piwik no script img

Neuer Verkehrsminister Steffen BilgerKein Freund von Tempolimit und Verbrenner-Aus

Der designierte Bundesverkehrsminister Steffen Bilger bringt jahrelange Erfahrung in der Verkehrspolitik mit. Wer er ist – und wofür er sich einsetzt.

Ein Torwart sollte nicht Linksaußen spielen, hatte CDU-Finanzpolitiker Fritz Güntzler vor wenigen Tagen gesagt, als er das Amt des Bundesverkehrsministers dankend ablehnte – aus fachlichen Gründen. Jetzt hat Bundeskanzler Friedrich Merz einen Fachmann gefunden, einen, der auf dem Flügel trainiert ist: Steffen Bilger, seit 2025 Erster Parlamentarischer Geschäftsführer der Unionsfraktion im Bundestag mit verkehrspolitischer Erfahrung, soll Patrick Schnieder an der Spitze des Verkehrsministeriums ablösen.

Bilger, Fan des VfB Stuttgart, wurde schon 1996 als 17-jähriger Schüler Parteimitglied. In Tübingen studierte er Rechtswissenschaft, arbeitete danach als Anwalt und gründete mit Kollegen eine eigene Kanzlei, die sich auf Verkehrs- und Energierecht spezialisiert hatte. 2009 zog er für die CDU in den Bundestag ein. Seitdem hat er sich bei allen Bundestagswahlen das Direktmandat in seinem Wahlkreis Ludwigsburg in Baden-Württemberg gesichert.

Bilger saß von 2009 an neun Jahre lang für die Union im Verkehrsausschuss des Bundestags. 2014 war er Mitglied im Eisenbahninfrastrukturbeirat, einem Gremium zur Beratung der Bundesnetzagentur.

Schon damals unterstützte er den amtierenden Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) bei dessen Plänen für eine Pkw-Maut. Das Ziel: bei nicht-deutschen Au­to­fah­re­r:in­nen Geld für die Verkehrsinfrastruktur einzutreiben, argumentierte Bilger im Jahr 2014, und sagte: „Wir sind überzeugt: Das Vorhaben ist vereinbar mit dem EU-Recht.“ Rund fünf Jahre später platzte das Projekt, der Europäische Gerichtshof beurteilte die Maut als rechtswidrig.

Staatssekretär unter Verkehrsminister Scheuer

Zur Zeit des Urteils war Andreas Scheuer (CSU) Verkehrsminister, Bilger unter ihm von 2018 bis 2021 Parlamentarischer Staatssekretär. In seiner Funktion dort machte Bilger klar, dass er nichts von einem generellen Tempolimit von 130 Kilometern pro Stunde auf Autobahnen hält. Und er warb gegen das auf EU-Ebene geplante Verkaufsverbot für neue Verbrenner ab 2035. Erst im vergangenen Jahr, dann schon als Parlamentarischer Geschäftsführer von CDU und CSU, bekräftigte Bilger im Gespräch mit RTL und n-tv: „Das Verbrenner-Aus macht keinen Sinn“, seine Fraktion sei „immer für Technologieoffenheit“ gewesen.

Das Verbrenner-Aus macht keinen Sinn

Steffen Bilger, CDU

So ging er in seiner Zeit als Staatssekretär im Verkehrsministerium auch tatkräftig gegen Umweltschützer:innen, speziell gegen die Deutsche Umwelthilfe (DUH) vor. Mit Klagen auf Fahrverbote für Dieselfahrzeuge machte die DUH Druck auf die Bundesregierung und ihre Klimapolitik. Der CDU-Bezirksverband Nordwürttemberg, dem Bilger vorsaß, beantragte daraufhin zu prüfen, „ob die Deutsche Umwelthilfe noch die Kriterien für die Gemeinnützigkeit erfüllt“.

Das Fernsehmagazin „Monitor“ warf Bilger angesichts des Antrags eine zu große Nähe zur Autolobby vor: Nordwürttemberg sei geprägt von Autoherstellern, der Ehrenvorsitzende des CDU-Bezirksverbands, Ex-Verkehrsminister Matthias Wissmann, selbst Cheflobbyist der Automobilindustrie.

