piwik no script img

EuGH-Urteil zu TrassenpreisenWird der ÖPNV noch teurer?

Bisher wird der Nahverkehr bei der Schienenmaut besonders geschützt. Warum der Europäische Gerichtshof die strengen Vorgaben jetzt beanstandet hat.

Ohne Reform der Trassenpreise wird diese Fahrt die Nahverkehrsunternehmen bald teurer zu stehen kommen Foto: Hauke-Christian Dittrich/dpa
Christian Rath

Aus Freiburg

Christian Rath

Die Berechnung der Trassenpreise für den Eisenbahnverkehr in Deutschland verstößt gegen EU-Recht, die politischen Vorgaben sind zu rigide. Das stellte an diesem Donnerstag der Europäische Gerichtshof (EuGH) fest – und befeuerte damit die Diskussionen über eine ohnehin geplante Reform der Trassenpreise.

Das Schienennetz in Deutschland wird überwiegend von der DB Infrago betrieben. Sie berechnet anhand ihrer Kosten die Trassenpreise, die von den Unternehmen des Fernverkehrs, des Nahverkehrs und des Güterverkehrs zu bezahlen sind. Die Trassenpreise machen je nach Unternehmen 10 bis 40 Prozent der Verkehrskosten aus.

Seit 2016 ist der Anstieg der Trassenpreise für den Nahverkehr allerdings auf 1,8 Prozent pro Jahr gedeckelt. Ab 2026 gilt ein Deckel von 3 Prozent. Diese Deckelung haben die Länder durchgesetzt, die den Nahverkehr stark subventionieren. Wenn die Kosten der DB Infrago steigen, müssen Fernverkehr und Güterverkehr entsprechend mehr bezahlen.

Der konkrete Rechtsstreit drehte sich um die Erhöhung der Trassenpreise für das Jahr 2025: Die Trassenentgelte für Fern- und Güterverkehr sollten um rund 17 Prozent steigen, damit die Kosten für den Nahverkehr einigermaßen stabil bleiben.

Reform des Trassenpreissystems erwartet

Dagegen klagten aber nicht die betroffenen DB Fernverkehr und DB Cargo, sondern die DB Infrago als Netzbetreiber. Sie berief sich auf eine EU-Richtlinie von 2016 zur „Verwaltung der Eisenbahn-Infrastruktur“. Danach wird dem Infrastrukturbetreiber in wesentlichen Fragen Unabhängigkeit zugesichert. Die fehle aber, wenn die Preise durch politische Vorgaben quasi feststehen.

Das Trassenpreissystem reformieren wir.

Koalitionsvertrag der Bundesregierung (CDU/CSU und SPD)

Das Verwaltungsgericht Köln legte den Streit dem EuGH vor, weil es im Kern um die Auslegung von EU-Recht geht. Und der EuGH schloss sich jetzt der Rechtsauffassung der DB Infrago an: Die deutschen Regeln für die Trassenpreise verstoßen gegen EU-Recht.

Der EuGH machte aber keine Vorgaben, welche Regeln in Deutschland zukünftig gelten sollen. Wenn sich nichts ändert, droht also eine deftige Erhöhung der Trassenpreise im Schienennahverkehr – was eigentlich dem Ziel widerspricht, mehr Verkehr auf die Schiene zu verlagern, auch um die deutschen Klimaziele einhalten zu können.

Allerdings heißt es im schwarz-roten Koalitionsvertrag ohnehin: „Das Trassenpreissystem reformieren wir.“ Pläne der Bundesregierung werden bis zum Sommer erwartet. Eine kleine Reform gab es schon im November: Im „Gesetz zur Abmilderung des Trassenpreisanstiegs“ beschloss der Bundestag, dass der garantierte Gewinn der DB Infrago von 5,2 Prozent auf 1,9 Prozent reduziert wird. Für die große Reform fordern Schienenverbände, etwa die Allianz pro Schiene, eine Abkehr vom Vollkostenprinzip; die Unternehmen sollen nur noch die Kosten der jeweiligen Fahrt – Grenzkosten – tragen.

