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Zentralrat der Juden und IranEine anmaßende Unterstellung

Gastkommentar von

Jonas Schnabel

Darf sich der Präsident des Zentralrats der Juden über den Angriff auf Iran positiv äußern? Eine Replik auf einen taz-Kommentar.

Menschen jubeln auf einer Iran-Demonstration auf dem Pariser Platz vor dem Brandenburger Tor Foto: Christoph Soeder/dpa

E infach mal die Klappe halten“, fordert die taz-Journalistin Susanne Knaul in Richtung des Präsidenten des Zentralrats der Juden in Deutschland. Sie wirft ihm vor, den Krieg gegen das iranische Regime „bejubelt“ zu haben. Doch tatsächlich waren es andere, die jubelten – allen voran iranische Frauen. Die wohl mutigsten Feministinnen unserer Zeit. Nicht zu verwechseln mit jenen Gratismutigen, die aus sicherer Berliner Distanz nur dann Haltung demonstrieren, wenn Opfer und Täter in ihr aktivistisches Weltbild passen.

Bild: privat
Jonas Schnabel

ist freier Autor, unter anderem für die Jüdische Allgemeine, und Funktionär beim jüdischen Sportverein Makkabi.

In Iran selbst tanzten und sangen sie auf den Balkonen der Städte und weinten vor Freude – ein Ausdruck der Hoffnung auf Freiheit nach Jahrzehnten der Unterdrückung. Ob diese wahrhaft starken Frauen sowie die vielen demokratisch gesinnten Iranerinnen und Iraner weltweit nach Ansicht der taz-Journalistin ebenfalls „einfach mal die Klappe halten“ sollten, bleibt offen. Der Präsident des Zentralrats, Josef Schuster, erklärte im Übrigen lediglich, dass das „Ende des Regimes in unserem nationalen Interesse“ liege. Eine sachliche Feststellung, angesichts der bestehenden Bedrohungslage eine nachvollziehbare Einordnung.

Als wäre das nicht genug, schreibt Frau Knaul zudem: „Musste das sein, fragen sich vermutlich vor allem die, die dem Judentum angehören.“ Diese Behauptung wirkt weniger wie eine fundierte Recherche, sondern vielmehr wie ein unbelegtes Bauchgefühl – eine anmaßende Unterstellung. Anmaßend, weil sie meint, stellvertretend für Jüdinnen und Juden sprechen zu dürfen. Über Jüdinnen und Juden wird in der öffentlichen Debatte generell häufig gesprochen, aber deutlich seltener mit ihnen. Wer hingegen tatsächlich das Gespräch in jüdischen Gemeinden in Deutschland sucht, stellt schnell fest, dass Frau Knauls Bauchgefühl vermutlich nicht der Realität entspricht. Viele begrüßen es ausdrücklich, wenn sich der Präsident des Zentralrats klar positioniert.

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Insbesondere wenn wir von einem Regime sprechen, das am 8. und 9. Januar innerhalb von nur etwa 48 Stunden mutmaßlich rund 32.000 unschuldige Demonstrierende ermordet hat. Das Homosexuelle hinrichten lässt, Frauen unterdrückt und Menschen, die nicht in sein radikal-islamistisches, rückwärtsgewandtes Weltbild passen, in Foltergefängnissen verschwinden lässt. Dessen erklärtes Ziel die Vernichtung der rund 7,5 Millionen in Israel lebenden Jüdinnen und Juden ist. Das das sadistische Massaker und die Entführung Unschuldiger rund um den 7. Oktober 2023 nicht nur tolerierte, sondern aktiv finanzierte. Ganz zu schweigen von der Hisbollah, die Israel mit Waffen dieses Regimes beschießt, ist „einfach mal die Klappe halten“ keine angemessene Haltung. Im Gegenteil: Gerade unter diesen Umständen ist es richtig und notwendig, dass jemand, der ein Amt innehat, das ihn legitimiert, für Juden zu sprechen, sich klar äußert.

