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Mindestalter für Social MediaEin Verbot ist der Weg des geringsten Widerstandes

Kommentar von

Svenja Bergt

Der Ethikrat spricht sich gegen ein Mindestalter für die Nutzung von Social Media aus. Zu Recht, denn es gäbe einen besseren Weg.

E s wäre so schön einfach: Ein Mindestalter für die Nutzung von Social-Media-Plattformen wie Instagram, Tiktok oder Snapchat zu beschließen – und schon ließe sich politisch suggerieren, man hätte etwas getan gegen die potenziell negativen Folgen, die eine Nutzung dieser Dienste haben kann. Dass die aktuell verfügbaren Wege zur Altersüberprüfung noch deutliche Haken haben – von mangelndem Datenschutz bis zu mangelnder Verlässlichkeit – egal. Dass die ersten Erfahrungen mit der Altersgrenze in Australien recht durchwachsen sind – nicht so wichtig. Dass selbst die Wissenschaft uneins ist, ob ein Mindestalter zielführend und verhältnismäßig – sekundär.

Der Ethikrat kommt nun in einer Stellungnahme zu einem eindeutigen Fazit: Nein, Altersgrenzen sind hier nicht sinnvoll. Die Ex­per­t:in­nen stellen klar: Restriktive Maßnahmen seien nur dann gerechtfertigt, wenn sich der Schutz nicht anders erreichen lasse oder die Gefährdungen besonders gravierend wären. Beides ist nicht der Fall. Altersgrenzen wären nur der Weg des geringsten Widerstandes, geeignet, Schutz zu simulieren, aber nicht zu gewährleisten.

Für echten Schutz, und zwar nicht nur für Menschen unterhalb der Altersgrenze, wäre etwas viel Aufwendigeres nötig: sich anzulegen mit den großen Social-Media-Plattformen, sowie ihre Geschäftsmodelle und deren Auswüchse anzugreifen. Vom Datensammeln im großen Stil bis hin zu manipulativen Designs und Algorithmen, die Nutzende möglichst lange auf der jeweiligen Plattform halten sollen und die auch politische Polarisierung begünstigen.

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Die Stärkung von Medienbildung und -kompetenz, innerfamiliäre Debatten über Bildschirmzeiten und die Frage, wie Schulen eigentlich mit dem ganzen Smartphone-Thema umgehen, würde allen Beteiligten zwar trotzdem nicht erspart bleiben. Aber mit der Durchsetzung von konsequenten Regeln, die die Problemfelder der Plattformen eindämmen, würden vielleicht auch mal wieder die positiven Effekte von Social Media merkbar.

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Svenja Bergt Redakteurin für Wirtschaft und Umwelt

schreibt über vernetzte Welten, digitale Wirtschaft und lange Wörter (Datenschutz-Grundverordnung, Plattformökonomie, Nutzungsbedingungen). Manchmal und wenn es die Saison zulässt, auch über alte Apfelsorten. Bevor sie zur taz kam, hat sie unter anderem für den MDR als Multimedia-Redakteurin gearbeitet. Autorin der Kolumne Digitalozän.
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23 Kommentare

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  • Im ersten Moment dachte ich bei der Überschrift es ginge um die AfD... 😎

  • Erinnert an meine eigene Jugend, Horrorfilme, vor allem die ganz krassen auf dem Index, das hatte den Reiz des nicht Erlaubten und wurde daher besonders gerne angeschaut, im Zweifel dann halt heimlich.



    Der Ansatz, die Plattformen selbst (zur Abwechslung einmal wirksam) in die Verantwortung zu ziehen ist deutlich plausiblerals ein Verbot. Wer rein darf, was derjenige oder diejenige von sich gibt muss die Plattform mit konkreten staatlichen Vorgaben kontrollieren, ob Sitz in Amerika oder sonst wo. Ansonsten gibt es eben eine Sperre. Es darf keine rechtlosen Räume geben, vor allem dort nicht.

  • Merkwürdig, Zigarette und Alkohol dürfen an Kinder und Jugendliche nicht verkauft werden und auch als 16-Jähriger ist es mir selten geglückt in einen Film ab 18 Jahren zu kommen. Da saß meistens eine ganz hartgesottene Kartenverkäuferin, die immer meinen Peso sehen wollte.



    Aber Zugang zu Pornos im Internet und Smartphone ist selbst für die Kleinen möglich. Da stimmt doch etwas nicht!

  • Das Tragen von Schusswaffen ist verboten - warum eigentlich? Es genügen Aufklärung und Schulung, dann sollte doch jeder ähnlich den USA seine Pistole oder sein Gewehr verantwortlich nutzen können. Bei einem Spaziergang als Mann mit männlichem Partner oder mit Kippa in Neukölln würde das sicherlich ein besseres Schutzgefühl hervorrufen. Keine Altersbeschränkung bei Social Media? Dann bitte auch Waffenfreiheit, Tempofreiheit und Alkohol für kleine Kinder, damit die sich dran gewöhnen. Wie wäre es mit einem Unterrichtsfach "Man kann auch ohne Spaß Alkohol haben" ab der Grundschule?