Noch am späten Sonntagabend teilte Bilger in sozialen Medien mit, er freue sich, ins Verkehrsministerium zurückzukehren. Seinen Posten als Parlamentarischer ⁠Geschäftsführer muss er ohnehin räumen, weil der neue Fraktionschef Frei ebenfalls aus ‌Baden-Württemberg kommt.

Die taz gehört zu 100 Prozent ihren Leser:innen und ist damit nicht nur konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung für taz zahl ich. Dank Ihnen haben wir nun die 50.000 erreicht. So viele unterstützen freiwillig und regelmäßig. Noch nicht dabei? Werden Sie jetzt Teil der Community! Jetzt unterstützen

Mehr zum Thema

42 Kommentare

 / 
  • taz: *Neuer Verkehrsminister Steffen Bilger - Kein Freund von Tempolimit und Verbrenner-Aus*

    Freie Fahrt für den Klimawandel, aber so kennt man ja die CDU/CSU. 🚗🚙🚕

  • Der Niedergang der deutschen Alt-omobil-Industrie beruht auf dem Festhalten an alter Technik ohne Marktchancen. Wer auch zukünftig noch Verbrenner legitimieren will beschleunigt den Prozess und kann daher kaum als Lobbyist der deutschen Autobauer bezeichnet werden.

    Wie sind denn seine Verbindungen nach China?

  • Wenn man die aktuellen Probleme " Waldbrände in Europa, beinahe ausgetrocknete Flüsse, etc." sieht, kann man nur sagen: "Kanzler und Minister und die Mehrzahl der Unions-Abgeordneten sind - frei nach Heiner Geißler - sehr mutige (!) Frauen und Männer, denn sie lassen sich von Daten und Fakten - der Klimaforschung - n i c h t beeindrucken !!!"



    PS: Was nichts kostet - z.B. Tempolimit wie im beinahhe kompletten Rest Europas - ist NIX !

    • @Thüringer:

      Dabei vernachlässigen Sie aber schön, dass die allermeisten Tempolimits in Europa nicht aus umweltpolitischen Aspekten eingeführt wurden, sondern aus rein monetären Gründen.



      In welchem Land mit Tempolimit können Sie denn noch ohne zu bezahlen fahren?



      Die können Sie wahrscheinlich an einer Hand abzählen.

    • @Thüringer:

      Waldbrände haben nichts mit Klimawandel zutun! Ein Wald brennt nicht ohne Hilfe des Menschen. Waldbrände sind alle menschengemacht

      • @Marcelo:

        Na ja, ein bisschen schon. Trockenheit schafft trockene Flächen. Aber es hat eigentlich auch mehr mit der Landflucht zu tun. Viele Flächen liegen brach. Werden nicht mehr bewirtschaftet, es bildet sich Steppe, es wachsen Brombeeren usw. Ideales Futter für die Flammen. Dort wo mit Ziegen und entsprechende Kühe die Weiden bewirtschaftet werden, hat man auch keine Waldbrände bzw. brennen nicht die brachliegenden Flächen. Ergo: Stoppt die Landflucht, wir brauchen die die unsere Landschaft pflegen und erhalten.

      • @Marcelo:

        Der überwiegende Teil sicherlich.







        Aber das Ausmaß jedes Brandes wird maßgeblich durch die Natur bestimmt, sprich durch den Grad der Trockenheit der Vegetation und Böden, steigenden Temperaturen und natürlich den Windverhältnissen.







        Trockenheit und Sommertemperaturen haben gerade in Europa durch den Klimawandel extrem zugenommen; entsprechend auch die Dimension der Waldbrände.







        So hat das, was wir jetzt zunehmend an Bränden sehen, sehr wohl mit dem Klimawandel zu tun.

      • @Marcelo:

        Durch die Änderung der Nutzung -bei uns genauso wie in Südeuropa - entstehen erst die großen Probleme. Klimawandel ist nur eine billige Ausrede.

        Im Ahrtal lag viel Holz im Fluss und hat ihn verstopft. Früher haben die Menschen das eingesammelt, z.B. zum Heizen. Heute bleibt es liegen oder wird sogar aus Naturschutzgründen eingebaut.

        In Südeuropa ist eine riesige Brandlast entstanden, weil die Tierhaltung eingestellt wurde. Früher haben die kleinen Wiederkäuer alles vernascht, jetzt wächst überall Gestrüpp, welches im Sommer natürlich trocken ist.

