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Konflikt um Gaza auf der BerlinaleSprache der Vereindeutigung

Dirk Knipphals

Kommentar von

Dirk Knipphals

Worum geht es dem offenen Brief, der der diesjährigen Berlinale Beteiligung an Zensur vorwirft? Und wer verengt hier eigentlich den Meinungskorridor?

Berlinale 2026: Wer verengt hier den Meinungskorridor? Foto: Christoph Soeder/dpa

E s gehört offenbar zu den Tatsachen dieser Welt, dass Tilda Swinton als politische Aktivistin sehr viel weniger subtil vorgeht als in ihren Filmen. Sie und die anderen beteiligten Filmleute hätten in ihrem offenen Brief, den sie vordergründig an die Berlinale, tatsächlich aber wohl in die Meinungsarenen dieser Welt schickten, jedenfalls zumindest wahrnehmen können, wie sehr sich das diesjährige Festival des Konflikts um Gaza bewusst ist und dabei auch palästinensische Perspektiven berücksichtigt.

Der Journalist Thomas Hummitzsch, dem man mangelnde Sensibilität für die Palästinenser ganz gewiss nicht nachsagen kann, hat die Filme gezählt, die mehr oder weniger direkt Gaza thematisieren. Er sind, wie er auf dem Blog „Intellectures“ schreibt, etwa so viele wie bei „den Bemühungen um Abbildung der filmischen Verarbeitung des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine bei der Berlinale 2023“.

Darüber hinaus: Bei Gruß- und Dankesworten wurde Solidarität mit den Palästinensern unwidersprochen formuliert. Filmregisseurinnen haben sich im Vorfeld versichern lassen, dass sie in Worten und Symbolen ihren Protest ausdrücken können. Das können sie, auf den Podien sah man Pali-Tücher und Melonensticker. Zensur sieht anders aus. (Der Eindruck, dass, wenn, eher die israelische Seite fehlte, sei hier nur in Klammern festgehalten.)

BDS-affine Sicht

All das hätten die Unterzeichner des offenen Briefes sehen können. Aber nein. Sie verwenden ihre Prominenz dazu, Parolen zu vertreten, die sich, so der Eindruck, sowieso längst von der Nachrichtenlage verselbstständigt haben. Von „involvement in censoring artists“ und einem „ongoing genocide“ ist die Rede.

Das ist eine Sprache der Vereindeutigung. Ihr Brief ist geprägt eben nicht von der Sorge, dass die palästinensische Perspektive zu kurz kommt, sondern davon, nur ihre, und zwar BDS-affine Sicht gelten zu lassen. Der aber kann man sich mit sehr guten Gründen verweigern. Die Rolle der Hamas und solcher Staaten wie Iran wird in dieser Sicht ausgeblendet, beim Schüren des Konflikts sind sie federführend dabei.

Kurz, in Gaza eskalierte einer der, sowohl was die Historie als auch was die politischen Gegebenheiten betrifft, kompliziertesten Konflikte überhaupt, und der offene Brief verlangt eine Unterwerfung unter genau einer Sichtweise darauf. Wer verengt hier den Meinungskorridor?

In ihrer Antwort auf den offenen Brief schreibt die Festivalchefin Tricia Tuttle: „Wir wissen, dass die Darstellung von Menschen als ‚propalästinensisch‘ oder ‚proisraelisch‘ die komplexe Bandbreite an Perspektiven verengt und den Diskussionen, die wir über eines der schwierigsten und polarisierendsten Themen unserer Zeit führen müssen, nicht gerecht wird.“

Es wäre naiv zu glauben, die Unterzeichner des offenen Briefes würden sich von so einem Satz beeindrucken lassen. Aber er ist gar nicht so leisetreterisch, wie er dargestellt wird. Man sollte sich nicht einreden lassen, dass so eine differenzierte Sicht wischiwaschi ist oder Entsolidarisierung mit Opfern von Gewalt bedeutet. Wie soll es sonst gehen, wenn man ein Festival als Ort der komplexen Wahrnehmung behaupten will?

