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Die soziale RentenkluftRentenreform trifft vor allem die Armen

Kommentar von

Philipp Portz

Die Ärmeren arbeiten härter und sterben früher. Sie schaffen es schon jetzt kaum bis zum offiziellen Renteneintrittsalter. Eine Anhebung träfe sie doppelt.

Wer besser lebt, lebt länger, weniger Privilegierte sterben früher Foto: Aida López/imago

M an muss kein Volkswirt sein, um die Schieflage zu erkennen, die entsteht, wenn Menschen länger leben und gleichzeitig weniger Kinder bekommen. Immer weniger Arbeitnehmer zahlen die Rente für immer mehr Rentner. Bei mehr als 115 Milliarden Euro Zuschuss für die Rentenkasse – immerhin ein Viertel des Bundeshaushalts – müssen Reformen der Rente als mögliche Sparmaßnahme zur Bekämpfung der immer weiter klaffenden Haushaltslöcher mitdiskutiert werden.

Die naheliegende Lösung: eine Anpassung des Renteneintrittsalters. Ist es angesichts des finanziellen Drucks nicht einleuchtend – vielleicht sogar fair – wenn der „Arbeitsanteil am Leben“ konstant gehalten wird? Auch die Junge Union sieht mit ihrer aktuellen Revolte hier eine Chance, die Rente im Sinne der Generationengerechtigkeit zu retten.

Wagt man jedoch den Exkurs in die Statistik, drängt sich der Eindruck auf, dass dieser Vorschlag Generationengerechtigkeit auf Kosten sozialer Gerechtigkeit erkauft. Denn die Forderung nach einer Anpassung des Renteneintrittsalters blendet entscheidende Details aus: Wir altern nicht alle gleich und werden auch nicht alle gleichermaßen älter. Langlebigkeit ist in Deutschland ungleich verteilt – entlang von Bildung, Einkommen, Beruf und Wohnort.

Philipp Portz

ist Arzt und sieht im klinischen Alltag ständig, wie ungleich Gesundheit und Altern verteilt sind – und wie früh der sozioökonomische Hintergrund seine Spuren hinterlässt.

Wer besser lebt, lebt länger, weniger Privilegierte sterben früher. So können sich die sozial Stärksten bei einem Renteneintritt mit 70 über durchschnittlich 18 Jahre Ruhestand freuen. Die sozial Schwächsten hingegen können nur mit etwa 10 Jahren rechnen.

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Die taz ist eine unabhängige, linke und meinungsstarke Tageszeitung. In unseren Kommentaren, Essays und Debattentexten streiten wir seit der Gründung der taz im Jahr 1979. Oft können und wollen wir uns nicht auf eine Meinung einigen. Deshalb finden sich hier teils komplett gegenläufige Positionen – allesamt Teil des sehr breiten, linken Meinungsspektrums.

Überproportional viele Arme erreichen das Rentenalter nicht

Gleichzeitig stagniert die Lebenserwartung der Ärmsten nicht nur, sie ist in den vergangenen Jahren sogar gefallen. Entsprechend weitet sich die soziale Kluft des Alterns immer mehr aus: Lag 2003 der Unterschied in der Lebenserwartung bei Männern zwischen den Privilegiertesten und den am wenigsten Privilegierten noch bei 5,7 Jahren, waren es 2020 schon 7,2 Jahre. Dieser Trend wird sich mit der zunehmend weiter auseinanderklaffenden Schere zwischen Arm und Reich und privatisierten Gesundheitstrends wie dem Longevity-Hype in den nächsten Jahren vermutlich nur verschlimmern.

Zu allem Übel kommt hinzu: Selbst die mittlere Lebenserwartung der Subgruppen vereinfacht noch zu stark und spiegelt nicht das ganze Ausmaß der Ungerechtigkeit wider. Denn die Lebenserwartung sozial besser gestellter Menschen weicht in der Regel nicht weit vom Durchschnitt ihrer Gruppe ab. Statistiker sprechen von einer „geringen Standardabweichung“.

