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Halbzeitshow vom WM-Finale Verlogener Kitsch

Andreas Rüttenauer

Kommentar von

Andreas Rüttenauer

Mit der WM unterwarf sich die Fifa komplett kommerziellen Interessen. Die Halbzeitshow im Finale war der logische Tiefpunkt.

W as für ein Finale! Es war der passende Abschluss eines unterirdischen Turniers. Statt zwei Mannschaften einfach Fußball spielen zu lassen, machte die Fifa eine geschmacklose Show aus dem Endspiel der WM. Und sie steht symbolisch für die totale Unterwerfung einer Sportart unter kommerzielle Interessen. Und unter das Regime von Donald Trump.

Der Mann, in dessen Auftrag während der WM Zehntausende Migrantinnen und Migranten in Lager gesteckt wurden, saß auf der Tribüne und durfte sich über eine Halbzeitshow freuen, bei dem ein Haufen von Pop-Celebritys das Hohelied der Liebe anstimmte. Den Tenor gab ein aufgesagter Text von Hollywoodstar Tom Cruise vor: „Vor dreißig Tagen begaben sich 48 Nationen auf eine Reise. Sie überquerten Ozeane, überschritten Grenzen und überwanden kulturelle Unterschiede. Und gemeinsam zeigten sie uns, warum dieser Sport der ganzen Welt gehört“. Welch ein verlogener Kitsch.

Denn es gibt Gründe genug, über das Turnier zu fluchen. Im Stadion wurde das Bild von Michel Mboladinga, Superfan und Doppelgänger des Unabhängigkeitskämpfers Patrice Lumumba, eingeblendet. In Mexiko hatte er ein Spiel seines Teams besucht. Die Einreise in die USA wurde ihm aber ebenso verwehrt wie zahlreichen Fans aus Ländern, die dem US-Präsidenten nicht in den Kram passen.

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Dass der Weltverband es nicht geschafft hat, die Einmischung des Weißen Hauses in die Entscheidung über die Sperre eines Spielers zu verhindern, war nur einer der Tiefpunkte dieses Turniers. Das endete nun mit einer aufgeblasenen Show, die den Fußball regelrecht an den Rand drückte. Fast eine halbe Stunde dauerte die Halbzeitpause, dabei sind in den Fußballregeln nur 15 Minuten dafür vorgesehen. Aber für den Weltverband gelten sie nicht, wenn es darum geht, die WM zu vermarkten.

Es ist fast schon ein Wunder, dass überhaupt noch Fußball gespielt wurde. Ach ja, Spanien ist Weltmeister geworden.

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Andreas Rüttenauer

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23 Kommentare

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  • Zu Infantin(l)o hatte ich eine Idee, leider nicht realisiert: Alle Zuschauer im Stadion bringen eine rote Karte mit und zeigen diese dem FIFA-Chef mindestens einmal pro Spiel.

  • Nur weil Deutschland verdient rausgeflogen ist will man jetzt alles schlecht reden. Nein, diese WM war nicht schlecht, schlecht war die WM 2006 in Deutschland. Diesen Nationalismus damals, alles Schwarz-Rot Gold, fand ich zum Kotzen!

  • Ich kann mich noch erinnern, dass auch 1994 schon so Einiges an der WM der US-Volklore angepasst wurde. Es gab zwar keine überlange Halbzeitshow und keine Anrufe aus dem Weißen Haus (in dem damals die Clintons residierten) zu unerwünschten Schiedrichterentscheidungen, aber die Beschwerden darüber, dass dass das Turnier doch tatsächlich ein wenig an seinerzeitige US-Vorstellungen von einem sportlichen Mega-Event angepasst wurde und die USA im Vergleich zu ihren sportlichen Möglichkeiten mit einem arg selbstverständlichen Erfolgsanspruch antraten, sind alles andere als neu. Nur scheint all dasso wenig nachhaltig den Fußball "zerstört" zu haben, dass es heute wieder die Traditionalisten massiv stört, wenn europäische Gepflogenheiten nicht minutiös eingehalten werden...

  • Sogar der Superbowl hat es hinbekommen aus der Halbzeitshow eine politische und positive Botschaft zu formen. Das was am Sonntag in der Halbzeit in der New York passiert ist, war aber einfach nur seelenloser Kitsch.



    Und wer feiert das? Die Durchschnittsfussballfans wollen günstiges Bier und, wer hätte es gedacht, FUSSBALL.



    Ich war diese WM über so häufig so sauer.



