit dem bekannten Pianisten Igor Levit.

Das Lied klingt wie eine niedrigschwellige Gebrauchsanleitung für genau das: Was kann ich als Einzelne/r gegen den erstarkenden Faschismus tun? Keine leeren Phrasen von der Demokratie, für die wir uns alle „starkmachen“ müssen oder die es abstrakt „zu verteidigen“ gilt, kommen darin vor. Stattdessen eine ganz klare Botschaft: Das hier kannst du tun!

Keine Angst – Danger Dan

Es gibt jetzt zwei Optionen, beide machen Stress

Eine ab morgen schon, die andere ab jetzt

Wir können darauf warten, dass sie in den Parlamenten

Und auf der Straße erstarken, bevor wir sie bekämpfen

Und wir warten, warten, warten, das ist erstmal bequemer

Es geht uns trotzdem an den Kragen, nur halt etwas später

Die andere Möglichkeit bedeutete schon heute

Stress mit der Polizei und den ganz besonders deutschen

Dafür ‚ne kleine Chance, das Blatt nochmal zu wenden

Oder vielleicht das Schlimmste noch verhindern zu können

Du weißt nicht, was du tun kannst, du weißt nicht wie das geht

Hör mir zu, ich hab´ vielleicht eine passende Idee

-----------------------

Keine Angst, keine Angst, keine Angst, keine Angst

Keine Angst, keine Angst, keine Angst, keine Angst

-----------------------

Ruf‘ erst mal ein, zwei Leute an, denen du vertraust

Auf die man sich verlassen kann und macht ein Treffen aus

Ihr gründet eine Gruppe, die keinen Namen hat

Kein Gründungsdatum und auch kein Verein oder so'n Quatsch

Redet mit Bars und Kneipen, fragt, ob die für einen Abend

Räumlichkeiten für 'ne Party gegen Nazis haben

Ladet eure Freunde ein, ein kleines Festival

DIY, Eintritt frei, sammelt auf Spendenbasis Geld

Mit dem Geld das ihr verdient, kauft ihr Dosen, um zu sprüh'n

Kauft ihr Aufkleber und Marker, sorgt dafür, dass jeder sieht

Ihr habt keinen Bock auf Faschos und das hier ist eure Stadt

Lasst euch nicht erwischen, schaut nach Überwachungskameras

Nie ohne Handschuh, nie ‚nen Fingerabdruck hinterlassen

Und erst recht nie filmen und niemals ein Foto davon machen

Von Aktionen nur denen, die selbst dabei waren, erzähl'n

Es geht um linke Straßenpolitik und nicht um Fame

Ihr braucht Regeln für die Kommunikation

Nicht nur Nazis und Konsorten, die in eurer Gegend woh'n

Auch die Sicherheitsbehörden werden sich schnell interessier'n

Ihr dürft von Anfang an alles nur geheim kommunizier'n

Das bedeutet: keine DMs, keine Messenger und Mails

Alles was verboten sein könnte immer Face to Face

Lasst das Handy zuhaus wegen Bewegungsprofil'n

Und wenn sie euch erwischen: Redet nicht mit ihn‘

-----------------------

Keine Angst, keine Angst, keine Angst, keine Angst

Keine Angst, keine Angst, keine Angst, keine Angst

-----------------------

Man wird sich wundern, wenn man weiß dass in den Kern'

