piwik no script img

Grüner OB zu Sozialkürzungen„In sechseinhalb Jahren habe ich so etwas noch nie erlebt“

Belit Onay ist Oberbürgermeister von Hannover und protestiert gegen Sparpläne im Namen der Kommunen. Er kündigt ein Nachspiel im Präsidium des Städtetags an.

„Mir bringt es nichts, wenn ich wieder eine gute Finanzlage habe, aber keine funktionierende Stadt mehr“. Belit Onay (Grüne) Foto: Franziska Gilli/laif
Tobias Schulze

Interview von

Tobias Schulze

taz: Herr Onay, die Stadt Hannover hat rund 2 Milliarden Euro Schulden. Wie groß sind Ihre Geldsorgen?

Belit Onay: Die finanzielle Lage ist schon dramatisch. Die Gewerbesteuereinnahmen, die in der Coronapandemie ganz weggebrochen waren, fahren zwar Gott sei Dank wieder auf ein gutes Niveau hoch. Aber wir merken, dass die Finanzierung von Leistungen, zu denen wir per Gesetz verpflichtet sind, nicht mehr passt. Diese Finanzierung müsste von Land und Bund kommen.

taz: Was kann sich Hannover deshalb nicht mehr leisten?

Onay: Wir mussten dem Land Niedersachsen ein sogenanntes Haushaltssicherungskonzept mit Sparvorschlägen vorlegen – und das Sparen geht nur bei sogenannten freiwilligen Leistungen. Der Begriff klingt ein bisschen verniedlichend. Aber das sind Leistungen, die eine Stadt erst lebenswert machen: Kultur, Sport, Jugendangebote. Wir versuchen noch, das mit Optimierungen bei den Abläufen aufzufangen. Wir entwickeln zum Beispiel eine Bibliothek zu einem Gemeinschaftshaus weiter und holen die AWO als zusätzlichen Partner rein. Dadurch sinken die Kosten ein wenig, ohne dass das Angebot leidet. Aber wir können uns nicht unendlich verrenken. Irgendwann ist die Zitrone ausgepresst.

Bild: dpa
Im Interview: Belit Onay

ist seit 2019 Oberbürgermeister von Hannover und Präsidiumsmitglied im Deutschen Städterat. Zuvor saß der heute 45-Jährige für die Grünen im Landtag von Niedersachsen. Bei der Wahl im September 2026 wird er für eine zweite Amtszeit im Rathaus kandidieren.

taz: Trotzdem stört es Sie, dass Bund, Länder und kommunale Spitzenverbände in einer Arbeitsgruppe Vorschläge dafür gesammelt haben, welche Leistungen die Kommunen künftig nicht mehr erbringen müssen? Eine entsprechende Liste, die letzte Woche öffentlich wurde, umfasst über 100 Seiten und ein Sparvolumen im Milliardenbereich.

Onay: Ich finde es grundlegend falsch, dass diese Liste in dieser Form erarbeitet wurde und der Eindruck erzeugt wurde, die kommunalen Spitzenverbände, insbesondere der Deutsche Städtetag, würden das mittragen. Das muss im Präsidiums des Städtetags, dem ich auch angehöre, aufgearbeitet werden. Ich weiß nicht, mit welchem Mandat die Kollegen da irgendwelche Sachen geeint haben.

taz: Wer saß dort für den Städtetag und wie wurden Sie eingebunden?

Onay: Ich habe die Liste erst durch das Leak in dieser Form zu Gesicht bekommen. Es ist mir ein Rätsel, wie ein solcher Arbeitsstand ohne Rückkopplung mit dem Verband selbst erreicht werden konnte. Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass das Verfahren auf volle Unterstützung des Präsidiums trifft.

taz: Kommt so etwas öfters vor?

Onay: In sechseinhalb Jahren im Präsidium habe ich so etwas noch nie erlebt.

taz: Was ist Ihre inhaltliche Kritik an den Vorschlägen? Erst im Herbst haben Sie zusammen mit den Ober­bür­ger­meis­te­r*in­nen der anderen Landeshauptstädte einen Brandbrief an den Kanzler geschrieben. Darin bezeichneten Sie selbst die steigenden Sozialausgaben als „Haupttreiber“ der kommunalen Defizite.

