Fridays for Future als geistiges Eigentum: Die Marke Thunberg
Kann man eine Bewegung als Marke anmelden? Man kann. Die Thunbergs – also Greta und ihre Familie – haben genau das getan.
Am 23. Dezember reichten die Thunbergs beim Europäischen Amt für geistiges Eigentum den Antrag ein, Fridays for Future als Marke schützen zu lassen. Eine Thunberg-Vertraute, die Australierin Janine O’Keeffe, hat bereits im November einen ähnlichen Antrag eingereicht. Das klingt erst mal bescheuert: FFF steht dann neben anderen Produkt- und Firmennamen wie Coca-Cola, Siemens oder Shell.
Jeder, der den Markennamen in einem anderen Sinn als dem geschützten nutzt, muss mit einer Strafe rechnen. Die Thunbergs sichern sich mit den Anträgen verschiedene Nutzungsfelder wie Werbung und Marketing, Finanzwesen, kulturelle Aktivitäten, aber auch Software, Regenschirme und das Bereitstellen von Informationen im Namen von FFF.
Die Idee dahinter, eine Marke zu schützen, ist, ihre Zweckentfremdung zu verhindern. Wenn beispielsweise Tesla ein Elektroauto, Modell „Fridays for Future“, rausbringen würde, könnte Thunberg dagegen vorgehen. Oder wenn Siemens demnächst auf die Idee kommen sollte, seine Energiesparte Siemens Energy in „Siemens Fridays for Future“ umzubenennen. Also doch eine gute Idee? Geht so.
Hierarchie und Personenkult
Das Problem ist, dass sich die Hierarchie und der Personenkult in der Bewegung weiter verstärken. Thunberg hat da bislang gegengesteuert, etwa beim UN-Klimaforum, als sie schnell aus dem Scheinwerferlicht trat und die Bühne weniger bekannten Aktivist*innen überließ. Sich jetzt die Marke zu sichern, auch wenn andere Umweltaktivist*innen sie weiter nutzen können, ist kontraproduktiv.
Aber wie verhindert man, dass sich bei so einer breiten Bewegung Menschen oder Unternehmen einmischen, die nur vom Image profitieren wollen? Nicht unbedingt, indem man die Marke schützt. Besser wäre es, inhaltlich klare Kante zu zeigen. Gegen Kapitalist*innen, Faschist*innen, Chauvinist*innen, gegen Klimaschutz aus patriotischen Gründen.
Die Stärke von FFF ist bislang, dass es sich nicht um die „üblichen Verdächtigen“ handelt. FFF ist eine relativ heterogene Graswurzelbewegung. Trotzdem stellt sich irgendwann die Frage nach der Institutionalisierung: Soll FFF eine NGO werden oder nicht? Für den Bewegungscharakter ist wichtig, dass sich die Macht nicht konzentriert. Die Frage, wo es hingehen soll, muss mit allen ausgehandelt werden.
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