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Studie zu KlimaschutzFossile Volkswirtschaften verlieren

Eine Studie untersucht Vor- und Nachteile eines schnellen Ausstiegs aus fossilen Energieträgern. Das Ergebnis ist eindeutig.

Wenn die Menschheit plötzlich auf fossile Brennstoffe verzichten würde – was hätte das für volkswirtschaftliche Folgen? Das hat ein Team des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) untersucht und seine Ergebnisse jetzt im Fachblatt <i>Nature Sustainability</i> veröffentlicht. Das Ergebnis: Länder, deren Volkswirtschaften sehr stark vom Verkauf fossiler Brennstoffe abhängen, wären die Verlierer. Allerdings sind das nur 19 Staaten, die zusammen lediglich 6 Prozent der globalen Wirtschaftsleistung auf sich vereinen. Dazu zählen unter anderem Kanada, Norwegen, Iran und Venezuela. Die Volkswirtschaften aller anderen Staaten würden von einem Ausstieg aus Kohle, Erdöl und Gas profitieren.

Für ihre Arbeit betrachteten die Wis­sen­schaft­le­r:in­nen vier Aspekte, die auf nationale Vermögenswerte wirken: Erstens verringert die Nachfrage nach Brennstoffen die Einnahmen der Fossilkonzerne, die oft in staatlicher Hand sind. Beispielsweise hat die EU nach Angaben von Energiekommissar Dan Jørgensen seit Beginn des Irankriegs mehr als 100 Milliarden Euro zusätzlich für ihren Hunger nach Öl und Gas bezahlt.

Zweitens bilanzierte das Team, wie stark sich die klimabedingten Schäden für die Volkswirtschaft reduzieren, wenn wir jetzt aussteigen würden. In die Berechnung gingen drittens Vermögenswerte ein, die durch neue Solar- und Windparks akkumuliert werden. Viertes Kriterium waren die Kapazitäten eines Landes, Treibhausgas aus der Atmosphäre aufzunehmen und zu speichern – etwa durch Aufforstung oder über die Bewirtschaftung von Naturflächen.

Mit diesen Parametern untersuchte das Team 169 Staaten. Knapp die Hälfte von ihnen müsste demnach ein ausgeprägtes Interesse an einem schnellen Ausstieg aus den Fossilen haben: 51 Länder im Globalen Süden, bei denen andernfalls die Klimaschäden besonders groß werden, 13 Länder „mit hohem Potenzial für erneuerbare Energien“ – in der Mehrzahl in Afrika – und 17 Länder „mit hoher Kohlenstoffbindungskapazität“, unter anderem Bolivien und Papua-Neuguinea. Auf all diese Staaten entfallen zusammen 13 Prozent der globalen Wirtschaftsleistung.

Schäden durch Extremwetter

81 Prozent der globalen Wirtschaftsleistung entfallen auf das fünfte Staatencluster: In 69 Ländern brächte ein schneller Ausstieg den Volkswirtschaften „moderate Auswirkungen“ – darunter China, die USA und die EU. Hier bestehen die ökonomischen Vorteile vor allem durch vermiedene Klimaschäden. In den letzten 25 Jahren haben sich die volkswirtschaftlichen Schäden durch Extremwetter in der EU fast verdreifacht, nach Berechnungen der Europäischen Umweltagentur auf durchschnittlich 44,9 Milliarden Euro in den Jahren 2020 bis 2024.

„Mit Blick auf den aktuell wieder stärkeren Gegenwind gegen eine engagierte Klimapolitik ist die Erkenntnis wichtig, dass Klimapolitik nicht nur bestimmtes Vermögen entwertet, nämlich das der Anbieter von fossilen Energieträgern“, erklärt Ottmar Edenhofer, Co-Autor der Studie und Direktor des PIK. „Diese Studie zeigt auch recht präzise, wie zugleich neue Vermögenswerte aufgebaut werden. Insgesamt wird durch Klimapolitik der Kapitalstock der Volkswirtschaften neu und nachhaltig bewertet und dadurch der langfristige Wohlstand abgesichert.“

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