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Politisch motivierte KriminalitätAber der Linksextremismus

Politische Kriminalität ist auf einem Höchststand. Die größte Gefahr kommt von rechts, gibt Innenminister Dobrindt zu. Und warnt dann vor den Linken.

CSU-Innenminister Alexander Dobrindt warnt gerne vor Gefahren von links. Als er im vergangenen Jahr den Verfassungsschutzbericht vorstellte, suggerierten seine mitgebrachten Grafiken, dass das Personenpotenzial im Links- und im Rechtsextremismus ähnlich groß wäre. Später stellte sich heraus: Das war ein plumper Trick. Die Grafik zu Linksextremismus hatte einen deutlich kleineren Maßstab, der Anstieg war deutlich geringer als im Rechtsextremismus.

Dobrindts Subtext damals: Beide Ränder sind gefährlich, die Union ist in der Mitte und bekämpft gemäß Hufeisentheorie alle Extremisten. Die eigenen Anteile am Rechtsruck und dem Rassismus der Mitte durch die Übernahme von Abschottungsdiskursen, die Rechtsextremismus legitimieren und Täter zu rechter Gewalt ermutigen, spielten naturgemäß keine Rolle.

In diesem Jahr bei der Vorstellung der Zahlen zu politisch motivierter Kriminalität (PMK) war die Botschaft die gleiche. Was immerhin anders war: Dobrindt hatte keine groteske Schummelgrafik dabei. Zur Präsentation der sogenannten PMK-Zahlen zeigte er diesmal eine Grafik mit zwei Linien im selben Maßstab: eine braune höhere für rechtsextreme Gewalt, die auch im Jahr 2025 mit 1.598 Taten mal wieder auf einem Höchststand lag, und darunter eine rote für linksextreme Gewalt, rund ein Drittel niedriger, aber gegenüber dem Vorjahr deutlich angestiegen – um 42,65 Prozent auf 1.087 Delikte.

„Aber“

Dobrindts Worte dazu: „Deutlich zu sehen ist, dass wir es gerade in der linken Szene mit erheblichem Ansteigen der Gewalttaten zu tun haben.“ Etwas pflichtschuldig streute er ein, „dass die größte Gefahr natürlich vom Rechtsextremismus ausgeht, eindrucksvoll aber wird klar, dass die linke Szene deutlich mobilisiert und dafür sorgt, dass Gewalttaten stärker in unsere Gesellschaft auftreten“.

Der Anstieg bei den linksextremen Taten sei zu erklären durch viele politische Demonstrationen und etwa Körperverletzungen gegen die Polizei und Widerstand gegen Staatsgewalt, so Dobrindt – womit wohl Großdemos gegen AfD-Parteitage und gegen die gemeinsame Abstimmung der Union mit der AfD beim Thema Migration im Vorfeld der Bundestagswahl 2025 gemeint sein dürften. Er wolle aufrüsten beim Kampf gegen Linksextremismus, kündigte Dobrindt an, ebenso wie Strafverschärfungen für Widerstand gegen Polizist*innen.

Insgesamt ist die politisch motivierte Kriminalität auf 85.837 Taten um rund 2 Prozent gestiegen – ein erneuter Rekord seit Erfassung, wenn auch eine geringere Zunahme um 4.107 Taten trotz des politischen aufgeladenen Jahres 2025 inklusive Bundestagswahl.

Der Großteil der Straftaten waren erneut Rechtsextremen zugeordnet: 45.544 (rund 53 Prozent aller Taten). Die rechten Straftaten lagen damit deutlich vor linken (13.490) und jenen die das Bundeskriminalamt BKA „ausländischen“ (6.886) und religiösen (1.983) Ideologien und „Sonstigen“ zuordnete (20.934).

Besonders starker Anstieg bei Frauenfeindlichkeit

Holger Münch, der Präsident des BKA, verwies in der Bundespressekonferenz darauf, dass die Zahlen mehr als doppelt so hoch lägen wie vor 10 Jahren: „Wir sehen eine zunehmende Polarisierung und Gewalttaten gegen politisch Andersdenkende.“ Der Einfluss von Propaganda und die gesellschaftlich zugespitzte Stimmung, wesentlich getrieben von sozialen Medien, mache sich auch in steigender Hasskriminalität bemerkbar.

22.159 Straftaten verzeichnete das BKA unter diesem Label und auf verschiedenen Deliktfeldern: Diese mache sich unter anderem bemerkbar bei Anstiegen in der „Fremdenfeindlichkeit“ (19.484 Fälle), Queerfeindlichkeit (1.294), Frauenfeindlichkeit (819) sowie beim Antisemitismus (6.548), wobei die Hälfte der Fälle einen Bezug zum Nahostkonflikt habe.