Angesichts der Tatsache, dass das Mullah-Regime für Jüdinnen und Juden die größte Bedrohung seit der NS-Zeit darstellt, sollte man speziell in Deutschland besonders vorsichtig sein, bevor man Jüdinnen und Juden in dieser Angelegenheit den Mund zu verbieten versucht. Anstatt mit vorschnellen Urteilen daherzukommen, wäre es angesichts der eigenen Geschichte wohl ratsam, diese Lektion in diesem Zusammenhang zunächst selbst zu beherzigen.

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52 Kommentare

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  • Wann hört dieser Krieg zwischen uns Menschen endlich auf? Wir können hier alle unsere Meinungen äußern. Doch was ändert sich? Ich frage, wünsche und hoffe mit allem was uns als Menschen ausmacht, das wir uns die Hände reichen und solidarisch gegen den Wahnsinn der Kriegstreiber, egal welches Landes welcher Religion, stehen.

  • Herr Schnabels Gastkommentar ist m.E. in mehrerlei Hinsicht problematisch.

    Wenn der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland von "unserem nationalen Interesse“ spricht, meint er damit die Staatsinteressen von Israel im geoterritorialen Konflikt oder das Interesse jüdischer Menschen in Deutschland?

    Bei allen Gräueltaten, die das iranische Regime Demonstranten und oppositionellen angetan hat, wir sprechen hier von einem Angriffskrieg von Israel und den USA gegen den Iran, für den es keine UN-Resolution gibt.



    Die Begründung für den flächendeckenden Angriff auf den Iran ist das Leid Unschuldiger? Was würde dann das Leid der 60.000 toten Zivilisten, darüber tausende Frauen und Kinder in Palästina rechtfertigen? Herr Schnabels Argumentation hat einen Balken im Auge, für den er perspektivsbedingt blind ist.

    Der Angriff von Israel und den USA auf Iran befindt sich völkerrechtlich auf einer Ebene mit Russlands Invasion der Ukraine oder Chinas Anspruch auf Taiwan. Krieg kann nicht durch Krieg verhindert werden, denn es macht Opfer zum Tätern.

  • "Einfach mal die Klappe halten". Wahrlich kein Glanzstück der taz.

  • Darf sich der Präsident des Zentralrats der Juden über den Angriff auf Iran positiv äußern?



    ----



    Unabhängig von Religionen, "Vertreter religiöser Gruppen" sollten zu politischen Themen wirklich "Die Klappe halten"!



    In DE sollten wir einen "säkularen Staat" haben, auch wenn DAS manchmal schwer zu GLAUBEN ist, doch "Bischofskonferenzen, Synoden", auch dem "Zentralrat" sei ins Gebetbuch geschrieben:



    "Kümmert EUCH um Glauben & Gläubige"!



    Glauben ist "Privatsache", da sollten "Amt" & "Aussagen" sehr auseinander gehalten werden.



    Btw. Mir ist der "Glaube" meiner Mitmenschen "egal" so lange die mich nicht "bekehren wollen"!



    Wenn aber "Gläubige" versuchen, gleich welcher Richtung, "Glaube & Politik" massiv zu vermischen, siehe Leitbild, gleichzeitig laut "unfair" rufen, wenn "staatliche Politik" mMn. zu recht kritisiert wird, ...



    ... dann fällt es mir schwer, weiter mit dieser Gruppe im Diskurs zu bleiben, die ernst zu nehmen!



    Für mich als EU-Bürger ist "Glauben" NICHT mit einem "Staat" zu verbinden, Theokratien wenigstens HIER "ausgestorben"!



    Dies nachzuvollziehen, (ohne jetzt Europa zentrisch zu sein) wäre mMn. auch für andere "Menschen" auf der Welt sehr positiv

    Siehe Geschichte! :-(

  • Dass Schuster sich äußern darf, wie er möchte, wurde in dem Kommentar ausdrücklich klargestellt. Insoweit redet Schnabel gegen einen Strohmann an. Dass er bei unklugen Äußerungen damit rechnen muss, dass man ihn kritisiert und seine Aussagen für verzichtbar hält, ficht das nicht an. Schuster und die Israel-Solidarität des offiziellen Judentums in Deutschland schadet den deutschen Juden, bringt Deutschland in Misskredit und nützt nur denjenigen, die entweder Juden und Israel sowieso für dasselbe halten und das antisemitisch ausschlachten, oder den Anhängern Netanjahus und des Likud, die Israel in einen Schurkenstaat verwandeln wollen. Und Trump natürlich. Also genau den Falschen.