Gemeinsam für freie Presse

Als Genossenschaft gehören wir unseren Leser:innen. Und unser Journalismus ist nicht nur 100 % konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung. Unser nächstes Ziel: 50.000 – und mit Ihrer Beteiligung können wir es schaffen. Setzen Sie ein Zeichen für die taz und für die Zukunft unseres Journalismus. Mit nur 5,- Euro sind Sie dabei! Jetzt unterstützen

Mehr zum Thema

42 Kommentare

 / 
  • Welcher Anteil des Gesamt-ÖPNV läuft denn eigentlich über Trassen von DB-Infrago?

    • @metalhead86:

      Alles. Außer Busse, Straßenbahnen und U-Bahnen.

      Aber sonst das gesamte Schienennetz, einschließlich der Gleichstrom-S-Bahnen in Berlin und Hamburg (Muss man erwähnen, da die technisch separat vom Schienennetz sind).

      • @Tim Hartmann:

        Aber wie groß ist dieser Anteil?

      • @Tim Hartmann:

        Das stimmt nicht ganz. Es gibt auch noch Privatbahnen. Und es gibt Strecken, die von regionalen kommunalen Trägern von der Deutschen Bahn übernommen wurden, um sie zu reaktivieren oder eine Stilllegung zu verhindern.

        • @Francesco:

          Beide Ausnahmen betreffen jeweils einen Promillebereich der Netzlänge des hiesigen Eisenbahnnetzes.

  • Es gibt so ein paar wichtige Punkte die man dort anpacken könnte. Bei der Bahn sollte man allerdings zwischen den Punkten Investitionen in die Infrastruktur und erschwingliche Mobilität unterscheiden. Beides darf nicht gegeneinander ausgespielt werden. Die Ticketpreise sollten zunächst erschwinglich und die Tickets unkompliziert zu handhaben sein. Das Deutschlandticket könnte im Preis sinken und ein Sozialticket von 29 Euro eingeführt werden. Die Bahn benötigt aber auch gewaltige Investitionen. Siehe die kaputten Rolltreppen und kaputte Infrastruktur in Berlin an den Bahnhöfen. Das ist für Kunden eher abschreckend. Bahntickets sollten deutlich weniger kosten als ein Flug. Auch in der europäischen Zusammenarbeit könnte sich einiges tun? Wie wäre es das Nachtzugnetz europaweit deutlich auszuweiten? Das wären interessante Punkte die den ÖPNV/ Bahn deutlich attraktiver machen würden.

    • @Hamburger in Istanbul:

      Zunächst einmal ist es wichtig, die Technik zu bezahlen, und zwar wirklich und vollständig. Dann reden wir, ob der Steuerzahler das so großzügig subventionieren soll oder ob die Nutzer mit ihren Fahrkarten und die Frachtkunden sich angemessen beteiligen.



      Wer es nicht bezahlen möchte, kann laufen, Fahrrad fahren oder zu Hause bleiben.



      Wenn zuviele Menschen fahren wollen, muss es teuer werden, man kann nicht mehr Fahrten verkaufen als Platz ist.



      Was die Zuverlässigkeit angeht, dann müssen wir noch einen Verantwortlichen finden, der gut verdient, wenn alles läuft, und die Pönale vollumfänglich bezahlt, wenn es wieder einmal nicht geht. Derzeit sind alle Aktiven Arbeitnehmer oder Beamte, die kraft Dienstrecht keine tatsächliche Verantwortung übernehmen.

  • Natürlich wird der ÖPNV teurer, es betrifft ja nicht die Reichen.

    • @Erfahrungssammler:

      Wer die Fahrkarte nicht bezahlen möchte, kann laufen oder Fahrrad fahren oder zu Hause bleiben.

      • @Christoph Strebel:

        Haben Sie nicht selbst wenigstens ein bisschen den Eindruck, dass Sie es sich mit dem "zu Hause bleiben" zu leicht machen?

    • @Erfahrungssammler:

      Da ist was dran...

  • Grenzkosten für solche zentrale Infrastruktur mit Fixkostenblock ist das, was jedes Volkswirtschafts-Propädeutikum vorschlägt.



    Die Bahn ist Infrastruktur für alle, nicht nur für die mit Autos und Führerscheinen (beides teuer). Auch übrigens für die, die im Alter nicht mehr Auto können. Also für uns alle mal.