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Besonders groß sei die Zunahme bei explizit queerfeindlichen (12 Prozent Zunahme) und frauenfeindlichen Taten (46,7 Prozent) – dies seien Entwicklungen, die von Veröffentlichungen in sozialen Medien getrieben seien, wo sich Personen in Foren wie etwa der Incel-Szene zusammenfänden und sich dort gegenseitig zu Gewalttaten motivierten, erklärte Münch. Er wertete den überdurchschnittlichen Anstieg als ein Zeichen für eine Veränderung im Frauenbild und der Gewalteinstellung gerade im rechten Spektrum bei radikalisierten jungen Menschen.

Die Todesopfer rechter Gewalt und viele Taten aus dem Dunkelfeld, die von Opferstellen gezählt werden, aber nicht offiziell in der BKA-Statistik auftauchen, kamen nicht zur Sprache. Stattdessen stellte Dobrindt klar, dass er weiter mit den islamistischen Taliban über Abschiebungen ausländischer Straftäter verhandeln wolle.

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15 Kommentare

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  • Je nach politischer Einstellung wird schon immer versucht Statistiken entsprechend auszulegen.



    Für mich ist die körperliche Gewalt gegen andere wichtig, egal ob von rechts, von links, islsmistisch oder sonstiger Ideologie.



    Allerdings zeigt die Statistik, dass die links motivierten Straftaten aufholen.

    • @Filou:

      Ein einmaliger Anstieg ist kein Aufholen. Dieses Jahr ist die Zahl stärker angestiegen, nichts desto trotz ist der Unterschied erheblich. Ein Aufholen kann man wegen dem Anstieg in einen Jahr nicht konstatieren, dafür müssten wir die nächsten Jahre abwarten.

      Ersichtlich ist vorallem dass die Mehrzahl der Straftaten auf rechts zurück geht und die Zahl steigt seit Jahren stetig an, wohingegen die linken Zahlen schwanken.

      Wichtig in dem Zusammenhang "Auch queerfeindliche Straftaten nahmen weiter deutlich zu. Mit 2.377 Fällen stiegen die Zahlen um 12,8 %. Auffällig ist dabei der hohe Anteil von Gewaltdelikten, der deutlich über dem Durchschnitt aller PMK-Delikte liegt." und davon wird das meiste den Rechten zu geordnet, selbiges gilt für Frauenfeindlichkeit.

      Die größte Quelle von politischen Straftaten in Deutschland liegt nach wie vor bei den Rechten (50%) Auf die extreme Linkeszene entfallen hingegen im Vergleich 16%.

      Zumal die Rechtsextremeszene laut VS größer ist als die Linke und auch die letzten Jahre stärker gewachsen ist.

      Sprich nach den BKA-Bericht geht die größte Gefahr nachwie vor von Rechts aus, ob sich dass mal ändert kann zum jetzigen Zeitpunkt nicht sagen.

      • @Rabenbote:

        Ob der Anstieg einmalig ist wird sich zeigen. Unabhängig davon muss jeder Extremismus, vor allem der mit Gewalt, konsequent verfolgt und bestraft werden.

        • @Filou:

          Richtig und deswegen ist m.E zu früh von einer Aufholjagd zu sprechen. Das muss die Zeit zeigen.

          Das nächste Problem ist, dass Dobrindts Aussage mit der Verantwortlichkeit der Linken so nicht so einfach stimmt, denn wie Jalella schon gesagt hat ist die Statistik leider etwas schwammig. Unter Wiederstandshandlung kann z.B auch das Umklammern einer Laterne zählen um sich einer Festnahme zu entziehen fallen und das ist nun wirklich nicht vergleichbar mit einer schweren Körperverletzungen wird in der Statistik aber in einem Topf geworfen.

          Und auch wenn um die geschädigten Personen aufgrund von politischer Gewalt geht , zeigt die BKA Statistik eindrucksvoll dass da auch dort deutlich mehr auf Rechtsextreme zurückgeht als auf Linke. Auch bei den Zahlen gab es Zunahmen, in absoluten Zahlen sogar mehr bei den Rechten als bei den Linken, also da ist ebenfalls



          keine Aufholjagd erkennbar.

          Das was Dobrindt als Aussage trifft lässt sich m.E. so nicht aus den Zahlen ableiten und suggeriert dass Linksextremismus ein größeres Problem sei, als er es letzlich ist.



          In Hinblick auf dem in Artikel hingewiesenen Fauxpass ist die Frage legitim ob dahinter nicht Mutwilligkeit seitens Dobrindt steckt.

