piwik no script img

Hitzeschutz für Pflegeheime und KitasBundesregierung stoppt Förderung für Klimaanpassung

Soziale Einrichtungen haben oft kein Geld, um sich an die Folgen der Erderhitzung anzupassen. Förderung vom Bund bekommen sie aber auch nicht mehr.

Die Bundesregierung lässt Kitakinder in der Hitze stehen Foto: Volker Speckenwirth/imago

Die Bundesregierung vergibt 2026 keine neuen Fördermittel, mit deren Hilfe sich soziale Einrichtungen an die Folgen der Erderhitzung anpassen können. Das geht aus der Antwort des Bundesumweltministeriums auf eine Kleine Anfrage der Grünen hervor, die der taz vorliegt.

Mit dem Förderprogramm Klimaanpassung in sozialen Einrichtungen fördert die Bundesregierung Maßnahmen, mit denen sich Pflegeheime, Kitas und andere Einrichtungen an die Folgen der Erderhitzung anpassen können sollen. Dazu gehören zum Beispiel häufiger und heftiger werdende Hitzewellen und Starkregen.

„Die Bundesregierung lässt erneut vulnerable Menschen im Stich, die besonders unter den Folgen der Klimakrise leiden“, sagt die grüne Bundestagsabgeordnete Julia Schneider der taz. Pflege- und Altenheime, Kindergärten, Schulen sowie Einrichtungen für Menschen mit Behinderungen benötigten „dringend Unterstützung, um die ihnen Anvertrauten vor den Auswirkungen der Klimakrise, wie zunehmenden Hitzewellen und Überschwemmungen, zu schützen“.

Das Bundesumweltministerium teilte auf taz-Anfrage mit, es habe die Förderrichtlinie 2023 verstetigt und „beabsichtigt grundsätzlich und in Abhängigkeit von der Ausgestaltung des Bundeshaushalts die Öffnung zukünftiger Förderfenster“. Mit den im Haushalt veranschlagten Mitteln würden laufende Vorhaben finanziert, außerdem sei die Bewilligung 12 weiterer Anträge aus 2024 geplant.

Klimaanpassung gilt nicht als betriebsnotwendig

Christopher Bangert, Leiter Referat Sozialwirtschaft und Klimaneutralität der Caritas, sieht großen Investitionsbedarf bei den sozialen Einrichtungen: „Viele Gebäude sind in die Jahre gekommen. Wenn der Sommer heiß wird, wird es schwierig für die Be­woh­ne­r*in­nen und Mitarbeiter*innen“, sagt er der taz. Anpassungen an die fortschreitende Erhitzung Deutschlands – 2,5 Grad mehr als vor der Industrialisierung – würden nicht als betriebsnotwendig gelten und deswegen von Kostenträgern wie Bundesländern und Kommunen in der Regel nicht refinanziert.

Das Förderprogramm für soziale Einrichtungen, das 2020 aufgesetzt wurde, habe diese investiven Maßnahmen und den Kompetenzaufbau der Mit­ar­bei­te­r*in­nen zur Klimaanpassung „flott und wirksam vorangetrieben“, sagt Bangert. Zum Beispiel seien Dachbegrünungen, Jalousien und Sonnensegel angeschafft worden. Ohne die Gelder vom Bund müssten solche Investitionen mühsam mit Spenden oder anderen Fördermitteln refinanziert werden. Laut dem Bundesumweltministerium konnte aufgrund begrenzter Haushaltsmittel zuletzt nur ein Viertel der gestellten Anträge bewilligt werden.

Schon 2023 verkleinerte die damalige Ampelregierung den Fördertopf. Seitdem finanziert die Bundesregierung nur noch Modellprojekte. „Seitdem ist das Programm kaum mehr wirksam“, sagt Bangert. Die sechs größten Wohlfahrtsverbände, darunter die Caritas, forderten deshalb schon im vergangenen Jahr, 10 Milliarden Euro aus dem Sondervermögen Infrastruktur für Klimaschutz und -anpassung sozialer Einrichtungen auszugeben.

Unser Mittel gegen Antifeminismus

Wir machen linken Journalismus aus Überzeugung: kritisch, unabhängig und frei zugänglich für alle. Es gibt keinen Bezahlzwang, keine Paywall. Das geht nur, weil sich viele freiwillig beteiligen und unsere Arbeit unterstützen. Auch im Digitalen muss Journalismus, der für mehr Gleichberechtigung eintritt, finanziert werden. Unsere Leser:innen wissen: Journalismus entsteht nicht aus dem Nichts. Damit wir auch morgen noch unsere Arbeit machen können, brauchen wir Ihre Unterstützung. Schon über 48.000 Menschen machen mit und finanzieren damit die taz im Netz - kostenlos für alle. Setzen Sie ein Zeichen für die taz und für die Zukunft unseres Journalismus. Mit nur 5 Euro sind Sie dabei. Jetzt unterstützen

Mehr zum Thema

14 Kommentare

 / 
  • "Förderprogramm Klimaanpassung in sozialen Einrichtungen"



    ...noch immer latent euphemisierendes Wording mit Klimaschutz, Klimawandel etc aus der Politik.



