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Steigende RüstungsausgabenUnion fürchtet „Goldgräberstimmung“

Die Union sorgt sich im Bundestag um Geldverschwendung bei Rüstungsausgaben. Der Verteidigungsminister verweist auf den Kapitalismus als Problem.

Die historisch hohen Rüstungsausgaben in Deutschland nähren auch in der Union Zweifel am sinnvollen Einsatz dieses Geldes. Bei der Befragung von Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) im Bundestag äußerte der Vorsitzende der Arbeitsgruppe Verteidigung in der Unionsfraktion, Thomas Erndl (CSU), die Sorge, dass der Bund Rüstungsgüter zu „überteuerten Preisen“ einkaufe. „Wenn wir so viel Geld über den Haushalt bereitstellen, dann entsteht vielleicht eine Art Goldgräberstimmung in der Verteidigungsindustrie“, sagte Erndl an Pistorius gewandt.

In den kommenden Wochen berät der Bundestag über den Verteidigungsetat für 2027. Der Entwurf sieht für das kommende Jahr Ausgaben von etwa 140 Milliarden Euro vor. Davon sollen knapp 110 Milliarden Euro aus dem Kernhaushalt stammen, hinzu kommen 25 Milliarden Euro aus dem 2022 geschaffenen Sonderschuldentopf für die Bundeswehr. Damit sollen die Verteidigungsausgaben von etwa 108 Milliarden Euro aus dem laufenden Jahr noch einmal um 30 Prozent steigen.

„Mit welchen Mitteln stellen wir sicher, dass wir nicht zu überhöhten Preisen einkaufen und letztendlich das Geld nicht effizient ausgeben?“, wollte Erndl in diesem Kontext von Pistorius wissen. In seiner Antwort räumte der Verteidigungsminister ein, mit Preissteigerungen bei den Rüstungsausgaben konfrontiert zu sein – wie er damit umgehen will, ließ er offen.

Pistorius hatte im vergangenen Jahr selbst von Goldgräberstimmung gesprochen. „Sie wissen, dass es verschiedene Ursachen für diese Preissteigerungen gibt“, sagte er nun im Bundestag. „Die eine ist die, die dem Wesen des Kapitalismus innewohnt.“ Es gebe eine weltweit gestiegene Nachfrage nach Rüstungsgütern, die sich auf die Preise auswirke, so der Minister. Ein anderer Grund liege in dem „noch nicht im vollen Tempo laufenden“ Ausbau der Produktionskapazitäten.

Kontrolle mit Lücken

Braucht es also weltweit nur eine noch größere Waffenproduktion, um die Preise zu drücken? Diesen Gedanken führte der Verteidigungsminister nicht weiter aus. Er sprach stattdessen davon, dass es in seinem Haus stetige Kontrollen gebe, um zu verhindern, dass Hersteller etwa durch Verzögerungen in der Lieferkette die Preise nach oben treiben. Außerdem arbeite man mit dem Parlament und dem Verteidigungsausschuss eng zusammen, um auch so eine Kontrolle zu ermöglichen.

In der Vergangenheit hatten sich jedoch die Haushälter im Bundestag immer wieder deutlich darüber beschwert, dass die Preissteigerungen bei den Beschaffungsprojekten kaum noch nachvollziehbar seien. Ein prominentes Beispiel waren hierfür zuletzt Tankcontainer, die auch für die Aufstellung der neuen Bundeswehr-Brigade in Litauen gebraucht werden: Hier hatte sich der Anschaffungspreis offenbar ohne Grund von 142.000 Euro auf 291.000 Euro pro Stück aufs Doppelte verteuert. Gebraucht wurden laut Bundeswehr etwa 1.000 dieser Container – bis der Haushaltsausschuss wegen der Kostenexplosion auf die Bremse trat.

Doch nicht immer läuft es so: Laut jüngsten Recherchen des ARD-Magazins „Kontraste“ kaufte die Bundeswehr in der Vergangenheit 35 Löschfahrzeuge für den Einsatz auf Flughäfen. Trotz der hohen bestellten Stückzahl sei der Kaufpreis pro Fahrzeug um etwa 800.000 Euro höher gewesen als bei ähnlichen Fahrzeugen desselben Herstellers für zivile Flughäfen. Der Linken-Politiker Ulrich Thoden wollte von Pistorius wissen, wie in diesem Fall die Preissteigerungen zustande gekommen seien – der Verteidigungsminister versprach, die Antwort nachzuliefern.

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9 Kommentare

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  • T-Rom

    Die Rüstungsausgaben sind ein Skandal erster Güte.



    Zum einen, dass überhaupt so viel Geld für Aufrüstung bereitgestellt wird.



