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Anti-Atom-BewegungFukushima war der Anfang vom Ende

Vor 15 Jahren kam es im japanischen Fukushima zum GAU. In Deutschland führte das zum Atomausstieg – auch weil die Bewegung den Boden bereitet hatte.

Die Anti-Atom-Bewegung war so erfolgreich, dass sie sich selbst überflüssig machte – beinahe jedenfalls: Protest 2012 Foto: imago

„Klug aus der Krise“ hatte Angela Merkels Wahlkampfteam plakatieren lassen, als sich die Kanzlerin anschickte, 2009 für eine zweite Amtszeit zu kandidieren. Wenige Tage vor der Bundestagswahl demonstrierten in Berlin Zehntausende Anti-Atom-Aktivisten. Motto: „Mal richtig abschalten!“ Auf dem Weg zum Kanzleramt posierten sie mit ihren „Atomkraft? Nein danke!“-Schildern vor Merkels Wahlplakat. Klug aus der Krise: Eindrucksvolle Bilder zu kreieren, das gelang der Bewegung immer wieder.

Woran misst man den Erfolg einer sozialen Bewegung? Legt man das Verschwinden dessen zugrunde, was jahrzehntelang bekämpft wurde, dann ist die Anti-Atom-Bewegung die erfolgreichste im wiedervereinten Deutschland. Denn wie mächtig die Atomlobby damals war, zeigte sich nach Merkels Wahlsieg 2009: Atomkraftwerke wurden in einer Anzeigenkampagne als „Deutschlands ungeliebte Klimaschützer“ beworben, eine Unternehmensberatung entwickelte die Roadmap zum Ausstieg aus dem Atomausstieg, der Verband der Energiewirtschaft gab mehrere Millionen Euro aus, um die Öffentlichkeit zu beeinflussen.

Im Auftrag des Bundesumweltministeriums – Staatssekretärin damals: Katherina Reiche (CDU) – legte das Energiewirtschaftliche Institut der Universität Köln 2010 Energieszenarien für ein Energiekonzept der Bundesregierung vor, das begründete, warum ohne die Atomkraft in Deutschland das Licht ausgeht. Dieses Institut ist ein sogenanntes An-Institut, eine juristisch selbstständige Einheit, deren Stiftungsprofessur und weitere Arbeiten von den AKW-Betreibern RWE und Eon finanziert wurden.

Vom AKW Brunsbüttel bis zum Reaktor Krümmel bildeten 120.000 Menschen im Frühjahr 2010 eine 120 Kilometer lange Menschenkette – beide Reaktoren galten als besonders störanfällig. Dennoch verlängerte Merkels Regierung im Herbst die Laufzeiten, 8 Jahre für die älteren, 14 Jahre für die jüngeren Reaktoren: Mit den Stimmen von Union und FDP wurde im Oktober das Atomgesetz geändert.

Markus Söder, damals schon Populist

Kein halbes Jahr später ereignete sich der GAU in Fukushima, die 8 ältesten der 17 deutschen AKWs wurden sofort abgeschaltet. Markus Söder, damals noch CSU-Umweltminister in Bayern, drohte mit Rücktritt, sollten die anderen Reaktoren weiterlaufen. In Baden-Württemberg holten die Bündnisgrünen erstmals so viele Stimmen, dass sie den Ministerpräsidenten stellen konnten, im Juni 2011 beschloss der Bundestag parteiübergreifend den Atomausstieg bis Ende 2022.

Der Beginn der Bewegung liegt viel früher: 1972 sammelte die Bürgerinitiative Umweltschutz Zentrales Oberrheingebiet Unterschriften gegen ein geplantes AKW in Breisach, nördlich der Breisgauer Stadt sollten 4 Reaktorblöcke mit insgesamt 5.200 Megawatt Leistung am Rhein gebaut werden. Die Initiative „Rheintal-Aktion“ schaffte es bis in den Landtag, die Pläne wurden aufgegeben. Beflügelt von derlei Erfolg besetzten Demonstranten im Februar 1975 den Bauplatz des geplanten AKW Wyhl. Damit begann eine neue Form des Anti-Atom-Protestes in Westdeutschland: die illegale Aktion.

