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Die SPD und ihre frühere Kernklientel„Ich arbeite, ich liefere – das ist, was zählt“

Kommentar von

Tung Doan

Warum wenden sich immer mehr Ar­bei­te­r:in­nen der AfD zu, obwohl deren Politik ihnen schadet? Ein Blick in eine Kleidungsfabrik in Rheinland-Pfalz.

Die SPD hat in Rheinland-Pfalz deutlich an Luft verloren Foto: Emmanuele Contini/imago

A uf den ersten Blick ist es unerklärlich. Bei der Landtagswahl in meiner Heimat Rheinland-Pfalz hat die AfD am stärksten unter Ar­bei­te­r:in­nen abgeschnitten. Dabei hilft den Ar­bei­te­r:in­nen eine rechtsextreme Politik garantiert nicht. Gleichzeitig laufen der SPD scharenweise die Ar­bei­te­r:in­nen davon. Während die SPD das schlechteste Ergebnis ihrer Landesgeschichte einsteckte, konnte die AfD ihr Ergebnis verdoppeln.

Ich kenne die Menschen, die hinter diesem Trend stehen. Mein Vater arbeitet in einer Kleidungsfabrik in Rheinland-Pfalz. Einige seiner Kol­le­g:in­nen wählen AfD. Es ist eine irrationale Wahlentscheidung. Aber eine, die auf eigenen Erfahrungen beruht.

Da ist zum Beispiel ein junger Kollege meines Vaters: Er hat bei der letzten Bundestagswahl die SPD gewählt, bereut es jedoch in unserem Gespräch letzten Sommer. Er würde sich nun eindeutig für die AfD entscheiden. „Warum ihnen nicht eine Chance geben? Schlimmer kann es eh nicht mehr werden“, sagte er mir. Hoffnung, dass sich durch gemeinsames Anpacken etwas verändern könnte? Fehlanzeige. Stattdessen dominiert in der Fabrik eine fatalistische Abstiegsangst.

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Laut einer aktuellen ARD-Umfrage glauben 71 Prozent der Befragten nicht mehr, dass die SPD eindeutig auf der Seite der Ar­beit­neh­me­r:in­nen steht.

Rechtes Erfolgsrezept

Was daraus folgt? Manche nehmen diese Trends als Antrieb für eine härtere Gangart gegenüber So­zi­al­hil­fe­emp­fän­ge­r:in­nen und Migrant:innen. Und genau das ist das Erfolgsrezept der AfD, Tugenden wie Fleiß und Leistungsbereitschaft anzusprechen – genau jene, die Ar­bei­te­r:in­nen für sich beanspruchen. Es ist ihr Weg, ihren Platz in der Gesellschaft zu behaupten.

Ja, die Kol­le­g:in­nen meines Vaters stören sich an Menschen, die aus ihrer Sicht nur beziehen und nichts leisten. „Ich habe nie einen Cent an Sozialleistungen genommen. Ich arbeite, ich liefere – das ist, was zählt“, sagt mir einer von ihnen.

Aber dass sie ihre Abneigung nach unten richten, hat viel damit zu tun, dass sie nach oben erfolglos waren, Anerkennung für sich zu erkämpfen: Niederlagen bei Lohnverhandlungen gegenüber dem Fabrikbesitzer, ein Management, das Arbeitsprozesse verändert, ohne die Ar­bei­te­r:in­nen mit ihren Erfahrungen zu beteiligen, oder auch eine simple und dennoch ungehörte Forderung nach einer Klimaanlage in der Produktionshalle für Hitzetage.

Aus ihren Berichten verstehe ich: Jede dieser Niederlagen versagt ihnen ein Stück gesellschaftliche Anerkennung. Jahrzehntelange gesellschaftliche und ökonomische Entwicklungen hatten ihre Verhandlungsposition als Gruppe geschwächt.