  • Die Kommentare lassen schließen, dass anscheinend einige einen anderen Typus Verkehrsminister erwartet hätten.



    Da frage ich mich schon: woher kommt diese 'Hoffnung'?



    Vielleicht hat die taz selbst zu viel Sand in die Augen der Leser gestreut, als sie die letzte Woche durch mehrere Artikel veröffentlichte, die den Kabinettsumbau Friedrich Merz' als Chance bezeichneten.



    Also eine Chance war und ist es sicherlich, aber für Friedrich Merz. Und Merz hat mit einer wirtschaftsliberalen und konservativen Agenda geworben.



    Die geht bisher nicht auf. Die logische Folge: er versucht es noch geradliniger. Siehe Linnemann als Gesundheitsminister - eine echte Axt im Walde.



    Und genau so wird nun auch das Verkehrsministerium besetzt. 100% loyal und bewiesenermaßen, da gedient unter Scheuer und Dobrindt, auf Linie.



    Ein progressiver Wandel im Verkehrsministerium war so wahrscheinlich, wie wenn Scholz damals Habeck entlassen und die BILD davon geträumt hätte, dass Habeck ein Typ Katharina Reiche als Wirtschaftsminister folgt.



    Völlig unrealistisch.



    Ebebso waren jetzige Hoffnungen im Gegenlager völlig aus der Luft gegriffen, dass Merz seinen politischen Kurs aufweicht - das Gegenteil wird der Fall sein.

    • @Astrid Sehnefeld:

      Hey, Danke für die Depressionen :)

      Merz wird jetzt nicht plötzlich zum progressiven Klimakanzler, schon klar. Trotzdem ist es ja auch für eine konservative Partei nicht verboten, riesige Probleme wie den Klimawandel zumindest zur Kenntnis zu nehmen und zu lösen zu versuchen. Von mir aus langsamer als es Grünne getan hätten, mit mehr Rücksicht auf die Konzerne, klar. Aber einfach die Neunziger auszurufen ist doch ein bißchen arg grobschnittartig, oder?

      • @FtznFrtz:

        Die 90er waren noch VW Golf III, Opel Astra F, Ford Escort und der BMW E36.



        Ohne Navi, Smartphone oder TomTom, dafür mit Kassette und Bleistift ✏️ für Bandsalat.



        Metz ruft keine 90er aus, eher 2010er.



        Und das war ja auch eine Hochzeit.

      • @FtznFrtz:

        Natürlich kann man das erwarten. Man konnte ja auch erwarten, dass SPD, Grüne und Linke irgendwann zur Kenntnis nehmen, dass eine Mehrheit der Bevölkerung seit Jahren strengere Migrations- und Sicherheitspolitik fordert. Hat nur leider auch nicht geklappt.

        Warum also sollte ausgerechnet Friedrich Merz nach der Wahl plötzlich die grüne Verkehrswende zur Herzensangelegenheit erklären? Die Union hat einen konservativen und wirtschaftsliberalen Kurs versprochen – und setzt ihn nun um. Das mag einem nicht gefallen, ist aber keine Überraschung.

        Wer darauf gehofft hat, Merz werde nach Amtsantritt heimlich zum Klimakanzler, hat ungefähr dieselben Chancen überschätzt wie diejenigen, die glaubten, linke Parteien würden ihre Migrationspolitik grundlegend an den Mehrheitswillen anpassen.

  • Offensichtlich ist dieses Ministeramt eine dauerhaft männliche Domäne und ein Hort des gepflegten Konservatismus. Für notwendige visionäre Impulse zur Transformation als ökologisch kompatible Verkehrswende sehe ich wenig neue und zugleich produktive Potenziale.



    "Bilger, Fan des VfB Stuttgart"



    Da ist im Zentrum des Ländle, der Landeshauptstadt, die wahrscheinlich größte Kulmination von Fehlentscheidungen an einer Großbaustelle in Deutschland adressiert.



    "Stuttgart 21



    Und dann nimmt die Bahn-Chefin den Hinterausgang"



    Bei sueddeutsche.de



    Weite dort:



    "Die Deutsche Bahn verschiebt den Start des neuen Stuttgarter Tiefbahnhofs auf Dezember 2031 – nun auch offiziell. Die Probleme hätten sie „erschüttert“, sagt Evelyn Palla. Wie geht es jetzt weiter?"