  • Warum für die Kids verbieten, wenn selbst die Eltern nicht wissen was sie tun?

    Der einzige Weg ist die konsequente Regulierung, bis hin zur Abschaltung.

    Gruß an Brüssel, wie heißt er noch, Digital Markets Act.

    • @Jens Berggren:

      Ganz genau.



      Die Gefahren für die Erwachsenen sind nämlich dieselben wie die für die Kinder. Und nur weil Kinder NOCH schutzloser ausgeliefert sind jetzt einfach eine Altersgrenze zu ziehen ist undurchdachter Aktionismus. Kann den Konzernen natürlich nur recht sein.

  • Plattformen, die zu regelbasiertem kinderfreundlichem (geschäftsschädigendem) Handeln gezwungen werden. Eltern, die vorbildhaft auf Digitalentzug gehen und die gewonnene Zeit dazu nutzen, ihrem Nachwuchs den richtigen Umgang mit der bunten Pixelwelt beizubringen. Medienkompetenz als Schulfach.



    Ist alles wichtig und richtig. Dauert aber auch alles viel zu lange, in Umdenken und Organisation, um allein darauf zu setzen. Altersbeschränkungen könnten ein wenig unterstützen, auch wenn sie schwer zu überwachen sind.



    ETHIKrat. Wäre nicht gut, wenn auch der einknickt, um Geschäftsmodellen und damit der Wirtschaft nicht zu schaden.

  • "... der Weg des geringsten Widersands."



    Natürlich, man sieht, dass "man" das Problem erkennt und etwas tut.



    Noch drei Jahre die Zeit absitzen, bis man sich in irgendwelchen oberen Etagen noch mehr zurücklehnen kann - den Menschen, die politische Effektivität erwarten, kommt das wie Ewigkeiten vor.

  • Der Privat-PKW und das Flugzeug waren zwei der größten Sargnägel. das Telefon mir Kamera macht den Sack zu.

  • Natürlich wären ernsthafte Regulierung und Überwachung der Konzerne der bessere Weg.

    Allerdings sitzen die zum größten Teil in den USA. Sobald man etwas unternehmen will, ruft Trump ZÖLLE, die Wirtschaftslobby ruft im Kanzleramt an und das Thema ist wieder vom Tisch. So ist leider die Realität.

    Verbote werden das Problem auch nicht wirklich lösen. Schon weil sie kaum komplett durchsetzbar sind. Aber vielleicht helfen sie ein wenig.

    Innerhalb des aktuellen Systems sehe ich keine wirklich gute Lösung.

  • Verbote lösen das grundlegende Problem nicht? Ach.

    Welche grundlegende Erkenntnis liegt hier beim Ethikrat vor, die bei anderen Themen, die gern Gegenstand von Verbots- und Regulierungsdebatten sind, wie Tempolimits oder Waffengesetze, anscheinend nicht gilt?

    Wir leben in einer Gesellschaft, die Pflichten, die eigentlich die Eltern und Familie betreffen, zunehmend auf den Staat verlagert. Und Eltern, die ihren Kindern keinen erwachsenen Umgang mit Medien beibringen, produzieren Erwachsene, die ihr mediales Verhalten nicht im Griff haben.

    Das kann man vielleicht nicht grundlegend mittels Verboten lösen, aber derartige Verbote können immerhin die Handhabe bieten, Missstände wie Cyber-Mobbing in Grenzen zu halten, weil vielleicht nicht die Mehrheit der Gleichaltrigen als Publikum zur Verfügung steht.

    Kriminelle halten sich bekanntlich auch nicht daran, dass der private Waffenbesitz strengen Regularien unterliegt. Und nicht nur notorische Raser und FDP-Wähler ignorieren Tempolimits, sondern auch viele ganz normale Autofahrer wie ich täglich auf der Straße feststellen kann.

  • "Für echten Schutz, und zwar nicht nur für Menschen unterhalb der Altersgrenze, wäre etwas viel Aufwendigeres nötig: sich anzulegen mit den großen Social-Media-Plattformen, sowie ihre Geschäftsmodelle und deren Auswüchse anzugreifen."



    Mit der gleichen Argumentation könnte man Alkohol, Zigaretten, Canabis... für 12 Jährige erlauben.



    Ja, das Problem des süchtig-machenden Smart-Phones ist durch ein Verbot nicht weg. Dennoch könnte es ein erster Schritt sein, um ein Bewusstsein zu schaffen, dass das Zeug süchtig und abhängig macht und gefährlich ist. Für Kinder als auch für Erwachsene. Vielleicht würden die Mütter und Väter dieser Republik dann auch irgendwann nicht mehr mit dem Samartphone neben ihren Kindern auf dem Spielplatz sitzen.

  • "Andere Mittel" müssten mindestens genau so geeignet sein. Bei den im Artikel dargestellten Akternativen habe ich insoweit Bedenken. Ich bin daher für ein Social-Media-Verbot.