Schwache Gewerkschaften

Und Eliten in Politik und Verbänden tragen auch Schuld daran: Im Betrieb meines Vaters entstand die kollektive Schwäche auch durch den großflächigen Einsatz von Zeitarbeiter:innen, die oft gehen, kurz nachdem sie kamen – politisch ermöglicht durch die Flexibilisierung des Arbeitsmarkts zu Beginn der 2000er Jahre. Entsprechend sind nur wenige in dieser Fabrik Gewerkschaftsmitglied, die Gewerkschaften können so kaum Schlagkraft entwickeln.

Wie stünde die SPD nun eindeutig an der Seite meines Vaters und seiner Kol­le­g:in­nen? Indem sie Bedingungen schafft, unter denen Ar­bei­te­r:in­nen die Machtverhältnisse in der Arbeitswelt zu ihren Gunsten ändern können. Es wäre ein Anfang, prekäre Beschäftigungsverhältnisse abzuschaffen und eine stärkere Mitsprache im Betrieb zu ermöglichen. Um sich anerkannt zu fühlen, brauchen Ar­bei­te­r:in­nen ihren Blick dann nicht mehr nach unten zu richten.

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19 Kommentare

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  • Eigentlich ist es nicht nur ein SPD-Problem, schließlich stellen sich alle 'bürgerlichen' Parteien inkl. der Grünen als ratlose Parlamentarier in einer Zeit, in der sich herausstellt, a) dass 'wir' über unsere Verhältnisse leben, insbesondere weil unser Lebensstandard das Klima zerstört, aber auch, weil wir den zu vielen Autoverkehr im wahrsten Sinne des Wortes auch gar nicht verkraften können, wenn wir die Strassen schneller kaputtfahren als reparieren oder neue bauen können mit unseren Steuermitteln und b) reiche Investoren die Unterschiede zwischen arm und reich zerstören, indem sie die gesellschaftliche Produktivität allein zu ihren Gunsten ausnutzen, ja sogar den Abhängigen den Boden unter ihren Füßen wegnehmen, indem sie Jobs und Auskommen einsparen und -paradox- damit die Binnenmärkte, auf die selbst die Globalisten angewiesen sind, zerstören. 'Volks'wirtschaft kennt leider nur die Unternehmen und ihre Märkte und nicht die Notwendigkeit, für ein Auskommen der ganzen Gesellschaft zu sorgen, das geht nur nach dem Prinzip einer Gemeinwohlökonomie. Die SPD kannte einmal eine Neue Heimat oder Coop und hat sie den Märkten geopfert! Und selbst die Grünen kennen nur den Kapitalismus

  • taz: *Laut einer aktuellen ARD-Umfrage glauben 71 Prozent der Befragten nicht mehr, dass die SPD eindeutig auf der Seite der Arbeitnehmer:innen steht.*

    Dazu braucht man keine ARD-Umfrage, denn seit Gerhard Schröder ist die SPD keine Arbeiterpartei und auch keine Partei der kleinen Leute mehr - weshalb sollten die Arbeiter die SPD also noch wählen? Aber muss man deshalb dann gleich die AfD wählen?

    Die Arbeitslosenzahl wird trotz "Schönung" der Bundesagentur für Arbeit/Jobcenter immer größer, aber der CDU/CSU/SPD-Koalition fällt nichts anderes ein, als die Arbeitslosen mit Verschärfungen noch mehr in die Arme der AfD zu treiben.

    In dieser hochtechnisierten Welt voller Maschinen, Computer, Regelungstechnik und Automation - und der stetig ansteigenden Künstlichen Intelligenz (KI) und durch KI gesteuerte humanoide Roboter - wird es in naher Zukunft immer weniger Jobs für Menschen geben; aber darüber reden Politiker, von denen geistig immer noch viele in den 1950er Jahren leben, natürlich nicht gerne.

    Dann kommt noch die Springerpresse hinzu, die ja auch lieber alles Linke und Soziale verteufeln, als sich endlich mal gegen die AfD zu positionieren.