    • @Martin Rees:

      „Die von den Projektgegnern bis hin zu Ministerpräsident Kretschmann prophezeiten und herbeigesehnten Unsummen im dreistelligen Millionenbereich haben sich klar als das entpuppt, was sie sind: Falsche Prophezeiungen.“

      Zitat Stefan Bilger im Jahr 2012 zu Stuttgart 21. Bilger versichert in seiner Rede, dass der Kostenrahmen von 4,5 Milliarden Euro eingehalten werden kann.



      Quelle: Augsburger Allgemeine

  • Toll.. wieder mein Fortschritt im Verkehrssektor. Weitere Jahre der Stagnation können beginnen, Hurra.

  • Typisch CDU und Deutsche Fetische "Autobahn" und Verbrennerauto", während (fast) alle Europäischen Staaten Tempolimit haben!

    • @Eulennest:

      Europaweit ist ein Trend zu Geschwindigkeitserhöhungen wahrzunehmen - beispielsweise haben Italien und Tschechien Autobahnabschnitte erprobt, die auf 150 km/h begrenzt sind.



      Ich bin für ein sachliches Tempolimit:



      30 in Ortschaften, 80 auf Landstraßen, 100 auf Bundesstraßen und unbegrenzt auf Autobahnen.



      In Ortschaften, wo Fußgänger, Fahrradfahrer, Autos und LKW aufeinandertreffen muss mehr Sicherheit her.



      Die Landstraße muss auch besser gezügelt werden, da hier die meisten tödlichen Unfälle geschehen.



      Bundesstraßen sind zumeist sehr gut ausgebaut und Fahrräder und Fußgänger sind dort keine Verkehrsteilnehmer - daher Tempo 100 angebracht.



      Autobahnen sind die sichersten Straßen Deutschlands gemessen an gefahrenen Kilometern zu Unfällen. Baulich getrennt, Pannenstreifen, Mindesgeschwindigkeit 60 km/h. Ein Tempolimit ist hier nicht notwendig.



      Wer das aus Umweltschutzgründen anders sieht, müsste auch Züge im Tempo begrenzen, weil natürlich auch die mehr Bremsabrieb, Verschleiß und Energie verbrauchen, wenn sie schneller fahren 🤷



      Die individuelle Mobilität ist ein hohes Gut - in Deutschland besonders.



      E Autos fahren zumeist eh nur 170 bis 180, Kleinwagen 140, da brauchts kein Limit mehr

      • @Astrid Sehnefeld:

        „Ich bin für ein sachliches Tempolimit:"



        --



        Das „hohe Gut" der individuellen Mobilität wird durch Tempo-Regelungen kaum eingeschränkt. Sicherheit hingegen wird erhöht und die Zahl der Personenschäden wird reduziert.



        Bei ihrem polemischen Vergleich zum Bahnverkehr haben Sie das Thema Sicherheit und Personenschäden (bewusst?) ignoriert....

    • @Eulennest:

      Die europäischen Staaten haben auch die Unabhängigkeit von fossilen Brennstoffen im Blick. E-Mobilität ist weltweit auf dem Vormarsch, doch hier wird immer weiter von "Aus-für-Verbrenner-Aus" schwadroniert. Wieso sollten wir uns denn auch nach vorne bewegen, wenn Stillstand doch viel bequemer ist....

    • @Eulennest:

      Niemand wird gezwungen schnell zu fahren, die Freiheit besteht darin es tun zu können aber es nicht zu müssen. Funktioniert doch in Deutschland sehr gut so, warum ändern?

      • @Flocke:

        Wann waren Sie das letzte Mal auf der Autobahn unterwegs? Dort sieht man deutlich, dass nichts funktioniert. Fällt aber evtl nicht so auf, wenn man selbst als Raser und Drängler unterwegs ist.

        • @warum_denkt_keiner_nach?:

          Gestern! Bin ca. 50000 Km/Jahr im Auto, häufig auch Europ. Ausland und USA. Deutscher Straßenverkehr funktioniert im internationalen Vergleich sehr gut. Hohes Tempo in sehr dichtem Verkehr (USA überall um die großen Städte), fehlender Abstand ( USA, Frankreich, Italien, Holland, Spanien, Schweiz) , Rechtsüberholen( Frankreich, Italien) sind in diesen Ländern durchaus häufig und ich fühle mich in Deutschland in der Summe des Verhaltens aller regelmäßig am Besten.

