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Kampagne gegen LinkeDie neue Maßlosigkeit

Von Paris bis Berlin: Mit Polizeigewalt und medialer Propaganda soll das Vertrauen in eine Alternative und die eigene Handlungsmacht zerstört werden.

E s schien, als zerfalle der Rechtsstaat wie im Zeitraffer, just vor meinen Augen. In einem Land, das nicht das eigene ist und dessen Zustände man nicht tagtäglich beobachtet, analysiert und sortiert, bekommen dramatische Momente eine besondere Verdichtung, es ist die Wucht verdichteter Zeitgeschichte, und sie traf mich in Paris wie ein Schlag.

Nächtliche Ausgangssperren. Eine Landkarte mit einem Netz von Demonstrationsverboten. Tausende Festnahmen Minderjähriger, manche in kalten Zellen interniert, ohne Matratze, Decke, Essen. Vor allem aber die Polizei: Sie tritt auf, als herrsche sie über koloniale Subjekte, die sie jederzeit demütigen darf, mit Schlägen, Kontrollen, Gummigeschossen.

So schrankenlos und zugleich so institutionalisiert ist diese Gewalt, dass man kaum zu glauben vermag, sie stünde im Dienst eines demokratischen Staates. Maßlos – das Wort verließ mich nicht mehr.

Charlotte Wiedemann

ist Autorin in Berlin, viele Jahre mit dem Schwerpunkt Islamische Lebenswelten. Zuletzt erschien „Den Schmerz der Anderen begreifen. Holocaust und Weltgedächtnis“ (Propyläen).

Manchmal sangen Demonstranten die Marseillaise, wenn die Polizei auf sie zustürmte. Sie reklamierten die Revolutionsgeschichte, reklamierten die Republik für ihren Protest und ihren Antifaschismus. Die Musiker des 200-köpfigen „Orchestre du Noveau Monde“ spielten im Tränengasnebel und trommelten den Rhythmus von „Siamo tutti antifascisti“ auf die Klangkörper ihrer Streichinstrumente. Es ist diese Dringlichkeit, die so sehr kontrastiert zur Larmoyanz der Oberklasse.

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Die taz ist eine unabhängige, linke und meinungsstarke Tageszeitung. In unseren Kommentaren, Essays und Debattentexten streiten wir seit der Gründung der taz im Jahr 1979. Oft können und wollen wir uns nicht auf eine Meinung einigen. Deshalb finden sich hier teils komplett gegenläufige Positionen – allesamt Teil des sehr breiten linken Meinungsspektrums.

Medien im apokalyptischen Delirium

Das Frankreich der oberen Schichten verdammt die Linke und arrangiert sich mit den Rechtsextremen. Vor die Wahl gestellt, sich stärker besteuern zu lassen, um den Verfall des Landes aufzuhalten, oder mit Faschisten zu paktieren, scheint die Entscheidung gefallen. Über eine Präsidentin Marine Le Pen wird geredet wie über ein fait accompli. Schon tritt die Chefin der europäischen Zentralbank vorzeitig zurück, damit über ihre Nachfolge noch Macron mitentscheidet statt Le Pen. Die Dinge regeln sich.

Jordan Bardella, soeben als Chef des Rassemblement National wiedergewählt, hat es nicht geschadet, dass seine früheren antisemitischen Schriften bekannt wurden. Aufmunternd rief Netanjahu herüber, ein rechtsextrem regiertes Frankreich sei gut für Israel – denn jetzt demonstriere in den Straßen von Paris die Hamas, „der gemeinsame Feind“.

Netanjahu ist für maßlose Vergleiche bekannt, aber was trennt seinen wohlkalkulierten Wahnwitz von dem apokalyptischen Delirium, in das sich Spiegel-Redakteure hineinschrieben, als sie für eine eilig hochgejazzte Titelstory gegen die Linke Berlin zum Eldorado der Gewalt machten?

Flood Berlin with Shit

Wir kennen die Maßlosigkeit aus dem Trumpismus, die Überwältigungsstrategie Flood the Zone with Shit. Früher habe ich diese Methode nicht wirklich verstanden, doch seit der Berlin-Wahl weiß ich, wie es sich lebt in einer solchen Zone. Berlin ist ein Testfeld: ob in einer zunehmend hysterischen Atmosphäre ein links-soziales Projekt möglich ist; ob es eine Alternative zur Faschisierung gibt und wie weit die rechte Instrumentalisierung des Kampfes gegen Antisemitismus gehen kann.