„Es war ein breites Bündnis von Linken bis Konservativen“, erinnert sich Axel Mayer, damals Lehrling des Vermessungswesens. Bauern aus der Region, Winzer, Studenten der nahen Universität Freiburg, Umweltschützer wie Mayer, der damals eigentlich für Atomkraft war – immer waren so viele Leute da, dass die Polizei keine Chance hatte, den Bauplatz zu räumen. Zwar erklärte Baden-Württembergs Ministerpräsident Hans Filbinger (CDU), ohne das AKW würden im „Ländle die Lichter ausgehen“. Sein Nachfolger Lothar Späth (ebenfalls CDU) legte die Baupläne aber zu den Akten.

Gestärkte Versammlungsrechte

Spätere Bauplatz-Besetzungen wie die in Brokdorf scheiterten, weil die Polizei aus dem Whyl-Einsatz gelernt hatte. Mayer: „Bei uns stand der Wald noch: Die Polizei hatte weder mit ihren Hubschrauben noch mit Wasserwerfern eine Einsatzmöglichkeit.“ 100.000 Demonstranten lieferten sich im Februar 1981 eine Schlacht mit 10.000 Polizisten. Später urteilte das Bundesverfassungsgericht, dass das Verbot der Demonstration unzulässig war – und stärkte die Versammlungsrechte.

Ab 1977 wurde Gorleben zum Zentrum des Protestes. Niedersachsens Ministerpräsident Ernst Albrecht (CDU) hatte das Dorf im Wendland zum Standort für ein Atomendlager auserkoren. Ausschlaggebend dafür waren die Abgelegenheit der Region, ihre dünne Besiedlung und die Nähe zur DDR. Dagegen wehrte sich die Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg.

In der DDR forderten Mitglieder der Friedensbewegung nach dem GAU von Tschernobyl 1986 eine Volksabstimmung über die Nutzung der Atomkraft. Vergeblich, Strom war knapp in der DDR, insgesamt sollten 20 AKWs gebaut werden. Die größte Anti-Atom-Demo gab es im März 1990: Mehr als 10.000 Menschen protestierten in Stendal, wo 4 Reaktoren russischer Bauart ihre Arbeit aufnehmen sollten.

„Sternstunde des gewaltfreien Widerstands“

Seit den 90er Jahren gab es Blockaden der Bahngleise ins Wendland: Jochen Stay, Sprecher der Initiative x-tausendmal quer, entwickelte ein Mobilisierungskonzept, das die längstanhaltende Sitzblockade in der Geschichte der Anti-Atom-Bewegung ermöglichte, Stay nannte sie eine „Sternstunde des gewaltfreien Widerstands“. Die Polizei steckte ihn wegen „Aufruf zum Landfriedensbruch“ ins Gefängnis, wie andere auch. Unberechtigterweise, wie die Gerichte später stets feststellten. Das Abschalten der deutschen AKWs hat Stay nicht mehr erlebt, er starb 56-jährig 2022.

Um zu zeigen, wie gefährlich ein Atomunfall sein kann, ließ die Kampagnen-Organisation Campact eine „radioaktive Wolke“ aus 12.000 Luftballons am Reaktor Biblis bei Darmstadt aufsteigen. Einige Ballons kamen bis Berlin-Marzahn. Tatsächlich sind beide deutsche Staaten nur knapp an Unfällen der Fukushima-Dimension vorbeigeschlittert: In Gundremmingen kam es 1977 am Block A zu einer Kernschmelze, in Greifswald führte ein Brand in der Reaktorhalle zu einer partiellen Kernschmelze des Blocks 1.

„Wir haben gewonnen“, konstatierte Campact-Mitgründer Christoph Bautz, als im April 2023 das letzte deutsche AKW vom Netz ging: „Unser Protest war so stark, dass Angela Merkel kaum anders konnte.“ Das endgültige Aus zeige, wie machtvoll eine Protestbewegung werden kann. Bautz: „Der Moment macht Mut für die große Auseinandersetzung um das Ende von Öl, Gas und Kohle, die wir gemeinsam gewinnen müssen. Nur so können wir eine Klimakatastrophe noch verhindern.“

Die Bewegung war so erfolgreich, dass das Atom-Thema hierzulande abgehakt scheint. Trotzdem gab es am Montag in Breisach wieder eine Mahnwache. Drei Dutzend Teilnehmer kamen, unter 30-Jährige waren nicht dabei. Es gibt eine Nachwuchslücke, das atomkritische Wissen droht verloren zu gehen. Dass es aber weiterhin gebraucht werden wird, zeigen die nicht totzukriegenden Ambitionen, die Atomkraft in neuer Form wieder auferstehen zu lassen.