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Dirk Knipphals
Ressortleiter Kultur
Dirk Knipphals, Jahrgang 1963, studierte Literaturwissenschaft und Philosophie in Kiel und Hamburg. Seit 1991 Arbeit als Journalist, von 1994 bis 1996 bei der taz.hamburg, seit 1999 in Berlin.
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68 Kommentare

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  • „ in ihrem offenen Brief, den sie vordergründig an die Berlinale, tatsächlich aber wohl in die Meinungsarenen dieser Welt schickten“

    Das ist so der gängige Usus bei offenen Briefen…

  • @ Kohlrabi - ich zitiere Sie:

    gestern, 15:26 Uhr

    Vielleicht hätte jemand (Wenders?) auch darauf hinweisen können, dass in fußläufiger Entfernung von den Austragungsorten der Berlinale der Massenmord an den europäischen Juden geplant worden ist, ohne den es den Nahost-Konflikt in seiner heutigen Form nicht gäbe. Und dass einzelne Gäste der Stadt zu Nahost zwar diese oder jene Meinung vertreten können, dass ein einseitiges und lautstarkes institutionelles Statement von diesem Ort aus aber nicht statthaft ist.

    • @ja wirklich?:

      >Statement von diesem Ort aus aber nicht statthaft ist.<

      Ja - das sehe ich auch so. Lieferung von Waffen an Kriegsverbrecher ist ein nicht statthaftes statement.

  • Dirk Knipphals spricht hier zutreffend das Problem an, das sich ständig zeigt bei den Beteiligten des Israel-Palästina-Konflikts: nur noch die eine Sache, völlig entgrenzte Identifikation und Abwehr alles anderen.

    • @Land of plenty:

      Guten Abend, ich stimme Ihnen zu. Dabei bin ich. Den Wunsch nach "Vereindeutigung", mithin nach Komplexitatsreduzierung kann ich verstehen. Ich kann es nicht billigen. Die Wirklichkeit ist komplexer als schwarz-weiß - zwischen schwarz und weiß liegen 178 Mischtöne. Mindestens. (Hatten wir nicht mal "Ambuíguitätstoleranz" als ein soziales Lern-Ziel begriffen? Nur, wer ist dieses "wir"? Das scheint im Schwinden.)

  • ""In seiner Dankesrede warf der syrisch-palästinensische Regisseur Abdallah Al-Khatib , Preis „GWFF Best Feature Film Debut“ für den Film „Chronicles From the Siege“ der Regierung Deutschlands vor, Partner „des Völkermords im Gazastreifen“ zu sein.



    =



    Mit Blick auf die Zukunft sagte er, es werde dereinst ein wunderbares Filmfestival in Gaza geben.""



    ==



    Tuttle: „Wir wissen, dass die Darstellung von Menschen als ‚propalästinensisch‘ oder ‚proisraelisch‘ die komplexe Bandbreite an Perspektiven verengt.... -



    =



    Abdallah Al-Khatib spitzt mit den zitierten Worten seine als Dankesrede bezeichneten Äusserungen zu - und nutzt die Berlinale um die Kriegsschauplätz Gaza und Israel auf die Bundesrepublik auszuweiten. Anzunehmen ist das Al-Khatib keine Antwort auf Tuttls Hinweis hat, das der Meinungskorridor sowohl von der einen als auch von der anderen Seite nicht nur "eingeengt"



    -- sondern durch die zugespitzten Äusserungen findet auch eine Verdrehung der Realität statt - also das Gegenteil dessen was Tuttle, Wim Wenders und das Publikum von den Filmen erwartet.



    =



    Die Bundesrepublik ist kein erweiterter Kriegsschauplatz -- und die Berlinale erst recht nicht. -

  • Bei sowas muss ich immer an "Sketch History" denken, und Klaus Kinski und Werner Herzog, wie es nämlich wirklich war



    www.youtube.com/wa...5CSeDNce2cI&t=212s

  • Wer immer sich hier mehr auf die eine oder die andere Seite stellt, liegt völlig falsch. Nur Miteinander kann hier helfen !

  • Was für eine selbstüberschätzende Blase einer immer unrelevanter werdenden Branche.



    Wenn das Licht in Berlin ausgeht verschwinden die Filme von der Bildfläche in ein paar Programmkinos. Wenn sie dann um 23:55 im Fernsehen laufen, kann man nebenbei Taz lesen oder Katzenvideos schauen.