    • @Günter Picart:

      Guter Kommentar.

    • @Günter Picart:

      "Schuster und die Israel-Solidarität des offiziellen Judentums in Deutschland schadet den deutschen Juden..."

      Die Behauptung, die Israel-Solidarität von und Teilen des offiziellen Judentums in Deutschland schade den deutschen Juden, greift zu kurz und verschiebt Verantwortung.



      Es stimmt, dass sich Juden in Deutschland teilweise stärker bedroht fühlen, wenn sie sich offen israelsolidarisch zeigen. Der Angriff auf Shapira , der krankenhausreif geschlagen wurde, ist ein Beispiel dafür.



      2024 wurden rund 8.627 antisemitische Vorfälle registriert – ein historischer Höchststand von etwa 24 pro Tag.



      Doch die Ursache ist nicht vermeintlich „falsche“ Solidarität mit Israel, sondern Antisemitismus. Wer behauptet, jüdische Israelsolidarität provoziere solche Angriffe, betreibt eine Täter-Opfer-Umkehr.



      Genau diese Argumentation hört man häufig aus bestimmten linken politischen Kreisen: Statt Antisemitismus klar zu benennen, wird suggeriert, jüdisches Verhalten sei das Problem. Damit wird Verantwortung von den Tätern auf die Opfer verschoben.

  • Bitte korrekt zitieren!

    Schuster hat gesagt:



    "Es liegt deshalb in unserem ureigenen nationalen Interesse, die USA und Israel im Kampf gegen dieses Terrorregime zu unterstützen."

    Das ist etwas anderes, als



    >>erklärte im Übrigen lediglich, dass das „Ende des Regimes in unserem nationalen Interesse“ liege.

  • Zu Vorderst entzündet sich die Kritik -wie schon unter dem Text von Frau Knaul- an der unterirdischen Headline. Und das völlig zurecht. Derv Satz ist anmaßend. Ließt man allerdings den Artikel, klingt das schon wesentlich differenzierter. Man kann ganz sicher auch anderer Meinung sein, aber die Sicht ist zumindest mal legitim.



    Vielleicht wärs dann doch mal an der Zeit, obs darüber nachzudenken, obs solche reißerischen Clickbait Headlines wirklich braucht für eine vernünftige Debatte und ob das wirklich das Niveau ist, auf dem ihr hier diskutieren wollt. Der Inhalt gerät jetzt nicht zum Ersten mal in den Hintergrund.

    • @Deep South:

      Danke für Ihren Kommentar, der meiner Einschätzung entspricht. Die Headline war wirklich nicht durchdacht, eher überheblich, empathie- und niveaulos. Der Artikel dann sachlicher, differenzierter. Ein Phänomen, dass etliche Medien betrifft. Schade, dass auch bei der taz solche Clickbaits zu polarisierenden Diskussionen beitragen.

  • Die "Jüdische Gemeinde" repräsentiert nur einen Teil der Juden Deutschlands, dafür aber umso mehr die rechtsextreme und in großen Teilen völkerrechtswidrige Regierungspolitik Netanjahus. Von daher ist Frau Knauls Aufforderung an diese Vereinigung nur folgerichtig.

    • @Rinaldo:

      Lesen Sie bitte diesen Artikel unter dem Sie kommentieren

      Es geht um die Anmaßung von Frau Knaul für die jüdische Community zu sprechen und über den "Ton" von Frau Knaul

      Frau Knaul spricht davon den Dialog mit den Palästinensern in Deutschland zu suchen. Kamen solche Appelle auch in Richtung Palästinenser nach dem 7. Oktober? Nein.