    Mit jedem Handy-Vertrag müsste dann das Alter des Nutzers hinterlegt werden. Der Provider wäre dann zu verpflichten, entsprechende Sperren umzusetzen (auch im Bereich der Pornographie). Der Aufruf von VPN's über solche Handys wäre dann ebenfalls zu unterbinden.

    • @DiMa:

      Ich bin auch für ein Social-Media-Verbot, allein schon wegen der irreführenden Bezeichnung. Und nicht nur für die Kinder und Jugendlichen, sondern für ALLE!!

  • "Beides ist nicht der Fall". Dem möchte ich widersprechen. Und klar wäre es besser die Konzerne zu regulieren, aber darüber sprechen wir seit Jahren und es ist kaum möglich, oder wird gegen eine kleine Strafzahlung wissentlich ignoriert. Also bessere Möglichkeiten gibts leider kurzfristig keine. Wenn dann mal welche ausgearbeitet werden und in ca. 5 Jahren spruchreif sind, kann man die Altersbeschränkung ja zügig wieder rückgängig machen. Altersbeschränkung gibt es derzeit auch schon für andere Inhalte im Internet. Nur wegen Bedenken, das System der Kontrolle sei nicht gut genug, würde jetzt auch niemand fordern Altersbeschränkung bei Pornographie aufzuheben. Apropos, im Bereich KI muss ebenfalls eine Altersbeschränkung her. Wenn ein Viertel der Kinder und Jugendlichen lieber mit OpenAi als realen Personen spricht, ist auch das eine gefährliche Tendenz.

  • Aber es geht hier um Kinder.



    Die der KI der großen Plattformen noch hilfloser ausgeliefert sind als die Erwachsenen. Die ebenfalls eher Objekt sind als handelndes Subjekt.



    Mit solchen allgemeinpolitischen und immer wohlfeilen Forderungen werden wir dem Problem nicht (mehr) gerecht.



    Da war das zugegeben hilflose Mittel eines Verbots für Kinder immerhin ein Anfang.



    Genaugenommen sollte es auch auf Erwachsene ausdehnt werden.

    • @hsqmyp:

      Genaugenommen sollten wir mit dieser absehbar wirkungslosen Altersbeschränkung gar nicht erst Zeit und Ressourcen vergeuden.



      Es ist doch sowieso allen klar, dass das nicht funktionieren kann und auch zu wenig ist. Diesen sinnlosen, teuren Umweg sollten wir uns ersparen.

      • @Sonderzeichen:

        Ein Verbot, dass nicht durchsetzbar ist, hilft niemandem weiter.

        Und selbst wenn es durchsetzbar wäre: Dann wären die in Deutschland oder der EU operierenden Netze für Jugendliche nicht mehr erreichbar - und sie weichen zum Beispiel auf Platformen in China aus, wo wir dann gar nichts mehr regulieren können. Die Jungs und Mädels sind nämlich nicht von Gestern.

  • Wir brauchen Umgang mit Internet und Social Media dringend als Schulfach. Wenn ich sehe wie meine Töchter immer noch Walther von der Vogelweide lesen aber für das echte Leben kommt wenig. Wäre viel sinnvoller als Verbotsdebatten. Als ob nicht jedes Verbot die Sache für die Jugend nicht noch attraktiver machen würde. Das wir jetzt auch Parental Advisory Sticker verteilen, kann doch nicht unser Ernst sein.

    • @Šarru-kīnu:

      Bei Ihren Töchtern passiert aber das Richtige. Die Bildung des Gehirns/der Synapsen, eine eigene Urteilsfähigkeit und auch die Möglichkeit offline zu denken und sich auszudrücken wird am besten halt durch solche Texte und am besten jede Woche eine Gedicht auswendig lernen trainiert. Natürlich auch die von Ihnen erwähnten Schulfächer unterrichten. Und natürlich ein Verbot. Aber nicht vom Alter abhängig, sondern ein grundsätzliches Verbot von TikTok, Snapchat und am besten natürlich jeder Art von Social Media für alle Altersgruppen. Aber dafür ist es bereits zu spät.

    • @Šarru-kīnu:

      Und wenn ich sehe, was "Social"-Media mit dem echten Leben angerichtet haben haben - selbst die, welche die Probleme lösen sollten, sind unheilbar kontaminiert.

  • Diese Art von Kommentar hat dieselbe Qualität, wie die Abschaffung des Kapitalismus zu fordern, um Armut zu bekämpfen.



    Das wird in diesem Leben nichts mehr.

    Natürlich müsste man an die Tech-Multis ran!



    Aber offensichtlich sind diese zu mächtig.

    Ich würde mich freuen, wenn die Autorin ihre seit langem offensiv vertretene Meinung mal mit etwas mehr Argumenten unterfüttern könnte.

  • Vllt sollten ja mal mutti und vati mit gutem beispiel vorangehen und nicht sämtliche zeit am handy hängen....



    Aber gut, mit 'job' influencer wirds halt schwierig...😬