Gasknappheit in Deutschland: Für's Klima kein Problem

Kohle statt Gas? Unter'm Strich ist das für Umwelt nicht schädlicher. Zudem erhöhen die Preise den Druck zum Umstieg auf Alternativen.

Ein Braunkohlekraftwerk mit

Eine Gas-Alternative? Braunkohlekraftwerk Neurath in Nordrhein-Westfalen Foto: Federico Gambarini/dpa

Für viele Ver­brau­che­r*in­nen bedeutet die drohende Gasknappheit ernste Schwierigkeiten. Schon die Reduktion der Lieferungen aus Russland hat die Gaspreise im Großhandel deutlich steigen lassen; sollte Putin das Gas komplett abdrehen, droht ein weiterer Preissprung. Wer keine bösen Überraschungen erleben will, sollte nach Möglichkeit schon jetzt Geld zurücklegen, denn mit etwas Verzögerung wird sich dieser Anstieg auch in den Rechnungen der Ver­brau­che­r*in­nen niederschlagen, und zwar deutlich.

Für den Klimaschutz ist die aktuelle Entwicklung dagegen, anders als in der politischen Debatte oft dargestellt, kein großes Problem. Zwar trifft es zu, dass in der nächsten Zeit die Nutzung von Gaskraftwerken zur Stromerzeugung reduziert wird und dafür ältere Kohlekraftwerke länger am Netz bleiben. Doch erstens sind die Strommengen, um die es dabei geht, relativ gering. Und zweitens ist die lange gültige Annahme, dass Gaskraftwerke fürs Klima deutlich besser sind als Kohlekraftwerke, durch neue Studien überholt.

Denn beim Verstromen von Gas entsteht zwar weniger CO2 als bei der Kohlenutzung. Doch wenn man berücksichtigt, dass bei der Förderung und dem Transport von Erdgas erhebliche Mengen des extrem klimaschädlichen Methans in die Atmosphäre gelangen, schrumpft der Klimavorteil von Erdgas oder verschwindet – je nach Art der Gasförderung – sogar komplett.

Während der Ersatz der Gaskraftwerke also allenfalls eine geringe Verschlechterung der Klimabilanz bedeutet, dürfte sich diese an anderer Stelle deutlich verbessern. Denn die hohen Energiepreise erhöhen fast überall den Druck, den Verbrauch zu senken und auf Alternativen umzusteigen. In der Industrie sorgen die gestiegenen Kosten dafür, dass plötzlich viele Effizienzmaßnahmen rentabel werden, auf die die Unternehmen bisher verzichtet haben.

Mie­te­r*in­nen und das Klima gleichermaßen schützen

Die aktuellen Benzin- und Dieselpreise machen den Verbrennungsmotor im Vergleich zum E-Auto so unattraktiv, dass es fast egal erscheint, ab wann neue Verbrenner verboten werden. Und Gasrechnungen, die auf das 3- bis 5-Fache des bisherigen Werts steigen, dürften auch jene Haus­be­sit­ze­r*in­nen vom Vorteil einer Wärmepumpe oder einer energetischen Sanierung überzeugen, denen der Klimaschutz allein als Argument dafür bisher nicht ausreichte.

Ein Problem gibt es vor allem bei Mietwohnungen, in denen die Be­woh­ne­r*in­nen die hohen Energiepreise bezahlen müssen, aber keinen Einfluss auf die Art der Heizung und die Dämmung des Gebäudes haben. Hier muss der Staat mit klaren Vorgaben eingreifen, um den Bedarf an fossiler Energie zu senken – und damit Mie­te­r*in­nen und Klima gleichermaßen zu schützen.

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Jahrgang 1971, ist Korrespondent für Wirtschaft und Umwelt im Parlamentsbüro der taz. Er hat in Göttingen und Berkeley Biologie, Politik und Englisch studiert, sich dabei umweltpolitisch und globalisierungskritisch engagiert und später bei der Hessischen/Niedersächsischen Allgemeinen in Kassel volontiert.   Für seine Aufdeckung der Rechenfehler von Lungenarzt Dr. Dieter Köhler wurde er 2019 vom Medium Magazin als Journalist des Jahres in der Kategorie Wissenschaft ausgezeichnet. Zudem erhielt er 2019 den Umwelt-Medienpreis der DUH in der Kategorie Print. Derzeit beschäftigt er sich neben seinen sonstigen Themen intensiv mit der Entwicklung der Corona-Epidemie, auch auf seinem Twitter-Account @MKreutzfeldt .

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