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43 Kommentare

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  • " In Gundremmingen kam es 1977 am Block A zu einer Kernschmelze". Laut Wikipedia war der Unfall keine Kernschmelze, es ist radioaktives Kühlwasser ausgetreten. Was stimmt jetzt?

    • @Lenchen:

      Der Ablauf: Trennung von externer Stromversorgung durch Unwetter, damit Wegfall gesicherter Kühlung, deshalb RESA, Bruch im Kühlkreislauf, Austritt von hunderten m² Kühlwasser, komplette Verstrahlung des Reaktorgebäudes, Freisetzung von Radioaktivität, zum Glück keine Kernschmelze, aber ohne Kühlung auch nicht weit davon entfernt. Ergebnis: Reaktor havariert, wirtschaftlicher Totalschaden. Damit neben Lucens, Harrisburg, Forsmark, ... eine von etlichen Beinahekatastrophen.



      www.deutschlandfun...-wahrheit-100.html

  • Allen Beteuerungen zum trotz: AKWs sind eine nicht beherrschbare Hochrisikotechnolgie.!!







    Jetzt auf kleinere Reaktoren zu setzen, löst die grundlegenden Probleme nicht. Weder ist, nach allen Erfahrungen glaubhaft, diese neuen Reaktortypen wären absolut sicher, noch wäre die Endlagerfrage damit gelöst.







    Im Gegenteil sollten die sog SMR tatsächlich in großer Zahl gebaut werden, wäre es nur eine Frage der Zeit bis die ersten Störfälle aufträten. Zwar wären dann vlt "nur" noch Mittel- und keine Großstädte mehr von der Auslöschung betroffen, dafür dann aber wesentlich mehr und häufiger. Zumal kleinere Reaktoren in Privathand einer weniger strengen Kontrolle unterliegen dürften.







    Zudem bringt der Klimawandel völlig unabsehbare Konsequenzen mit sich, die insbesondere auch die geologischen Gegebenheiten im Bezug auf die Millionen Jahre lange Endlagerfrage beträfen.

    Bei all dem bliebe man weiter abhängig von Uranlieferungen. Und im worst case hätte man dann auch noch ein paar extrem verheerende Angriffsziele vor Haustür.

    Wer also glaubt Kernkraft sei sicher und besser geeignet als Wind und Sonne, muss schon ein sehr "sonniges Gemüt" haben..oder aber die Extrapackung an Naivität..

  • Fukushima war kein GAU. Es war ein schwerer Unfall, der viel schlimmer hätte ausgehen können. Das Ereignis hat das Potential aufgezeigt, das ein echter GAU entwickeln könnte. Und vor allem die grundsätzliche Unbeherrschbarkeit der Atomenergie. Die Menschheit sollte die Finger davon lassen. Leider scheint die Gier größer zu sein als die Vernunft - wie so oft.

    • @Winnetaz:

      Ein GAU (Größter anzunehmender Unfall), auch "Auslegungsstörfall" ist ein Unfall der - gerade noch so eben - beherrschbar ist. Die Frage welche Szenarien man als GAU maximal annimmt und welche nicht mehr, ist deshalb vor Allem bei der Planung von AKWs relevant. Deshalb richtig, Fukushima war kein GAU, sondern ein Super-GAU, auch "auslegungsüberschreitender Störfall", alle redundanten Sicherungseinrichtungen versagten, es kam - gleich dreifach - zu einer Freisetzung des radioaktiven Inventars und großflächiger Kontamination.

    • @Winnetaz:

      Soweit ich das noch in Erinnerung habe, ist ein Reaktor samt umgebendes Gebäude in die Luft geflogen und die Kernschmelze eingetreten. Wieso war das kein GAU?

