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Trump in SpiegelsaalKein neues Versailles

Daniel Bax

Kommentar von

Daniel Bax

Endlich endet der sinnlose Krieg zwischen Iran und den USA, der das Regime womöglich noch stabilisiert hat. Vieles ist noch unklar, trotzdem ist es ein Grund zum Aufatmen.

O b der US-Präsident wusste, welche Assoziationen die geschichtsträchtige Kulisse weckt? Ausgerechnet in Versailles setzte Donald Trump seine Unterschrift unter das Rahmenabkommen, das den Irankrieg beenden soll. Und so, als wäre es 1919, fielen manche Reaktionen aus: Kritiker auch hierzulande sprachen von „Katastrophe“ und „Kapitulation“. Die Falken und Kriegstreiber sind enttäuscht, denn sie hatten sich zu viele Illusionen gemacht.

Noch sind viele der Fragen offen, über die in den nächsten 60 Tagen in der Schweiz verhandelt werden soll. Die Zukunft des iranischen Atomprogramms ist unklar, auch über sein Raketenprogramm will Teheran nicht verhandeln. Unklar ist ebenso, ob Trump Israels Premier Benjamin Netanjahu dazu bewegen kann, seine Truppen aus dem Süden des Libanons abzuziehen, wie es das Abkommen vorsieht. Klar ist aber, dass dessen hochfliegende „Regime Change“-Fantasien nun zerschellt sind. Es waren Luftschlösser, in die sich Schah-Sohn Reza Pahlavi und seine Anhänger schon eingerichtet hatten.

Trump begründet sein Einlenken damit, dass sonst eine Weltwirtschaftskrise wie 1929 gedroht hätte. Er wolle kein Herbert Hoover sein, der damals US-Präsident war, sagte er. Was er unterschlägt: Es war kein plötzlicher Börsencrash, der diese Krise ausgelöst hat, sondern er selbst mit seinem unbedachten Angriff auf Iran. Die Energiepreise sind deshalb explodiert, Düngemittel wurden knapp. Es kann zwar noch Monate dauern, bis sich die Handelsströme normalisieren und die Welt sich vom Energieschock erholt. Aber immerhin bleibt der Welt damit eine dramatische Hungerkrise erspart – vorausgesetzt, das Abkommen hält.

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Es ist gut, dass dieser Krieg endet. Er war völkerrechtswidrig, hat zu viele Tote gefordert und hätte nie begonnen werden dürfen. Um die Menschen in Iran ging es Trump und Netanjahu nie – das war nur eine nützliche Lüge. Vielmehr hat es dieser dumme Krieg den Menschen erschwert, sich aus dem Griff ihres Regimes zu lösen. Am Ende hat er das Regime womöglich stabilisiert.

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Daniel Bax

Daniel Bax Redakteur

Daniel Bax ist Journalist und Autor und schreibt über Politik, Kultur und Gesellschaft in Deutschland. Er arbeitet als Themenchef im Regieressort der taz und hat mehrere Bücher veröffentlicht: “Angst ums Abendland” (2015) über antimuslimischen Rassismus und “Die Volksverführer“ (2018) über den grassierenden Rechtspopulismus. Sein aktuelles Buch "Die neue Lust auf Links" über das Comeback der Linkspartei ist Ende 2025 im Goldmann Verlag erschienen. Impressum: Daniel Bax c/o taz, die tageszeitung. taz Verlags- und Vertriebs GmbH, Friedrichstr. 21, 10969 Berlin
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8 Kommentare

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  • Ja es ist gut, dass der Krieg endet. Die Folgen für die Welt und die Stellung der USA in der Welt werden sich aber erst später zeigen.

  • Es gibt Stimmen, daß die USA 320 Mrd. an den Iran zahlen. Davon ist in Ihrem Kommentar aber nicht die Rede.



    Würde es stimmen, wäre es nicht fraglich, ob der Iran profitiert. Andererseits müsste man auch wissen, wieviel Schaden entstand.

  • Wirtschaftlich sind die 300 Mrd Reparationen natuerlich nicht vergleichbar mit Versailles.



    Trotzdem bleibt es eine Kapitulation der USA.

  • Ja, es ist gut, dass der Krieg beendet wurde.



    Nein, es gehört kein „diplomatisches Geschick“ dazu (OTon Merz) einen Krieg zu beenden, den man selbst angezettelt hat.



    Dass Trump nun ins Feld führt, der Frieden sei nötig, wegen der Auswirkungen auf Weltwirtschaft ist bemerkenswert.



    Außer ihm war das wahrscheinlich allen anderen Weltbewohner*Innen vorher klar.



    Ende gut, ist leider nicht alles gut, denn viele Menschen haben aufgrund der Entscheidung eines inkompetenten, selbstverliebten Menschen ihr Leben, ihre Gesundheit oder ihre Existenz verloren.



    Ein weiteres Beispiel dafür, dass Kriege nur in den seltensten Fällen zu einer Verbesserung der Verhältnisse führen.



    In diesem Fall sind mir die Staatslenker auf beiden Seiten gleich unsympathisch- Nethanjahu selbstverständlich eingeschlossen.

  • Danke für die klaren Worte.

    Noch eine kleine Ergänzung. Herr Merz gehörte zu denjenigen, die zu Kriegsbeginn jubelten, dass das Endes des Regimes im Iran gekommen wäre.

  • Mit so vielen Spiegeln um einen herum können älteren Herren schon mal die intellektuelle Orientierung verlieren, noch dazu, wenn die Hauptgedanken möglicherweise darum kreisen, ob man den Ballsaal des Weißen Hauses nicht noch prächtiger gestalten könnte. Und dann soviele Trumps um einen herum! Hundertfach gespiegelt, mon dieu!

    Interessant wäre es auch, diesen Herrn mal zu fragen wie er sich die Begleichung der immensen Schäden vorstellt, die er durch Hybris und völlig stümperhaftes Verhalten gegenüber Iran in der gesamten Weltwirtschaft angerichtet hat.

  • Schonn. Mein 🚖 fahrer - Kurde aus Iran -



    Sieht‘s anders “Gut - daß wenigstens Netanjahu weitermacht. Wie sollen wir sonst je das Mullah-Regime beseitigen?!“

  • "Zwölf Jahre lang dauerten die Verhandlungen, bis im Juli 2015 das Externer Link:internationale Abkommen zum iranischen Atomprogramm beschlossen wurde (der Joint Comprehensive Plan of Action, JCPOA). " bpb



    Und jetzt bildet sich Trump ein, ein Abkommen in 60 Tagen schließen zu können. OK - den Russland-Ukraine-Krieg wollte er ja innerhalb von 24 Stunden beenden. Für ihn sind 60 Tage vermutlich schon eine sehr lange Zeit. Wundert mich nicht, Menschen in seinem Alter wissen eh nicht, ob sie so lange überhaupt noch leben werden.