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„Gipfel gegen Linksextremismus“ Mit Trump gegen die Antifa

Timm Kühn

Kommentar von

Timm Kühn

Die Bundesregierung wird Gastgeber des Follow-ups von Trumps „Gipfel gegen Linksextremismus“ – und treibt damit den autoritären Staatsumbau auch hier voran.

Z u 30 Jahren Haft wurde Daniel Sanchez Estrada in den USA verurteilt. Der Grund: Er soll nach einem Protest vor einem ICE-Haftzentrum eine Box mit antifaschistischen Zeitschriften transportiert haben, was die Ermittlungen erschwert haben soll. Estrada selbst hatte an keiner Demo teilgenommen. Doch ein US-Gericht verurteilte ihn als Teil eines terroristischen Antifa-Komplotts. Acht Ak­ti­vis­t:in­nen wurden neben Estrada zu insgesamt über 400 Jahren Haft verurteilt, nachdem bei einem Anti-ICE-Protest ein Schuss auf einen Polizisten abgefeuert worden war.

Die drakonischen Urteile vom Ende Juni sind die ersten, die unmittelbar auf die US-Einstufung der „Antifa“ als Terrororganisation zurückgehen. In der vergangenen Woche nahm nun das Bundesinnenministerium an einer Propaganda-Konferenz von US-Außenminister Marco Rubio gegen „transnationalen linken Terrorismus“ teil. Dabei konnte der deutsche Abgesandte Rubio dabei zuhören, wie diese über linke Bewegungen als eine „Revolte der Schwachen und Feigen gegen die Starken und Guten“ redete und fantasierte, dass ein internationales Antifa-Netzwerk mit dem kubanischen Geheimdienst zusammenarbeite.

Die Teilnahme der deutschen Regierung war für sich schon ein Skandal. Rechtfertigend hieß es dazu aus Behördenkreisen, man habe ja nur einen Abteilungsleiter geschickt – um die USA nicht zu brüskieren. Jetzt aber hat das Bundesinnenministerium bekannt gegeben, dass ein Folge-„Workshop“ der Anti-Antifa-Konferenz in Deutschland stattfinden soll. Ohne jeden Zwang hat sich das Bundesinnenministerium damit entschieden, das Framing des Trump-Regimes vom Antifaschismus als Terrorismus zu legitimieren.

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Was sich die USA von einer solchen Konferenz in Deutschland erhoffen, ist klar. Trumps Erzählung einer angeblichen internationalen Antifa-Verschwörung basiert maßgeblich auf der Einstufung der deutschen „Antifa Ost“ als Terrororganisation. Dass einige junge Linke ein paar Nazis verprügelt haben, nutzt die US-Regierung seither als Exempel für die angebliche Gewalttätigkeit des internationalen Antifaschismus. Dazu verweisen die USA auf den Anschlag auf das Berliner Stromnetz Anfang des Jahres, der einer anarchistischen „Vulkan-Gruppe“ zugeschrieben wird – was aber nicht belegt ist.

Liebäugeln mit dem autoritären Staatsumbau

Man könnte schockiert darüber sein, dass sich Innenminister Alexander Dobrindt und die Union auf dieses Spiel einlassen. Doch das fällt zunehmend schwer. Erinnert sei daran, wie Dobrindt bei der Vorstellung des Verfassungsschutzberichts mit Graphen unterschiedlicher Skalierung hantierte und damit suggerieren wollte, Linksextremismus sei ein ebenso großes Problem wie marodierende Neonazis. Oder an die Prüfung der Gemeinnützigkeit des VVN-BdA, an die Attacken der Union auf die kritische Zivilgesellschaft, die angeblich zu links sei. Man erkennt: Nicht wenige in der Union liebäugeln auch hierzulande mit dem autoritären Staatsumbau.

Die Mittel, zu denen dabei gegriffen wird, reichen von der Aufrüstung der Polizei und des Verfassungsschutzes über Flüchtlingslager an den EU-Außengrenzen, die Entrechtung von Geflüchteten mit Bezahlkarten und Zwangsdiensten bis hin zum Defunding und Debanking der kritischen Zivilgesellschaft. Wer glaubt, diese Entwicklungen bedrohten nur militante Kleingruppen der Antifa, der hat den Schuss nicht gehört.

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Timm Kühn

Timm Kühn Redakteur

Timm Kühn ist Redakteur für soziale Bewegungen im Inland und in Berlin. Für die taz schreibt er seit 2021 über Klima, Kapitalismus und kleine Risse im großen Ganzen. Hat auch mal Politische Theorie studiert.
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13 Kommentare

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  • Das dürfte ein Großteil der Kommentatoren hier richtig finden, was Trump tut. Hier lese ich sehr viel Whataboutism in den Kommentaren, dass die Antifa doch gewalttätig seil und nicht viel besser als die Faschisten.

    Alle werden es noch bereuen.