    • @Winnetaz:

      Es war ein GAU der japanischen Atompolitik und der Kommunikation zu einer Reaktorkatastrophe an der Spitze der aktuellen Skala, in derselben Kategorie wie Tschernobyl.



      /



      "Die Bezeichnungen GAU und Super-GAU stammen aus den 1960er-Jahren und sind mittlerweile überholt. Seit 1990 existiert die Internationale Bewertungsskala für nukleare Ereignisse, die Störfälle und Atomunfälle genauer klassifiziert. Die Skala reicht von Stufe 0 bis Stufe 7. Stufe 0 bezeichnet ein Ereignis ohne oder mit nur geringer sicherheitstechnischer Bedeutung.



      Die Stufen 1 bis 3 bezeichnen Störfälle von gering bis ernst. Die Stufen 4 bis 7 beschreiben Unfälle verschiedener Intensität. In die höchste Stufe wurden bisher nur zwei Unfälle eingruppiert: Die Zerstörung des Kernreaktors von Tschernobyl 1986 und die Nuklearkatastrophe von Fukushima 2011."



      Bei planet-wissen.de



      Weiter dort:



      "dass zu Beginn der Atomenergienutzung Einrichtungen zum Abschalten der Reaktoren quasi die einzigen Sicherheitsvorkehrungen waren.



      Nachbesserungen kamen mit einem US-Konzept, das als GAU den plötzlichen Bruch einer Hauptkühlmittelleitung festlegte. Die Notkühlung und die äußere Schutzhülle des Reaktorgebäudes – eine () Umhüllung..."

  • Seit den 80-er Jahren lebe ich in Greifswald und kenne genügend gestandene Ingenieure, die im AKW Greifswald gearbeitet haben. Es gab zwar mal einen ziemlich schlimmen Brand in der Generatorhalle, jedoch nie eine partielle Kernschmelze in Block 1 wie hier im Beitrag beschrieben. Eine Kernschmelze hätte zur Folge gehabt, dass Block 1 für immer unbenutzbar wird (ähnlich wie der Block 4 1986 in Tschernobyl). Block 1 lief jedoch bis zu seiner endgültigen Abschaltung Anfang der 90-Jahre ohne Probleme weiter. Also, auch wenn es nur ein Detail ist, sollte man doch besser bei der Wahrheit bleiben...

  • Das Unbehagen in der Atomwissenschaft war von Anfang an gelungener Atomkernspaltung 1938 Liese Meitners, Otto Hahns präsent nur durch Verleugnung anwendbar für Atomanlagen



    Angesichts Failed States mit AKWs, Kriegen unter Androhung Atomwaffen Einsatz im Ukrainekrieg seit 2022 durch Russland, Angriffe auf AKWs, Sarkophag 26.4.1986 harvarierten Block 4 AKW Komplex Tschnernoby, Cyperangriffen auf Atomanlagen Stromversorgung, Wasserknappheit, durch Klimawandel, aufgeheiztem Wasser, fehlende Kühlung von AKW Brennstoffelementen. Dabei nicht erwähnt, Gefahren Überwachungs-Atomstaates. Lüge aufrechtzuerhalten, s. Robert Jungks Buch "Atomstaat "1978, dass atomare Bewaffnung ohne AKW Strom. waffenfähigem Uran als Nebenprodukt haushaltsrechrlich gar nicht darstellbar wäre, angesichts immenser Kosten, Haushaltskontrollrecht von Parlamenten, verdeckt über Atomstrom Gebührenzähler von Privathaushalten, Unternehmen zulasten Binnenkaufkraft finanziert wird. Von wegen Atomkraft Renaiccance, wenn überhaupt Renaiccance dann ist es die Lüge atomar gegeseitiger Abschreckung aktuell in Russlands Ukrainekrieg einmal mehr unter Beweis gestellt durch Abzocken von Subventionen für Atomwaffen über AKW Bau

    • @Joachim Petrick:

      Die Ansicht Brüssler Behörde, Atomstrom sei sauber, bezahlbar, stimme nicht, sagte Trittin heute im Deutschlandfunk. Kernenergiestrom sei nur trügerisch kostengünstig subventioniert darstellbar. In der Hoffnung, sich unabhängiger von importiertem Öl und Gas zu machen, werde man stattdessen abhängig von Uran-Importen auch von Russlands Konzern Rosatom wie Frankreich. Als weiteres Beispiel nannte Trittin den Bau eines Atomkraftwerks im EU-Mitgliedsland Ungarn in Zusammenarbeit mit dem russischen Atomkonzern Rosatom. Der Grünen-Politiker betonte, Unabhängigkeit könne lediglich durch den Ausbau von heimischen Erneuerbaren Energien erreicht werden.