    Die Baustelle wird aber eine andere und lange sein: Die Parallelstrecken noch zu retten, damit repariert werden kann, dass die Kapazität gesteigert werden kann. Und neue zu bauen. Stopp bei neuen Autobahnspuren, wir brauchen alle Kraft bei der Infrastruktur für alle.

    • @Janix:

      Modal Split Personenverkehr 2024: Auto 75%, ÖV (Nah- + Fernverkehr, Bus+Bahn) 15%. Damit sind Investitionen in den Straßenverkehr Investitionen für eine überwältigende Mehrheit, Investitionen in die Bahn Investitionen für eine kleine Minderheit.

      • @Luftfahrer:

        Man könnte sich berücksichtigen, dass von den 75 % Autofahrern viele sehr gerne Bahn fahren würden, wenn sie nicht so kaputt wäre. Und von denen, die gar nicht unterwegs sind, hätten 100 % einen Vorteil, wenn es durch Ausbau der Bahn weniger Autoverkehr (Lärm, Unfälle, Schadstoffe, Platzverbrauch) gäbe.

      • @Luftfahrer:

        Wenn der Bahnverkehr und die Bahn selbst durch die öffentliche Berichterstattung und Probleme wie kaputte Infrastruktur und hohe Ticketpreise schlecht gemacht wird ist es kein Wunder, dass die meisten eher auf andere Verkehrsmittel ausweichen. Die Förderung der Bahn sollte politisch auch eher Priorität und Vorrang haben. Die Pendlerpauschale könnte man zu einer Art Mobilitätszulage für den öffentlichen Nahverkehr und die Bahn umgestalten, um Menschen eher dazu zu bewegen auf die Bahn umzusteigen.

        • @Hamburger in Istanbul:

          "Wenn der Bahnverkehr und die Bahn selbst durch die öffentliche Berichterstattung...schlecht gemacht wird..." Meinen Sie das im Ernst? Menschen fahren weiter Auto, weil die Bahn in den Medien schlechtgemacht, also untergeschrieben bzw. -gesendet wird? Dann sind Sie vermutlich noch nie Bahn gefahren oder hatten bei dem einen bisher in Ihrem Leben gemachten Versuch viel Glück gehabt. So etwas wie oben zu behaupten, muss bei regelmäßigen Bahnnutzern wie der blanke Zynismus rüberkommen.



          Und so eine "Meisterleistung" wie z.B. der nahezu Komplettausfall der Rolltreppen im Berlin Hbf. (in dem man sich über 5 Ebenen zwischen den Zügen/Bahnsteigen bewegen muss, schauen Sie es sich dort einmal an) hatten selbst eingefleischte Pessimisten der Bahn nicht zugetraut.

          • @Vigoleis:

            Die sind nicht komplett ausgefallen, sondern der Rest wurde sicherheitshalber stillgelegt, damit nicht noch mehr Unfälle passieren.

          • @Vigoleis:

            Ich kann ihre Argumentation durchaus nachvollziehen. Allerdings scheint es wichtig bei der Ausführung und Sichtweise zu differenzieren. Zunächst einmal: Regelmäßige Bahnerfahrungen und ÖPNV-Erfahrungen sind da. Bisher immer gute Erfahrungen gemacht. Nicht immer pünktlich ans Ziel gekommen, aber mit einer guten Organisation klappte das in den letzten Jahren immer gut. Ihrer Sichtweise stimme ich in der Weise zu, dass die Missstände bei der Bahn natürlich stimmen. Allerdings kommt es darauf an, wer die Probleme bei der Bahn zu verantworten hat. Es ist oft nicht die Bahn (das Personal und Lokführer) die das Problem sind, sondern die obere Managementebene. Oft wird pauschal die ganze Bahn verantwortlich gemacht und der Frust auch am unteren Personal ausgelassen, was die Zustände selbst gerne ändern würde. Was so nicht gerechtfertigt erscheint. Andererseits scheint mir die Berichterstattung über die Bahn doch eher sehr autolastig geprägt zu sein.

            • @Hamburger in Istanbul:

              Selbstverständlich liegt die "Schuld" nicht bei den einfachen Bahnangestellten, die nur bestmöglich ihre Arbeit tun. Ganz bei Ihnen.