In dieser Shit-Zone watest du durch einen Sumpf aus Propaganda, kommst kaum nach mit dem Erklären und Aufklären, und wenn du ein Bein aus dem Morast ziehen möchtest, ist es, als bliebe dein Schuh darin stecken. So entsteht (und das ist gewollt) das Bedürfnis, sich abzuwenden, ins Private zu flüchten.

Ein Paris-Besuch versprach Abstand, stattdessen wurde mir dort ein Muster von Gemeinsamkeiten klar. Die maßlose Gewalt der Polizei soll, wie die maßlose Verzerrung rechtsdrehender Medien (und anderer Akteure), das Vertrauen in eine Alternative zerstören, soll uns die Vernunft rauben und den Glauben an die eigene Handlungsmacht.

Methoden, die man früher nur von Bild kannte, sind bei vormaligen Qualitätsmedien gelandet. Heinrich Bölls Katharina Blum (Jüngere, bitte googeln!) heißt heute Elif Eralp. Und immer drängt jemand nach mit dem nächsten Tabubruch: Die Welt stellt das Fascho-Plädoyer für Remigration auf ihre Seite eins; die Berliner Junge Union will die Bundeswehr gegen Jugendproteste einsetzen. Und die Linke will, ja sicher, „jüdische Immobilienbesitzer“ enteignen.

Jede hanebüchene Anschuldigung ist erlaubt, wenn sie auf das nun allseits festgeschriebene Feindbild zielt: linksextrem + migrantisch + palästinensisch = antisemitisch. Kaum anders in Frankreich, wo ein Verbot der Linkspartei La France insoumise im Gespräch ist.

Dem Maßlosen nicht die Hand reichen

Aber die Maßlosigkeit zerfrisst ja auch die bürgerliche Demokratie von innen. In Paris eine Ausgangssperre ausgerechnet für die Place de la Bastille, welch traurige Ironie. Als würde sich damit die Republik nicht selbst beschädigen. Und natürlich hat der Spiegel nicht nur andere beschädigt, sondern auch sich selbst.

Wie bewahrt man in diesem Klima die eigene geistige Gesundheit? Was ist Widerstand, wenn die meisten von uns keine Aktivistinnen sind, sondern allenfalls engagierte Bürgerinnen? Dem Maßlosen nicht die Hand reichen und nicht den kleinen Finger. Süffige Feindbilder zurückweisen, denn immer beginnt es mit dem Süffigem. Widerstehen bedeutet, in einer Sprache zu denken und zu reden, die Verzweiflung ausdrücken kann, ohne zu demoralisieren, und die eine brennende Dringlichkeit vermittelt, ohne Zaghafte zu verschrecken.

Egal wie die Midterm-Wahlen in den USA ausgehen, Trumpismus minus Personenkult und Extrem-Narzissmus ist längst unter uns. Was vor einigen Jahren bizarr erschien, fern und fremd und für manche gar ulkig, ist heute die Shit-Zone vor unserer Haustür. Und die Muster sind stets ähnlich. Auch Zohran Mamdani in New York sollte durch bodenlose Vorwürfe, in deren Mittelpunkt Antisemitismus stand, schon vor dem Start die Legitimation entzogen werden. Er überstand diese Phase dank eines klugen Teams, über das die Berliner Linkspartei ganz offensichtlich nicht verfügt.

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29 Kommentare

  • Worgt Michael

    Ein Generalstreik wäre auch hier wirkungsvoll .

  • Auweiowei

    "Wie bewahrt man in diesem Klima die eigene geistige Gesundheit?" Schon die Fragestellung ist Balsam für meine Seele. Auch den Appell, "dem Maßlosen nicht die Hand zu reichen", den ich - für mich - gegen die Gewalt der Plünderer wie der Polizei gegenüber den Protestierenden gleichermaßen gerichtet sehe, empfinde ich als wohltuend. Vielen Dank für diese Worte.

  • Gerhard Krause

    Zu befürchten ist, dass gewachsene - das macht für mich den Unterschied - Überzeugungen in Machtmissbrauch,oder auch Formen von Gewalt annehmen kann, gipfeln. Wenn "dir" - hier jetzt aus der Sicht der sehr Wohlhabenden - immer (vor-)gesagt wird, dass dir alle Außenstehenden das Geld neiden, dich berauben wollen, faul seien, du die Krone der Menschwerdung bist und dir diese Erzählungen auch noch nützlich für deine Interessen erscheinen, lässt du davon auch nicht mehr ab.