Onay: Es geht um Aufgaben, die von den Ländern und vom Bund beschlossen wurden und die wir im Maschinenraum umsetzen müssen. Wir haben gesagt, dass wir sie in der Sache gut finden und sogar brauchen, aber dass die Finanzierung nie mitgedacht wurde und wir darüber reden müssen. Dass die Bundesregierung als Reaktion darauf alles zusammenstreichen will, löst vielleicht das finanzielle Problem, aber verschärft meine kommunalen: Mir bringt es nichts, wenn ich wieder eine gute Finanzlage habe, aber keine funktionierende Stadt mehr, die Teilhabechancen garantiert. Wir reden über Geld, aber eigentlich geht es hier um Menschen.

Die Streichliste

Mitte April leakte der Paritätische Gesamtverband eine Streichliste, die eine Arbeitsgruppe von Bund, Ländern und kommunalen Spitzenverbänden unter Leitung des Kanzleramts erstellt hatte. Das entsprechende Arbeitspapier enthält 70 Kürzungsvorschläge mit einem Gesamtvolumen von mindestens 8,6 Milliarden Euro. Das tatsächliche Kürzungsvolumen liegt noch erheblich höher, da knapp zwei Drittel aller Vorschläge gar nicht mit Zahlen unterlegt sind. Die Liste, die als „Entwurf“ gekennzeichnet ist, zielt vor allem auf Leistungen für Menschen mit Behinderung, Kinder- und Jugendliche ab. Der Paritätische sprach bei der Veröffentlichung von „drastischen Einschnitten in den Sozialstaat“. (afp/taz)

taz: Welcher Punkt auf der Sparliste ist für Sie der gravierendste?

Onay: Die Eingliederungshilfe für Menschen mit Behinderung ist ein echtes Thema. Inklusion ist kein Nice-to-have, sondern ein Menschenrecht, das wir umsetzen müssen. Für Kinder und Eltern wäre es genauso ein Wahnsinn, den Anspruch auf Ganztagsbetreuung auszusetzen. Auch in der Art und Weise wäre es absolut unseriös: Hannover und viele andere Kommunen haben sich jahrelang auf den Rechtsanspruch vorbereitet und wie verrückt investiert, um die Infrastruktur zu schaffen. Ich möchte aber gar nicht so sehr auf einzelne Punkte der Liste gehen und um diesen oder jenen feilschen. Wir müssen grundsätzlich darüber reden, die Kommunen finanziell so auszustatten, dass sie ihre Aufgaben erledigen können.

taz: Woher sollen Bund und Länder mehr Geld für sie holen?

Onay: Es gibt einige Möglichkeiten, deren Einnahmeseite zu verbessern.

taz: Konkrete Vorschläge wollen Sie nicht machen?

Onay: Erst mal nicht. Das muss man intern besprechen. Eine Idee, die man öffentlich platziert, überlebt nicht lange.

taz: Und auf der Ausgabenseite sehen Sie gar keine Möglichkeit? Auf der Streichliste keinen einzigen guten Vorschlag?

Onay: Man kann optimieren, aber dafür braucht es andere Vorschläge. Wir haben zum Beispiel eine Wahnsinnsbürokratie, weil wir für jeden Cent mit der Bundesebene und den Ländern verhandeln müssen, wie wir ihn ausgeben. Das frisst Personalressourcen. Und wir könnten natürlich vor Ort angepasst an die jeweiligen Rahmenbedingungen gucken, wie sich Leistungen digitaler, moderner und effizienter umsetzen lassen. Aber in diesem Papier geht es nicht um Effizienzsteigerung, sondern um die grundsätzliche Aufkündigung solcher Leistungen. Das führt am Ende eher zu einem Schaden für die Städte als zu einer ernsthaften Entlastung.

Nur noch 390 – dann sind wir 50.000

Als Genossenschaft gehören wir unseren Leser:innen. Und unser Journalismus ist nicht nur 100 % konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung. Unser nächstes Ziel: 50.000 – wir brauchen nur noch 390 Freiwillige, dann haben wir es geschafft! Setzen Sie jetzt ein Zeichen für die taz und machen Sie mit. Mit nur 5,- Euro sind Sie dabei! Jetzt unterstützen

Mehr zum Thema

33 Kommentare

 / 
  • Der Bund belastet die Kommunen mit Nonsensregelungen wie der Warmwasserpauschale, falls sich im Haus ein elektrischer Durchlauferhitzer befindet, der nicht über die Gastechnung abgedeckt ist. Statt ins Gesetz zu schreiben, "jeder Antragsteller bekommt 10 EUR mehr", steht dort:



