Spanien plant Social-Media-Mindestalter : Schutz gegen Manipulation und Verrohung
Spaniens Ministerpräsident Pedro Sánchez will ein Social-Media-Verbot für alle unter 16 Jahren einführen – ein notwendiger Schritt.
Foto: Emilio Morenatti/associated press/picture alliance
D er spanische Premier Pedro Sánchez will ein Mindestalter für soziale Medien einführen, um Kinder und Jugendliche vor den Gefahren der Plattformen zu schützen. Tech-Bros wie der X-Besitzer Elon Musk und Telegram-Gründer Pavel Durov reagierten prompt, nannten den Spanier einen „Tyrannen“, „Faschisten“, „Verräter“ und sein Vorhaben eine „Gefahr für die Freiheit“.
Es mutet schon eigenartig an, wenn solche Vorwürfe von den Besitzern der sozialen Netzwerke und Plattformen kommen und sich gegen diejenigen richten, die überlegen, wie Minderjährige vor der Manipulation durch Algorithmen geschützt werden können. Menschen wie Musk oder Durov geben vor, zum Wohle eines hehren Zieles – der Freiheit aller – zu handeln. Sie benutzen Begriffe wie Freiheit und geben ihnen eine ganz neue Bedeutung. Neusprech würde dies bei George Orwell heißen.
Netzwerken ausgesetzt zu sein, die bereits von Kindesbeinen an ein genaues Profil von jedem erstellen, per Algorithmen Vorurteile bestätigen, politische Meinungen durch erfundene „Wahrheiten“ bilden, Hass verstärken sowie Depressionen und andere psychologische Probleme vertiefen – das ist keine Freiheit. Das mag gut sein fürs Geschäft der Herren Musk und Co. Für die persönliche Entwicklung hin zum kritischen, toleranten, demokratisch denkenden Bürger ist es das sicher nicht.
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Nicht umsonst unterstützen die Besitzer der großen Plattformen autoritäre Politiker wie Donald Trump und protegieren Parteien wie Vox oder die AfD. Die Tech-Bros glauben sich so mächtig, dass sie gewählte Politiker beleidigen und ihre Nutzer gegen demokratische Regierungen aufbringen können.
Dieser nur durch den eigenen Reichtum und die Kontrolle über das Internet legitimierte Machtanspruch muss gestoppt werden. Australien, Frankreich und jetzt auch Spanien sind auf dem richtigen Weg. Den Plattformen und Netzwerken müssen gesetzliche Grenzen gesetzt werden, wenn wir nicht wollen, dass unsere Gesellschaften völlig verrohen, vollständig manipuliert werden und der Wunsch nach gleichen Rechten für alle bald Geschichte ist. Das schwächste Glied in der Kette sind die Kinder und Jugendlichen. Deshalb brauchen sie ganz besonderen Schutz.
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