  • dtx

    Zitat: "Egal wie die Midterm-Wahlen in den USA ausgehen, Trumpismus minus Personenkult und Extrem-Narzissmus ist längst unter uns. "

    zu 1. In den Staaten wurde nicht MAGA abgewählt, sondern für exorbitant steigende Lebenshaltungskosten abgestraft. In einem Zweiparteiensystem, bei dem keine Partei die Probleme der Menschen anpackt (s. Michael Moore, "Fahrenheit 911", die Szene mit Obama und dem vergifteten Trinkwasser) schwingt das Pendel nur noch hin und her.

    zu 2. Dazu braucht es lediglich eine charismatische Gallionsfigur, der in Anbetracht ihrer Machtoptionen der moralische Kompaß abgeht (so wie dazumal dem Bobbele im UK vor dem Brexit-Referendum).

  • Okay

    Charlotte Wiedemann’s

    Empörung ist nachvollziehbar.

    Doch die Dinge bleiben, wie sie sind: Es wird berichtet, dass die Ölkonzerne seit Einführung des Tankrabatts ihre Gewinne vervielfacht und lediglich 60 Prozent der Steuersenkung an die Verbraucher weitergegeben haben. Und es passiert nichts.

    Selbst in den Achtzigerjahren gab es nicht so viele Publikationen über Kapitalismus, Neoliberalismus und antifaschistische Wirtschaftspolitik wie heute. Doch es bleibt beim „Wachstum“ – und eine Reichensteuer kommt nicht in Frage.

    Das Klima, der Verbrennungsmotor, die Urlaubshysterie: Alles bleibt, wie es ist. Man begnügt sich mit kleinen Freuden, etwa dem Erfolg der Demokraten in den USA. Doch auch der ist nur von kurzer Dauer.

    Im Grunde weiß man nicht mehr, wie es weitergehen soll.

  • Streberin

    Madame Wiedemann, merci beaucoup, beaucoup pour cet article.

  • Wanderin

    Super Artikel, danke. Ein Lichtblick in der taz. Manchmal hat man den Eindruck, journalistisches Handwerk besteht momentan nur noch draus, jede Woche eine andere Gruppe in einen Sack zu stecken, um wie wild drauf einzudreschen. Aber das zeigt ja auch, mit wem sich weite Teile der linken Presse identifizieren und wessen Machtinteressen sie solidarisch verteidigen. So langsam fallen alle Masken und wir sehen in diesen Zeiten, mit wem wir es zu tun haben. Wie Hannah Ahrendt schon sagte: "das Problem war nicht das, was unsere Feinde taten, sondern was unsere Freunde taten."

    Die Kampagnen gegen die Linken hat wieder neue Triggerpunkte gesetzt, die bei immer neuem Anreizen sofortigen Hass auslösen werden, ohne dass die Bevölkerung sich irgendwann noch erinnern kann warum sie so reagiert. Wunderbar kann man mit diesen Hassbildern die Grundlage für neue Skandalisierungen schaffen, mit denen vom Wesentlichen abgelenkt wird.

  • LeKikerikrit

    Mit 78 hat man seine politischen Fehden gefochten, auch in öffentlichen Ämtern.



    Ich bin es leid, wegen jedes dummen (nach meiner Meinung) Zitats / Nachricht, was auch immer, eine fruchtlose Diskussion an zu fangen. Beharrliches Schweigen zu eben solchen Themen ist oft effizienter. Man muss das Schweigen aber hören.

  • nutzer

    Da schickt sich eine rechtsradikale Partei an den ersten Ministerpräsidenten in D zu stellen und die gesamte Presse arbeitet sich an einer linken Bürgermeistern in Berlin ab,



    Da zeigt sich wen die Presse und die Politik aus ganz eigennützigen Motiven als Bedrohung der eigenen Pfründe sieht und wen nicht.

    • LeKikerikrit

      @nutzer:

      Politische Berichterstattung in D ist wie ein Koch-Forum im Internet. Einer kopiert den Anderen, mal Salz vorher, mal Salz nachher.

  • Wunderwelt

    Offensichtlich funktionieren einige Systeme immer weniger. Zwei Beispiele:

    1) In Phasen hohen Wirtschaftswachstums konnte man das reiche Klientel überproportional bedienen, ohne daß die ärmeren Teile der Gesellschaft das Gefühl hatten benachteiligt zu werden.