      Auf der internationalen Konferenz zur Kernenergie gestern in Paris hatte EU-Kommissionspräsidentin von der Leyen die Abkehr von der Atomkraft als Fehler bezeichnet und eine neue Strategie für kleinere Reaktoren als EU Exportschlager angekündigt. Trittin dazu "Versuch reiner Subventionsabzocke für AKW Bau Ankündigungen, von AKW Renaiccance keine Spur,.Bundesumweltminister Schneider kritisierte dies als „rückwärtsgewandt“ und erklärte, Deutschland halte am Ausstieg aus der Kernenergie fest.

      www.deutschlandfun...interview-100.html

  • Ich bin echt fern von cdU/csU. Bei Merkel hat es vielleicht geholfen, dass sie naturwissenschaftlich gebildet war, was die inhärente Dummheit rückwärtsgewandter neoliberaler cdU/csU-Politik ausgeglichen hat. So ist der "Unfall" zu erklären, dass ausgerechnet eine cdU-Kanzlerin das Nuklear-Aus verkündet hat!?

    Richtig schade ist natürlich, wenn PolitikerInnen nichts dazulerne. So ist z.B. der Inhalt dieses Vortrags kein Geheimwissen, sondern anerkannte Tatsachen:



    youtu.be/xWWXD_NKp...56DJvA0kTS7&t=3067

    Die Argumente gegen Kernkraft sind einfach, dazu ist kein Physikstudium nötig:



    - die teuerste Energie überhaupt



    - Wirkungsgrad Kacke wie bei anderen Tauchsiedern auch



    - keine Endlagerlösung (nicht mal für den schon vorhandenen Müll)



    - weitere Abhängigkeit von anderen (Schurken)Staaten: Uran



    - gefährlich bei extremen Auswirkungen wenn das Risiko zuschlägt

    Aber wenn man sich sein Denken von profitgeilen Wirtschaftsbossen oder Ideologen abkaufen lässt, hilft natürlich nichts.

    Frustrierend, dass ich das jetzt schon seit ich 16 bin (1981) herunterbete und es keinen Lernzuwachs zu geben scheint.

    • @Jalella:

      Uran gibt’s hier bei uns auch nicht gerade wenig und Tauchsieder haben eigentlich einen sehr guten Wirkungsgrad.

    • @Jalella:

      Die Argumente für Kernkraft sind:



      - geringe CO2 Emissionen



      - keine Abhängigkeit von fossilen Energieträgern



      - niedrige Betriebskosten, wenn erst einmal gebaut

    • @Jalella:

      So einfach ist die Welt nicht. Man muss die verschiedenen Risiken ins Verhältnis setzen. Wer den CO2-bedingten Weltuntergang beschwört kann nicht gleichzeitig gegen Kernkraft sein, außer man will die Zivilisation zurückschrauben vor den Beginn der industriellen Revolution.

    • @Jalella:

      China wird 2027 einen Reaktor in Betrieb nehmen, der sogenannten Atommüll als Brennstoff verwendet. Zu den größten Uranförderländer gehören u.a. Kanada und Australien, die sind mir jedenfalls lieber im Gegensatz zu den Ländern, von denen wir Öl und Gas beziehen.

      • @ZTUC:

        "China wird 2027 einen Reaktor in Betrieb nehmen, der sogenannten Atommüll als Brennstoff verwendet."



        Gähn. Sowas gab's doch schon vor Jahrzehnten. Siehe [1]:



        "MOX-Brennelemente kamen 2011 in 21 französischen, in 10 der damals 17 deutschen Kernreaktoren und in Japan zum Einsatz. Insgesamt enthielten im Jahr 2017 rund 30 thermische Reaktoren in Europa (Belgien, Schweiz, Deutschland und Frankreich) MOX und insgesamt 40 erhielten die Erlaubnis dazu."