    Die Begleitdiskussionen dienen nur der Selbstvergewisserung der Blase, die sich ihr Gutsein auf dem Rücken der geschundenen Menschen in Gaza und Israel verschafft.

    • @Herbarius Zunichten:

      Stimme Ihnen zu. Leider.

  • >(Der Eindruck, dass, wenn, eher die israelische Seite fehlte, sei hier nur in Klammern festgehalten.) sondern davon, nur ihre, und zwar BDS-affine Sicht gelten zu lassen.<

    Völkermord ist streitig - Kriegsverbrechen sind nahezu unstreitig. Wir haben eine Regierung, die Kriegsverbrechen und Kriegsverbrecher relativ offen unterstützt. Es mag ja sein, dass die Opfer dieser Kriegsverbrechen - wenn sie denn dazu noch in der Lage wären - selbst Kriegsverbrechen begehen würden bzw. begangen haben.

    Moralisieren bringt nichts. Es ist ein Konflikt ohne Anfang - bzw. ein Konflikt bei dem am Anfang keine der beiden Seiten Schuld für den Konflikt hatte.

    Es gibt für den Konflikt verschiedene Lösungen:



    - die Hamas-Lösung: die Israelis werden vertrieben (1)



    - die Netanjahu-Lösung: die Palästinenser werden vertrieben (2)



    - die Einstaaten-Lösung: alle leben zusammen und haben die gäeichen Rechte (3)



    - die Zweistaaten-Lösung: zwei Staaten mit sicheren und anerkannten Grenzen (4).

    Lösung 1 + 2 fordern Verbrecher. Lölsung 3 fordern Spinner. Die B-Regierung unterstützt Lösung 2.

    Über BDS kann ich mich da wirklich nicht aufregen. Verbrechen müssen sanktioniert und nicht belohnt werden.

  • Wen interessiert, was in dieser kleinen Selbstinszenierungsblase passiert? Die Filme schaut in der Fläche so gut wie niemand. Ein Sturm im Schnappsglas, in dem es den "Kulturschaffenden", wenn sie ehrlich wäre, am wenigsten um die Menschen in Gaza geht, sondern vielmehr um Selbstdarstellung.

  • Ich gehe davon aus, dass sowohl Leiterin als auch Jury sich einfach nicht nochmal die Finger verbrennen wollten nach dem Eklat, den es letztes Jahr gab.



    Das kann man für klug oder für feige halten, je nach Perspektive.



    Mir wäre ein offener Streit allemal lieber als dieser verdruckste Umgang, der hierzulande von offiziellen Stellen im Diskurs über Israel gepflegt wird.

    • @Klabauta:

      Was war der Eklat? Dass Frau Roths Applaus nur dem israelischen aber nicht dem palästinensischen Filmemacher galt?

      • @Francesco:

        Natürlich wurde vieles skandalisiert, aber ich bezog mich auf die verlesene Rede des (damals nicht selbst anwesenden) Schauspielers Erfan Shekarriz .

  • Ich verstehe nicht, was da nun "BDS-affin" gewesen ist. Es wurde nicht herausgearbeitet sondern nur behauptet. Argumentativ kann man mit solchen Aussagen nichts anfangen. Ein solches Vorgehen erweckt den Eindruck damit Kriegsverbrechen relativieren zu wollen.

    • @Prinz Leonce vom Königreiche Popo:

      Zumal beim "BDS" gegen Ruzzland alle demokratischen Parteien fest zusammenstehen. Zu Recht! Und damals bei Südafrika scherte auch nur die CSU aus. Auch mit der Hamas gibt es keine Zusammenarbeit. Zu Recht!

  • Derweil planen propalästinensische Linke eine Demo gegen die KZ-Gedenkstätte Buchenwald, weil sie nicht antiisraelisch genug sei.

    Irgendwelche Kommentare, Frau Swinton und Frau Roy?

    • @Suryo:

      Und das einige verwirrte deutsche Linke jetzt eine solche Forderung stellen, hat genau was mit der Situation in Gaza und Westjordan und der Forderung zu tun, Israels unverhältnismäßige Kriegsführung und die Kriegsverbrechen mit in den Diskurs einzubeziehen?