    " Leistungsberechtigten wird ein Mehrbedarf anerkannt, soweit Warmwasser durch in der Unterkunft installierte Vorrichtungen erzeugt wird (dezentrale Warmwassererzeugung) und deshalb keine Bedarfe für zentral bereitgestelltes Warmwasser nach § 22 anerkannt werden. Der Mehrbedarf beträgt für jede im Haushalt lebende leistungsberechtigte Person jeweils



    1. 2,3 Prozent des für sie geltenden Regelbedarfs



    2. 1,4 Prozent des für sie geltenden Regelbedarfs im 15. Lebensjahr,



    3. 1,2 Prozent des Regelbedarfs bei Leistungsberechtigten vom Beginn des siebten bis zur Vollendung des 14. Lebensjahres oder



    4. 0,8 Prozent des Regelbedarfs nach § 23 Nummer 1 bei Leistungsberechtigten bis zur Vollendung des sechsten Lebensjahres."



    Wie gesagt, es geht um Beträge zwischen 1,20 und 15,67 EUR im Monat.

  • Wenn man sich alle unsere Systeme anschaut, ob jetzt Rente, Kranken oder Soziale, dann haben alle Gemeinsam das von dem ausgegebenen (Steuer) Geld nur ein gewisser Teil bei den dafür vorgesehenen Personen ankommt, ein erheblicher Teil wird für Verwaltung und Bürokratismus verschwendet. Hier muss man ansetzten, hier kann man sparen ohne die Leistungen für die Betroffenen zu kürzen. Alle unsere Systeme sind wie ein Computer, Handy, die durch zu viele Apps und Programme so überlastet sind das sie nicht mehr funktionieren, hier hilft es auf die Werkseinstellung zurück zu setzen und alles überflüssige auszumisten, damit das Ding wieder funktioniert.

  • Ich möchte noch mal eben drauf hinweisen, dass Blackrock eine Vermögensmenge von 12,53 Billionen $ verwaltet, also 12.530 Milliarden $.



    Zu der Frage woher nehmen der Sozialstaat sei nicht finanzierbar.



    Das ist falsch.

    • @Land of plenty:

      Und was möchtest du uns damit sagen?



      Ja, die verwalten diese hohe Summe. Das meiste gehört Anlegern, die ihr Geld investieren und irgendwann wieder und vermehrt haben möchten .



      Darunter ist z.B. meine private Altersversorgung…



      Weshalb möchtest du dieses Vermögen verteilen?



      Das macht ja keinen Sinn…

      • @MatB1012:

        Ich kann nicht erkennen, dass "Land of Plenty" fordert, das Vermögen zu verteilen. Es ist jedoch vollkommen logisch, dass bei dieser enormen Menge an Vermögen qua Steuer sehr viel mehr an Beitrag zum Gemeinwohl zu holen ist, als es derzeit geschieht. - mit DIESER Lobbyregierung schon gar nicht....

      • @MatB1012:

        @ MatB1012



        OH HA - es gibt nun aber echt intelligentere & humanistischere Anlagenberater als an die Sie da scheinbar geraten sind. BlackRock verdient mit Kriegen, Beteiligungen an Rüstungsindustrien - geht garnicht.



        Fehlen nur noch Geschäftsbeziehungen mit der DeutschenBank. Gut's Nächte, pennen Sie weiter & tschüss

  • In meiner Stadt wurde vom Landkreis die Aufgabe der Kita-Finanzierung an die Gemeinden weitergereicht. Alle Gemeinden geben ca. 1/3 bis 1/2 ihres Budgets dafür aus. Bestellt hat es damals Frau von der Leyen (CDU!), bezahlen müssen es die „freiwilligen“ Leistungen, z.B. Stadtbüchereien, Schwimmbäder etc.



    Ich halte das schon lange für einen gewaltigen Skandal. Nicht, weil ich gegen Kitas wäre, sondern weil die Aufgabe finanziert werden muss, und zwar m.M.n. vom Besteller, dem Bund. Wie der sich das Geld zurückholt, darf er selbst entscheiden, aber Ideen gibt's: Erbschaftsteuer und Vermögensteuer vielleicht ...

  • Liebe TAZ,



    in der Überschrift steht:“ Grüner OB zu Sozialkürzungen „In sechseinhalb Jahren habe ich so etwas noch nie erlebt““

    Hier wird erklärt, dass der OB solche Sozialkürzungen in sechseinhalb Jahren nicht erlebt hat. Das steht dann aber im Interview anders. Dort erklärt der OB, dass er das Verfahren zu der Liste der Sozialkürzungen in sechseinhalb Jahren nicht erlebt hat. Damit ist die Überschrift irreführend. Oft wird nur die Überschrift gelesen. Der Leser erhält so eine falsche Information, die hängen bleibt.