Dieser Gruppen meistens nur ein paar wenige gehör'n

Eine Handvoll Leute reichen meistens aus

Eigene lokale Antifastrukturen aufzubau'n

Als Nächstes müsst ihr die rechten Strukturen recherchier'n

Heimlich ihre Treffen und Demonstrationen fotografier'n

Findet raus, wer Sie sind, was Sie tun, wo Sie leben, wo Sie arbeiten

Und findet raus, mit wem Sie sich umgeben

Baut Fake-Accounts bei Tiktok und bei Telegram

Dokumentiert alles, was Sie schreiben, alles was Sie sagen

Holt den Papiermüll ab, lauft Ihnen nach

Zu Ihren Häusern, ihren Wohnungen, den Treffpunkten und Bars

Meldet euch bei jeder Singlebörse an

Irgendwie und irgendwann kommt man an jeden Nazi ran

Werdet dreist, delinquent, akribisch und kreativ

Stück für Stück füttert ihr so euer Antifaarchiv

Faschos leben abgeschottet, sie leben im Wahn

Mit Argumenten kommt man meistens nicht mehr an sie ran

Die Erfahrung zeigt, dass aber trotzdem doch etwas passiert

Wenn man ihr gesamtes Umfeld kontaktiert

Früher nannte man so etwas „Outingaktion“

Es hing'n Flyer und Plakate in den Vierteln wo sie woh'n

Mit Fotos und Funktionen, mit Namen und Adressen

Niemand wird ein Nazischwein als seinen Nachbarn möchten

Das frankierte man mit ein paar Telefonaten

Um ihre Schulen, Unis, Arbeitgeber zu beraten

Man wünschte einen guten Tag und fragte dann wie

Passt so etwas in eure Firmenphilosophie

Helft euren Lokalzeitungen mit Information’

Wenn sie nicht schon von selbst dahinter komm’

Dass es Probleme gibt mit Nazis in der Stadt

Vielleicht wird dann sogar die Staatsanwaltschaft wach

Mit etwas Glück kriegen sie Post oder gehen in den Knast

Doch ihr wärt blöd, wenn ihr euch auf den deutschen Staat verlasst

Die Erfahrung zeigt genau das Gegenteil:

Es gibt so viele Faschos bei der Polizei

-----------------------

Keine Angst, keine Angst, keine Angst, keine Angst

Keine Angst, keine Angst, keine Angst, keine Angst

-----------------------

Man möchte mein’ dass die Sicherheitsbehörden

Rechte Struktur’n nicht bekämpfen, sondern fördern

So mancher Polizist steht für die AfD zur Wahl

Uniter hat die Munition vom KSK

Das bedeutet: Parallel zum recherchier’n

Müsst ihr eure Sicherheit selbst organisier’n

Nazis machen ihre Politik immer mit Angst

Mit Hass, mit Terror und roher Militanz

Man kann ihnen vieles vorwerfen

Aber jedoch nicht, dass man das was sie mit uns vorhaben, nicht wüsst‘

Und die Geschichte hat uns schonmal gezeigt

Es wird noch schlimmer, wenn man gar nichts tut und schweigt

Keine Angst, nehmt es selber in die Hand

Die seh'n gefährlich aus aber wir legen sie lang

Koordiniert euch, fangt an zu trainier'n

Wenn ihr zusammen kämpft, dann kann es funktionier'n

Schon am ersten Tag, wenn ihr die Party macht

Besteht die Möglichkeit, dass es vor der Türe kracht

Also plant immer mit der Konfrontation

Habt Überraschungen dabei, wenn sie komm'

Juristisch ist mal wieder die Grauzone geschrappt

Ich lasse ihn jetzt einfach mal im Raum, den Elefant

Ist eh klar was zu tun ist, ich sag’ nichts mehr dazu

Liebe Grüße an Lina, Gucci, Maja und Nanuk

-----------------------

Keine Angst, keine Angst, keine Angst, keine Angst

Keine Angst, keine Angst, keine Angst, keine Angst

Keine Angst, keine Angst, keine Angst, keine Angst

Keine Angst, keine Angst, keine Angst, keine Angst

Keine Angst, keine Angst, keine Angst, keine Angst

Keine Angst, keine Angst, keine Angst, keine Angst

In den 70er Jahren hätte man so etwas „Mut-Mach-Lied“ genannt. Du musst nicht warten, bis andere etwas tun. Es braucht auch gar keine Parteien oder Strukturen. Werde selbst aktiv. Fang einfach ganz klein an.

„Wie weit würde ich selber gehen?“, fragt man sich vielleicht beim Zuhören. Sich mit zwei Freunden zusammentun, reden, eine kleine Party gegen rechts organisieren, in der Kiezkneipe etwa? Ein bisschen Geld dabei sammeln, Aufkleber und Flyer drucken lassen? „Eine Handvoll Leute reichen meistens aus, eigene lokale Antifastrukturen aufzubau’n“ heißt es in dem Stück.