    2) Jahrzehnte lang konnte man Kohle, Öl und Gas verbrennen, ohne den Planeten an den Rand des Kollaps zu bringen.







    Mittlerweile stoßen diese Punkte jedoch an ihre Grenzen..und mit ihnen, deren wirtschaftsliberale Vertreter.







    Die Vertreter des alten Paradigmas wollen das nicht verstehen und haben entsprechend keine Antworten auf die neuen Herausforderungen. Und so müssen sie mitansehen wie ihnen der Status als Volksparteien entgleitet.



    Wobei der zwangsläufige.!! Neuanfang, z.B. repräsentiert durch Gen Z oder R2G sie offenbar so nervös macht, daß sie panisch und hysterisch reagieren, ihre eigenen Werte mit Füßen treten und stetig an Glaubwürdigkeit verlieren..







    Was es also braucht ist eine neue Generation, die BESONNEN die (langfristige) Lage sondiert, neue Konzepte entwickelt alten Ballast über Bord wirft und die Welt von morgen aufbaut.







    Das "Geschrei" der Ehemaligen ist dabei nur der Abgesang auf vergangene Zeiten..

  • Darky

    Danke für den Hinweis, dass die Reaktion „Rückzug ins Private“ gewollt ist. Ich habe diese Reaktion schon bei mir beobachtet und werde da jetzt gezielt dagegen arbeiten!

  • Bambuspanda

    Gute Kolumne.

    Wobei das Vorgehen von Medien, Milliardären und Staatsmacht gegen alles was sich "links" der Mitte befindet, durchaus schlüssig ist.



    Die "Mitte" befindet sich in den sogenannten "Demokratien" regelrecht in einer "Doomsday" Stimmung.



    Seit Jahren nehmen ihnen bereits immer mehr die Rechten die Wählerstimmen ab.



    Nun dräut auch noch von den Linken massive Gefahr einer möglichen weltverändernden Ordnung.

    Dabei ist ebenso klar, dass die "Linke" die größte Gefahr für den unregulierten Kapitalismus ist.



    Die "Linke" ist vor allem für die reichsten 0,001 % der Weltbevölkerung, der schlimmst mögliche Albtraum.



    Diese 0,001% kontrollieren Medien, Tec- und weitere Großkonzerne, Politiker und Regierungen.

    In diesem Sinne hat die "Linke" gar keine Chance - aber wenigstens die werden wir nutzen.

  • C. Avestruz

    "Berlin ist ein Testfeld: ob in einer zunehmend hysterischen Atmosphäre ein links-soziales Projekt möglich ist;.."

    In Berlin gab es seit 2001 vier(!) Regierungen, an denen die PDS bzw. Partei die Linke beteiligt war.



    Ein fünftes mal verspricht nicht revolutionär neu zu sein.

    Auch hat der Vorschlag der JU Berlin-Mitte, die Bundeswehr gegen Randale einzusetzen, selbst innerhalb der CDU für Kopfschütteln gesorgt.

    In einer Kolumne, die gegen die Einseitigkeit von Medien wettert, machen solche Verzerrungen unglaubwürdig.

    • dtx

      @C. Avestruz:

      Zitat:: "Auch hat der Vorschlag der JU Berlin-Mitte, die Bundeswehr gegen Randale einzusetzen, selbst innerhalb der CDU für Kopfschütteln gesorgt."

      Ja und wer hat da den Kopf geschüttelt? Irgendwer namhaftes? Und falls ja: ist der Tremor nicht spätestens dann vorbei, wenn er das eigene Amt zu gefährden droht (sofern diese Leute überhaupt eines haben)?

  • Gerhard Dilger , ,

    Brasilien, Serbien, die USA - und die Jugendproteste in Europa -zeigen: der Widerstand gegen die Ultrarechten und ihre bürgerlich-rechten Steigbügelhalter wächst. Nicht nachlassen, liebe Berliner Linke!

  • Agarack

    Diese Kolumne gibt leider einige Sachverhalte fehlerhaft wieder.

    Ein wichtiger Punkt ist Zohran Mamdani: Dessen Team hat auch im Wahlkampf die Berliner Linke beraten, dementsprechend hatten beide das gleiche Team. Der Unterschied ist: Als z.B. über eine von Mamdani benannte wichtige Funktionärin bekannt wurde, dass diese vor 10 Jahren antisemitische Posts in sozialen Medien geliket hatte, flog diese einen Tag später achtkantig raus. Mamdani hat sich seitdem vielfach und unmissverständlich von Antisemitismus distanziert und sich dafür auch mit der eigenen Basis angelegt. Die Linke hat hingegen die offen ihre Beschlüsse ignorierende Emde einfach in die Fraktion aufgenommen und Herrn Kocak einfach stillschweigend weiter machen lassen. Deshalb verfängt der Vorwurf bei ihr besser.