    • @Ismir Elend:

      Das ist dann doch nicht die TSZ schuld. Es ist der/die Leser*in, die oberflächlich agiert....

      • @Perkele:

        Sorry, hab' mich mit meinen Wurstfingern vertippt. Es muss natürlich TAZ heissen....

  • Vielleicht sollten die "freiwilligen Leistungen" in Hannover (und nicht nur dort, sondern überall) nicht gekürzt, aber besser kontrolliert werden. Wie läuft das gerade mit der hannoverschen Ex-SPD-Stadträtin, die viel Geld veruntreut haben soll? Gut, der Großteil davon stammt vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge und nicht von der Stadt Hannover, aber wenn die Stadt mal draufgeschaut hätte, hätte es dort auch vernünftig ausgegeben werden können.



    Und beim Satz "Wir entwickeln zum Beispiel eine Bibliothek zu einem Gemeinschaftshaus weiter und holen die AWO als zusätzlichen Partner rein." sträuben sich mir die Fußnägel. Die AWO hat viele ehren- und hauptamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die ihre Arbeits- bzw. Freizeit für wertvolle Sozialarbeit hingeben. Leider aber auch eine Funktionärsschicht, die als gut bezahlte Versorgungsposten für momentan nicht beschäftigte SPD-Funktionäre und -Funktionärinnen dient. Hier im Rhein-Main-Gebiet gab es bei der AWO die letzten Jahre eine Flut von Skandalen mit Schäden im zweistelligen Millionenbereich (wer will: googelt mal nach Familie Richter oder nach dem Frankfurter Ex-Oberbürgermeister Feldmann und seiner Ex-Frau).

  • Auch bei Grünen ist noch nicht angekommen, dass der Sozialstaat so nicht mehr funktionieren kann, weil der deutsche Anteil an der globalisierten Arbeitsteilung im Welthandel inzwischen weitgehend dahingeschmolzen ist, zum Beispiel, wenn Menschen durch Maschinen (und später evtl. durch KI) ersetzt werden und damit die Existenzgrundlage vieler abhängig Beschäftigter, die mit ihrer Arbeit auch Steuern und Sozialbeiträge mit aufgebracht haben, verloren geht. Woher noch nehmen ? Da gleichzeitig die für viele kleine und mittlere Betriebe notwendige Binnenachfrage ausbleibt, ist alles nur ein Dominoeffekt, dessen Ende in seinen Auswirkungen noch gar nicht absehbar ist. Da hilft nur nüchterne Bestandsaufnahme und ein Rettungsplan dahingehend, dass wir im eigenen nationalen oder EU-weiten Interesse abschätzen, was wir leisten können für uns, für ein dem Gemeinwohl dienenden (unter Ausnutzung dieser Reichtümer, die nicht zuletzt durch die ständig gestiegene Produktivität größer geworden sind) ökonomischen System nutzen, so dass zumindest hierzulande niemand hungern sollte. Demokratie und Profitsystem passen nicht zusammen, wenn Globalisierung dazu führt, dass Existenzen vernichtet werden.

    • @Dietmar Rauter:

      Naja, technisch kein Problem an anderen Stellen als bei der Arbeit fiskalisch zuzugreifen - ist sowieso schon lange überfällig. Z.B. Transaktionen:



      Replacing The Income Tax Is Possible And Practicable



      www.forbes.com/sit...e-and-practicable/

      Und "Binnennachfrage bleibt aus", weil die Leute kein Geld haben. Das ist ein sogar noch leichter lösbares Problem...

      Das geht wunderbar zusammen mit dem weiter oben von Günther Witte eingeforderten Bürokratieabbau:



      Universal Basic Income Is Your Productivity Dividend. It’s the Only Way to All Share What We All Built.



      scottsantens.subst...-your-productivity

      Ich hab übrigens noch nie verstanden, warum die Kommunen Aufgaben der sozialen Sicherung übernehmen müssen, die gar nicht irgendwie von Ort zu Ort variieren, also problemlos standardisiert vom Bund - oder sogar der EU - übernehmen werden könnten.

  • Naja ich habe in 56 Jahren auch noch keinen so schlechten OB erlebt. Vielleicht Mal weniger Geld in gefloppte Begegnungsräume mit Verkehrschaos stecken und das Geld sinnvoller investieren.