    Es fing mit diesen ABSURDEN Trinkpausen an, die aber auch bei 19 grad und regen durchgezogen wurde damit auch noch der letzte Cent durch Werbung generiert werden kann. Dann kann man auch mal ehrlich hinterfragen warum die öffentlich rechtlichen die Spiele von CocaCola und einem Onlinewettanbieter sponsorn lassen. Die Schiedsrichter haben sich zum Ende hin komplett die Butter vom Brot nehmen lassen und Zeitspiel war wieder Ultra präsent. Aber für mich am aller schlimmsten war diese absolut tote Stimmung in den Stadien. Das war kein Turnier für die Fans oder für den Fußball. Das war ein Turnier für Autokraten und ihre Geldbörsen. Was freu ich mich auf Bundesliga, zweite Liga und DFB Pokal

  • Die Show war niedlich, bisschen zu viele Promis auf einmal, Trump und Infantino waren peinlich.

    • @aujau:

      @ aujau



      War das etwa der echte Trump ?



      Wir dachten es wäre so ein verrückter double Clown gewesen 🤡 🤣 😂 😅

  • Zitat "eine aufgeblasene Show, die den Fußball regelrecht an den Rand drückte"



    Also ehrlich: Was die Show angeht drängte sich der Fußball im Endspiel selber an den Rand! Nur ein Tor spät nach 105 Minuten - die Show der schönen Messi-Tore und -Vorlagen fiel glatt flach. Immerhin: Das Tor aus genialer Kombination Porro-Flanke, Williams-Kopfballrückwärtspass und Torschuss durch das Spielergemenge, von Torres so super gezielt wie man es bis dahin im Turnier bei Mbappé, Kane und Messi erleben konnte, von denen damit aber letztlich keiner den WM-Sieg seiner Mannschaft zu triggern vermochte. Die Doppelfunktion Kapitän und Torjäger, hat sie sich in Länderspielen nun überlebt? Jedenfalls wurde der Fußball durch das Tor der drei Nichtführungsspieler stark als Teamsport akzentuiert! Ein riesiger Gewinn für den Fußball insgesamt, fast wie ein erster Schritt auf den Mond! Diese Tatsache muss auch den größten Popkulturbanausen unter den echten Fußballfans jeglichen Gram über die Pausenshowdauer aus dem Gedächtnis tilgen! Denn es ist keinen Streit Wert, kein Wettern dagegen, denn das wäre ein unfairer Angriff auf den US-typischen Endspiel-Gastgeber New Jersey, wo Show zum Spiel Landeskultur ist.

  • "Wir amüsieren uns zu Tode" titelte Neil Postman bereits 1985.

    • @leno lebt:

      Und das obendrein auch oft geschmacklos.

  • Der Fussball ist endgültig einen Pakt mit dem Teufel eingegangen und kann dabei nur verlieren.



    Anstatt Fans mal einzublenden wurden nur noch Promis gezeigt. Wo sind die richtigen Fans ?



    Meine Lösung: Support your local Kreisligist !



    Da kriegt ma noch Sport geboten und die Vereine freuen sich über etwas Geld !

    • @Andreas Braun:

      Die FIFA freut sich leider so oder so über unser (GEZ-)Geld. Aber da wo ich es selber bestimmen kann, geht nix an die FIFA.

  • Die Verwertung des Fußballs, die während meiner Kindheit begann, ist noch lange nicht abgeschlossen. Jedoch ist es eine Entwicklung, die in der gleichen Art und Weise in anderen Bereichen vollzogen wird; Love Parade oder der Kölner CSD sind da nur die prominentesten Beispiele.

  • Ausgezeichneter Kommentar von Andreas Rüttenauer! "Verlogener Kitsch" trifft es auf den Punkt. Dazu passen auch zahlreiche Schiedsrichter-Entscheidungen. Hat nichts mit dem zu tun, was ich in der Fußballjugend lernte. Da würde mit den Armen geschubst, geklammert, geschlagen, ohne Konsequenzen. Fußberührungen führten derweil zu Freistößen. Abhängig davon, wer berürt wurde.

    Das war kein fairer Sport, das war große Show. Eben "verlogener Kitsch".

