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„Journal Deluxe“ mit Florian Schroeder Der personifizierte Vibe-Shift

Marco Fründt

Kommentar von

Marco Fründt

Florian Schroeders neue Late-Night-Show steht für den Rechtsruck in Gesellschaft und ÖRR. In der ersten Folge misslingen ihm die Witze – bis auf einen.

D er Satiriker Jan Böhmermann hat vor wenigen Wochen angekündigt, seine Late-Night-Show „ZDF Magazin Royale“ nicht mehr weiterzuführen. Schnell hatte der Sender auch eine nachfolgende Show inklusive neuem Gesicht parat: den Moderator Florian Schroeder. Vier Folgen „Journal Deluxe“ soll es zunächst geben: Die umstrittene Sendung ist ein Test für den gesamten ÖRR.

Der Ausstrahlung ist eine wochenlange Debatte um die Ausrichtung der Sendung vorausgegangen. „Es erwartet uns eine neue Satirefarbe“, schrieb das ZDF in einer Mitteilung im September. „Eine, die keine Scheuklappen aufsetzt.“ Denn nun sollen endlich Linke und Grüne auch ihr Fett wegbekommen, nicht immer nur die Rechtsextremen und Regierenden.

Das Studio von Schroeder sieht etwas hässlicher, dafür größer aus als das des abzulösenden Moderators. Im Hintergrund irgendeine Skyline, die sicher satirisch gemeint ist. Schroeder begrüßt sein Publikum in demütiger Körperhaltung, wem diese gilt, zeigt sich schnell: „Liebe Linke, Salam Aleikum (Anm. der Red.: Arabisch für ‚Friede sei mit euch‘). Ich küss’ dein Herz, Bruder“, lässt Schroeder sein R rollen. Für den ersten Witz in der Geschichte seiner Sendung entscheidet sich Florian Schroeder für eine rassistische Imitation und macht damit klar, wer hier willkommen ist.

Der Rest der knapp 43 Minuten langen Folge besteht aus Geschwafel über eine Brandmauer zur Linkspartei und flachen Witzen über Männer, Rente, Looksmaxxing (was für die jungen Leute) oder den Plan, das Internet auszudrucken. Schroeder reißt das Publikum mit seiner Monotonie ähnlich mit, wie es alte Folgen der „Harald Schmidt Show“ heute tun. Dass er prognostiziert, dass die Grünen irgendwann Juniorpartner der AfD auf Bundesebene werden, war der einzig gelungene Witz des „Journal Deluxe“.

Humor ist Nebensache

Humor ist für Schroeder aber sowieso nebensächlich, denn der eigentliche Inhalt ist die Debatte um seine Sendung. Unentwegt wiederholt er Abwandlungen des immergleichen Witzes, nach dem er ja jetzt auch rechts sei. Dabei ordnet Schroeder sich selbst als linksliberal ein, verrät er in einem Video auf Instagram. Sich an den Linken abzuarbeiten, dürfe man nicht mehr jenen von außen überlassen, findet er. „Ich bin in den sozialen Medien sowohl Linksextremist als auch Rechtsextremist.“ Das sei das beste Kompliment, das man ihm machen könne.

Dass ihm die der Sendung vorausgegangene Kritik egal ist, versucht er immer wieder unter Beweis zu stellen. So spielt er etwa ein falsches Spiegel-Cover ein, auf dem er als „der gefährlichste Moderator Deutschlands“ bezeichnet wird, tut damit zwei Dinge gleichzeitig: Er zeigt, dass er die Kritik nicht verstanden hat und spielt sich trotzdem zum Zentrum der Debatte auf. Dabei ging es nie um Florian Schroeder, sondern darum, dass in der Gesellschaft der Druck auf progressive Stimmen steigt. Jan Böhmermann ist sicherlich eher liberal, dennoch galten er und seine Sendung als wichtigste „linke“ Stimme im ÖRR.

„Ich, meine Damen und Herren, bin der personifizierte Vibe-Shift“, stellt Schröder treffend fest. Seine Show zu stoppen, war aber nie das Ziel, weil sie lediglich ein Symptom ist, ein Alarmsignal. Es geht um einen konsequenten Rechtsruck, der immer größere Teile dieser Gesellschaft durchzieht. Während die Merz-Klingbeil-Regierung Sozialleistungen kürzt, dafür fliehende Menschen oder Menschen mit Migrationshintergrund verantwortlich macht und das Geld stattdessen ins Militär pumpt, die Junge Union das Militär gegen Protestierende einsetzen lassen will, macht Schröder Witze über Linke, die genau das kritisieren.

Braucht man eine Sendung, die „alle Seiten“ bedient? Man kann Schroeder zugutehalten, dass er bestimmt gute Absichten hat, die Menschen sollen wieder mehr miteinander reden, sagt er selbst. Es bleibt aber die Frage danach, wer denn wem nicht zuhört und zwischen welchen Positionen es eigentlich Kompromisse geben soll.

Marco Fründt

Marco Fründt

Redakteur und CvD im Online-Ressort. Von November 2024 bis Mai 2026 Volontär der taz Panter Stiftung. Studierte Politik- und Erziehungswissenschaften in Bielefeld und Thessaloniki sowie Neogräzistik in Berlin. Im Podcasten ausgebildet bei der Zeit, der Henri-Nannen-Schule und der Linken Medienakademie. Schwerpunkte: Erinnerungspolitik, Inklusion und der griechischsprachige Raum.
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7 Kommentare

  • Bürger L.