      Da wurde nur Baklava verteilt zur Feier des Tages und Fotos von Paragleidern geteilt, jüdische Studierende verprügelt, jüdische Wohnungen mit Dreiecken als Ziele markiert. Aber Kritik an dieser Gewalt? Fehlanzeige.

      • @Pawel_ko:

        Kamen denn solche Kommentare , nachdem zB jüdische Siedler ein Dorf niederbrannten und über 300 Menschen teils schwer verletzten - unter geiferndem Jubel von Regierungsmitgliedern? Ich glaube das Problem hier ist manchmal, dass "wir" eine ziemlich einseitige Sicht auf die Dinge im Nahen Osten und spezifisch im Israel/Palästina - Konflikt haben. Israel nennt "90%" der Demonstrierenden einfach Terroristen? Reicht uns als Erklärung für gezielte Schüsse in die Menge völlig aus. Foltervideos aus israelischen Gefängnissen? Huch. Gezieltes Abschießen von Kindern durch israelische Sniper? Mei, Israel hat halt ein Recht, sich selbst zu verteidigen, auch gegen Fünfjährige. Seit Jahrzehnten illegaler Siedlungsbau, gewaltsame Vertreibung der Palästinenser aus Westjordan? Nur ein paar Worte wert, wenn es einen Oscarpreisträger trifft. Demgegenüber freuen wir uns geradezu, wenn irgendwo ein paar Palästinenser Baclava verteilen, denn das bestätigt unseren Bias der israelhassenden Meute ganz wunderbar. Ob die Menschen wonöglich einen Grund zum Hass haben, wieviele persönliche Schicksale dahinter sind, wieviele tote Hoffnungsträger, Journalisten, Kinder, dahinterstehen, interessiert nicht.

        • @ANonnyMouse:

          Der große Unterschied ist. Feiern hier die Leute was Israel im WJ macht?



          Standen Juden auf der Straße und haben Süßigkeiten danach verteilt?



          Werden Palästinenser in Deutschland verprügelt weil sie Palästinenser sind für die Verbrechen der Hamas?

          "Ob die Menschen wonöglich einen Grund zum Hass haben,"

          Ja wunderbar. Dann können wir ja die Jagdsaison eröffnen.

          Kurden dürfen Türken jagen, Ukrainer die Russen hier usw.

          Darf man hassen. Klar. Ist menschlich. Aber darf Hass in solchem Verhalten ausarten? Auf keinen Fall!

      • @Pawel_ko:

        Natürlich kamen solche Appelle. Wieder und wieder. Und jedes mal, wenn sich ein Palästinenser öffentlich geäußert hat, oder auch sonst irgendwer irgendeine Kritik an dem Israelischen Völkermord geübt hat, wurde das weggewischt mit dem Kommentar, dass die ja alle Antisemiten sind, weil sie nicht genug zum 7. Oktober gesagt haben.

        • @pumble:

          Zunächst...Wann wurde Israel schuldig gesprochen einen Genozid/Völkermord zu begehen? Oder ist das wieder einfach nur eine Behauptung?

          Ich denke mit "Dialog" ist auch was anderes gemeint als Parolen zu brüllen die zurecht hier verboten sind, Universitäten zerstören und mit Terror Symbolen zu beschmieren usw.

          Alles vorgefallen, alles relativiert, besonders auch hier bei der taz in Artikeln und Kommentaren.

          Und bei Iran zu sagen "einfach mal Klappe halten" ist ein No Go. Der Iran unterstützt Terrororganisation welche dann Israel angreifen. Also gibt es gute Gründe als Israeli/Jude sich zu diesem Konflikt zu äußern.



          Es geht hier um die Behauptung, dass Frau Knaul besser weiß was jüdische Menschen in Deutschland angeht als ein Vertreter für jüdisches Leben in Deutschland.

  • ich war heute auf der 8. mai demo in hamburg. dort haben einige iranische frauen gesprochen. gegen das regime, aber auch ganz klar gegen den angriffskrieg. ich halte die behauptung, "die iranischen frauen unterstützen den krieg" (vlg. erster absatz) für absolut unhaltbar!