    • @AmArschderHeide:

      Da sind viele in Hannover aber anderer Meinung. Das Verkehrschaos hat vor allem die SPD verursacht, die nach der verlorenen Bürgermeisterwahl, von der gemeinsam geplanten autofreien Innenstadt, auf einmal nichts mehr wissen wollte. Die SPD ist den Grünen in den Rücken gefallen und hält sich nicht mehr an frühere Absprachen zum Konzept der Autofreien Innenstadt.

      • @Andreas J:

        Ich meinte speziell die Zeit der Begegnungsräume. Hochbrücke hinterm Bahnhof gesperrt. Opernstraße gesperrt. Absolutes Chaos, Umsatzeinbußen der Händler. Und in den Begegnungsräumen tummelten sich nur eine Handvoll Menschen. Und gut dass die SPD vernünftig war., sonst gäbe es jetzt noch mehr Leerstand.

  • Mit diesem Kürzungskühlschrank werden die Vermögen durch die sozial und finanziell unteren Bevölkerungsschichten finanziert.

  • Ich erwarte von den Städten seit Jahren, dass sie endlich gegen die chronische Unterfinanzierung der Gemeinden klagen, wenn es sein muss bis vor das Bundesverfassungsgericht. Hier gilt ein besonderes Augenmerk dem Art. 28 Abs. 2 GG:



    "(2) Den Gemeinden muß das Recht gewährleistet sein, alle Angelegenheiten der örtlichen Gemeinschaft im Rahmen der Gesetze in eigener Verantwortung zu regeln. Auch die Gemeindeverbände haben im Rahmen ihres gesetzlichen Aufgabenbereiches nach Maßgabe der Gesetze das Recht der Selbstverwaltung. Die Gewährleistung der Selbstverwaltung umfaßt auch die Grundlagen der finanziellen Eigenverantwortung; zu diesen Grundlagen gehört eine den Gemeinden mit Hebesatzrecht zustehende wirtschaftskraftbezogene Steuerquelle."



    Dort ist auch ein guter Tipp enthalten, wie die finanzielle Ausstattung der Gemeinden verbessert werden kann, nämlich mit Hilfe der Hebesätze (Grundsteuer und Gewerbesteuer!). Wenn sich also nichts tut, sollten die Gemeinden in einer konzertierten Aktion die Grundsteuerhebesätze deutlich erhöhen.

    • @Aurego:

      Über solche „Wohltaten“ in der Betriebskostenabrechnung würden sich die Mieter sicherlich sehr freuen. Grundsteuern zählen zu den umlagefähigen Betriebskosten, werden also ggf. von den Mietern getragen. Einige Kommunen fänden es aber besser, wenn statt der Mieter lieber ihr jeweiliges Land die Ausgaben für die Aufgaben übernimmt, die ihnen Bund und Länder übertragen haben. Sie verhandeln deswegen (konferieren, schreiben Brandbriefe, geben Interviews), einige haben auch (vergeblich) auf Landesebene geklagt und andere vor geraumer Zeit Kommunalverfassungsbeschwerden erhoben, über die das Bundesverfassungsgericht demnächst entscheiden möchte. Ihre engagierten Erwartungen („endlich“, „bis vor das Bundesverfassungsgericht“) wurden also bereits erfüllt.

    • @Aurego:

      Das wird ganz sicher mit dem Geschrei beantwortet, dass es jetzt aus ist mit Gewerbe und Sozialwohnungsbau. Viel wichtiger: Man sollte den ganzen Vorgang, vor allem das Vorliegen von "Ergebnissen" ohne Beteiligung der eigentlichen Akteure, so laut wie möglich bei seinem wirklichen Namen nennen: eine unglaubliche Attacke auf die Demokratie.

    • @Aurego:

      Das werden sie jetzt, nach der schei.. Reform des Grundsteuerrechts auch tun. Jedenfalls ist Ihnen der Dank aller anderen als der reichen Eigentümer sicher.

      • @Gerhard Krause:

        Die Grundsteuer ist in Deutschland lächerlich niedrig, also alles kein Grund zur Beunruhigung.



        Es ist übrigens interessant und erstaunlich, dass in den USA auch das wesentlich besser funktioniert: Dort ist die Grundsteuer deutlich höher, aber davon werden die Schulen bezahlt. Das funktioniert, sogar in New York.