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Danger Dan – Keine Angst

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Ab wann geht es zu weit?

Dafür wird man natürlich noch nicht vom ZDF ausgeladen. Doch dann geht es weiter: Rechte bei ihren Treffen fotografieren, die Nachbarschaft darüber informieren, wer Nazi ist. Sticker kleben, Parolen an Häuserwände sprühen. Auch ein Gruß an „Lina, Gucci, Maja und Nanuk“ ist drin. Hier verlässt man irgendwann den Boden der Legalität. Aber man muss ja gar nicht. Vielleicht tut man ganz andere Dinge.

Bei den „Omas gegen Rechts“ mitmachen, etwa. Oder einfach nur Onkel Helmuts rassistischen Parolen auf der Familienfeier Paroli bieten. Wichtig ist nur, überhaupt etwas zu tun. Und sich nicht davor zu fürchten.

Mit der Absage hat das ZDF dem Lied jetzt unfreiwillig zu großer Popularität verholfen. Und etwas Besseres hätte man ihm gar nicht wünschen können. Denn „Keine Angst“ trägt dazu bei, sich ein klein bisschen weniger ohnmächtig zu fühlen. Es ist das richtige Lied zur richtigen Zeit.

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Gaby Coldewey

Gaby Coldewey Redakteurin

Redakteurin in der Auslandsredaktion. Bei der taz in unterschiedlichen Positionen seit 2009. Studium der Slawistik, Politologie und Ost- und Südosteuropäischen Geschichte in Berlin, Prag und Odessa. Übersetzt aus dem Ukrainischen und Russischen. Schreibt immer mal wieder "Berliner Szenen".
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30 Kommentare

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  • Die Sendung ist bereits in der ZDF-Mediathek. www.zdf.de/play/sh...m-21-juli-2026-100

  • Vorweg: Ich bin ein großer Fan von Danger Dan und ganz besonders auch Igor Levit. Und musikalisch, ganz besonders auch von der Bildkomposition des Videos gefällt mir dieser Song auch gut.



    Was die Aussagen und Empfehlungen im Text angeht, kann ich diesmal aber leider nicht wirklich mitgehen.



    Da empfinde ich zum einen einen irritierenden Widerspruch zwischen dem Aufbau ausdrücklich verdeckter Strukturen mit dem dezidierten Hinweis, nichts zu dokumentieren, z.B. nicht filmen, und generell keine Spuren zu hinterlassen und dem Appell "keine Angst".



    Hinter solche verdeckten Strukturen agiert man ja eher, weil man Angst hat.

    Dann die ganzen Tipps zu regelrechten Bespitzelungen, da hätte ihm eigentlich die Stasi und deren IM´s in den Sinn kommen müssen. Dabei sind alle, wirklich alle führenden Köpfe der AfD hinlänglich bekannt. Und unter deren Wählern gibt es immer noch etliche, die per se keine Nazis sind, sondern maximal von der Politik frustrierte.



     

     

    • @jlMG:

      Diese Mitläufer lassen sich immer noch durch gute Politik, eine Politik die vor allem einen sozialen Ausgleich schafft, zurück holen.



      Mitläufer an den Pranger zu stellen lässt sie nur immer mehr in das faschistische Lager abgleiten.



      Und was soll da an die Wände gesprüht werden? Doch wohl nicht Namen und Adressen von solchen Mitläufern. Auch hier hätte Danger Dan kurz inne halten sollen, denn da gab es mal sehr, sehr unheilvolle Schmierereien ("kauft nicht bei Juden"). Hier hätte mehr differenziert werden müssen.

      Der Gruß am Schluss an Leute, die Gewaltaktionen verübten mit dem Zusatz "ist eh klar, was zu tun ist" - finde ich auch bedenklich, denn der Interpretationsspielraum ist wirklich sehr klein.

      ich stehe eher für ein breites öffentliches Auftreten gegen die Rechten, mit offenen Karten, klaren Aussagen, klarer Kante und Entschlossenheit. Friedlich!



