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Folgen des IrankriegsDüngermangel lässt indische Bauern bangen

Mit dem Monsun beginnt die wichtigste Phase der Agrarsaison. Aber die Preise für Dünger steigen, die Vorräte schwinden. Ist die Ernte zu retten?

Für viele Familien ist Landwirtschaft nicht nur Einkommen, sondern Grundlage ihrer eigenen Ernährung Foto: Miguel Serrano/imago
Natalie Mayroth

Aus Mumbai

Natalie Mayroth

Auf dem Land wächst die Unruhe. Im Juni beginnt in den meisten Regionen Indiens die Regenzeit. Die Wochen davor sind für die Land­wir­t:in­nen hektisch. Die Felder werden vorbereitet, Saatgut, Arbeitskräfte und Düngemittel müssen organisiert werden. Der wichtigste Stickstoffdünger für den Anbau ist Urea. Doch aktuell steigen die Preise und vielerorts ist unsicher, ob überhaupt ausreichend Düngemittel verfügbar sein werden.

„Die Regierung hat versprochen, dass es genug Dünger für die Saison geben wird“, sagt Amit Buranje, ein 35-jähriger Händler aus dem Distrikt Solapur im Westen Maharashtras, der taz. „Aber der Krieg in Westasien hat die Produktion beeinträchtigt und die Preise erhöht.“ Viele Land­wir­t:in­nen versuchten bereits jetzt, Dünger zu kaufen – viel früher als sonst. „Das könnte die Preise weiter hochtreiben und in den kommenden Wochen zu Engpässen führen“, sorgt er sich.

Hinzu kommen andere Probleme. Buranje berichtet, dass Händler kürzlich gestreikt haben. Hintergrund sei der Druck von Herstellern, neben dem subventioniertem Urea auch nicht-subventionierte Produkte mit höheren Gewinnmargen zu verkaufen. „Die Bauern sind die Leidtragenden“, sagt er. Sie müssten Chemikalien kaufen, die sie für ihre Felder oft gar nicht brauchen.

Anlass der Probleme ist der Irankrieg, der Flüssiggas auf den internationalen Märkten heftig verteuert, das für die Herstellung von Urea zentral ist. Indien produziert zwar einen großen Teil des Stoffs selbst, ist dafür jedoch stark auf importiertes Gas angewiesen. Zudem werden immer noch erhebliche Mengen Dünger importiert – und nicht alle Lieferungen kommen derzeit an.

Klimawandel verstärkt Unsicherheit

In Karjat, am Rand der Westghats, rund 60 Kilometer von der Westküstenmetropole Mumbai entfernt, baut Deva Shelke Reis, Gemüse und Früchte an. „Früher konnte man sich auf den Regen verlassen“, sagt der 31-Jährige. In Zeiten der Erderhitzung komme er oft plötzlich. Ein unerwarteter Schauer habe unreife Mangos von den Bäumen fallen lassen. Jetzt ist er mehr denn je auf die Ernte der anderen Produkte angewiesen.

Selbst wenn die Kosten steigen, muss ich verhindern, dass meine Ernte ausfällt

Deva Shelke, Landwirt

Für Shelke ist der Dünger deshalb eine Art Versicherung vor unbeständigem Wetter. In diesem Jahr wusste er lange nicht, ob er überhaupt Urea für die aktuelle Reisernte bekommen würde. „Kuhdung reicht nicht“, sagt er. Mehrfach fuhr er zum Markt. Mittlerweile hat er den Dünger erhalten. Ein 50-Kilo-Sack kostete ihn aber fast 1.000 Rupien, umgerechnet etwa zehn Euro. Damit hat er wesentlich mehr gezahlt als regulär. Aber er habe keine Wahl gehabt, sagt er.

Der indische Premierminister Narendra Modi hat den Agrarsektor im Zuge von Sparmaßnahmen aufgerufen, weniger Dünger zu verwenden. Doch der Spielraum hat sich für die Land­wir­t:in­nen in Grenzen. „Selbst wenn die Kosten steigen, muss ich verhindern, dass meine Ernte ausfällt“, sagt Shelke. Denn das Geld für Saatgut, Bewässerung und Arbeitskraft hat er schon ausgegeben. Ohne genügend Stickstoff wachse am Ende „kein Korn“.

Kein regionales Phänomen

Auch Hunderte Kilometer weiter östlich, im Bundesstaat Bihar, ist man besorgt. Lakshmi, deren Familie dort Landwirtschaft betreibt, telefoniert regelmäßig mit ihrem Bruder in Mumbai. Immer geht es um die Frage: Wird genügend Dünger verfügbar sein? „Früher bekam man den Dünger direkt im Dorf“, sagt Lakshmi. Heute müssten sich Bauern registrieren lassen, um Urea zu kaufen. Doch das garantiere noch keinen Zugang. Die Weizenernte haben sie gerade erst eingefahren, damit kam Geld in die Kasse. Doch Lakshmi weiß, dass diese Phase der Entspannung bald vorbei sein könnte. „Jetzt ist alles in Ordnung“, sagt sie. „Aber in ein oder zwei Monaten beginnt der Anbau. Dann brauchen alle wieder Geld.“

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Für die Familie ist Landwirtschaft nicht nur Einkommen, sondern Grundlage ihrer eigenen Ernährung. Nun hoffen sie, dass sich die Versorgung stabilisiert. Im Moment bleibt nur Warten.

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1 Kommentar

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  • Falls jemand nicht weiß, was "Urea" ist: Das ist Harnstoff [1].



    Findet sich übrigens auch in der Zutatenliste vieler Kosmetikprodukte. Liest sich dort besser als "Harnstoff" :-)



    [1] de.wikipedia.org/wiki/Harnstoff