Umweltschädliche Bräuche

Weihnachtsbäume sind Irrsinn

Statt sich einen sterbenden Baum ins Wohnzimmer zu stellen, sollte man lieber in Aufforstungsprojekte investieren – und die Zimmerpflanze schmücken.

Ein Waldarbeiter trägt eine frisch geschlagene Nordmanntanne.

Bevor diese tote Tanne auf dem Müll landet, wird sie noch ein paar Tage besungen Foto: Patrick Pleul/dpa

Ein durchschnittlich großer Weihnachtsbaum von zwei Metern Höhe wächst etwa dreizehn Jahre heran. In dieser Zeit wird er gewässert, mit Pestiziden besprüht und gedüngt. Dann wird er gefällt, festlich geschmückt und scheidet dahin. Feierlich zwar, im Kerzenschein und unter bewundernden Blicken – aber tot ist am Ende eben tot. Auch dieses Jahr wird dieses Schicksal voraussichtlich wieder knapp 30 Millio­nen Bäume ereilen.

Das ist Irrsinn. Und ein echtes Problem für die Umwelt. Zwar ziehen Befürworter des Brauchs gern das Argument heran, dass die Bäume CO2 verstoffwechseln und damit einen Beitrag zum Umweltschutz leisten. Wüchse an ihrer Stelle aber ein echter Wald, wäre das ein weitaus größerer Gewinn für die Umwelt. Denn die meisten Weihnachtsbäume kommen von Plantagen. Dort schadet der intensive Einsatz von Dünger und Pestiziden Insekten, verunreinigt Gewässer und laugt den Boden aus.

Aber nicht nur in der Natur richtet ein Weihnachtsbaum Schaden an. Dem Pestizidcocktail zum Trotz bilden sich im wohlgeheizten Wohnzimmer schnell Schimmelsporen auf den Zweigen, die bei einigen Menschen allergische Reaktionen auslösen können.

Aber es gibt auch eine gute Nachricht: Das Schöne am Umweltschutz ist ja, dass man im Kleinen meist gar nicht viel tun muss. Im Gegenteil: Richtig verdient macht man sich, wenn man dieses und jenes einfach sein lässt. Und deshalb sollten wir auf den Kauf eines Weihnachtsbaums dieses Jahr verzichten.

Könnten nicht auch ein paar heruntergefallene Äste aus dem Wald oder die sonst wenig beachteten Zimmerpflanzen richtig geschmückt für weihnachtliche Stimmung sorgen? Die Yuccapalme würde sich über etwas mehr Aufmerksamkeit vielleicht sogar freuen.Und wer den Gedanken auf die Spitze treiben will, der stelle sich dieses Jahr keinen sterbenden Baum ins Zimmer, sondern spende das gesparte Geld lieber für ein Aufforstungsprojekt. Den Gedanken der Weihnacht trifft das mit Sicherheit besser.

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ist an der Deutschen Journalistenschule in München. Sie ist eine große Verfechterin von qualitativ hochwertigem Lokaljournalismus und überregionalem Wissenschaftsjournalismus.

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