      Und ganz vorneweg Engagement für eine gute Politik die die Menschen mitnimmt.



      Nehmt den Nazis den Wind aus den Segeln!

  • Niemand muss sich von Nazis einfach so zusammenschlagen lassen. Und zugleich haben natürlich selbst Nazis Grundrechte, hat das Gewaltmonopol des Staats durchaus seine Gründe und darf es nicht zur selbsternannten Selbstjustiz mit den Fäusten ausarten.

    Was lässt sich mitnehmen (danke für den Abdruck des Texts)? Nicht wie das Kaninchen auf die muffige Schlange starren, sondern klarmachen, dass die Vereinfacher von Rechtsaußen nur für ihre Geldgeber sprechen, nicht für für die Vielen.

  • Tja, was soll man da als Alt-Sponti zu sagen? Zum Text: Die Aufforderung clandestine Strukturen aus dem Freundeskreis zu bilden ist kalter Caffee. Das war damals schon so und hat nicht die Unterwanderung durch den Verfassungsschutz verhindert. Wenn die Kohle und die "Alternativperspektive", angeboten vom Verfassungsschutz, stimmt, fallen die besten Freunde um. Durch die Schule der Shaolin gehen hilft gewiss viel, gelingt aber nur, wenn man zulässt, das diese Philosophie dein Bewusstsein verändert. Aber das wurde ja nicht vorgeschlagen, tue ich aber hiermit. Füreinander da sein, ist gewiss eine gute Perspektive, wird aber so nicht im Text propagiert. Kurz gesagt: Antifa-Romantik wir nicht helfen. Da muss schon mehr kommen.

  • Die Zensuraktion des ZDF ist eine perfekte Werbung für den Song. Erst jetzt ist man wirklich darauf aufmerksam geworden - und das ist prima so. Darin einen Aufruf zur Gewalt zu sehen, na ja - das zeigt deutlich, dass das ZDF den Menschen nicht zutraut, selber entscheiden zu können. . .

  • die verfassungsfeinde bauen fast ungehindert ihren einfluss aus und die uns per gg an die hand gegebenen mittel zu ihrer bekämpfung werden willentlich nicht genutzt.



    innenminister dobrindt bereitet unterdessen mit rubio eine internationale konferenz in deutschland zur verfolgung antifaschistischer und linksextremistischer kräfte vor.



    alle hier solllten sich fragen, wie sie sich persönlich zu diesen entwicklungen verhalten. ist man ohnmächtig? was kann man tun? wie weit würde man selbst gehen? die künstler hätten dazu in einer satiresendung die gelegenheit geboten und sicher auch kritik erfahren. demokrat:innen sind nicht dumm.



    während die rechten den rasen schon zertrampeln, fragen wir, ob in einem lied darüber nachgedacht werden darf, ihn zu betreten. das finde ich falsch. es muss diskutiert werden.

  • Im Grunde sind solche Ausladungen, Verbote von Äußerungen etc. nach meinem Dafürhalten ein Ausdruck des tiefsten Misstrauens gegenüber dem Zuschauer.



    Ich bin in der Sache gegenüber dem Text auch eher skeptisch, aber ich vertraue eigentlich darauf, daß die Menschen, die sich sagen nicht sagen "Wow, Danger Dan hat die Selbstjustiz freigegeben, da bin ich dabei." eine eher überschaubare Menge abbilden.



    Ich plädiere also sehr weitgehend also dafür, die Interpretation dem Publikum zu überlassen, statt im Vorfeld aufzuräumen.