  • In den großen Medien (auch ÖRR) wurde wenig bis nichts zu diesen Statistiken gesagt. Also wie sie entstehen und was sie bedeuten. Wenn z.B. die Polizei jemanden wegen Widerstands gegen die Staatsgewalt hochnimmt (auch wörtl. bei der Letzten Generation), dann landet das sicher in dieser Statistik auf der linken Seite. Wie sich ein solches "Verbrechen" zum Totknüppeln eines Migranten von rechten Neonazis verhält, die dann auch als ein Verbrechen in der Statistik landen, ist ja so eine Sache.

    Oder es gibt in der Antifa gerade im Osten Fälle, wo Gruppen einschreiten wenn gegen MigrantInnen von Rechten gewalttätig vorgegangen wird, weil die Polizei nicht einschreitet. Auch das landet dann mit Sicherheit auf der linken Seite.

    Man müsste da einfach mal genauer hinsehen. Aber das scheut der rechte Bundesinnenminister, der selbst in Teilen in die Statistik rechter rassistischer Gewalt gehört, natürlich wie der Teufel das Weihwasser. Oder sind die nach Afghanistan abgeschobenen Menschen, denen man eine Aufnahme in Deutschland zugesagt hatte, auch in der Statistik gelandet? Da gehören viele vermutlich leider hinein.

    Die Statistik wird von der Polizei gemacht, wie tendetiös ist sie wohl?

    • @Jalella:

      Danke für die Differenzierung und Relativierung, die tatsächlich in den Medien in der Regel unterlassen wird. Merkwürdig: waren nur Kurven bzgl. "rechts" und "links" zu sehen? Wie ist es z.B. mit "antisemitischen Straftaten"? Nach der in D noch verschärften IHRA-Regel dürften auch die sprunghaft angestiegen sein, und von Dobrindt & Co. als "links" gedeutet werden. Und sollte Islamismus dann nicht "rechts" eingeordnet werden?



      Viel Fragwürdiges.

      • @Selbstauslöser:

        Die Zahl der antisemitische Straftaten ist mit in der Gesamtzahl politisch motivierten Straftaten enthalten. ( Nicht in der Dobrindtgrafik). Auch hier müsste Dobrindt einräumen dass der Großteil der Straftaten auf die Rechten (3056 von 6.548) zurückgeht.

        Links stellt tatsächlich mit 129 von 6548 antisemitischen Straftaten den kleinsten Anteil da.

        Islamismus als eigenständiges Phänomen zuführen macht Sinn, da die Ideologie zwar Überschneidungen mit der Rechten aufweist aber dennoch ein eigenständiges ideologisches Phänomen ist, sodass es sich schon lohnt diese gesondert zu führen.

        Ein Zunahme gab es bei sogenannter ausländischer Ideologie (2293 von 6548).

        Insgesamt stieg die Gesamtzahl der antisemitischen Straftaten um 5% von einen sprunghaften Anstieg, insbesondere bei links kann, also keine Rede sein . Trotz "IHRA-Regel". In dem Bericht wird die linke Szene auch nicht einzelnd genannt, wie es bei den Gewaltdelikten der Fall ist.

        Das BKA meint dazu nur "Die Zahlen machen deutlich, dass antisemitische Einstellungen in Teilen der Gesellschaft verankert sind und sich strafrechtlich relevant äußern." und dass lässt sich ja eher als trauriger Allgemeinplatz feststellen.

        • @Rabenbote:

          Ich empfehle Ihnen diesen Beitrag vom Hardingcenter zum Thema Antisemitismus. Darin wird sehr ausführlich geschrieben, wie die Zahl der "rechten" Antisemitismus Fälle quasi künstlich gepusht werden und so Trugschlüsse kommen, das der Linke oder islamistische Antisemitismus geringer ist als der rechte Antisemitismus (wobei klar jeder flasch ist!)

          www.hardingcenter....in-rechtes-problem

          • @Pawel_ko:

            Die Problematik ist mir bekannt, aber selbst ohne diese problemtaische Aufblähung lassen sich mehr Taten den rechten Spektrum als den linken Spektrum zuordnen.

            In Hinblick auf die Artikel erwähnten Verschwörungstheorien sei angemerkt dass diese auch tendenziell eher anschlussfähig für Rechte sind (erkennbar u.a an den Corona-Protesten) . Auch der israelbezogenen Antisemitismus kann aus mehren Lagern kommen und auch hinter nicht zuordnbar können sich Rechte stecken.