              Hauptgrund für das Desaster liegt bei den Entscheidungsträgern in der Politik, die die Bahn als Institution der Grundversorgung zu privatisieren und an die Börse zu bringen versuchten. Ein lang gehegter Plan. Als Vollstrecker wurde Hr. Mehdorn gewonnen. Nach dessen "Rosskur" war die Bahn eine andere, z.B. jeder operativen Betriebsreserve entblößt (was z.B. letztlich auch Pannen wie die mit den Rolltreppen zur Folge hat). Seine Nachfolger versuchen nun, die schweren Fehler der Vergangenheit zu beheben, vulgo: Löcher zu stopfen. Zu mehr reicht es nicht mehr, trotz Milliarden.



              Ein komplexes System Bahn kann in kurzer Zeit ruiniert werden. Es wieder aufzubauen, ist fast unmöglich. Ich behaupte, dass die Bahn in Ditschl unter den ggb. Umständen und dem derzeitigen Management niemals wieder richtig funktionieren wird. Das hat Ursachen verschiedenster Art. Eine wäre, dass die Konzernspitze nicht aus "gelernten" Bahnern besteht. Für das System Bahn muss man so etwas wie ein "Gefühl" haben, was man meist nur "von der Pike auf" erlernen und erwerben kann.

        • @Hamburger in Istanbul:

          "durch die öffentliche Berichterstattung schlecht gemacht wird..."

          Die Bahn ist schlecht. Verspätungen von 40% der Züge im Fernverkehr ist nun mal eine Tatsache. Mein Sohn ist auf die S-Bahn angewiesen. Es gab seit beinahe zwei Jahren nicht eine (!!) Woche, in der das reibungslos geklappt hat.

      • @Luftfahrer:

        Das eine kann jeder nutzen, das andere nicht.



        Das eine braucht 2 Euro für die Fahrkarte, das andere 3000 € für den Führerschen und noch mal 7000 für die Karre (und die ist dann billig gewesen).



        Das eine wird auch von sehr Armen genutzt, das andere nicht.



        Das eine können Sie nutzen, wenn die Reflexe und die Sicht Sie zum Verkehrsrisiko für sich und andere gemacht haben. Das andere nicht.



        Jeder sollte sich für ÖPNV in der Breite einsetzen. 90 Jahre teure Fehlsteuerung reichen.

        Vom Fliegen noch mal ganz abgesehen. Sollen wir mal von den auf Dritte abgewälzten externen Kosten des Fliegens beginnen?

        • @Janix:

          Und da könnte man sich fragen, warum die überwältigende Mehrheit trotz massiver Mehrkosten das Auto vorzieht. Gründe könnten vielleicht sein: Zeitersparnis (Zeit ist Geld und Lebensqualität), Stressersparnis, garantierter Sitzplatz, ein komfortabler Sitz, Flexibilität (24/7 zu jeder Zeit auf dem kürzesten Weg zu jedem Ort), Großeinkaufstransport bis vor die Haustüre, keine unangenehmen Leute mit so Dingen wie Messern etc.

        • @Janix:

          Das trifft aber auch alles für einen Bus zu. Der ist zudem effizienter und umweltfreundlicher. Und das Argument, die Bahn ist pünktlicher, da sie nicht in Stau geraten kann. Nun ja, momentan würde ich das nicht unterschreiben. Vielleicht sollte man lieber die Schiene im Fernverkehr für den Güterverkehr nutzen und den Busverkehr aufbauen.

      • @Luftfahrer:

        Und damit das so bleibt, wird nicht in klimafreundliche, sichere Infrastruktur investiert. Ist das Satirte oder ernst gemeint?

  • Kann mir das mal jemand erklären:

    Die Bahn gehört dem Bund und "beantragt" Trassenpreise.

    Die Bundesnetzagentur (eine Bundesbehörde bzw. -einrichtung) genehmigt die (oder selten auch nicht)

    Die Länder (aus denen sich der Bund ja letztlich zusamensetzt) haben einen Deckel beschlossen.

    Der Bund subventioniert die Bahn mit Milliardenbeträgen.

    Also enden alle Fäden beim Bund.

    Wozu also dieses Schaumschlägergebilde ?

    • @Bolzkopf:

      Es fahren ja auch private Züge auf den Trassen.

      • @Strolch:

        "Es fahren ja auch private Züge auf den Trassen."