      Darum geht es nämlich und nicht um einige vermeintlich linke Fanatiker, die unter dem Tarnmantel "Pro Palästina" ihr eigenes Weltbild verwirklicht sehen wollen.

      • @Sam Spade:

        Der Artikel sagt doch sehr klar, dass die Situaiton in Gaza mehr als "in den Diskurs einbezogen" wird, sondern oft sogar genutzt wird, die israelische und jüdische Perspektive zum Schweigen zu bringen, auch in Berlin, auch mit Gewalt. Nicht nur von einigen linken Fanatikern.

  • Vielleicht hätte jemand (Wenders?) auch darauf hinweisen können, dass in fußläufiger Entfernung von den Austragungsorten der Berlinale der Massenmord an den europäischen Juden geplant worden ist, ohne den es den Nahost-Konflikt in seiner heutigen Form nicht gäbe. Und dass einzelne Gäste der Stadt zu Nahost zwar diese oder jene Meinung vertreten können, dass ein einseitiges und lautstarkes institutionelles Statement von diesem Ort aus aber nicht statthaft ist.

    • @Kohlrabi:

      ""... Massenmord an den europäischen Juden geplant worden ist, ohne den es den Nahost-Konflikt in seiner heutigen Form nicht gäbe..""



      =



      Irrtum. Ende der 1930er Jahre waren über 30 Prozent der Bevölkerung der irakischen Hauptstadt jüdisch - ein ähnlich großer Anteil wie zur selben Zeit in Warschau oder in New York?



      =



      Die etwa 900.000 Juden hingegen, die seit 1948 aus den arabischen Staaten und seit 1979 aus dem Iran geflohen sind, finden in gegenwärtigen Debatten zum Nahen und Mittleren Osten kaum Erwähnung.



      taz.de/Arabische-Juden/!5894964/



      =

    • @Kohlrabi:

      In der Pauschalität finde ich das schwierig. Man kann und sollte durchaus in der Umgebung solch einen Ortes gegen jedweden Genozid protestieren und zwar auch laut und offiziell. Wenn man der Überzeugung ist, dass in Gaza ein Genozid verübt wird, dann ist ein Ort, an dem ein anderer Genozid geplant wurde, genau der richtige Ort um dagegen zu protestieren.

  • Uff! Eine Wohltat, dieser Kommentar!

  • Danke Herr Knipphals.

  • Deutschland wird wegen Mittäterschaft zum Völkermord Israels an den Palästinensern verurteilt werden. Da ist es nur gut, wenn wenigstens auf ein paar Stimmen verwiesen werden kann, die dieses kapitalste Verbrechen angeprangert haben. Nicht alle Deutschen stehen auf der Seite der Völkermörder.

    • @Dr. We Franziskus:

      7.10. Irgendwas ?

    • @Dr. We Franziskus:

      "Nicht alle Deutschen stehen auf der Seite der Völkermörder."



      Gut, dass das mal einer in bester Absicht klarstellt.

    • @Dr. We Franziskus:

      Es gibt auch noch andere Völkermorde auf der Welt.

      • @Klempschwester:

        Aber ohne deutsche Unterstützung.

    • @Dr. We Franziskus:

      Wie soll denn Deutschland der Mittäterschaft an einem Völkermord angeklagt werden, wenn gar keiner stattfindet?

      • @Fran Zose:

        Darüber wird der IStGH in ferner Zukunft richten und wenn es dann zu einem Schuldspruch kommt, dann wird es sicherlich Länder geben die Deutschland wegen Beihilfe zum Völkermord anklagen werden.

        • @Sam Spade:

          Nicht der IStGH, sondern der IGH. Der IStGH urteilt über Kriegsverbrechen. Völkermord gehört nicht zu den Straftatbeständen des Rom-Statuts.



          Umgekehrt kann der IGH nur wegen Genozids angerufen werden, weil Israel Mitglied der Genozidkonvention ist und diese die Gerichtsbarkeit des IGH festschreibt.

        • @Sam Spade:

          Dann lassen Sie doch auch den IStGH urteilen. Tun Sie und viele andere aber nicht, Asien vorverurteilen bzw. tun gerne so, als sei eine Anklage bereits ein Urteil. Werden Sie sich für alle Ihre Kommentare entschuldigen, wenn es zu keiner Verurteilung kommt?