    • @Klaus Franz:

      Es liegt auf der Linie früherer Vorkommnisse:



      Vergleichsweise belanglos und erkennbar als Satire wurde die Aufführung eines Chores mit einem umgedichteten Lied auch zur Staatsaffäre in NRW mit MP und Intendant:



      2019



      "Eine vom Kinderchor des Westdeutschen Rundfunks (WDR) als Umweltsatire gesungene Verballhornung des Liedes "Meine Oma fährt im Hühnerstall Motorrad" hat einen Sturm der Entrüstung ausgelöst."



      www.sn.at/panorama...gt-sich-art-335605



      Damals bei dzonline.de:



      "Laschet und der CDU-Politiker Ruprecht Polenz kritisierten, Kinder würden in der Klimaschutzdebatte von Erwachsenen instrumentalisiert. Der WDR habe mit dem Lied «Grenzen des Stil und des Respekts gegen über Älteren überschritten», twitterte Laschet. «Jung gegen Alt zu instrumentalisieren ist nicht akzeptabel.»



      Eigentlich eher harmlos, aber mit gewaltigem Echo, der ÖRR ist extrem vorsichtig geworden.

  • Ich finde den Text durchaus provokant und kann verstehen, dass das ZDF die Einladung zurückgezogen hat. Gleichzeitig ist es ein wichtiger Text, der Mut machen soll. Und Mut braucht es, denn die Gewalt von rechts hat auf allen Ebenen in den vergangenen Jahren zugenommen. Dabei meine ich auch die verbale Gewalt aus der rechten Szene.

    Vieles, was in der Nachbarschaft geschieht, lässt sich nicht allein mit demokratischen Mitteln abfedern. Es braucht auch mutige Menschen in diesem Land, die sich aktiv engagieren.

    Im Moment werden zivilgesellschaftliche Organisationen gerade auch von Regierungsparteien kritisiert. Dabei wird mitunter der Eindruck erweckt, nur staatliche Institutionen seien der Maßstab. Dem ist nicht so. Eine starke und aktive Zivilgesellschaft macht eine Demokratie erst resilient. Sehr viele Errungenschaften unserer freien Gesellschaft haben ihren Ursprung im Engagement der Zivilgesellschaft.

  • Kontext, der mir hier fehlt: gerade ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen einen rechten Kabbarettisten wegen Aufrufen zu Gewalt (gegen Merkel und Merz) -- nicht im ZDF, sondern auf der Bühne.

    Da hätten Zuschauer ja auch nicht so weit gehen müssen. Ist aber halt trotzdem ein Aufruf zu Gewalt.

    Dass das ZDF jetzt sagt, dass sie einen Aufruf zu Gewalt ähnlicher Art (aber gegen Nazis statt gegen Merkel) nicht senden, verstehe ich.

    Und dass inzwischen über 550.000 Leute das Youtube-Video gesehen haben, ist wohl der Streisand-Effekt in voller Fahrt.

  • Der Song von Danger Dan ist absolut harmlos. Unglaublich, welche Angst die Chefetagen des ZDF davor haben!



    Im Prinzip schlägt er zunächst vor, sich gegen Rechtsextreme zu organisieren und ähnliche Mittel anzuwenden wie die, vor denen sie selbst zur Bekämpfung politischer Gegner auch nicht zurückschrecken.



    Dass darin u. a. gesagt wird, dass es innerhalb der Polizei "Faschos" gebe, ist wohl nicht so weit hergeholt, wenn wir uns an Ereignisse z. B. innerhalb der Frankfurter Polizei erinnern, auf deren vollständige Aufarbeitung wir weiterhin warten, und daran denken, welche Polizisten als AfD-Abgeordnete im Landtag von Thüringen sitzen, also dort, wo die AfD vom Verfassungsschutz als rechtsextrem eingestuft wird. Außerdem wird gesagt, dass Polizisten für die AfD kandidieren. Auch das ist ja nicht falsch.



    Wer's mal anhören will, hier der ganze Song: www.youtube.com/watch?v=Gg-SCpXba64

    • @Aurego:

      Im Prinzip ham die Faschos bei den "Linken" abgeguckt;).

      • @Hugo:

        Nein, auch vor hundert Jahren sind Leute (Faschos) schon auf den Straßen rumgelaufen und haben „Lügenpresse" gebrüllt. Strategie wohlbekannt.

      • @Hugo:

        Nein. Die Faschos konnten das schon früher.

  • Der Song ist eine Handlungsanweisung für eine „Antifa“-Gruppe.