        Ich interpretiere Ihre Aussage mit privatem Fern und Güterverkehr; Privater Nahverkehr (im öffentlichen Auftrag ist ja gerade nicht betroffen)

        Wenn diese Privaten Güter/Personenfernverkehr geklagt hätten, könnte ich die sogar verstehen. Aber haben Sie nicht.



        Geklagt hat die Infrago, die dem Bund gehört.

        Das ist schon Kasperletheater.

        • @Tim Hartmann:

          "Wenn diese Privaten Güter/Personenfernverkehr geklagt hätten, könnte ich die sogar verstehen. Aber haben Sie nicht.

          Geklagt hat die Infrago, die dem Bund gehört.

          Das ist schon Kasperletheater."

          Teil des "Kasperletheaters" ist, dass die von Ihnen genannten Privaten gar nicht Klagen mussten, weil sie die Möglichkeit hatten, die DB InfraGO vorzuschieben - hat ihnen größeren Aufwand erspart.

          Kurz gesagt hat die DB InfraGO gegen die Einschränkung ihrer unternehmerischen Entscheidungsfreiheit durch den Staat geklagt, weil ihr auf anderer Ebene formell vorgeworfen wurde, selbst für das Ergebnis der staatlichen Einmischung verantwortlich zu sein (durch missbräuchliche Anwendung ihrer unternehmerischen Entscheidungsfreiheit).

          Kasperletheater allerorten...

    • @Bolzkopf:

      Das Konstrukt dient dazu, sogenannte "Marktwirtschaft" zu simulieren. Praktisch ist es natürlich kompletter Blödsinn.

    • @Bolzkopf:

      Weil nicht dieses Konstrukt beanstandet wurde, das gibt es in anderen Ländern auch. Es wurde beanstandet, das der Fernverkehr und der Güterverkehr den ÖPNV querfinanzieren müssen. Diese zahlen nämlich mehr als doppelt so hohe Trassenpreise. Im Grunde heißt dies nur: Gleiche Trassenpreise für alle.



      Die Krux ist aber, das nun der Besteller des ÖPNV (Die Bundesländer i.d.R.) wesentlich höhere Zuschüsse bezahlen müssen, und dies dann zwangsläufig zu höheren Ticketpreisen führen muss. Denn als Nebeneffekt soll der ÖPNV natürlich auch kostendeckend wirtschaften. Was dann wieder heißen würde: höhere Ticketpreise oder weniger Zugangebot, oder auch beides.

  • Das Problem ist nicht die Berechnung der Trassenpreise. Das Problem ist, dass es diese Preise überhaupt gibt.



    Die ganze Trennung von Infrastruktur und Verkehr ist ein Fehler. Damit schaff man ein finanzielles Konstrukt, in dem jeder Teil (theoretisch) profitabel arbeiten soll. Praktisch kommt dabei heraus, dass die DB Geld an sich selbst zahlen muss und damit die Kosten steigen. Es ist einfach grober Unfug.



    Es wird Zeit, dass wieder zusammenwächst, was zusammen gehört.

    • @warum_denkt_keiner_nach?:

      Nicht der Meinung!

      Im Regionalverkehr "bestellen" die Länder die Leistung, schreiben es aus. Da bieten mehrere Privatbahnen mit. Die Fahrkarten finanzieren das ganze ja nicht. Die liegen nur so bei maximal 1/3 vom Kuchen

      Im Fernverkehr, da wo eigenglich es liberaler ist, hat die Bahn den hohen Marktanteil.

      ABER: Immer mehr Bahnen aus den Nachbarländern kommen, Flixtrain baut aus. Und sowohl die italienische Staatsbahn als auch die italienische Privatbahn will ihre Hochgeschwindigkeitszüge nach D schicken.

      Eigentlich sollten Infrastruktur und Bahn och weiter getrennt werden.

      Aber ich finde es sollte im Ermessen des Staates liegen wer wieviel Trassenpreise bezahlt. Dass eine Infrago ohne Rücksprache mit dem Bund anfängt rumzuplagen (Gegen Beschlüsse vom Bund/der Länder) ist sehr seltsam.

      • @Tim Hartmann:

        "Im Regionalverkehr "bestellen" die Länder die Leistung, schreiben es aus. Da bieten mehrere Privatbahnen mit. Die Fahrkarten finanzieren das ganze ja nicht."