  • Was mich daran auch nervt, ist das diktatorische, das undemokratische. Wer sich nicht zum Palästina Konflikt äußert begeht Zensur. Wer sich nicht äußert, macht sich mit schuldig. Vielleicht fühlt sich nicht jeder Filmemacher kompetent genug über diesen Konflikt zu urteilen? Vielleicht ist es auch in Ordnung nicht immer überall Stellung zu beziehen. Es ist den Briefschreibern freigestellt, das sichert ihnen die Meinungsfreiheit zu, sich solidarisch mit Palästina zu zeigen. Die Meinungsfreiheit, das nicht zu tun oder sich vielleicht mehr für andere Probleme zu interessieren, wird anderen gleichzeitig nicht zugestanden.

  • Danke für diesen Artikel!



    Demokratie denkt die andere Meinung mit.



    Wer lieber Schützengräben zieht, entfernt sich von demokratischen Umgangsformen.



    Diskussion, ein Ringen um die beste Lösung, das ist demokratisch, eine geforderte Stellungnahme einer Institution erinnert an Gleichschaltung.



    Glaubt Irgendwer, dass sich die rechte Regierung Israels einen Millimeter bewegte, wenn eine "Erklärung verkündet"würde?



    Filme, wie sie auf der Berlinale gezeigt werden,



    können die öffentliche Meinung aber durchaus beeinflussen.



    Der erste Kuss zwischen Männern im öffentlich Rechtlichen, schwule Cowboys - es sind solche Bilder und mutige Schritte von Künstler*Innen, die Gesellschaft verändern.



    Konfrontation und Abwehr führt zu verhärteten Fronten.



    Israel und Palästina brauchen aber eine gemeinsame Lösung.



    Gegner Israels sprechen ja gerne von Apartheid - wie wurde die nochmal beendet?



    GENAU!

    • @Philippo1000:

      "Gegner Israels sprechen ja gerne von Apartheid - wie wurde die nochmal beendet?"

      Durch Boykott.

  • Am Ende verhalten sich die sog. propalästinenschen Unterstützer ziemlich ähnlich der AfD: Sie krakelen überall lauthals ihre Parolen und behaupten gleichzeitig, man dürfe Dinge doch gar nicht mehr sagen. Dabei sind sie unfähig den evidenten Widerspruch zwischen ihren laut und aggressiv in die Welt geschrienen Parolen und der Wirklichkeit zu erkennen. Das mag vielleicht daran liegen, dass sie meinen, das Recht auf Äußerung einer Meinung würde auch das Recht beinhalten keinen Widerspruch zu erfahren. Sowohl in Bezug auf die AfD als auch auf diese sog. Propalästinenser bin ich sehr froh, dass dem nicht so ist.

  • Ach Gott, verschone mich mit diesen BDS-Leuten und ihren Meinungen.

    Zitat: "Wenn man etwas besonders Dummes hören will, muß man einen Künstler nur nach seiner politischen Meinung fragen."

    Marcel Reich-Ranicki, 1920 bis 2013, deutscher Autor, Publizist und Literaturkritiker.

  • Sämtlichen Verfassern des offenen Briefes eine BDS-affine Sicht zu unterstellen, ist dann doch etwas weit hergeholt. Das mag für einzelne Künstler wie Swinton gelten aber gleich pauschal für alle 80 Unterzeichner? Da bleibt der Autor einen Nachweis schuldig.

    Was stellt denn die Kernforderung der Künstler dar, ausser Wim Wenders Aussage, das "Kino sollte sich aus der Politik raushalten" zu widersprechen?

    Es wird ein klares Statement vom Festival erwartet, das sich eindeutig gegen Israels Kriegsführung in Gaza positioniert. Anders als der Autor meint, braucht man dafür auch nicht den Iran und die Hamas mit in die Gleichung aufnehmen. Das Unverhältnismäßige Vorgehen und die Kriegsverbrechen wurden von Israel begangen und stehen für sich. Das sollte auch von der Festivalleitung so benannt werden. Im Falle Russlands und des Irans gab es jedenfalls keine Berührungsängste und klare Statements dazu.