    "die Berliner Junge Union will die Bundeswehr gegen Jugendproteste einsetzen"



    Sich über Maßlosigkeiten aufzuregen und dabei eine zu reproduzieren, ist ganz schlechter Stil. Die Forderung stammt von der JU Berlin-Mitte, wovon sich der Landesverband umgehend distanziert hat. Das trotzdem auf die JU Berlin an sich zu übertragen, ist in etwa so, wie zu sagen, die Berliner Linke habe Dahabflex eingeladen.

    • Schleicher

      @Agarack:

      Nur sind Emde und Kocak keine Antisemiten.



      Wie der Spiegel mit Antisemiten umgeht, kann man gerade im Nachruf auf Aiwanger sehen.



      Seltsam alles.

      • dtx

        @Schleicher:

        Zitat: "Wie der Spiegel mit Antisemiten umgeht, kann man gerade im Nachruf auf Aiwanger sehen."

        Es ist eben ein Nachruf, kein Wahlkampf. Einfach mal rekapitulieren, was die Eltern einem in der Pubertät dazu gesagt haben. Wobei die Alternative "... oder nichts" für die Tochter oder den Bub galt, nicht aber an eine Zeitungsredaktion gerichtet war.

  • KLaus Hartmann

    Die Generation Z macht gerade das, was Viele nicht erwartet haben. Sie geht für ihre Anliegen und Rechte auf die Straße. Es wurde auch Zeit. Exemplarisch für die Mißstände sind die exorbitant hohen Mietpreise in den großen Städten und die steigenden Lebenshaltungskosten für Studenten. Es trifft aber auch Arbeiter und Rentner. Der Protest am 30.10.2026 zeigt bereits Wirkung. Die nächsten Demonstrationen werden geplant. Vielleicht schließen sich der GenZ auch weitere Bürger mit ähnlichen Problemen an. Solidarität unter den Generationen sollte selbstverständlich werden. Die Politiker sind bereits in Alarmstimmung. 99% der Demonstranten sind friedlich, die Krawallkampagnen einzelner Parteien nutzen sich irgendwann ab. Dann müssen CDU und SPD Farbe bekennen, wie sie die Probleme, die sie bisher ausblenden konnten angehen wollen. Die Proteste werden wohl weitergehen, solange die Probleme nicht gelöst werden.

  • Joachim Petrick

    Biedermeier & Brandstifter Berlin 2026: Das große Zündeln



    Prolog: Berlin dämmert in Biedermeier-Lethargie. Der Mietwohnungsmarkt brennt wie ausgetrockneter NRW Hürtgenwald. Jahrzehntelang Spekulation für Bauerwartungsland hat den Markt entflammt. Er brennt lichterloh.



    Akt I: Doch CDU, SPD Regierenden im Roten Rathaus, haben sich längst mit Brandstiftern identifiziert, die sie selbst ins Haus gelassen. Sie kuscheln mit Wohnungskonzernen, während Elif Eralp von der Linken mit der Feuerwehr vorm Haus steht, die Berliner alarmiert das Vergesellschaftungs-Feuerlöschkonzept GG Art. 15 einsetzen will, Brandstifter zu vertreiben.



    Akt II: Da eilt Fritz Merz im Nadelstreifanzug herbei. Sündenstolz gesteht er, er habe Benzinkanister für Investoren gehortet. Unter Losung „Heiliger Bimbam!“ präsentiert Fritz das Enteignungsverbotsgesetz, damit Spekulanten ungestört zündeln zündelt er mit.



    Akt III: Merz fällt der Feuerwehr in den Arm, würgt Eralps Löschwasser ab, brüllt: „Schützt Minderheiten! Schützt Brandstifter! Investoren haben Recht auf Schutz von Übergewinnen durch Wohnraumverknappung!“



    Epilog: CDU/SPD schauen weg, während die Biedermeier im brennenden Haus hüsteln. Das Geld verbrennt

  • dtx

    www.msn.com/de-de/...wallen/ar-AA2gFybl

    Was ein Herr Frings da zum Thema fordert, wäre nicht weniger als die Abschaffung des Demonstrationsrechts durch die Hintertür:

    "... Eine zivilrechtliche Haftung zähle "definitiv" dazu. Mit den Worten des damaligen französischen Ministerpräsidenten Gabriel Attal gelte: Was man kaputt mache, das repariere man, was man verschmutze, das mache man sauber. Dazu brauche es neue Mithaftungsregeln, weil eine individuelle, konkrete Schädigung bei den Geschehen schwer nachzuweisen sei. ..."