        Da wird wohl mal wieder ein uralter Hut als neue Sau durchs Dorf getrieben...



        [1] de.wikipedia.org/w...und_in_Deutschland

      • @ZTUC:

        Alter Wein in neuen Schläuchen. Es handelt sich dabei reine Forschungsreaktoren, Experimente also deren Funktionieren noch vollkommen offen ist, genauso wie beim EU-Äquivalent MYRRHA. Soweit man liest handelt es sich dabei um einen Kugelhaufenreaktor (HTR-PM) in Schandorong und einen Thorium-Flüssigsalzreaktor in der Gobi (Warum wohl?). An recht ähnlichen Konzepten hat man hierzulande schon vor Jahrzehnten experimentiert, etwa am THTR-300 der ein totales Fiasko war. Noch älter als diese Experimente sind die Märchen der Atom-Lobby vom geschlossenen und abfallfreien Brennstoffkreislauf. Weder die endlose Wiederaufarbeitung, noch irgendeines der vielen TMC-Konzepte hat sich bis heute als realisierbar erwiesen. Und selbst wenn wenigstens Letzteres eines Tages in großtechnischem Maßstab umsetzbar sein sollte, wäre das Ergebnis immer noch nicht die restlose "Verbrennung" des Atommülls, sondern bestenfalls die Umwandlung in kurzlebigere Isotope die dann in einer WAA abgetrennt und dennoch endgelagert werden müssten.

        • @Ingo Bernable:

          Wenn es kurzlebig ist, muss man es nicht endlagern.

          • @ZTUC:

            Einige tausend Jahre sind deutlich kurzlebiger als 100.000 Jahre. Über welche Zeiträume denken sie also soziale und politische Stabilität hinreichend sicher gewährleisten zu können um Bewachung und Kontrolle dieser "kurzlebigen" Abfälle sicherstellen zu können?

      • @ZTUC:

        "China wird 2027 einen Reaktor in Betrieb nehmen, der sogenannten Atommüll als Brennstoff verwendet."

        Und was kommt da raus? Irgendwann hat man immer einen strahlenden Abfall. Zumindest, wenn man sich im Bereich der irdischen Naturgesetze bewegt.

        Im Bereich Atomreligion sieht es vielleicht anders aus...

        • @warum_denkt_keiner_nach?:

          Plutonium 239, was dann wieder für Brennelemente genutzt werden kann.

          Ähnliche Ideen gibt es in Belgien und den USA, um die Halbwertszeit stark zu verkürzen, so dass kein Endlager mehr nötig wäre.

          • @ZTUC:

            Irgendwann ist aber das Ende erreicht. Man kann aus einem Stoff nicht unendlich viel Energie gewinnen. Das sind einfache Grundlagen der Physik.

            Ideen gibt es schon lange. Mindestens seit den 60ern. Aber die Naturgesetze kann trotzdem niemand außer Kraft setzen.

            • @warum_denkt_keiner_nach?:

              Die Umwandlung in Plutonium liefert noch keine Energie. Es geht primär den "Atommüll' zu verwerten.

      • @ZTUC:

        Evtl. will die VR China "nur" cleverer Plutonium brennen.

      • @ZTUC:

        Ach was?! Und das bedeutet dann, dass es keinerlei Risiko im Betrieb mehr gibt? Und alle können ihren Nuklearmüll nach China bringen - als Endlager sozusagen? Die Bau- und Betriebskosten aller Anlagen sind dann automatisch niedrig? Das Endlager vom Atommüll-Müll ist auch schon gefunden? Die Reststrahlung von bis zu 1 Mio Jahre ist dann auch erledigt? Super Idee!!

        • @Perkele:

          Der Reaktor ist subkritsch und zur keiner Kettenreaktion fähig.

  • Und jetzt steht die Atomenergie wieder vor der Rückkehr in der Form von Kleinkraftwerken - mal schauen wo das endet.