    Er funktioniert inhaltlich so:

    Man ermächtigt sich selber, Leute als „Nazis“ zu kategorisieren.



    Es wird eine Bedrohungssituation seitens dieser „Nazis“ festgestellt.



    Es erfolgt eine Selbstlegitimierung, gegen diese zu arbeiten, denn gegen „Nazis“ müsse man das, da es nach den Erfahrungen der Geschichte notwendig sei.



    Daher dürfe man auch rechtswidrige Aktionen durchführen. („Und wenn sie euch erwischen ...“)

    Auf den Rechtsstaat sollte man nicht vertrauen; das staatliche Gewaltmonopol kann man ignorieren; auf rechtsstaatliche Prinzipien darf man pfeifen, denn ...



    man nimmt das Recht ja „erzwungenermaßen“ in die eigene Hand. Keine Angst!

    Möglicher Eskalationsrahmen: ungenannt.



    Zwar wird in dem Song nicht explizit zur Gewalt gegen die „Nazis“ aufgerufen



    Aber:



    Ausdrückliche Grenzen, was nicht erlaubt wäre, werden auch nicht gesetzt.

    Fazit:



    Danger Dan kann sich jetzt hinsetzen, beobachten, was passiert.



    Und sollte jemand wirklich mal „etwas wirklich Heftiges machen“, und sich dann auf den Song berufen, kann er sich zurücklehnen und sagen:



    „Aber so war das doch gar nicht gemeint!“

    Ich nenne so etwas verantwortungslos.

    • @Schukie:

      Nazis töten!



      www.amadeu-antonio...er-rechter-gewalt/



      Die Gefahr die von Nazis ausgeht ist keineswegs wie sie unterstellen einfach nur willkürlich festgestellt, sondern vollkommen real.



      Und auf welcher Grundlage soll das Vertrauen in einen Rechtsstaat basieren, der zehn Jahre lang in Sachen "Dönermorde" ermittelte, während der NSU immer weitere Menschen umbrachte, der nicht nur zuließ, dass Oury Jalloh in einer Polizeizelle lebendig verbrannt wurde, sondern Tat und Täter bis heute nicht aufklärte, dessen Polizeikräfte nicht nur immer wieder mit rechtsextremen Gedankengut auffallen wie der Frankfurter "Itiotentreff", sondern die teils auch unmittelbar selbst in rechtsextreme Terrorstrukturen wie Nordkreuz oder der Reuß-Gruppe verwickelt sind, der es zulässt, dass immer noch rund 4.000 legale Schusswaffen in den Händen Rechtsextremer sind (von den illegalen gar nicht erst zu reden) und dem es ebenso wenig gelingt 688 offene Haftbefehle gegen Rechtsextreme zu vollstrecken, wie das eigentlich obligatorische Verbot einer rechtsextremen Partei.



      Nazis töten. Und auf den Rechtsstaat kann man sich nicht verlassen.

      • @Ingo Bernable:

        Nebenpunkt: Eben nicht "Nazis töten!", sondern "Nazis töten." Das Satzzeichen ist zentral.

        • @Janix:

          Wenn Sie glauben, das Ausrufezeichen sei ein bedeutungsänderndes Satzzeichen, liegen Sie vermutlich falsch. Auch wird aus einem Infinitiv, der auch eine 3. Pers. Pl. sein kann, noch nicht dadurch ein Imperativ, dass ein Ausrufezeichen dahinter steht. Insofern bleibt der Satz doppeldeutig.

          • @Aurego:

            Wäre es ein verkappter Imperativ (ich hörte mal hierfür den Ausdruck "preußischer Infinitiv"), sollte da ein Ausrufezeichen stehen. Und darauf kam es damals an. Die Verwechselbarkeit auf den ersten Blick war wohl schon eingeplant, das auch.

            Wäre - jetzt wieder generell - das Ausrufezeichen nicht sinnverändernd, hätte diejenige Person nicht bewusst geschrieben. Für Sinnveränderungen/-markierungen sind sie da, die Satzzeichen. Da bin ich Karl-Kraus-ianer, wenngleich nicht immer praktizierend.



            Mit einem herzlichen Gruß!