      • @Flocke:

        Wo funktioniert das denn in Deutschland? Einige Beispiele wären schon interessant....

        • @Perkele:

          Z..B. A 5 südlich Walldorf bis Basel. Nördlich Bad Homburg, A49 , A7 südlich Kassel im gesamten Verlauf, A8 München bis Ulm, weite Strecken der A81. Läuft dort da ausbauzustand, regeln und Verkehr zusammen funktionieren.

    • @Eulennest:

      Es liegt wohl nicht an der Politik alleine.



      Jedenfalls zeigen die TomTom Verkehrsdaten keine Abnahme der Durchschnittsgeschwindigkeit durch jetzt höhere Spritpreise. Am Geld liegt es also auch nicht.



      Und die Autozulassungen sind auch auf einem Höchststand, bis auf die Stadtstaaten.

      • @fly:

        Wer Geld sparen muss, fährt längst langsamer. Und den anderen ist der Verbrauch egal. Die Möglichkeiten, Dinge über den Preis zu steuern, sind begrenzt.

      • @fly:

        Also heißt es: Meine Freiheit!!!!!

        Naja, wird es halt so wie Golfspielen. Ein Luxushobby. Und wer diesem nachgeht, der ist gesellschaftlich auch was wert.

  • Dobrindt und Scheuer sind in der Tat keine guten Referenzen.

    Ich bin übrigens neulich in Oberbayern mal wieder ein längeres Stück Autobahn gefahren - wegen zahlreicher Baustellen mal 80km/h, mal 60km/h, oft 100km/h, selten mehr. Sorry, Leute, das mit dem Tempolimit geht wunderbar! 130km/h wäre ein Traum, 120km/ wie in der Schweiz ein deutlicher Gewinn.

    Mein eigener Vorschlag: Tempolimit von 100km/h für alle, die mit fossilen Kraftstoffen fahren, für alle anderen kein Limit!

    • @Aurego:

      Interessant. Dann erweitern wir das Prinzip doch gleich: Wer mit Gas heizt, darf die Wohnung nur auf 19 Grad erwärmen. Wer Fleisch isst, bekommt kleinere Teller. Und wer zweimal im Jahr fliegt, hat gefälligst im Zug zu stehen.

      Manche Vorschläge scheinen weniger von Verkehrspolitik als von der Freude am Erziehen der Mitbürger zu leben. Dass Autobahnen wegen Baustellen zeitweise nur mit 80 oder 100 km/h befahren werden können, ist übrigens kein überzeugendes Argument für ein dauerhaftes Tempolimit. Baustellen sind eine Ausnahme – keine Blaupause für den Normalzustand. Aus Ausnahmen allgemeine Regeln abzuleiten, ist eine bemerkenswert kreative Form der Argumentation.

      Und die Idee, Elektroautos ohne Tempolimit fahren zu lassen? Physik ist leider erstaunlich ideologieresistent: Bei 220 km/h unterscheidet sich die Aufprallenergie nicht danach, ob der Wagen mit Strom oder Benzin fährt. Sicherheit scheint hier plötzlich zweitrangig zu sein – Hauptsache, das richtige Antriebsetikett klebt auf dem Auto.

    • @Aurego:

      Nochmal: wenn unterschiedliche Fahrzeuge unterschiedlich schnell fahren dürfen braucht es unterschiedliche Fahrspruren, weil es sonst zur Behinderung des Verkehrs kommt, ist also nicht umsetzbar. Und auch Elektroautos haben verschleiß und Reifenabrieb und sollten nicht durch Raserei mehr Vebrauchen als unbedingt nötig. Also: wenn Tempolimit, dann auch für alle. Alles andere bekommt auch nemandem vermittelt

      • @PartyChampignons:

        Sie Witzbold! Wann waren Sie zum letzten auf einer deutschen Autobahn unterwegs? Da fahren jetzt schon alle mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten! Von 50km/h bis 300km/h ist alles dabei.