    • @FraMa:

      Bis jetzt hat noch niemand ein "Kleinkraftwerk" durchkonstruiert, das sich rechnet. Auch wenn man die Folgekosten unterschlägt. Da wird von der Lobby mal wieder eine (tote) Sau durchs Land getrieben.

    • @FraMa:

      Der übliche Fake, der von den Atomkraft-Lobbyisten seit 30 Jahren mit wechselnden Pferden verkündet wird, und nie passiert. Es gibt einen in Betrieb befindlichen SMR weltweit. Beim Rest verhält es sich ähnlich wie bei der Kernfusion.

    • @FraMa:

      Ich hoffe in sauberer Stromerzeugung und Energiesicherheit.

      • @ZTUC:

        Wie sauber diese Art der Energiegewinnung ist können sie im Bayerischen Wald besichtigen. Dort müssen noch immer jedes Jahr etliche Wildschweine als Strahlenmüll entsorgt werden weil sie für den menschlichen Verzehr zu hoch belastet sind. Berücksichtigen sie bei dieser Betrachtung, dass die dafür verantwortlichen Cäsium-Isotope nicht einmal auf direktem Weg die rund 1.600 Km von Tschernobyl nach Bayern geweht wurden, sondern erst über Belarus Richtung Norden nach Skandinavien, wo der Unfall seinerzeit im Westen erstmals registriert wurde, und dann von dort erst nach Bayern, was einer Distanz von rund 5.000 Km entspricht.

        Und wie sicher eine Energiesicherheit ist, die im Falle einer größeren Freisetzung etwa in Brokdorf oder Gundremmingen bei typischen Windverhältnissen ganze Metropolregionen unbewohnbar macht was allein einen ökonomischen Schaden in Billionenhöhe bedeuten würde, sollte eigentlich auch einleuchten. In Tschernobyl hatte man Glück im Unglück, dass der Graphitbrand das Inventar sehr hoch in die Atmosphäre beförderte und über halb Europa verdünnte, in Fukushima wurde der Großteil aufs offene Meer geweht, mit weniger Glück könnte Tokio heute auch eine Geisterstadt sein.

        • @Ingo Bernable:

          Dann verbrennen Sie lieber weiterhin "sauber" fossilen Brennstoff mit Tausenden an Toten durch höhere Luftverschmutzung.

          • @ZTUC:

            Als ob es nur die Wahl zwischen atomar oder fossil gäbe. Zumal der durch die fossilen Energien bedingte Klimawandel eben auch zunehmend Auswirkungen auf die Möglichkeit zur Kühlung der atomaren hat (siehe Frankreich). Es braucht mehr Erneuerbare, mehr Speicher, bessere Netze und eine effizientere, flexiblere und klügere Nutzung. So schwer es manchem auch fallen mag seine Gewohnheiten zu ändern, scheint es mir gegenüber der Alternative wahlweise an Verstrahlung oder Verschmutzung zu sterben doch die klügere Option.

    • @FraMa:

      Bestehen da etwa noch Zweifel? Die bisherigen Ereignisse waren erst der Anfang, wenn die Dummen weiterhin bestimmen.

  • Warum haben andere Länder, Japan selbst eingeschlossen, sich denn gegen den Atomausstieg entschieden?

    • @In aller Ruhe:

      Weil die Atomlobby in Japan noch wesentlich mächtiger ist als anderswo.

    • @In aller Ruhe:

      Da fossile Energieträger noch tödlicher sind. Durch die erhöhte Luftverschmutzung, da Kohle, Gas und Öl statt Kernkraft genutzt wurde, hat Deutschland 20.000 Todesopfer zu beklagen (Quelle: Implications of energy and CO2 emission changes in Japan and Germany after the Fukushima accident Kharecha & Sato (2019)).

      • @ZTUC:

        Das ist auf alle Fälle ein vailder Punkt. Wären die Schäden durch fossiler Energie sichtbar, wäre die Debatte über Atomkraft eine ganz andere gewesen. Es gibt unterschiedliche Schätzungen, wonach jährlich zwischen 5 und 8 Mio Menschen an den Folgen sterben. Sonstige Umweltschäden mal ganz außen vor.



        Die Angst vor der Atomkraft ist in erster Linie im Zusammenhang mit der Angst vor der Atombombe und der damit entstanden Anti-Atom Bewegung zu sehen.