    Die jetzige Antwort auf den Brief von Frau Tuttle lässt hingegen jegliche Form einer ablehnenden Haltung gegenüber Israels Vorgehen vermissen.

    Die internationale Bedeutung der Berlinale bestand immer schon aus dem politischen, insofern ist das Anliegen der Künstler nachvollziehbar.

    • @Sam Spade:

      Sämtlichen Verfassern des offenen Briefes eine BDS-affine Sicht zu unterstellen, ist dann doch etwas weit hergeholt.

      Wieso? Ich würde nichts unterschreiben, was meiner Meinung widerspricht?



      Wählern der AfD wird immer gern unterstellt, sie wäre alle Nazis. Würden Sie solchen Behauptungen auch widersprechen?

    • @Sam Spade:

      Wie der Autor m.A.n noch schon mehr als deutlich gemacht hat: das Festival ist auch so hochgradig politisch. Von den Veranstaltern eine politische Positionierung zu verlangen ist aber eine andere Ebene und dafür ist es unerheblich ob das jetzt BDS-nah ist oder sonstwas. Es geht u.a. darum, dass das mit öffentlichen Mitteln mitfinanziert wird und die Mittelverwendung auch an politische Neutralität gebunden ist, was wiederum Voraussetzung für eine unkritische Weiterfinanzierung ist. Dafür gibt es auch gute Gründe, u.a., dass davon die relativ eindeutige propalästinensische Verortung kaum berührt bleibt.

      • @Moralapostbote:

        Nur haben sich die Veranstalter seit jeher bei kriegerischen Ereignissen klar positioniert. Vom Jugoslawienkrieg über den dritten Golfkrieg bis hin zum russischen Angriffskrieg in der Ukraine. Und auch zu anderen politischen Ereignissen in der Welt gab es klare Statements. Erinnert sei an Südafrikas Apartheid oder auch an Afghanistan.

        Daher ist die Frage berechtigt, warum zu Israel geschwiegen wird.

        • @Sam Spade:

          Was in ihrem Kommentar bezeichnenderweise fehlt ist der Hinweis aus dem in Klammern gehaltenen Nebensatz, nämlich dass es hier auch um das Existenzrecht Israels geht und die Berlinale dahingehend ohnehin schon unterrepräsentiert ist. Also, ganz einfache Antwort: weil Israel eben nciht Russland, Südafrika oder der Golf ist, sondern der einizige Judenstaat der Welt, der auf einen massiven menschenverachtenden Angriff auf die eigene Bevölkerung reagiert. Das darf man alles kritisieren, aber es Genozid nennen und Israel mit Hitler vergleichen ist keine Position, die hier noch als politisch neutral oder offen für verschiedene Perspektiven von Veranstalterseite toleriert werden kann.

          • @Moralapostbote:

            Es geht nicht um das Existenzrecht Israels. Es geht um das Existenzrecht der Palästinenser und die israelische Besatzung von Wedtjordanland und Teilen des Gazastreifens.

        • @Sam Spade:

          Es wird doch nicht zu Israel geschwiegen. Es wird zur Hamas geschwiegen.

          • @Nardo:

            Dann lesen sie sich das Statement der Berlinale Geschäftsführerin Mariëtte Rissenbeek aus dem Jahre 2024 einmal durch. Da wird klare Position gegen die Gräueltaten der Hamas bezogen.

    • @Sam Spade:

      Es ist doch erstaunlich, wie sie meinen hier den Konflikt in Gaza mit dem russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine oder dem iranischen Gemetzel der eigenen Bevölkerung gleichsetzen. Es mag Ihnen entgangen sein, aber es war die Hamas die Israel überfallen und den Krieg begonnen hat. Sie versuchen also die Dinge zu vergleichen, die nicht vergleichbar sind und glänzen durch selektive Wahrnehmung.

      • @Fran Zose:

        Die komplette Zerstörung Gazas oder das Aushungern der Palästinenser durch Israel ist keine notwendige Konsequenz des Terrors der Hamas.

        Es sind Verbrechen, die Sie verharmlosen oder vertuschen.