    • @Liebe :

      Hab mich auch gefragt, woher Schnabel dies wissen will (kann ja trotzdem stimmen, Hamburgerinnen sind ja vielleicht auch nicht repräsentativ).

  • Darf sich die Hamas über den Angriff auf Israel positiv äußern?

  • Als Judaistin und Nicht-Jüdin sehe ich mit Befremden, dass man einer Bevölkerungsgruppe, die gleichzeitig eine unserer vulnerabelsten Minderheiten darstellt, offensichtlich am liebsten Sprechzettel zukommen lassen würde mit dem, was das nichtjüdisch-deutche Bauchgefühl für kommod hält.

    Niemand muss die Meinung des Vorsitzenden des Zentralrats sein, aber er ist nun mal die Person, die ein Mandat hat, für das deutsche Judentum zu sprechen (na ja, mehr oder weniger, da das Judentum in Deutschland kein monolithischer Block ist, sondern sehr divers). Das sollte man schon akzeptieren können. Oder zumindest versuchen, es zu lernen.



    Natürlich ist es legitim, anderer Meinung zu sein oder auch diese Meinungsäußerung zu kritisieren. Aber das sollte schon weniger paternalistisch rüberkommen als es das zu oft tut.

  • War von dem Autor nicht anders zu erwarten. Er hat dabei nur ausgelassen, das der Zentralratspräsident auch gefordert hat den Krieg bis zum Sturz der Mullahs fortzuführen und besonders heikel, Deutschland dazu aufgefordert hat den Krieg der USA und Israel zu unterstützen (Quelle Deutschlandfunk).

    Ein offizieller Vertreter der jüdischen Gemeinde in Deutschland mischt sich öffentlich in die deutsche Außenpolitik ein und befürwortet zumindest einen völkerrechtswidrigen Präventievkrieg wenn nicht gar einen Angriffskrieg.

    Mit allen Äußerungen zum Iran liegt der Autor natürlich richtig, sie sind aber keine Rechtfertigung. Will der Autor mit seiner Argumentationsweise der deutschen Bevölkerung wirklich verkaufen, das es Trump und Nethanjahu um die Wahrung der Menschenrechte im Iran geht oder nicht doch bloß eine Nebelkerze zünden?

    Zudem finde ich es aus meiner norwegischen Sicht äußerst schäbig bei jeder prekären Angelegenheit an den deutschen Schuldkomplex zu appellieren um Kritik zum Verstummen zu bringen.

    Juden sind Teil der Bevölkerung wie Muslime oder Christen und es ist jedermanns Recht deren Sprachrohre zu kritisieren.

    Fair play von der taz diesen Artikel zu veröffentlichen

    • @Sam Spade:

      War von dem Autor nicht anders zu erwarten. Er hat dabei nur ausgelassen, das der Zentralratspräsident auch gefordert hat den Krieg bis zum Sturz der Mullahs fortzuführen und besonders heikel, Deutschland dazu aufgefordert hat den Krieg der USA und Israel zu unterstützen

      Warum ist das heikel? Das fordern Exil-Iraner schon seit Jahren. Oder befürchten Sie das deutsche Brigarden in Richtung Teheran marschieren weil ein offizieller Vertreter der jüdischen Gemeinde in Deutschland das gesagt hat?



      Ausserdem unterstützt der Iran Proxis die wiederum Israel angreifen. Damit hat er einen legitimen Grund sich zu dem Konflikt zu äußern.

      Dem Punkt mit dem fair Play sehe ich auch so. Schön zu sehen, dass die Taz ihr Meinungsspeltrum erweitert.

      • @Pawel_ko:

        Gerade in Bezug auf Israel gibt es in der taz schon lange ein breites Meinungsspektrum (was ich sehr schätze)

    • @Sam Spade:

      "Ein offizieller Vertreter der jüdischen Gemeinde in Deutschland mischt sich öffentlich in die deutsche Außenpolitik ein und befürwortet zumindest einen völkerrechtswidrigen Präventievkrieg wenn nicht gar einen Angriffskrieg."