    Bereits 2020 in der taz:



    "Neue Empfehlungen für die taz Besser übers Klima schreiben



    Als erstes Medienhaus in Deutschland gibt sich die taz eine klimagerechte Sprache. Denn das Sein bestimmt auch das Klimabewusstsein."



    Und weiter:



    "Der bisherige journalistische Umgang mit dem Klima war in vielen Medien zu monoton, ungenau, verharmlosend, vielleicht sogar unzutreffend und sicher nicht ausreichend publikumswirksam und verständlich“, sagt Torsten Schäfer, Professor für Journalismus an der Hochschule Darmstadt."



    Titel:



    "Neue Empfehlungen für die taz



    Besser übers Klima schreiben"



    Die Bedrohlichkeit wird immer noch aktiv heruntergespielt.



    Wir kennen die Analysen zu ehemaligen angefragten Szenarien der Bundesregierung vor dem Ahrtal-Hochwasser mit der folgenden Katastrophe, die Schriftstücke waren in vielen Ablagen oder Schubladen verschwunden.



    dserver.bundestag....17/120/1712051.pdf



    Ein Szenario der Risikoanalyse war auch



    "Pandemie durch Virus Modi-SARS"

  • Bei neu gebauten oder sanierten Einrichtungen sollte dies eigentlich schon integriert sein, schließlich ist der Klimawandel und die Folgen nichts, was erst seit gestern bekannt ist. Hier also ein ganz klares Versagen von Architekten und Planern. Bei Altbauten sieht es wieder etwas anders aus. Aber wenn ein Pflegeplatz pro Nase mindestens 3000€ kostet, oft ja sogar noch mehr, und dieser auch einen Anteil Investitionszulage enthält (war im Pflegeheim meiner Mutter in der Abrechnung ein separater Punkt von 175€), darf man schon einmal fragen, wo denn dieses Geld hin ist? In Plastikblumen auf dem Kaffeetisch?

  • Passt doch ins Unions-Konzept, Sozialleistungen abzubauen statt Reiche zu belasten.

    • @Mitch Miller:

      Reiche werden bereits belastet. Das können Sie also nicht meinen.

      • @ocs:

        Das hätten wir alle gerne etwas spezifiziert!

        • @Perkele:

          Ich will mich jetzt nicht als Klugsiewissenschon outen, aber ich glaube zu verstehen, wie es gemeint ist.

  • Pflegeeinrichtungen sollten in der Lage sein, Klimaanlagen zu installieren. Wo geht das ganze Geld hin. Kostet keine Unsummen. Damit kann dann auch im Winter geheizt werden.

    • @Momo33:

      Ich kenne zufällig und unverschuldet einen Betreiber, und zumindest der weiß, wo ein nicht unbeträchtlicher Anteil des Geldes hingeht.

    • @Momo33:

      "Wo geht das ganze Geld hin."



      In die Aufrüstung. In die Zinsen für die "Sondervermögen".

      • @sollndas:

        Wie hier nun steht, sind Plastikblumen im monatlichen Heimplatztarif inklusive? Ständig soll zugeschossen werden, vor allem da, wo besonders abgezockt wird.

      • @sollndas:

        Das ist nicht ganz richtig. Pflegeheime berechnen -neben einer Ausbildungszulage- einen Posten namens "Investitionskosten" in nicht unbeträchtlicher Höhe. In unserem Fall waren das rund 150,- €, pro Person und pro Monat. Dieses Geld kassieren die Heime selbst, also nicht der Staat für Rüstung oder Sondervermögen. Für einen Jahresbeitrag wäre die Klimaanlage wahrscheinlich schon bezahlt. Ausbildungszulage in Höhe von ca. 130,- € kommt dann übrigens nochmal extra drauf. Das sind rund 280,- €, die mit den eigentlichen Pflegekosten noch garnichts zu tun haben.

  • Das ist doch nur konsequent. Was bringt es denn, den Klimaschutz abzuschaffen, wenn die Menschen sich vor den Folgen schützen können?

  • Dachbegrünungen, Jalousien und Sonnensegel sind ohne Energieeinsatz wirksam, aber eben auch teuer. Zahlen sollten eigentlich Autoverkehr, Flugverkehr, Fossilverkäufer - Verursacherprinzip.



    Schade, dass e.on-Satrapin Reiche sich dermaßen verrannt hat.

    Es müssen ja inzwischen offenbar Anbieter von sauberer Energie (unter z.B. Grüner Strom Label finden Sie mehr) in die Lücke springen, was Förderung von Energiewende angeht.



    Peinlich für die Union, peinlich auch, dass sie sich selbst da gerade nicht korrigiert bekommt.

    • @Janix:

      Schade, dass kein Geld mehr da ist. Dann müssen diese Einrichtungen solange nicht in staatlicher Hand selbst für Schutz sorgen. Kostet ja nicht die Welt.