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Treffen im KanzleramtOhne schlüssige Erzählung

Stefan Reinecke

Kommentar von

Stefan Reinecke

Das Treffen von Koalitionsspitzen, Gewerkschaften und Unternehmen verdeutlicht vor allem eines: Ein Scheitern der Reformen ist programmiert.

I G-Metall-Chefin Christiane Benner hatte nach dem Treffen von Gewerkschaften und Unternehmensverbänden im Kanzleramt gute Laune. Die Atmosphäre soll, so heißt das im Politdeutsch, konstruktiv gewesen sein. Man will sich noch mal treffen. Auch wenn unklar ist, wann – das ist ein kleiner Punktsieg für die SPD. Denn die SPD hat ein vitales Interesse daran, die Gewerkschaften in den ziemlich hektischen Reformprozess einzubinden. Reform wird für viele bedeuten: weniger Leistung bekommen, mehr zahlen. Wütende Gewerkschafts-Demos gegen die SPD sind für Lars Klingbeil und Bärbel Bas noch ein Problem mehr.

Performativer Verlierer ist Friedrich Merz. Das Gespräch war vom Kanzleramt etwas stümperhaft vorbereitet und mit der Ansage versehen worden, es werde nur dieses eine Gespräch geben. Merz hat ein erstaunliches Talent, ohne Not kommunikative Pannen zu produzieren. Die Regierung hat keine Erzählung für die Reformen. SPD-Chef Klingbeil hat in einer schon fast in Vergessenheit geratenen Grundsatzrede versucht, einen größeren Bogen zu skizzieren. Danach kam nichts mehr. Die schwarz-rote Reformbegründung ist denkbar schlicht. Es muss gespart werden, weil die Wirtschaft nicht wächst und Geld fehlt. Um Toleranz für Einschnitte zu schaffen, wird das nicht reichen.

Zudem erscheinen Kürzungen nur legitim, wenn sie alle betreffen. Die Bereitschaft der Union, den Reichen und der Elite etwas abzuverlangen, geht gegen null. Also werden Mittel- und Unterschichten das Gros der Reformlast tragen. Die dürfen sich dafür immer mal wieder vom Kanzler anhören, dass sie zu wenig arbeiten.

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Schwarz-Rot will am 1. Juli das Reformpaket fertig packen. Das wirkt hektisch und überambitioniert. Die Union forciert einen Zeitdruck, der auf Scheitern programmiert zu sein scheint. Dass Merz im fast täglichen Rhythmus die SPD als Reformbremse beschimpft, um dann wieder die Gemeinsamkeiten zu beschwören, wirkt nur noch ratlos. Die schwarz-roten Reformen haben eine soziale Unwucht. Daran ändert auch eine mal gut gelaunte IG-Metall-Chefin nichts.

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Stefan Reinecke

Stefan Reinecke Korrespondent Parlamentsbüro

Stefan Reinecke arbeitet im Parlamentsbüro der taz mit den Schwerpunkten SPD und Linkspartei.
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13 Kommentare

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  • "Es muss gespart werden, weil die Wirtschaft nicht wächst und Geld fehlt." das ist eine Erzählung die soviel Fatalismus und Hoffnungslosigkeit ausstrahlt, dass auch noch der letzte Funken Hoffnung erstickt wird.



    Wenn eine Regierung in der Krise nur antworten kann, naja die Umstände sind halt so, wozu braucht es dann eine Regierung, fragen sich konsequenterweise viele und wählen (sich) demnächst eine aphde (am Hintern)...



    Wenn die Feuerwehr sagt, es brennt, aber Wasser ist zu teuer und als Lösung verkauft: dann müssen wir halt in den verbliebenen Häusern zusammenrücken, uns gehts ja sowieso eh allen zu gut... wer braucht so etwas?



    In der Krise muss man etwas tun, etwas Antizyklisches, auch mal was Teures, (politisch) der Psychologie wegen, aber vor allem, weil es auch ökonomisch richtig wäre. Aber von diesen Parteien, ist nichts mehr zu erwarten. Die Quittung kommt im Herbst, bundespolitisch etwas später.

    • @nutzer:

      Der Vergleich mit der Feuerwehr ist gut, nur ist es hier so das man ihnen schon vor Jahrzehnten gesagt haben wenn sie nichts ändern brennt ihr Haus ab und dann kann Wasser entweder zu teuer sein oder auch nicht mehr reichen. Jetzt möchten Sie was ändern, damit es nicht brennt, aber ihr Mitbewohner sagt : geändert wird nichts weil wir immer schon so gelebt haben. Was machen Sie jetzt ?

    • @nutzer:

      Die "Sondervermögen" für Infrastrukur, Verteidigung, Klima summieren sich auf eine knappe Billion. Obendrauf kommen die Posten die sowieso auch ganz regulär und offiziell als Staatsschulden gebucht werden. Ist also wirklch die fehlende Bereitschaft Schulden zu machen das tatsächliche Problem? Dass Unionspolitiker für die eigene Klientel natürlich immer auf Sparsamkeit pochen müssen ist naheliegend, entspricht aber nicht zwangsläufig auch dem was sie tatsächlich tun. Und schon aktuell stellt man fest, dass Gelder die zu verteilen wären nicht abgerufen werden weil es ebenso an den bürokratischen Kapazitäten für die Planung fehlt wie bei der Wirtschaft die entsprechenden Aufträge abarbeiten zu können.