      Klappen halten 2.0? Die juedische Gemeinde hat jedes Recht sich in die Politik einzumischen, d.h. ihre Meinung zu aeussern und politische Forderungen zu stellen, denn sie ist Bestandteil dieses Landes.

      Sie schreiben, dass Juden neben Muslimen oder Christen Teil dieser Bevoelkerung sind und jeder deren Sprachrohre kritisieren darf. Richtig, aber "Klappe halten" ist keine Kritik.

      In einem anderen Kommentar wurde ein Vergleich zur Bischofskonferenz gezogen. Der Vergleich hinkt, denn der Praesident des Zentralrats der Juden in Deutschland ist kein Rabbi, er ist kein Vertreter des Glaubens. Er vertritt den groesten Teil des juedischen Volks, der im Land der Shoah lebt. Ob man es nun Schuldkomplex, Staatsraison oder Anstand nennt: Wenn der Praesident des ZdJ sich zu Israel aeussert, dann kommentiert man das nicht mit "Klappe halten", vollkommen unabhaengig vom Inhalt.

    • @Sam Spade:

      Sie werfen dem Vertreter der jüdischen Gemeinde in Deutschland vor, sich in die deutsche Außenpolitik einzumischen? Sollen sich deutsche Juden also aus der deutschen Außenpolitik raushalten? Ist das Ihr Ernst?

      • @Jochen Laun:

        Gegenfrage: Wie würden Sie es denn empfinden, würde die Deutsche Bischofskonferenz, der EKD oder Ditib Merz auffordern, den USA die Nutzung von Ramstein zu verbieten?

        • @EffeJoSiebenZwo:

          Wie ich all das empfände, weiß ich nicht. Wie ich es empfinde, wenn deutsche Juden dafür kritisiert werden, dass sie sich in die Politik in ihrer eigenen Regierung "einmischen", weiß ich. Ich empfinde es als irritierend. .

  • Für mich ist in dieser Frage weder die Meinung Frau Knauls noch die von Herrn Schnabel entscheidend. Aus meiner Sicht ist hier immer noch der kürzlich hier in der taz erschienene Beitrag von Frau Klimchuk die Referenz schlechthin. taz.de/Nahost-Konflikt/!6151081/



    Wie wäre es denn mal, die 52% nicht verbandspolitisch organisierten deutschen (und auch nicht-deutschen) Juden zu fragen, die hierzulande ihren Lebensmittelpunkt haben? Oder auch nur diejenigen im ZdJ organisierten, die ausdrücklich nicht die Meinung Herrn Schusters zur israelischen Politik teilen? Können denn etwa alle Katholiken Deutschlands auf die Verlautbarungen der katholischen Bischofskonferenz oder des ZdK verhaftet werden? Nein. Und genau so viel Differenzierung wie sie Frau Klimchuk in ihrem Beitrag zu postsowjetischen Juden formuliert hat, wünsche ich mir auch mit Blick auf diese Debatte.



    Könnte es nicht sein, dass diese schweigende Mehrheit innerhalb der jüdischen Community einfach nur in Ruhe gelassen, mit der „großen Politik“ nichts zu tun haben und weder von den Zionisten des offiziellen Verbandsjudentums noch den Antizionisten der „Jüdischen Stimmen“ vereinnahmt werden will?

  • Die Kritik an Frau Knaul verpufft just in dem Moment, wo eine ausführliche Schilderung der Taten des iranischen Regimes mit dem erlittenen Leid der Israelis zusammengefasst wird, ohne auch nur ansatzweise zu erwähnen, was im Gaza-Streifen passiert ist.



    Da sollte man selber auch mit Begriffen wie Anmaßung und Unterstellung vorsichtig sein.