    Möglicherweise mag es mein persönliches Problem sein, dass ich mich als alter 75jähriger Mann nicht mehr auf die neuen Seh-, Hör- und Denkgewohnheiten gewöhnen kann.



    Damit meine ich nicht den Umstand, dass inzwischen ganze Heerscharen sogenannter Comedians Sendezeit im TV ausfüllen.



    Ich meine damit auch nicht, dass ich inzwischen viele der Nachwuchskomiker*innen eher als bemühte Hobby-Späßchenmacher ehe.

    Es ist die absolute Verwischung der Grenze zwischen belangloser Witzeerzählerei und Satire, oder gar politischem Kabarett.

    Was politische Kabarettisten früherer ausgezeichnet hat, war, dass ihre klare politische Haltung bei allem Humor durchgängig spürbar war. (Mir fallen da spontan Hildebrand, Pispers, Schramm und Schmickler ein).

    Scharfsinnige Analyse der bestehenden Verhältnisse waren dafür die Voraussetzung.

    Herrn Schroeder drängt es m.E. -ebenso wie unsere ehemaligen Volksparteien in "die Mitte". Da muss man dann nicht so genau hinschauen und kann auch mal ganz unverbindlich nach rechts, links, oben und unten austeilen.... der tut eben keinem was - der will nur spielen.

  • Elite123

    Haben wir dieselbe Show gesehen?

    Ich habe eine Show gesehen, wo Ricarda Lang CDU Bashing betrieben hat und das eindeutig linke Publikum frenetisch gejubelt hat.

    Die Witze über die Linken waren hingegen die Pflicht, die Kür kam hinten raus wo man sich noch mal an der AfD abgearbeitet hat.

  • Dr. McSchreck

    Gerade den letzten Absatz finde ich bemerkenswert. Mit ein wenig Selbstkritik könnte die Frage, wer nicht zuhört, nämlich ganz anders beantwortet werden als der Kommentar unterstellt. 10 Prozent auserwählte hören nicht zu, sondern wollen belehren und wenn man ihnen einen Sendeplatz (Böhmermann) wegnimmt, ist das ein Rechtsruck.

    Mit dem Anspruch, man checke alles am besten und sei daher zum Senden - nicht zu Zuhören bestimmt - verträgt sich das gut. Mit dem Anspruch, miteinander zu reden, weniger.

  • Achsachbloß

    Wozu Aufregung?



    Florian Schroeder machte früher den Eindruck, als könnte er ein neuer Hoffnungsstern am dunkler werdenden Satirehimmel werden, hätte er doch nur etwas langsamer gesprochen. Doch dieses einstige Markenzeichen schimmerte in der Sendung nur noch wenig durch. Ansonsten wirkte er etwa im Gespräch mit Ricarda Lang eher unbeholfen und es schien so, als wenn sie eigentlich das Interview leiten würde. Insgesamt müde Witze, die Begrüßung geschmacklos und der Prolog wirkte sehr verkrampft und nachtragend. Einzig bei der Brandmauer in den Betten konnte ich etwas schmunzeln. Mir ist nicht klar, wozu es so eine „neue“ Sendung gibt, an deren Format nichts Neues zu erkennen ist. Fast wirkte es so wie die Endstation eines müden F.S., der an seine Altersvorsorge denkt. Es wird immer dunkler am Himmel.

  • Bussard

    Ach so, der Florian Schröder, von dem ich kürzlich noch rants im Videoformat gegen die AFD und gegen AFD-wählende Mecker-Ossis gesehen habe (fand ich gut), ist also jetzt per Dekret der (selbsternannten?) linken Inquisition rechts? Na dann...

  • Günter Witte

    Die Sendung von Böhmermann war ein Medialer Pranger für Personen die ein überheblicher Moderator nicht mochte und dort mit (imaginären) Tomaten bewerfen durfte. Solch ein Niveau braucht niemand.



    ARD und ZDF + Spatensender sind voll von stramm Linken Sendungen, selbst wenn (??) Schröder Rechts wäre müsste da doch noch Platz sein.

  • FtznFrtz

    Ui, Herr Fründt, den Schroeder können Sie aber nun mal gar nicht leiden, an dem arbeiten Sie sich wirklich ab. Bisher ist er mir noch nicht als Rechter aufgefallen. Man muss ihn nicht gut finden, jeder Satiriker oder Comedian hat ja das Problem des persönlichen Geschmacks und der Gefahr der allzu schnellen Abnutzung.



    Aber warum soll man sich nicht auch über Linke und Liberale lustig machen dürfen? Vielleicht soll man das gerade als Satiriker, irgendwen zu schonen oder sich auf eine Seite zu stellen, wozu? Vielleicht ist das das Problem, dass die Rollen immer mehr verschwimmen. Politaktivist, Satiriker, investigativer Journalist, Leute wie Böhmermann sollen alles gleichzeitig, dabei aber auch noch bitteschön links, mindestens liberal sein.



    Eine Verkennung der Rolle ist das, der Satiriker soll alle lächerlich machen, das ist sein Job, den Mächtigen den Spiegel vorhalten, egal welcher Couleur. Der investigative Journalist soll aufklären, der Politiker Politik machen. Aber in Deutschland gibt es kaum eine ernstere Sache als den Humor, sieht man (leider) auch hier wieder. Vielleicht gibt es einen Rechtsruck im ÖRR, an der Person Schroeder kann man ihn kaum festmachen.