    • @Ricky-13:

      ""Dazu braucht man keine ARD-Umfrage, denn seit Gerhard Schröder ist die SPD keine Arbeiterpartei und auch keine Partei der kleinen Leute mehr - weshalb sollten die Arbeiter die SPD also noch wählen? Aber muss man deshalb dann gleich die AfD wählen?""



      ==



      Arbeiter, welche die agd wählen, behaupten das sich die SPD nur noch um Bürgergeld und um Bürgergeldempfänger kümmern - aber nicht um die Interessen der Arbeiter. Diese Ex-Spd Wähler wählen die agd weil sich die SPD um das Bürgergeld und um Bürgergeldempfänger kümmern - aber mit Sicherheit nicht deswegen, weil Schröder Harz4 eingeführt hat.



      =



      Klartext: Diese Ex-Spd Wähler die nun SPD wählen, haben sämtliche Solidarität zu gesellschaftlichen Gruppen verloren



      denen es schlechter geht.

  • Hier wird behauptet der Arbeiter würde nicht mehr links wählen weil er desillusioniert ist vom scheitern.



    Das sehe ich nicht so. Vor allem nicht in der Masse.



    Der "Arbeiter" hat noch nie viel davon gehalten Leute mitzuversorgen die sich selbst versorgen könnten. Gerade diejenigen die hart für wenig arbeiten müssen sehen sich verarscht wenn man 40h sich mit nervigen und unfreundlichen Kunden rumplagen muss und wer anders sagt einfach ich habe keinen Bock und das ist auch gut so.

    Haben die Redakteure hier eigentlich schon Mal mit Verkäufern, DHL Fahrern, Logistikern, denjenigen in den Lagern und Werkstätten usw gesprochen?



    Ich glaube nicht.

    Die SPD sollte sich hüten noch mehr und wieder "nur" den Leistungsempfängern und Migrationsphantasien zu widmen. Die die das wollen, wählen die Linke und nicht die SPD. Möchte dir SPD wieder über 20% und mehr kommen, muss die mehr Schichten und Personen darüber hinaus ansprechen. Ob sie das schafft... Gute Frage...

    • @Duplozug:

      Scheitern und Arbeiterstolz sind seit jeher antagonistische Gegensätze. Diese Haltung lässt allerdings kaum noch Raum für das Scheitern als Lernprozess. So versteht man dann vielleicht nicht, dass sich Chefetagen und Unternehmensträger ohne Schwierigkeiten mitversorgen, wohingegen Migranten und Sozialleistungsempfänger kaum etwas abbekommen und zudem gar nicht mal so selten selbst unter den prekär beschäftigten Arbeitern sind. Davon steht in den bildungsfernen Medien nichts, weil man dem geneigten Arbeiter nicht gerade seine Geringschätzung offenbaren, sondern vielmehr sich und ihm seinen Arbeiterstolz erhalten möchte.

  • Gerhard Schröder SPD hat mit Agenda 2010 und Hartz IV die Arbeiter erniedrigt und entrechtet. Angela Merkel CDU hat 16 Jahre davon profitiert, aber eigene Reformen für den Witschaftsstandort Deutschland versäumt. Die SPD hat sich nie von Schröder distanziert, das war ein Fehler. Jetzt ist guter Rat teuer. Aber dass Arbeiter AfD wählen löst kein einziges Problem. Diese Partei denkt nur an sich selbst und wird wenn sie an die Regierung kommt Chaos verbreiten. Das ist ihr Kern.

    • @KLaus Hartmann:

      Ihre letzten beiden Sätze werden auch über die Grünen kolportiert.

  • Die "Arbeiterschaft" hat sich von der Sozialdemokratie verabschiedet



    Wählt sie jetzt die Linke? Nein, sie hat sich auch von der Solidarität verabschiedet



    Entgangen scheint der doch immer noch gutversorgten und sozial abgesicherten Industriearbeiterschaft, dass eine Partei, die etwas bewirken will, eine ordentliche parlamentarische Mehrheit benötigt.