  • Ich halte Knauls Kritik für legitim, zumal sie ausdrücklich nicht Schusters Meinung kritisiert, sondern "nur" den Umstand, dass seine Stellungsnahme wie ein Sprachrohr der israelischen Regierung rüberkam. Ich füge hinzu, dass ich es prinzipiell schwierig finde, offiziell einen völkerrechtswidrigen Krieg zu bejubeln, obwohl auch ich hoffe, dass die iranische Zivilbevölkerung dadurch die Chance erhält, selbst über die künftige iransche Regerung zu bestimmen und jede zivilgesellschaftliche Bejubelung der Tötung führender Theokratie-Köpfe nachvollziehen kann. Zudem ist das Ergebnis völlig unklar. Es gibt viele extreme Diktaturen und nur wenige Beispiele bei denen Attentate und Angriffskriege Demokratisierung im Interesse der Zivilbevölkerung gebracht haben. Jüngere Beispiele: Libyen, Irak, Afghanistan. Trump macht keinen Hehl aus seinem "amerikanischen" Interesse in Venezuela und Iran: Der Schutz der Menschenrechte ist ihm egal. Es geht um Zugriff aufs Öl und geostrategische Interessen (Eindämmung des chinesischen Einflusses) und die Machtdemonstration. Die offene Ignoranz des Völkerrechs sehe ich zudem als große Gefahr für Zivilgesellschaften weltweit.

    • @Nina Janovich:

      Dem kann ich mich nur anschließen, den letzten Absatz unterstreiche ich doppelt. Die Gefahr wird bisher verkannt bzw in der Diskussion zu wenig berücksichtigt.

    • @Nina Janovich:

      Es gibt auch andere Stimmen, die sich als eindeutig positioniert wahrnehmen lassen, auch m. längerem biografischen u. publizistischen Hintergrund bzw d. Sicht aus wissenschaftl. Tätigkeit:



      "Doch dann kommt der Historiker Michael Wolffsohn und spielt nicht zum letzten Mal an diesem Abend den Spielverderber: „Das iranische Regime ist wie eine Hydra, ihr wächst ein neuer Kopf nach“, erklärt er."



      morgenpost.de



      Weiter dort:



      "Historiker hält Regimewechsel noch für „Wunschvorstellung“



      Gerade bei der Hamas und der Hisbollah habe man gesehen, dass das Ausschalten der Führung nicht zwingend zum Zusammenbruch des Systems führe. Einen wirklichen Regimewechsel hält er im Moment noch für eine „Wunschvorstellung“.



      Wir werden es wohl selbst in den nächsten Wochen sehen, ob es differenzierte Pläne und Strategien für Szenarien nach einem Enthauptungsschlag gab.



      Die kluge Quintessenz:



      "Die deutsch-iranische Journalistin Isabel Schayani schaltet sich in die Diskussion ein und schildert eine innere Zerrissenheit, die viele Zuschauer teilen könnten: „Ich habe zwei Gehirnhälften und die eine spricht wie Stegner und die andere wie Wolffsohn.“



      Gut, dass es hier diese klugen Frauen mit iran. Wurzeln gibt!

      • @Martin Rees:

        "Gut, dass es hier diese klugen Frauen mit iran. Wurzeln gibt!"

        Genau das war auch mein Gedanke beim Verfolgen der zitierten Diskussion auf Phoenix.

    • @Nina Janovich:

      Frau Knaul hat in dem Punkt recht, dass Herr Schuster in seiner Eigenschaft als ZdJ-Vorsitzender - und er ist damit eine öffentliche Person! - die Meinung aller Mitglieder der jüdischen Community in Deutschland repräsentieren sollte. Und darunter sind sicherlich nicht wenige israelkritische.



      Oder er muss sich explizit als Privatperson äußern oder unterstreichen, dass es sich beim ZdJ um eine (rechts)zionistische Lobby-Organisation (wie etwa die DIG) handelt. Beides hat er meines Wissens nicht getan.



      Dennoch ist es dem demokratischen Meinungspluralismus nicht förderlich, dass Frau Knaul Herrn Schuster derart „übers Maul“ gefahren ist. Ihrem Anliegen hat sie damit einen Bärendienst erwiesen, es gibt bessere Argumente.