    Und zum anderen, wie ineffizient das Geld eingesetzt wird.



    Anstatt soviel Geld für überteuertes "Blech" hinauszuschmeissen, sollte Pistorius besser in die Wege leiten, dass die Bundeswehr sich von den ukrainischen Streitkräften in moderner Drohnenkampfführung und - abwehr unterweisen und trainieren lässt, und zwar umfangreich. Das kostet einen Bruchteil, wird aber in Zukunft viel relevanter sein.

  • nihilist

    Reine Neiddebatte, weil kein Unions-Verteidigungsminister dazwischen sitzt und Amigos versorgen kann.

    • Christine_Winterabend

      @nihilist:

      ... der aber nicht das Geld ranschafft und nur vielleicht von Rüstungsaktien profitiert.

  • Christine_Winterabend

    Interessant. Mal davon abgesehen, was die CDU gerade so fürchtet - das gehört normal nicht zu den Dingen, die die CDU normalerweise fürchtet. Aber gerade weil der Vorsitzende der Arbeitsgruppe Verteidigung in der Unionsfraktion sagt, es "entsteht vielleicht eine Art Goldgräberstimmung in der Verteidigungsindustrie" ist das interessant im Hinblick auf die Goldgrabungsbemühungen der CDU-geführten Regierung in den schwindenden Ressourcen der Bevölkerung. Vor allem auch deshalb, weil die AfD sehr bemüht ist zu vermitteln, dass alles, was da eingesammelt wird, in den Rachen der Ukraine gesteckte wird, was in den Befragungen von AfD-Wählern durchaus zur Sprache gekommen ist. Insofern hat die CDU durchaus zu den AfD-Wahlerfolgen beigetragen.



    Die F35 - brauchen wir die zur europäischen Verteidigung eigentlich wirklich? Vor allem zu dem Preis? Wem nützt das? Un was hat eigentlich den sonst eigentlich fridlichen Wadephul kürzlich zu der Äußerung gegenüber der Ukraine getrieben, mehr Dankbarkeit zeigen zu sollen - wa ich ich echt wirklich daneben fand.

  • Gerhard Krause

    Das Öffentliche wird bevorzugt abgezockt, das wissen wir doch schon.

  • Lowandorder

    Er nu wieder - der Tarnfleck aus OS - SPD -



    But. Ausgerechnet die - vonne CDU - wa!



    “im Bundestag äußerte der Vorsitzende der Arbeitsgruppe Verteidigung in der Unionsfraktion, Thomas Erndl (CSU), die Sorge, dass der Bund Rüstungsgüter zu „überteuerten Preisen“ einkaufe. „Wenn wir so viel Geld über den Haushalt bereitstellen, dann entsteht vielleicht eine Art Goldgräberstimmung in der Verteidigungsindustrie“, sagte Erndl an Pistorius gewandt.” Gut gebrüllt 🦁 - But.



    Ein gewisser Franz später Josef Strauß - wa!



    🤖Franz Josef Strauß weitete die ursprüngliche Bestellung im Jahr 1960 von den zunächst geplanten 250 Flugzeugen auf insgesamt rund 700 Maschinen aus. Er orderte damit 450 Starfighter mehr als ursprünglich vorgesehen.



    …dh als vom BT genehmigt! But



    Motto ”Runter kommen sie immer“ -



    Dett fiel uff: mehr als genehmigt! Gell



    Die fliegende Zigarre



    Von den insgesamt 916 bei der Bundeswehr eingesetzten Lockheed F-104 Starfighter gingen rund ein Drittel (300 Maschinen) durch Unfälle verloren, davon 269 durch Abstürze.



    www.ndr.de/geschic...arfighter-114.html



    Start als Schönwetterjäger • 🙀🧐👎

  • Tom Farmer

    "In Kriegszeiten kann jeder Idiot reich werden."



    War schon immer so, Zitat hing in der Ausstellung des Zeppelin Museum in Friedrichshafen. Braucht man nicht viel hinzufügen. Außer: Blöd, dass das immer noch so ist bei so viel schlauen Menschen bei Bund und Regierung!

  • Schmetterling

    Achso, Kapitalismus. Na dann man wohl nichts machen - für den Kapitalismus müssen wir natürlich die folgenden Generationen in die Schuldenfalle stürzen, das sind die Gesetze der Ökonomie oder so ähnlich.

  • Pico

    Typisch Pistorius. Schuld ist also die Nachfrage. Wenn ich z.B. an den F35 denke, teuer, sehr teuer und zu 100% abhängig von den USA. Ohne die Cloud-Software läuft nichts. Und darauf hat nur die USA Zugriff. Na toll. Was für ein guter Deal. Leider nur für Donald gut und weniger für Boris ...