            Der Abstand mag geringer sein als in der BKA statistik, da gehe ich mit der methodischen Kritik ein Stück mit aber trotzdem zeigt sich diesselbe Tendenz wie in der BKA-Statistik.

            • @Rabenbote:

              Sie haben ja Recht. Es steckt in der rechten "DNA" antisemitisch zu sein. Aber, bis Januar 2024 wurden mehr als 2.200 antisemitische Straftaten seit dem 7. Oktober registriert. Das entsprach einem Anstieg von etwa 320 % gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Liegt es daran, weil Nazis solche Palästina Freunde sind? Diese Statistik darf man nicht unberücksichtigt lassen

              • @Pawel_ko:

                Es geht ja darum wie sich die Anteile verteilen und da geht nunmal mehr auf die Rechten als auf die Linken zurück. Das sieht man auch an den RIAS Zahlen.



                Was man in der BKA/RIAS Statistik sieht ist auch eine Zunahme von antisemitischen Straftaten aufgrund von religöser(vornehmlich islamistische) oder ausländischer Ideologie zurück.



                Das dürfte dass von ihnen angesprochenen Phänomen auch gut erklären und sollte nicht vernachlässigt werden. Insbesondere das Problem das Teile der linken Szene sich nicht davon distanzieren oder sich mit diesen Leuten solidarisieren sei da angemerkt.



                Richtig ist auch dass es ein linken Antisemitismus gibt, der von linker Seite nicht ernstgenommen wird.

                Was aber auch versucht wird z.B. von der CDU udn anderseite, sozu tun als sei das Problem inzwischen ausschließ von linker Seite oder eben von einer islamistischen (meist noch unter den Begriff "importierte Antisemtismus). Damit wird dann wiederum gerne gegen Moslems und für eine restriktivere Asylpolitik Stimmung gemacht und die Rechte. fallen unterm Tisch. Und auch bei den Extremen rechten gibt es "Palästina-Freunde", gab da auch schon gemeinsame Aufmärsche etc.

                Hat ja auch ne gewisse Tradition ;)

          • @Pawel_ko:

            Der verlinkte Text ist von 2023 und bezieht sich auf Datensätze bzw. die PMK für 2022.

            Die zentrale Kritik dort ist m.E. nach, dass ein Teil der antisemitischen Straftaten keiner politischen Gruppe hinreichend sicher zugeordnet werden kann und daher eher nicht automatisch einer bestimmten PMK-Kategorie zugeschlagen werden sollte, da dies die Statistik verzerrt.

            Die aktuelle PMK-Statistik enthält aber u.a. die Kategorie „Sonstige Zuordnung“. Damit stellt sich die Frage, ob der damalige Kritikpunkt mittlerweile durch Anpassungen behoben wurde.



            Wenn Sie den Harding-Center-Artikel als Argument gegen aktuelle Zahlen anführen, müssten Sie daher schon begründen, warum die dort geäußerte Kritik auf die heutige Statistik noch unverändert anwendbar sein soll.

            Für mich sieht es zunächst eher so aus, als seien seitdem Anpassungen vorgenommen worden.

            • @serious?:

              Danke für den Hinweis. Zugegeben, dies war mir nicht bewusst. Dennoch, wichtig ist dabei: „Täter unbekannt“ bedeutet nicht automatisch „nicht zuzuordnen“ oder "sonstige". Wenn beispielsweise Hakenkreuze gesprüht werden, kann die Tat trotz unbekanntem Täter weiterhin als rechtsextrem motiviert eingeordnet werden. Die Zuordnung richtet sich nach den Umständen der Tat, nicht nur danach, ob ein Täter ermittelt wurde. Und z.B. der islamistische Antisemitismus sieht Hitler und die dazugehörige Ideologie als Vorbild. Ein prominentestes Beispiel ist der Remmo Clan in Deutschland

  • Ein ausgewogener Blick muss anerkennen, dass Rechtsextremismus statistisch am stärksten vertreten ist, aber dass Linksextremismus und religiös/ideologisch geprägte Gewalt ebenfalls bekämpft werden müssen. Sicherheitspolitik darf nicht zu einer einseitigen Debatte verkommen, sondern muss sich gegen jede Form extremistischer Gewalt richten, unabhängig davon, von welcher Seite sie kommt – und gleichzeitig den Rechtsstaat und unsere Grundrechte schützen.

    • @Zippism:

      Na zum Glück hammer den Alex am Start, der gerne mal die Ziele der "Letzten Generation" mit den Taten der RAF gleichsetzt und rechtswidrig rechtswidrige "Bundespolizisten" abkommandiert hat, um an "Grünen Grenzen" sich die Beine in den Bauch zu stehen.