        Gegen die Kernkraft spricht für mich in erster Linie die Müllproblematik, für die es auch nach über 70 Jaren noch keine Atwort gibt. Deshalb glaube ich auch nicht, dass das eine Technologie der Zukunft ist.



        Aber ja. Eigentlich hätte man vor der Kernkraft aus den Fossilen, zumindest aber mal aus der Kohle rausgemusst. Das wäre wesentlich rationaler.

      • @ZTUC:

        Sind Sie es, Herr Grossi???

    • @In aller Ruhe:

      Profitinteresse? Einfluss der Atomlobby?

      Und warum haben andere Länder, etwa Italien oder Österreich, den Ausstieg schon sehr lange vor Deutschland beschlossen?

      Nirgendwo auf der Welt ist die Dichte an Reaktoren so hoch wie in Frankreich. Gebaut wurden die größtenteils in den 70er- und 80er-Jahren und weil Neubauten teuer sind sollen die auch noch recht lange weiterlaufen. Mit diesem Wissen werfen sie nochmal einen Blick auf die typischen mitteleuropäischen Windverhältnisse.

  • Keine Industrie ist so von Lug und Trug geprägt wie die Atomindustrie.



    Von Anbeginn an.



    Beim Design der Kraftwerke hat schon immer die Plutoniumgewinnung eine zentrale Rolle gepielt.



    Schon die ersten Reaktoren sind in die Luft geflogen und stehen noch heute verseucht und verstrahlt in der Landschaft rum. (Sellafield / ehemals Windscale)



    Selbst ein so riesiges Land wie einst die UdSSR kann die wirtschaftlichen Folgen einer Havarie nicht beherrschen - wie man sieht.

    Und jetzt kommen irgendwelche Labertaschen aus den Löchern gekrochen und behaupten das wäre eine Brückentechnologie.

    Ich möchte nur daran erinnern wieviel Cäsium aus Tschernobyl damals über Deutschland niedergegangen ist und das ganze Land verseucht hat.

    Es war ungefähr eine Tasse voll !!!!

    Und das hat gereicht das ganze Land zu verseuchen.

    Man muss sich folgendes vor Augen führen:

    Ein Reaktor mit 1000MW thermischer Leistung erzeugt diese Leistung durch tödliche Stahlung.

    1000MW tödliche Strahlung. (vorwiegend Gamma und Neutronenstrahlung) und wenn man einen solchen Reaktor abschaltet hat er noch 10% der Leistung also 100MW.



    Soviel Energie wie 100 000 Mikrowellenöfen.



    Und die strahlen und strahlen und strahlen

  • "Es gibt eine Nachwuchslücke, das atomkritische Wissen droht verloren zu gehen. Dass es aber weiterhin gebraucht werden wird, zeigen die nicht totzukriegenden Ambitionen, die Atomkraft in neuer Form wieder auferstehen zu lassen"



    In der Tat gibt es die Nachwuchslücke, die sich auch bei d. Mitgliedszahlen von einigen NGOs erkennen lässt: Ist dennoch die Möglichkeit der Mobilisation eingeschränkt?



    Es wird in diesem Zusammenhang von neuen Protestformen berichtet, die den "Gründereltern" der Anti-Atomkraft-Bewegung vielleicht erst nahe gebracht werden müssen.



    Bei den Fridays gelang auch eine breite Aufstellung in öffentlichkeitswirksamen Aktionen.

    Erst kürzlich b. spiegel.de



    "Bundesweite Proteste



    Tausende Schülerinnen und Schüler demonstrieren gegen Wehrdienst



    Viele Jugendliche fühlen sich in der Wehrpflichtdebatte übergangen. Laut Veranstaltern nahmen bundesweit Zehntausende an Protesten teil. Ihre Wut richtet sich unter anderem gegen Kanzler Friedrich Merz."

    augsburger-alkgemeine.de



    "Von wegen protestfaul: Die Jugend interessiert sich eben doch



    Junge Menschen müssen heute nicht mehr zwingend auf die Straße gehen, um für ihre Anliegen zu kämpfen. Von Chancen und Risiken der neuen..."