    Unser ehemaliger Bundeskanzler Olaf Scholz hat als 1.Priorität dort gehandelt wo es am nötigsten war: Menschen am Rande der Gesellschaft ein einigermaßen würdevolles Dasein zu ermöglichen.



    Respekt auch gegenüber Menschen, die in der Leistungsgesellschaft zu den Verlierern gehören

  • Tung Doan Vaters Stimmungswechsel in Kleiderfabrik zeigt exemplarisch, was in bundesdeutscher Wählerschaft fokussiert auf SPD geschieht mit vormals großer Stammwählerschaft, sie werden spätestens beim parteiübergreifenden Konsens von SPD, Grünen, CDU/CSU außer PDS rotgrüne Arbeitsmarktreform Agenda2010/Hartz IV 2003 im Bundestag durchzuwinken zu alleinigen Lasten Arbeitnehmer außer Beamten zugunsten privater, kirchlicher, kommunaler Arbeitgeber in kommunikativ systemische Double Bind Beziehungsfalle Paul Watzlawick(1921-2007) gelockt, indem SPD Spitze ihre Basis Open House gefragt, ihr habt die Wahl, SPD Spitze oder Arbeitsmarktreform Agenda Ja oder Nein. Wenn SPD Basis dann mit Nein Arbeitsmarktreform Agenda ablehnt, verfällt SPD Spitze verdruckst in Traurigkeit und jammert, ihr liebt uns nicht mehr. Worauf SPD Basis so angesprochen solange in Schuldgefühlen versinkt bis AfD 2013 wie beim Hütchenspiel wundersam vom Fleisch der Altparteien aus der Kiste springt von Schuld befreiend schrill Dissonanz Punkkokenkapell Posaunen Orchester anstimmt, das wahrhaftige Untermalung zur Agenda2010 ist, Retro Nestwärme garantiert, Stammwählerschaft Krötenwanderschaft zur AfD beginnnen lässt

  • Aus meiner Sicht ein sehr guter Artikel. Er beschreibt mit deutlich, dass fehlende Wertschätzung gegenüber dem Einzelnen dazu führt, dass er Politiker wählt, von denen er sich verstanden fühlt. Negatives Paradebeispiel ist für mich die Bundesagentur für Arbeit, die von Vollzeit- und Teilzeitkapazitäten spricht, wenn sie Arbeitnehmer meint. Dieses Entmenschende macht es den Entscheidern leicht, das individuelle Schicksal jedes Einzelnen zu ignorieren.

  • Es entsteht bei dieser Lektüre der Eindruck, als würde der „klassische Arbeiter“ als jemand dargestellt, der zu schlicht sei, um komplexe Zusammenhänge zu verstehen.

    Dabei liegen die Ursachen tiefer. Die wachsende Ersetzbarkeit durch Zeitarbeit ist letztlich nur ein Symptom einer lange kaum hinterfragten Globalisierung, deren Dynamik bereits in den 1980er-Jahren an Fahrt aufnahm: das systematische Ausspielen nationaler gesellschaftlicher Interessen durch eine international agierende Wirtschaft.

    Und ist der „Genosse der Bosse“ schon vergessen? Unter Gerhard Schröder wurden die Weichen gestellt für eine Politik, die viele Lohnabhängige nicht nur ökonomisch unter Druck setzte, sondern auch gesellschaftlich entwertete – Stichwort Hartz IV.

    Realsozialdemokraten wie Lars Klingbeil („kein Recht auf Faulheit“) und andere haben wenig dazu beigetragen, dieses Narrativ im Nachhinein ernsthaft zu demontieren. Hoffnungen wie Kevin Kühnert, die zumindest an den Grundfesten rütteln, blieben eher Randerscheinungen.

    Warum also einer SPD nachtrauern, wenn sie zentrale Realitäten so lange nicht erkannt hat?



    Mein Tip: Programmatisch erneuern – glaubwürdig, mit neuen Köpfen statt alten Reflexen.