        • @Aurego:

          Wenn alle Benziner nur 100 fahren dürfen, dann fahren die Elektrofahrzeuge auch automatisch 100 weil sie von den Benzinern blockiert werden. Ist doch eigentlich logisch oder? Macht also keinen Sinn. Die Realtität auf deutschen Autobahnen kenne ich, hat aber nichts mit dem Erstellen sinnvoller Regeln zu tun, die müssen in sich schlüssig sein und das ist es nicht!

    • @Aurego:

      Natürlich ein Tempolimit. Aber für alle. Elektroraser gibt es schon genug. Die muss man nicht noch fördern.

    • @Aurego:

      "Mein eigener Vorschlag: Tempolimit von 100km/h für alle, die mit fossilen Kraftstoffen fahren, für alle anderen kein Limit!"



      Da bin ich sofort dabei. Das habe ich selbst schon vorgeschlagen.



      Das wäre aus meiner Sicht auch der einzig nicht ideologisch gefärbte Grund für ein Tempolimit - Anreiz zum Umstieg auf Stromer.



      Stromer freie Fahrt, Verbrenner wegen Abgasen drosseln.



      Klare Sache und eine vernünftige Abwägung zwischen Innovation, persönlicher Freiheit und Umweltschutz.

      • @Astrid Sehnefeld:

        Die E-Auto-Verkäufe würden dann - auch ohne Prämie - sofort durch die Decke schießen. Und so ein 100er Schild auf der Heckscheibe eines BMW X7 ist einfach peinlich.

  • Zum Glück gibt es weiterhin Menschen die schneller fahren und viel mehr Sprit tanken wollen. Mit der damit bezahlten Mineralölsteuer, CO2-Abgabe und Mehrwertsteuer werden meine Straßen finanziert. Leider wird dadurch die Luft nicht besser.

    • @Gummistiefel:

      Da muss ich Sie enttäuschen. "Ihre" Straßen werden von uns allen finanziert, wie auch die restlichen Kosten des Autoverkehrs. Autofahrende zahlen ein paar Steuern mehr, zu Recht, weil sie mit ihren schweren Fahrzeugen, die von uns allen finanzierten Straßen weitaus stärker belasten, als die ohne Auto. Die Reparaturen wiederum zahlen dann wieder Alle. Und Ihr Argument hinkt weiter: Wer schneller fährt, verursacht mehr Kosten. Und die gesonderten Einnahmen decken die entstehenden Kosten nur zu einem Bruchteil.

    • @Gummistiefel:

      Das reicht dummerweise vorne und hinten nicht für "Ihre" Straßen. Aber keine Sorge - es sieht nocht danach aus, dass Menschen ohne Auto darum herumkommen, Sie zu bezuschussen.

    • @Gummistiefel:

      Das sind nicht "Ihre Straßen".

  • Soll die Ernennung von S.Bilger als Verkehrsminister heißen, das es F. Merz mit dem Umweltschutz nicht so ernst nimmt?

  • Hat irgendjemand was Anderes erwartet? Etwa, dass eine progressive Verkehrspolitik gestaltet wird? Stattdessen nun der nächste Lobbyist im Ministerrang.

  • Hat mal wieder etwas sehr Trostloses, diese Kabinettsumbildung. Wieder kein Freund der Bahn, der irrwitzigerweise gegen das Verbrenneraus ist (das dann hoffentlich eben der Markt besorgt), na ja BaWü-CDU, jetzt auch nicht sooo überraschend.



    Die Schwarzen drehen am Rad, und sie drehen es zurück, dabei wäre so viel in Richtung Zukunft zu tun. Leider wollten es die Leute anders, also kämpft die Politik gegen die Veränderung, die sie nur bremsen, aber nicht aufhalten kann, was am Ende dazu führt, dass andere die Autos und Bahnen der Zukunft bauen, eine bessere Infrastruktur haben.



    Dazu kommt noch die polithandwerkliche Rumpeligkeit, wie Merz auch diesen Wechsel größtmöglich vergrützt hat. Schnieder anzählen, im Ungewissen lassen, was sollte das? Bis dieser dann selbst dem Unfug ein Ende machen wollte und selbst sein Amt zur Verfügung stellte. Und jeder, der abwinkte winkte hinterher in die Medien. Man fragt sich, welche Amateurtruppe da im Kanzleramt unterwegs ist, ausdrücklich inklusive Chef.