      • @Ingo Bernable:

        "Ist also wirklich die fehlende Bereitschaft Schulden zu machen das tatsächliche Problem?"



        ja, ein BIP wächst dauerhaft nur, wenn irgendwo zusätzliche Nachfrage entsteht und diese in reale Wertschöpfung mündet. In einer modernen Geldwirtschaft entsteht zusätzliche Nachfrage durch Kredite, also durch neu geschaffenes Geld.



        Entscheidend ist , wofür dieses Geld verwendet wird. Kredite müssen reale Werte schaffen: Produktivität, Infrastruktur, Maschinen, Energie, Bildung, Forschung, Wohnraum. Dann steht der zusätzlichen Geldmenge später auch zusätzliche reale Leistung gegenüber.



        Fließt das Geld dagegen in totes Kapital — etwa Waffen, Spekulation oder andere Ausgaben ohne wertschöpfende Folge — entsteht Kaufkraft ohne entsprechende zusätzliche Produktion. Dann treibt die neue Geldmenge vor allem Preise, vulgo Inflation.



        Wenn alle sparen, kann niemand Geld verdienen, die gesparte Summe fehlt dann im Kreislauf und die Kaufkraft sinkt 1:1, Wachstum ist dann unmöglich

  • Ja nun.



    Die einflussreichen Akteure sind sich im Kern einig, dass unser sozio-ökonomisches System mitsamt dem "Sozialstaat" ganz wunderbar sind. Auch wenn (systemimmanent) soziale Unsicherheit grassiert, der Sozialstaat weder zielgenau noch "leistungsfördernd" ist, dafür aber hoch stigmatisierend und spaltend, paternalistisch und überbürokratisch - also unübersehbar ineffektiv und ineffizient.

    Um das zu ändern müsste man aber runter von seinem hohen Roß und ausserdem mal etwas ausserhalb der ausgetretenen Pfade denken.

    Während von der Bevölkerung regelmäßig verlangt wird, mehr zu "arbeiten", begnügt sich die politische Klasse damit, Arbeit nur zu simulieren.

  • "Schwarz-Rot will am 1. Juli das Reformpaket fertig packen. Das wirkt hektisch und überambitioniert."

    Schwarz-Rot wollte das Reformpaket schon im letzen Herbst beschliessen. Hektik sehe ich da nicht. Aber wenn man damit bis nach der Sommerpause wartet, wird in Sachsen Anhalt die AfD wohl die Mehrheit bekommen.

    • @Martin Sauer:

      das wird in jedem Fall nichts. Selbst wenn man unterstellt, die "Reformen" wären jetzt der große Wurf und erzeugten eine neue Wirtschaftsdynamik, ist die Zeit bis zur Wahl in jedem Fall zu kurz als dass etwas bei den Menschen ankommen könnte.



      der Drops ist gelutscht. Wichtig ist, wie mit dem bundespolitischem Störfeuer um gehen, dass eine aphde aus Sachsen Anhalt und MV abfeuern wird. Und wie lange dauert es bis die Bundesregierung waidwund geschossen ist. Meine Befürchtung: nicht lange.

  • Im letzten Jahr sind die Milliardäre und Superreichen (also mehr als 100 Mio $ Finanzvermögen). um 300-500 Mrd. $ reicher geworden. Wenn man die um 100-200 Mrd.€ höher besteuert, wäre unsere Demokratie gerettet.



    Wenn nicht, wird sie untergehen.

  • Es ist schon erschreckend, was CDU und SPD in den letzten 10-15 Jahren abliefern.



    Der einzige Ausweg scheint wohl zu sein, wenn sich die reformwilligen Kräfte aus den beiden Parteien zusammentun, und eine neue Partei gründen. Gerne gemeinsam mit fähigen Kräften aus FDP und Grünen, die eine ähnliche Haltung haben.



    Ansonsten werden die Ränder immer weiter Zulauf haben, da ja immer weniger Bürger diese Politik von CDU und SPD hinnehmen wollen.

    • @T-Rom:

      Reform kann alles sein, über den Inhalt sagt dieses Wort nichts aus. Was verstehen Sie unter Reformen?

      • @nutzer:

        der Kommentar auf den ich mich beziehe ist plötzlich verschwunden....

  • Noch ein paar Prozent mehr für die AfD



    Der zerrissene Zusammenhalt dieser Koalition, die eigentlich gar keine ist, sondern eher eine Contra-Koalition, wird leider noch mehr Wähler zur AfD treiben. Was zwar grauenhaft falsch, aber leider Fakt ist.

  • Mir fällt gerade die "Blood, sweat and tears" Rede von Churchill ein.

    Wenn ALLEN die Situation klar erscheint UND von ALLEN DIE GLEICHEN Opfer abverlangt werden, kann eine Bevölkerung heroischen Einsatz zeigen.



    Wie damals in England gegen die Seeblockade durch Nazi-Deutschland.

    Leider stimmt hier weder die Integrität des Sprechenden, noch das Wissen um die eigentlichen Ursachen der plötzlich aufgetretenen Geldnot bei rekordverdächtigen Steuereinnahmen und Sondervermögen. Und schon garnicht die Gleichbehandlung aller Bürger inkl der permanent gepamperten Oberschicht.