        • @Schleicher:

          Die Zerstörung Gazas ist das Ergebnis des Hamas-Massakers. Ohne dieses Massaker hätte es die Zerstörung Gazas nicht gegeben.

          • @Katharina Reichenhall:

            Nein, nein. Eva ist Schuld, weil sie damals vom Apfel aß. So fing da Elend ja erst an.

            Wer Menschen tötet und behauptet, jemand anderes trage dafür die Verantwortung.. das kennen wir in Deutschland auch.

            Nur Fanatiker richten Schaden an und machen andere dafür verantwortlich.

          • @Katharina Reichenhall:

            Auch durch die x-malste Wiederholung wird dieses deterministische ‚weil A, deshalb B‘ nicht weniger falsch. Israel hätte freilich andere, verhältnismäßiger Optionen gehabt.

      • @Fran Zose:

        Bei Kriegsverbrechen gibt es nichts zu selektieren, da steht jeder Fall für sich und wird gesondert betrachtet.

        Daher ist es völlig gleichgültig, ob die Verbrechen von einer Terrororganisation, Russland oder Israel begangen wurden.

        Und das Israel sein Recht auf Selbstverteidigung unverhältnismäßig ausgeübt hat und dieses Vorgehen zu zahlreichen Kriegsverbrechen an der palästinensischen Bevölkerung geführt hat, ist ja nun wohl ausreichend dokumentiert.

        • @Sam Spade:

          dann wäre es aber auch nicht verkehrt, wenn die festivalleitung einseitig den Angriff der Hamas anprangert?



          mann muss doch, wie der autor auch sagt - beides scharf kritisieren ohne damit das eine zu relativieren

          • @Emmo:

            Dazu hat sich die Berlinale 2024 klar positioniert. Die damalige Geschäftsführerin Mariëtte Rissenbeek hat die Anschläge der Hamas klar verurteilt und die Freilassung der Geiseln gefordert.

            Wir schreiben jetzt 2026 und der Fokus liegt auf dem Vorgehen Israels in Gaza nach den Anschlägen und den aktuellen Zuständen im Westjordanland.

            Der ständig fortschreitende, völkerrechtswidrige Landraub darf dabei nicht ausgeblendet werden.

        • @Sam Spade:

          Nun, Sie haben Ihre Meinung und mögen damit auf Linie von Tilda Swinton liegen. Glücklicherweise leben wir in einem freiheitlichen Land und Sie dürfen Ihre Meinung gerne kundtun. Ich stimme Ihnen auch zu, dass dort wo Kriegsverbrechen begangen wurden, diese zu ahnden sind; auch die israelischen. Und trotzdem kann man ein sich verteidigendes Israel schlechterdings in eine Reihe stellen mit einem Nachbarn überfallendem Russland oder einem die eigene Bevölkerung massakrierendem Mullahregime. An dieser Tatsache kommt man vernünftiger Weise nicht vorbei. Das Sie dennoch versuchen das zu tun spricht Bände.

          • @Fran Zose:

            Ihre Kommentare zum Thema weisen doch schon Formen des Philosemitismus auf. Als Norweger habe ich mit dem deutschen Schuldkomplex nicht viel zu tun, denke aber das es zweifelhaft ist aus der historischen Verantwortung heraus eine automatische Unterstützung für die Konflikte israelischer Regierungen abzuleiten. Das führt letztlich dazu das man dazu neigt auch in Menschenrechtsfragen abzuwägen.

            Ein neutraler Beobachter würde jedenfalls nicht die Augen verschließen. Gilt für das militärische Vorgehen Israels gegenüber der palästinensischen Zivilbevölkerung in Gaza, ebenso wie für den Landraub und die Willkür im Westjordanland.

            Daher braucht es auch keine Vergleiche, Abstufungen oder Gleichsetzung zu anderen Vorkommnissen, Staaten oder Terrororganisationen.

            Die Rechnung die sie in dieser Hinsicht aufzumachen versuchen, verbuche ich einmal unter plumpes Ablenkungsmanöver. Irgendwie muss man sich ja auch selbst rechtfertigen, dafür habe ich schon Verständnis, nur punkten können sie damit bei aufgeklärten Menschen nicht.