  • Bei der Argumentation muss man*Frau sich schon entscheiden.



    Entweder es ist Satire, Kunst; oder es ist etwas Anderes.



    Ich lehne Gewalt als Mittel politischer Auseinandersetzung ab.



    Ich halte es für sinnvoll, dass der Staat das Gewaltmonopol hat.



    Ja, auch da hat es Fehler gegeben, aber die sind eher die Ausnahme als die Regel.



    Es ist natürlich Jedem und Jede*r selbst überlassen, ob Gesetze gebrochen werden.



    Als Demokrat halte ich jedoch mehr von spitzer Zunge bzw. Feder, statt von Spitzen Gegenständen.



    Wir leben immer noch in einer Demokratie,



    die es erstmal zu verteidigen gilt.



    Wer sich hier einsetzen will, kann sich bei den kommenden Wahlen für diverse politische Themen, Parteien und Personen einsetzen.



    Irgendwelche Angriffe auf Personen werden das Gegenteil des beabsichtigten bewirken.



    Die Betroffenen werden sich als „Opfer“ und „ politisch Verfolgte“ aufspielen .



    Es gibt keine einfachen Lösungen.



    Man*Frau sollte nicht in die Falle tappen, Diejenigen juristisch angreifbar zu machen, die eigentlich geschützt werden sollen.



    Wahlkampf ist anstrengend.



    Kritik wird manchmal sehr direkt und unfreundlich formuliert. Da für seine Überzeugungen zu stehen ist schwer.



    Kopf hoch!

  • In dem Kommentar bleibt mal wieder die Frage außen vor, ob die vorgeschlagenen Aktionen (also z.B. Häuserwände besprühen, Rechte beobachten und fotografieren, etc.) irgendetwas nutz, um den Rechtsextremismus und den Rechtsruck zu bekämpfen.

    Wenn man sich diese Frage stellt, wäre die Antwort darauf, dass es nichts nutzt. Sondern im Gegenteil werden die anderen (also z.B. AfD-Wähler) noch in ihrer Haltung bestärkt.

    Wenn man wirklich etwas erreichen will, sollte man zumindest den AfD-Wählern, denen es um Probleme wie fehlende Wohnungen, zu hohe Mieten, zu teure Lebensmittel, zu hohe Energiepreise etc. geht, nicht dauernd neue Gründe geben, nicht CDU, SPD und Grüne zu wählen, sondern ihnen weniger Gründe geben, indem man diese Probleme löst oder zumindest reduziert.

  • Wie wäre es mal mit einem Lied, dass daraqn erinnert, wie schlau es war sich so zu organisieren gegen nukleare Aufrüstung, die Speerspitze der Angstpolitiken, dass die feministishe Internationale den Ton angab und sie Massen sich so organsiserten, dass mutige Aktivisten die Sportlich gegen Staatskräfte vorgehen wollten, gesondert waren von den Omas und Kids die mit marchieren wollten, ohne Angst vor Polizeigewalt haben zu müssen, geschweige denn vor Nazis, aber es war damals ne intelligente Organisierung und ein pasender Umgang mit Angst, die wir teilten, statt sie zu verdrängen oder zu hofieren, was stets dem Patriarchat in und um uns hilft! Keine Angst ! Das ist richtig, will ich auch und müssen wir wieder hin kommen, jedoch sind die Nazis dabei nur Symptom für die Krankheit antidemokratischer patriarchaler Kapitalismus Domination mit nuklearere Bewaffnung weltweit in der Hegemonie! Natürlich haben wir da Angst und wollen keine Angst haben. Keine Angst ! Keine Angst ! keine Angst ist das Bannspruch, o. Pfeifen im Walde ?Lasst uns unsere Ängste besprechen und dann zusammen gegen die Ursachen vorgehen: Ein Nachhaltiges BIP muss her! z.B. Wasser kreisläufe vor Unternehmen retten

  • Nee, sorry, das ist mir zu einfach. Das ist schlicht ein Text von der Bubble für die Bubble. Niemand, der den Text feiert, ist sich des Problems nicht bewußt und tut "nichts" gegen Rechts. Und diejenigen, die "nichts tun" und die man also erreichen müsste, schreckt die unverhohlene Relativierung von Gewaltaktionen eher ab. Und er liefert der Öffentlichkeit wieder unnötiges Futter für die Warnung vor Linksextremismus und lenkt m.M.n. eher davon ab, dass die große Gefahr klar rechts zu finden ist.