  • Politik für So­zi­al­hil­fe­emp­fän­ge­r und Migranten ist EIN Punkt für die SPD, einer von vielen wichtigen. Die taz aber suggeriert schon wieder, dass die SPD dies zur ihrer Hauptaufgabe machen soll, dem ich widerspreche. Weil die SPD genau deswegen als Partei der Transferleistungsempfänger gekommen ist, hat sie bei Arbeitern und Angestellten viele Stimmen verloren.



    Wer will, dass die SPD überhaupt noch genügend Wähler zurück gewinnen kann, sollte sie nicht wieder einseitig auf dieses Podest stellen. Denn 20% und ausgeglichene Politik sind wichtiger als 4,x% und Rechthaberei, siehe Linke in BW und RP.



    Ist aber nur meine Meinung als Nicht-SPD Wähler. Meines Erachtens ist der Zug schon abgefahren, die SPD wird nie wieder die Volkspartei, die sie mal war.

    • @Hans Dampf:

      Ich glaube, der Artikel beschäftigt sich mit der erfolgreichen rechten Agitprop, nicht mit dem realen Agieren der SPD.



      Aber es ist IMO äußerst interessant, dass dies offenbar ein ziemlich relevanter Punkt für viele ehemalige SPD-Wähler ist. Könnte es sein, dass sich hier in D die gleiche Motivation findet wie bei Mamdanis Wahlkampf in New York? Stichwort Affordability?

    • @Hans Dampf:

      Vielleicht kann man das so auf den Punkt bringen: Rechthaberei zu gar jedem Thema in jeder Verästelung führt zu steigenden Prozenten bei den Rechten.



      Je mehr Rechthaberei, desto weniger Wählerstimmen.... BSW, Linke, FDP, SPD.... als Hauptprotagonisten.

  • also erstmal: die Arbeiter, die früher SPD gewählt haben, waren nie links. Die waren immer latent weit rechts, "wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen", "die Ausländer nehmen uns unsere Arbeit weg" etc. Es ist zwar geradzu erschütternd dämlich, als vom Wirtschaftsliberalismus in die Ecke gedrängter Lohnsklave eine Partei zu wählen, die genau diesen Wirtschaftsliberalismus komplett enthemmen will, aber naja, wenn dein Weltbild von Springer und Fratzenbuch definiert wird, was will man erwarten. Hauptsache, die tun was gegen die Ausländer!

    Die SPD ihrerseits war auch immer maximal auf dem Papier des Grundsatzprogramms links, spätestens seit Schröder ist die SPD neoliberal und vertritt im Wesentlichen die Interessen der "Märkte". Das die sog. "kleinen Leute" nicht mehr SPD wählen, ist nachvollziehbar (es ist ja ohnehin eher schwierig, einen Grund zu finden, die noch zu wählen.)

    • @John Zoidberg:

      Die waren immer latent weit rechts, "wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen", "die Ausländer nehmen uns unsere Arbeit weg" etc.

      Diese Vorstellungen waren von Anfang an links.

      Schon bei Marx finden Sie die Idee, dass man durch seiner Hände arbeitet erst das Recht an der Teilhabe an den gesellschaftlichen Ressourcen erwirbt.

      Das Gegenstück waren damals halt nur andere nichtarbeitende Personen.

      Damals existierten keine Sozialleistungen in relevantem Maße.

      Auch im realexistierenden Sozialismus gab es eine Verpflichtung zur Arbeit als Beitrag zum Aufbau des Sozialismus.

      Deren Parteien waren deutlich links von der SPD.

      • @rero:

        Marx’ Grundsatz des Kommunismus lautete dann allerdings: „Jeder nach seinen Fähigkeiten, jedem nach seinen Bedürfnissen!“

        • @Yes:

          Oh, das war eigentlich als Antwort auf den Beitrag von rero ganz unten gedacht.

      • @rero:

        nur weil Rechte alles Linke mit Sozialismus und Kommunismus gleichsetzen, ist der Vergleich noch lange nicht richtig.