        • @Aurego:

          Vielleicht sollte mensch damit anfangen, daß Gewrbesteuern anteilig am Betriebsergebnis am Erzeugerstandort und ned irgendwo an nem (steuerbegünstigtem) Firmensitz bezahlt werden. Ist hier in der Kommune mit eigentlich genug anno dazumal hochgeförderten Gewerbegebieten das Problem; zweidrei größere Betriebe wurden von ner Holding aufgekauft.



          Übrigens wurde mit der Grundsteuerreform außer der allgemeinen Verwirrung auch der Betrag erhöht, auch wenn immer beteuert wurde, daß das ned passiert.

          • @Hugo:

            Das müsste man jedoch international besser regeln.



            Die Grundsteuern sind jedoch nicht durchweg gestiegen. Für einige Objekte sind sie mitunter deutlich gesunken.

  • Ich habe immer mein Problem damit, wenn es heißt: "Für linke Politik". Warum? Weil der Begriff das Denken einengt und immer weniger Leute damit etwas anfangen können.

    Wir brauchen ganz konkrete Vorschläge wie Probleme gelöst werden können. Begriffe wie "Rechts" oder "Links" sind Relikte aus dem 20. Jahrhundert und erzeugen eine abstrakte, inhaltslose Bubble die nur Feindbilder aufbauen ohne etwas zu verbessern.

    • @Thomas Müller:

      Ein aktiver Staat, der anpackt und Probleme löst... ist grundsätzlich LINKE Politik.



      .



      Konservativ - Rechts ist eher so "der Markt regelt das", "Steuern senken", "Staatsausgaben senken".



      .



      Außer Austeritätspokitik, aber ohne Steuerhöhung, scheint es bei Politikern, die zu diesem Spektrum gehören keine Lösung zu geben.



      .



      Wäre ja schön wenn wir nur konstruktiv an Lösungen arbeiten könnten.



      .



      Aber selbst Spitzenpolitiker faseln ja völlig realitätsfremd vom Wiedereinstieg in Atomkraft, Fusionskraftwerken, E-Fuels für PKW oder Wasserstoff für Privathaushalte



      .



      Mal ganz abgesehen von eventuell verstaubten Feindbildern sind wir GANZ WEIT von einer sachlichen und lösungsorientierten Politik entfernt.

  • Wenn grüne Funktionsträger (v.a. die auf kommunalpolitischer Ebene) die Konsequenzen des sozialen Kahlschlags (auf Bundes- und Länderebene) hautnah mitbekommen, vertreten sie plötzlich erstaunlich linke Positionen.



    Nicht, dass ich das schlecht finde.😉



    Weiter so im Erkenntnisprozess, liebe Grüne, auf dass Pizza Connections und sonstige schwarz-grüne Flirts bald der Vergangenheit angehören.

    • @Abdurchdiemitte:

      Ich denke zu wissen, dass Sie dies nicht negativ gemeint haben, klarstellend möchte ich nur begrifflich: die Position des OBM ist nicht "links", sondern ungemein vernünftig und ökonomisch klug.

    • @Abdurchdiemitte:

      Wann haben die Grünen denn Positionen vertreten, die irgendetwas von dem hier widersprechen, was Onay hier anführt?

    • @Abdurchdiemitte:

      Die Grünen hatten diese (und einige andere) Erkenntnisse schon seit vielen Jahrzehnten etwas schneller als alle anderen. Es ist also äußerst befremdlich, wenn Sie so tun, als hinkten die Grünen im Erkenntnisprozess hinterher.

      • @Aurego:

        Überhaupt nichts dagegen, dass Sie die Lage anders einschätzen. Ich würde mich ja freuen, wenn die Grünen (auf Bundesebene) die Zeit auf den harten Oppositionsbänken dazu nutzen würden, nun wieder ihr sozialökologisches Profil zu schärfen.



        Ich finde nur nicht, dass das ganze Liebäugeln mit der CDU (insbesondere die Beteiligung an.CDU-geführten Landesregierungen in Hessen und NRW) den Grünen besonders gut getan hat.



        Und da dieses Thema für manche Grüne ein wunder Punkt zu sein scheint - ich stelle das zumindest bei entsprechenden Diskussionen in meinem Bekanntenkreis fest (gereizte Reaktionen bei Kritik) - lege ich auch gerne den Finger in diese Wunde

        • @Abdurchdiemitte:

          Sie haben schon mitbekommen, wer in Baden-Württemberg die Wahl gewonnen hat?

          • @Aurego:

            Ja. Und?