  • Dass sich die US-Regierung unter Trump und das deutsche Innenministerium unter Alexander Dobrindt auf einem dubiosen „Anti-Antifa-Gipfel“ die Hände reichen, ist ein politischer Offenbarungseid. Während der rechte Terror, völkische Umsturzphantasien und faschistische Netzwerke weltweit Demokratien untergraben, inszenieren autoritäre Hardliner ein absurdes Ablenkungsmanöver gegen das Gespenst des „Linksextremismus“.



    ​Dobrindt lässt sich dabei bereitwillig als Gehilfe für Trumps rechten Kulturkampf einspannen, um den Sicherheitsapparat aufzurüsten und oppositionelle Stimmen im Keim zu ersticken. Dieser sogenannte Gipfel ist kein Instrument für echte Sicherheit, sondern eine feige Scharade zur Entmachtung der Zivilgesellschaft. Wer im Angesicht des schleichenden Faschismus den Schulterschluss mit autoritären Demagogen sucht, verabschiedet sich von der Demokratie. Ein brandgefährliches Lehrstück!

  • Leider ist das alles richtig. In einem autoritären System kann man sich halt leichter ungeniert bereichern, da die Mehrheit keinerlei Rechte mehr hat, auf die sie sich berufen kann.

    Das irre ist, dass die Leute immer unzufriedener werden, weil sie unter der ultrarechten Politik leiden, aber als Schluss daraus ziehen es wäre eine gute Idee, die noch rechtere Partei zu wählen.

    Ich hab es glaube ich schon mal geschrieben, aber, wer die Idee Demokratie verstanden hat und sie für richtig und wichtig hält, der kann nicht mehr Mitglied oder Wähler einer der Unionsparteien sein. Das schließt sich inzwischen aus.

  • Und ich Naivling dachte immer, dass der „transnationale rechte Terrorismus“ die Gefahr ist, die es zu bekämpfen gilt.

    Dann stimmen die folgenden Zahlen wohl gar nicht:



    25.660 rechtsextremistische Straftaten ereigneten sich im Jahr 2025. Das sind im Schnitt mehr als 101 pro Tag. Die Gesamtzahl der rechtsextremistischen Straf- und Gewalttaten bewegte sich 2025 mit 36.951 Taten auf dem Niveau des Vorjahres (2024: 37.835).

  • Das hat sich ja schon lange angekündigt seit dem G20, als die Auflagen für Demonstrationen geändert wurden. Dann hat man bei den Demonstrationen zu Palästina ausgetestet, wie weit man gehen kann und festgestellt, die großen Medienhäuser schrecken davor zurück, Mitteilungen der Polizei zu hinterfragen geschweige denn selber zu recherchieren.

  • ... und die Wählerschaft wird durch Springer-Presse und Nius mit entsprechender Propaganda versorgt. Meine akademischen Nachbarn mit "Welt"-Abo reden schon ganz wirr und mit der Haltung, nur sie wüssten Bescheid und die Links-Grünen wären eine Bedrohung und überhaupt inkompetent ...

  • Muss man sich wirklich darüber wundern, bei dem Personal, das dort "oben" derzeit das Sagen hat?



    Der gerade eben Zurückgetretenwordene war doch nur die Spitze dieses kolossalen Eisbergs...

  • Trump light in Deutschland mit der Union. Für Wähler der Mitte nicht wählbar. Und genau das zeigen die Umfragen.

  • Autoritärer Staatsumbau? Das ist exakt AgD Politik - betrieben von der csdU. Da kommt regelrecht Angst auf (ein durchaus gewolltes Phänomen) und schüchtert Menschen ein, die nicht stramm rechts unterwegs sind. Und in dieser Situation stuft sich die csdU gerne als Partei der "Mitte" ein !? Allmählich wird der Vorwurf des neuen Vorsitzenden der Linken nicht mehr als übertrieben einzustufen sein. . .

  • Dass in Teilen der Union ein autoritäres und kein liberales Staatsverständnis vorherrscht, kommt nun alles andere als überraschend. Reisen diverser Politiker zu MAGA-Veranstaltungen, Abstimmungen zusammen mit der AfD um die Finanzierung von Projekten der Zivilgesellschaft zu beenden oder zu verhindern, die Hofierung von Urban und Co. Die Liste ließe sich beliebig erweitern, letztendlich geht es der Union um Machterhalt, um sich und nahestehenden Gruppen auf lange Sicht die Pfründe zu sichern. Das geht in einer autoritären Gesellschaft nun mal einfacher als in einer liberalen.

  • Die CDU mausert sich zunehmend zu einer demokratiefeindlichen Organisation. Die AfD öffnet die Gesellschaft nach rechts mit viel Gelaber und die CDU folgt ihr mit Taten.

  • Diese Regierung ebnet den Weg für den Faschismus und die AFD.



    Die EU muss endlich eine klare Trennlinie zu dieser menschenverachtenden Trumpschen Maga Vereinigung ziehen.



    Sie wollen unser Sozialsystem zerstören und uns ihren ungehemmten Kapitalismus aufzwängen. Und die SPD macht dabei gute Mine zum bösen Spiel!



    Dumm und schändlich!



    Und ihr tumben Wähler gebt ihnen obendrein die Legitimation!

  • ... da kann ich nur zustimmen.