  • Eigentlich war die Auswahl der Acts durchaus interessant. Trump findet Madonna "ekelhaft", Madonna spielt in der Show. BTS spielt ebenso wie Shakira, Trump deportiert deren Landsleute. Die Muppets sind legendär anarchisch und entziehen sich nicht nur seiner Kontrolle. Justin Bieber hat nicht nur gerade erst einen recht guten Post zum MLK-Day veröffentlicht, er ist auch sonst nicht eben als Trumpfreund bekannt. Und am Ende gab es für die Spanier sogar noch ein bisschen Bad Bunny. Nicht nur war kein Kid Rock weit und breit zu sehen, es waren praktisch gar keine amerikanischen Künstler vertreten (und Bieber ist ausgerechnet Kanadier). Wer immer da die Regie hatte ist definitiv kein Trump - Fan.

    • @ANonnyMouse:

      Sorry aber diese halbzeitshow war so dermaßen fussballfremd,. Ich kann mit ihrer Analyse mitgehen, ändert aber nichts daran, dass diese WM eine Schande für den Fußball und seine Fans war

      • @Angst Hase:

        Sie haben natürlich nicht ganz Unrecht. Die Trinkpausen fand ich noch vertretbar, und die müssten dann aus Gründen der Gleichbehandlung auch bei allen Spielen vorgenommen werden - auch wenn faktisch unnötig, ich kann ja nicht den einen die Möglichkeit zur taktischen Nachbesserung geben, den anderen aber nicht. Unmöglich die Benachteilugung von Teams und Fans, die Trump nicht genehm waren. Der halbe iranische Stab durfte nicht einreisen, Afrikas Spitzenschiri auch nicht, der Lumumba-Doppelgänger ebensowenig. Messi hätte schon früh im Turnier rot sehen müssen, die Argentinier haben sich unter den auffällig wohlwollenden Augen der Schiris ins Finale getreten. Die Aufhebung der roten Karte für den amerikanischen Spieler geht gar nicht. Und nicht zuletzt, dass Sich-als-freundlicher-Gastgeber-Aufspielen, während man im eigenen Land staatlich mordet, Krieg gegen eine an der WM beteiligte Nation führt, und sich ständig auf widerlichste Weise rassistisch äußert, darüber müssen wir nicht reden.

        Die Halbzeitshow fand ich trotzdem aus den genannten Gründen cool -sehr subtil getrollt 😋

    • @ANonnyMouse:

      Gustavo Dudamel war auch live dabei, einer der berühmtesten Venezolaner! Sensation: Er dirigierte Musiker, zu denen auch Musikstars der Muppets gehörten. Er ließ die Puppen nicht nur tanzen, sondern sogar musizieren ;-) Er dirigiert des Öfteren auch die Berliner Philharmoniker als Gastdirigent. Es war für Jeden was dabei, sehr liebevoll zusammengestellt, die Endspielpausenmusik! Wer dafür die Ohren verschlossen hat, um sich über die Pausendauer zu grämen, tut mir leid.

      • @Uwe Kulick:

        Das ist ja dann sogar noch besser!

    • @ANonnyMouse:

      Korrekt, aber bedenken Sie: Wir leben in Zeiten wo Schwarz oder Weiß gedacht wird. Da sind solche komplexen , gar abweichenden Analysen wie Ihre nicht opportun!



      Trump-Infantino-Geld-privilegierte Weiße-Techbros.... sind die Wörter die ausreichen, um das Zeitgeschehen ausreichend zu charakterisieren.

      • @Tom Farmer:

        Herrjeh, da haben Sie natürlich Recht! Ich nehme sofort alles zurück, Buuuh Halbzeitshow 😋

  • Alles die Fortsetzung der Bromance zweier Narzissten.



    Vor knapp einem Jahr bei nzz.ch:



    "Sobald Gianni Infantino das Weisse Haus betritt, wird es bizarr. In stoischer Manier zelebriert der Fifa-Präsident eine konsequente Form strategischer Unterwürfigkeit. Er lacht schallend, wenn Donald Trump Journalisten eine rote Karte entgegenstreckt, die er diesem gerade geschenkt hat. Er lässt den gigantisch grossen Klub-WM-Pokal im Oval Office, der fortan bei Treffen mit Staatschefs im Hintergrund glänzt, und überreicht dem Turniersieger Chelsea kurzerhand ein anderes Exemplar."😳



    Das Siegerbild erneut als Inszenierung mit dem POTUS, eine Farce.



    Die gellenden Pfiffe und die Buhrufe sind natürlich nicht sichtbar.

  • Die Halbzeit darf länger sein, weil ja nicht Fußball, sondern Fifa gespielt wird.

  • Die Halbzeitshow hatte die Muppets dabei. Das ist doch schon was.