Frauenwaggons im ÖPNV: Ein guter Ansatz
Berlin und Hamburg diskutieren über Waggons speziell für Frauen und queere Personen. Die sind nötig, weil die Zahl der Übergriffe steigt.
F rauenwaggons in der S-Bahn? Warum eigentlich nicht? In Berlin haben in den vergangenen Tagen mehr als 15.000 Menschen eine Petition für sogenannte FLINTA*-Waggons im öffentlichen Nahverkehr unterschrieben, also für Waggons, in denen keine Männer mitfahren dürfen. FLINTA steht für Frauen, Lesben, inter, nicht-binäre, trans* und agender Personen. Auch in Hamburg haben 35.000 Menschen eine ähnliche Petition unterzeichnet.
Die Idee in Berlin stammt von der Grünen-Politikerin Antje Kapek. Hintergrund dafür hier ist, wie auch in Hamburg, die steigende Zahl von Sexualdelikten und sogar Vergewaltigungen in U- und S-Bahnen. Zu einer bestimmten Tageszeit sollen festgelegte Bereiche eines Zuges ausschließlich Frauen und queeren Personen zur Verfügung stehen. Gekennzeichnet sein sollen die Schutzbereiche etwa durch pink- oder lilafarbene Zonen. So unrealistisch, wie das für manche klingen mag, sind die Forderungen gar nicht. Denn Frauenwaggons gibt es bereits, sogar weltweit: in Tokio, Mexiko-Stadt, Neu-Delhi, Kairo oder Rio de Janeiro.
Der Ansatz ist gut: Dass sich FLINTA in öffentlichen Räumen, vor allem nachts auf dem Nachhauseweg, nicht sicher fühlen, ist keine neue Realität. Dass das jetzt auf diese Weise anerkannt wird, ist ein Fortschritt. Räume, die einen „Safer Space“, einen sicheren Bereich, bieten, sind dringend notwendig. Doch wie konsequent werden FLINTA vor Übergriffen geschützt? Wer kontrolliert die Waggons? Dafür finden sich sicherlich Lösungen, zum Beispiel ein abgesperrter Gleisbereich. Gleichzeitig müssen die Ursachen für die Übergriffe angegangen werden. Denn öffentliche Räume sind nicht per se unsicher. Das Problem ist auch nicht die Frau mit einem „zu kurzen Rock“. Das Problem sind die Täter, meist Männer.
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Vielleicht ist es mit den FLINTA-Waggons ein bisschen wie mit den Quoten: Sie sind ein notwendiger Kompromiss, um ein Problem mittelfristig zumindest einzudämmen. Das heißt nicht, dass die Ursachenbekämpfung nicht grundsätzlich erfolgen muss – so lange, bis es keine FLINTA-Waggons mehr braucht.
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