    Das Risiko für Gewerkschaften und zivilcouragierte Gruppen bestünde folglich in der Unwägbarkeit, ob die Polizei spätere Randalierer antrifft sowie deren Identität feststellt, die StA es schaffen würde, eine strafrechtliche Verurteilung zu bewirken und wenn bis dahin alles ja, bei den Verurteilten hernach auch etwas zu pfänden wäre (ziemlich unwahrscheinlich).

    Ansonsten träfe Herrn Krings "maximale Härte und Konsequenz" wohl den Anmelder, der zwangsläufig bekannt ist.



    Schlügen die Chaoten jedoch gleich im Anschluß oder gar schon während der Demo zu, hieße es: "Wer sich an Randalen beteilige, ..."

  • Thomas Raukamp

    Ich find es ja eigentlich doof, wenn sich Leute für Artikel bedanken. Aber hier stehe ich: Danke für diesen Artikel, der so viel in adäquate Worte fasst, was viele Menschen in den vergangenen Monaten so viel Verzweiflung, Resignation und Wut empfinden lässt; mich eingeschlossen.

  • Duplozug

    Ich glaube hier wird es sich massiv zu leicht gemacht.



    Die "Linke" Alternative steht nicht als Gesamtkunstwerk unter Beschuss. Sondern nur die Partei die Linke. Und, dass dies so einfach ist. Daran ist die Partei selbst schuld. Sie macht es den anderen nicht nur einfach, sondern sie legt ihren Gegnern den Ball auf den Elfmeterpunkt und fesselt zusätzlich den Torwart am Boden fest.

    Frau Schwerdtner könnte einem gestern fast Leid tun in der Sendung, wenn sie nicht auch einfach nur Parolen wiedergeben hätte ohne auf irgendwas konstruktiv antworten zu können.

    Als jemand, der lieber Linkere Politik haben würde, kann man nur den Kopf schütteln. Denn so, wird man nie erfolgreich Wähler in anderen Milieus außer der eigenen Blase erreichen können um Wähler zu mobilisieren.



    Und außerhalb von Berlin, wird das eher noch Leute weg von SPD und Grünen treiben, wenn das so weiter geht

  • Gila Rosenberg

    Ich verstehe die Aufregung nicht ganz: ist doch logisch, dass die Mächtigen derart derangiert reagieren (war in der DDR übrigens nicht anders). Und, nebenbei gesagt, ist es völlig wurscht, welche Ideologie welche Opfer fordert, Kommunismus oder Neoliberalismus, das, was hinten dabei rauskommt, ist dasselbe: keine Freiheit für den "gemeinen Bürger".

  • Krumbeere

    Ein flammende Plädoyer für die Linke und die Demonstrationen in Europas Städten. Aber hat Frau Wiedemann da was nicht übersehen? Ein Rathaus! wurde abgefackelt, Geschäfte geplündert, Autos angezündet, Sachbeschädigungen in Millionenhöhe, unzählige Verletzte usw. usw. Und der Staat soll einfach zusehen und nichts tun? Demonstrieren - Ja bitte! Maßlose Gewalteskalationen? Da MUSS der Staat reagieren.

    • Dr. McSchreck

      @Krumbeere:

      Das scheint für die privilegierte Person Wiedemann nicht relevant zu sein, es war ja nicht ihr kleiner Laden, der geplündert wurde. Dass allerdings mancher Ladenbesitzer, selbst mit algerischen Wurzeln, jetzt Le Pen wählen wird, das verurteilt sie dann.

      Gut finde ich es nicht gerade - aber es wundert mich auch nicht. Sie verspricht ein hartes Vorgehen gegen solche Randalierer.

  • Tom Farmer

    Zu Mamdani... "Er überstand diese Phase dank eines klugen Teams, über das die Berliner Linkspartei ganz offensichtlich nicht verfügt."



    Kluger Satz. Nur wer sieht das so? Wer handelt so?

  • Reinhard Muth

    Danke für diesen Text! Treffender lässt sich die augenblickliche gesellschaftliche Lage nicht beschreiben.