        Genau das ist doch das Problem. Jeder kann bieten und der Zuschlag geht an das "günstigste" Angebot. In der Praxis können dann viele Private ihre Zusagen nicht halten, weil sie keine Substanz haben. Und im schlimmsten Fall versickert das Staatsgeld in dunklen Kanälen.

        Dazu kommt natürlich, dass Wettbewerb auf der Schiene praktisch kaum funktioniert, weil die Technik es nicht zulässt. Man versucht, auf der Schiene eine Art Straßenverkehr abzuwickeln, aber das geht eben nicht.

    • @warum_denkt_keiner_nach?:

      Gerade bei den Regionalbahnen gibt es aber viele private Anbieter. Sollen die die Trassen umsonst nutzen?

      • @Strolch:

        Die ganze Idee, in diesem Bereich etwas zu privatisieren, war absurd. In der Praxis kauft der Staat jetzt bei diesen privaten Anbietern die Verkehrsleistungen ein. Er zahlt also praktisch zusätzlich zu den Kosten noch Dividende.

        Dazu kommt noch, dass der Verkehr vor allem dann funktioniert, wenn der Anbieter in öffentlicher Hand ist. Mit den tatsächlich privaten gibt es immer wieder massive Probleme. Auch weil es in D tatsächlich erlaubt ist, den Zuschlag für Verkehrsleistungen an Unternehmen zu vergeben, die weder Fahrzeuge noch Lokführer haben.

        • @warum_denkt_keiner_nach?:

          Ob die Idee absurd war - kann ich nicht beurteilen, da kenne ich mich bei der Bahn zu wenig aus. Bei der Straße würde es absurd erscheinen, wenn der Staat plötzlich den Warentransport staatlich organisieren wollte und nicht auf private Speditionen setzt. Der Staat ist oft ineffizient. Daher wäre mir das Argument, der Stast zahlt jetzt auch Dividende zu kurz gesprungen. Klar ist, auf Bahntrassen kann man nicht wie auf Straßen einfach fahren, wenn man möchte. Man braucht einen Zeitslot, um die Schiene nutzen zu können. Und richtig ist auch, seit der Privatisierung hat sich nichts verbessert - im Gegenteil.

          • @Strolch:

            "Bei der Straße würde es absurd erscheinen, wenn der Staat plötzlich den Warentransport staatlich organisieren wollte und nicht auf private Speditionen setzt."

            Genau da liegt das Problem. Schienenverkehr funktioniert Technik bedingt völlig anders, als Straßenverkehr. Man kann auf der Schiene z.B. bei einer Panne nicht einfach mal rechts ran fahren.



            Bisherige "Reformen" im Schienenverkehr funktionieren genau deshalb nicht, weil man ihn wie Straßenverkehr behandeln will.

  • Man könnte natürlich das Schienennetz auch so finanzieren, wie die Straßennetz: so ziemlich ausschließlich aus Steuergeldern. Allein, es fehlt der Wille.

    • @pumble:

      Ca . 13 Mrd. stammen aus der LKW Maut. Dass es keine PKW Maut gibt, hat vor allem die taz Leser und Autoren gefreut. Bei den Einnahmen aus den Trassenentgelten habe ich keine Zahl gefunden.

    • @pumble:

      Man muss das Auto nicht mögen. Aber Benzin ist zu 2/3 und Diesel zu 1/2 nur Steuern.

      Bilanziell trägt sich der Straßenverkehr selbst.

      Der Schienenverkehr nicht. Der Staat verdient kein Geld mit der Bahn. Weder mit der Infrago noch mit der DBAG. Und die Steuern die beide zahlen decken in kleinster weise das was der Staat in die Bahn reinbuttert.

      PS: Ich finde das auch voll ok so wie es ist.

      Was mich aber stört, ist wenn man das nicht anerkennt.

    • @pumble:

      Wenn dafür Steuern auf Tickets vergleichbar mit Kfz-Steuer und Treibstoffsteuern erhoben werden, geht das. Der ÖPNV wird schon zu über 50% aus Steuergeldern finanziert, die Regionalisierungsmittel werden zu 100% aus Treibstoffsteuern finanziert.

      • @Luftfahrer:

        Wobei ironischerweise der größte einzelne Treubstoffsteuerzahler der DB-Konzern sein soll...