            • @Sam Spade:

              Ja, Sie als Norweger wissen wie die Welt läuft, dass teilen Sie uns ja oft und gerne mit. Nur irren Sie sich, wenn sie meinen ich unterläge einem Schuldkomplex. Da ich persönlich nicht an die Erbschuld glaube, sehe ich mich auch keiner persönlichen Schuld gegenüber den Juden die ich durch Philosemitismus gutmachen müsste wie Sie mir fälschlicherweise zu unterstellen versuchen. Nur sehe ich sehr wohl, dass hier von Ihnen und leider auch vielen anderen gerne mit Zweierlei Maß gemessen wird wenn es um Israel geht. Ich habe Sie noch nie fordern hören die Berlinale oder sonst wäre möge sich von der Hamas orientieren. Aber zu Israel muss demnach jeder Stellung beziehen wobei auch nur eine negative Einstellung goutiert wird.

            • @Sam Spade:

              Danke!

  • Guter Beitrag, die Verzweiflung ist groß, der Einsatz ehrenhaft, die Wut trifft aber oft die falschen. Tilda Swinton wird sicher Ernst genommen und am Ende ist es das, was von der Berlinale bleibt?

    • @ttronics:

      Ist doch egal. Das was Netanyahu da anstellt, hat keine Verjährungsfrist. Israel hat sich Irre an die Macht gewählt, die das ganze Land in den Dreck ziehen. Das ist eine Tatsache, und man kann sie nicht ewig verleugnen. Spätestens mit einem rechtskräftigen Urteil wird der Keks gegessen sein.

      Es ist ja nicht nur Gaza. Das Argument der Terrorismusbekämpfung kann man im Westjordanland nicht gelten lassen, denn dort sind die Terroristen die Israelis, und der palästinensische Widerstand ist -sogar wenn er Gewalttaten gegen die sogenannte israelische "Zivilbevölkerung" in den illegalen Siedlungen einschließt - völlig legal.



      Denn diese sogenannte israelische "Zivilbevölkerung" im WJL hat keinerlei Recht, sich dort aufzuhalten wo sie sich aufhält; es handelt sich mithin nicht um Zivilist*innen sondern den Tross einer Invasionsarmee, und daher genauso legitime Ziele wie jeder von Putins Milbloggern ein legitimes Ziel ist, oder wie jeder großdeutsche Siedler im "Generalgouvernement" ein legitimes Ziel der Bielski-Partisanen war.

      • @Ajuga:

        "Sogenannte Zivilbevölkerung "



        Ganz schön menschenverachtende Sprache.

      • @Ajuga:

        ‚Israel hat sich Irre an die Macht gewählt …‘

        Ich denke nicht, dass man die Verantwortlichen pathologisieren sollte, das würde nur exkulpieren: Da ist eine Clique mit kaltem, planerischem Willen am Werk. Nota bene: das gilt nicht für alle Israelis.

        • @EffeJoSiebenZwo:

          Netanyahu vielleicht, aber die Dritter-Tempel-Fraktion ist einfach nur pathologisch.

          • @Ajuga:

            Na ja, jedes Spiel braucht seine Bauern.

        • @EffeJoSiebenZwo:

          Besonders in Demokratien ist solch ein Vorgehen nicht gegen die Bevölkerung möglich. Die Rechtsextremen in der israelischen Regierung wurde gewählt Es gibt leider auch ausreichend Rückhalt in der israelischen Bevölkerung für die Durchführung von Kriegsverbrechen.

          Vom Jahrzehnte andauernden Landdiebstahl ganz zu schweigen. Für mich hat sich die israelische Gesellschaft zu einer aggressiven Frontier-Gesellschaft entwickelt, die permanent nach Osten hin expandieren will. Wer nicht passt wird umgesiedelt.

          • @Prinz Leonce vom Königreiche Popo:

            Da gebe ich Ihnen zum Teil schon recht, dass die extremistische Verblendung sich nicht allein auf die gewählten Regierungsmitglieder beschränkt. Gibt ja allerhand Helfeshelfer. Ich bleibe dennoch dabei: das gilt nicht für alle Israelis.

            • @EffeJoSiebenZwo:

              Ja, da gibts Dutzende, die sich nicht vom ultrarechten Zionismus vereinnahmen lassen!

              Dutzende!