    Die Leute um Lina E., Maja T. oder besipielsweise die Leute, die bei der Aktion gegen den 3.Weg Typen in Berlin schwer verletzt wurden, haben nullkommanichts gegen den Rechtsextremismus erreicht, dafür aber die Möglichkeit "etwas zu tun" gegen eine Zelle eingetauscht, bzw. fast dabei ihr Leben verloren.

    • @Deep South:

      Bei inzwischen über 550.000 Views des Videos gehe ich davon aus, dass sehr viele neue Leute es gesehen haben.

      Aber der in Göttingen lebensgefährlich verletzte Antifaschist macht mir auch Angst.

      Wenn die Mehrheit der fast 30% AfD-Wähler sich radikalisiert und es dann zu großen Straßenschlachten zwischen Linken und Neonazis kommt, wird das noch gefährlicher.

      Aktuell gelingt es der Polizei noch, Terrorzellen aus den Reihen der AfD festzunehmen, bevor sie aktiv werden.

      • @Arne Babenhauserheide:

        Ich bin weder Pazifist, noch ein Hippie und wenn irgendwo so ein Flachschädel mal eine fängt, dann ist das für mich kein Drama.



        Organisert und vermummt aus der Gruppe heraus Leute überfallen und dabei gefährliche Waffen einsetzen ist aber ein ganz anderes Kaliber. Und klar, wird das die Gegenseite weiter radikalisieren, die Gewaltspirale anheizen. Das kriegen dann am Ende meist auch die ab, die nicht nicht militant und trainiert sind. Der Kampf gegen Rechts ist so niemals zu gewinnen.

        • @Deep South:

          Der Kampf gegen rechts ist ganz allgemein genauso wenig zu gewinnen wie der Krieg gegen Drogen.

          Man muss in beiden Fällen stattdessen nach funktionierenden Lösungen suchen.

          Gott sei Dank ist das bei dem AfD-Problem gar nicht so schwer. Man würde viele AfD-Wähler davon abhalten können, die AfD zu wählen, indem man einfach eine vernünftige Politik macht und dafür sorgt, dass es mehr Wohnungen gibt, günstigere Mieten, Energie, Lebensmittel, eine bessere Rente und bessere Löhne, ein besseres Gesundheitssystem etc.

          Wenn man aber sagt, dass diese bessere Politik nicht möglich ist, dann ist auch der Kampf gegen Rechts absolut aussichtslos, egal was man macht.

          Aber Gott sei Dank ist diese bessere Politik möglich. Man müsste nur die Milliardäre und Superreichen (also mit mehr als 100 Mio. $ Finanzvermögen) etwas höher besteuern. So dass z.B. das Vermögen seit 2024 nicht mehr um 400 Mrd. $ wachsen würde, sondern nur noch um 300 Mrd. $. Das würde die nicht umbringen und damit liessen sich alle oben angesprochenen Probleme lösen.

          • @EchteDemokratieWäreSoSchön:

            Da bin ich voll ganz dabei. Ich glaub zwar, dass es weit aus mehr bedarf, als Reiche höher zu besteuern, aber prinzipiell ist das alles richtig.

        • @Deep South:

          I'm Song geht es um Selbstverteidigung gegen Nazis, wenn Polizei und Sicherheitsbehörden versagen, und um nichts anderes. Dafür spricht der Song Mut zu. Alles andere ist eine Fehlinterpretation.

          • @Annette Frölich:

            "Notwehr" ist juristisch definiert. Und das was die im Text "Gegrüßten" abgezogen haben, ist es nicht. Noch nicht einmal "Grauzone" wie der Autor es nennt. Das kann man gar nicht fehlinterpretieren, so deutlich ist das.