    • @Nina Janovich:

      So sehe ich es auch!

  • Wie Recht der Mann hat. Sie sind wahrlich schwer zu ertragen diese Berliner Gratismutigen, die sich dabei auch moralisch überlegen dünken und aus dieser vermeintlichen Überlegenheit meinen andere verurteilen zu können.

  • Danke.

  • "Dessen erklärtes Ziel die Vernichtung der rund 7,5 Millionen in Israel lebenden Jüdinnen und Juden ist."

    Das lese ich immer wieder, aber bisher immer ohne saubere Referenz. Wo kommt diese Information her? Hat der Iran das in seiner Verfassung stehen?

    • @XXX:

      „As the Imam said, Israel must be wiped off the map.“



      – Ahmadinedschad zitierte bei einer Rede 2005 den früheren iranischen Revolutionsführer Chomeini und sagte:

      In Teheran (Iran) steht seit 2017 eine große digitale Uhr auf dem Palestine Square, die nach Angaben iranischer Medien die Tage bis zu einem angeblichen „Ende Israels“ herunterzählt. Sie wurde anlässlich des Quds Day enthüllt und bezieht sich auf eine Vorhersage des iranischen Obersten Führers, dass der Staat Israel in einer bestimmten Zeit nicht mehr existieren werde.

      Noch deutlicher kann man nicht drohen.

    • @XXX:

      Das wird täglich von iranischen Offiziellen gewünscht und gefordert. Und, nein, diese simple Recherche erspare ich Ihnen nicht.

    • @XXX:

      Lesen Sie einfach die Reden des kürzlich verblichenen muslimischen Führers des Iran, darin fordert er immer wieder die Auslöschung des jüdischen Staates. Dafür benötigt der Führer keine Verfassung.

    • @XXX:

      Das steht so in der Gründungserklärung der HAMAs. Die ist direkt abhängig vom Iran in Geld- und Glaubensangelegenheiten.

    • @XXX:

      Genau die Frage hat mich auch interessiert und nach kurzer Google-Recherche gibt die KI folgende Auskunft:



      „Die Vernichtung Israels steht nicht explizit in der iranischen Verfassung. Jedoch verpflichtet die Verfassung den Staat zur Unterstützung von ‚Unterdrückten‘ und zur Feindschaft gegenüber dem Zionismus. Diese ideologische Haltung führt zu einer Politik, die seit Jahrzehnten die Auslöschung Israels anstrebt und den Iran zum Hauptakteur gegen den Staat Israel macht.“



      Mehr dazu; www.zeit.de/politi...as/komplettansicht

    • @XXX:

      Das der Iran die Huthis(Bürgerkrieg), die Hisbollah( Lybaon destabilieren) und die Hamas (7. Oktober)mit Geld und Waffen unterstützt. Menschen zu foltern u.v.m. steht wahrscheinlich auch nicht in der Verfassung.

    • @XXX:

      gute Frage. Der Gründung Israels ging der UN-Teilungsplan von 1947 voraus:



      33 Staaten nahmen den Plan an, 13 stimmten dagegen, 10 enthielten sich. Während die jüdische Seite ihn begrüßte, lehnten die arabischen Staaten ihn ab.

      Es ist noch kein Verbrechen, die Gründung Israels für einen Fehler zu halten weil sie auf Kosten der palästinensischen Bevölkerung ging. Angesichts heutiger Fakten ist es sicher unrealistisch und zur Lösung des Konflikts völlig ungeeignet.

      Aber der Iran - genau wie jedes andere Land - darf die Rechtsmeinung vertreten, dass der Teilungsplan von 1947 ein Fehler war, der durch eine neue Abstimmung revidiert werden muss.

      Vernichtung von in Israel lebenden Juden wäre etwas völlig anderes.

      • @A. Müllermilch:

        Ok, dann hat Herr Schnabel ja mit "Vernichtung aller in Israel lebenden Jüdinnen und Juden" etwas übertrieben.

        Danke an alle für die auf meine Frage geschickten interessanten Informationen!