Dagegen kommt es unter weniger gut situierten Bürgern häufig vor, dass sie deutlich jünger sterben, als es ihre Lebenserwartung vorhergesagt hätte (große Standardabweichung). So ist die Unsicherheit, wann man verstirbt, unter weniger Privilegierten deutlich höher und die Rentenzeit damit weniger planbar als bei privilegierteren Bürgern.

Diese mathematischen Übungen wirken abstrakt. In der Realität bedeuten sie aber, dass unter der niedrigsten Einkommensgruppe jetzt schon fast doppelt so viele Menschen verfrüht versterben (also vor dem 65. Lebensjahr) wie unter denjenigen mit den höchsten Einkommen (bei Männern 27 Prozent gegenüber 14 Prozent, bei Frauen 13 Prozent gegenüber 8 Prozent).

Je weniger Einkommen, desto seltener private Vorsorge

Eine Anhebung des Renteneintrittsalters würde die sozial Schwächsten entsprechend deutlich härter treffen als die sozial Stärksten der Gesellschaft. Überproportional viele Menschen dieser Gruppe werden die Rente nie erreichen oder einen unverhältnismäßig großen Teil ihrer potenziellen Rentenzeit verlieren.

Hinzu kommt, dass die Abhängigkeit von der Rente entlang des gleichen Gefälles verteilt ist: Knapp 55 Prozent der weniger Privilegierten sind voll auf die Rente angewiesen und haben keine andere Altersvorsorge. Dagegen haben mehr als 80 Prozent der sozial Stärkeren noch eine zusätzliche Altersvorsorge.

Eine Anhebung des Renteneinstiegsalters wirkt regressiv, sie belastet die Armen mehr als die Reichen. Durch eine Anhebung des Renteneintrittsalters würde zudem eine Gruppe besonders hart getroffen, die unter den sozial Schwächeren überproportional vertreten ist: Menschen, die körperlich schwere Arbeit leisten. Wer Jahrzehnte in der Pflege, auf dem Bau oder in anderen körperlich belastenden Berufen gearbeitet hat, kann irgendwann schlicht nicht mehr – und entscheidet sich oft trotz des hohen Risikos von Altersarmut für die Frührente.

Diese Besonderheit könnte Ursache eines paradox wirkenden Trends sein: Unter den ärmeren Bevölkerungsgruppen ist der Anteil derjenigen, die vorzeitig in den Ruhestand gehen, deutlich höher. Andererseits ist diese Realität vielleicht auch ein Spiegel der bitteren Realität der Altersungerechtigkeit. Da wir zunehmend in unserer Bubble verkehren, erleben ärmere Menschen häufiger, wie Verwandte und Bekannte verfrüht sterben und dass ein ausgedehnter Ruhestand selten ist. Die Vorstellung, bis 67 oder gar 70 zu arbeiten, wirkt folglich nicht wie ein langfristiger Plan, sondern wie ein riskantes Glücksspiel.

De facto droht eine deutliche Rentenkürzung für Ärmere

Wer über die Reform der Rente diskutiert, sollte diese Unterschiede deshalb mitdenken. Das Anheben des Renteneintrittsalters kann eine ungewollte Umverteilung von Arm auf Reich zur Folge haben. Denn all jene, die einen gut bezahlten Bürojob haben und bis zum Schluss arbeiten können, bekommen eine 100-Prozent-Rente für einen höchstwahrscheinlich ausgedehnten Ruhestand.

Wer jedoch seit seinem 16. Lebensjahr beispielsweise in der Altenpflege, im Handwerk oder in der Produktion arbeitet, schafft es in sehr vielen Fällen nicht ohne Abschläge in die Rente, kann sie weniger Jahre genießen oder erlebt den Ruhestand vielleicht nie.

Was auf dem Papier als reiner Inflationsausgleich des Älterwerdens erscheint, bedeutet in der Lebenswirklichkeit für viele Menschen eine faktische Kürzung ihrer ohnehin knappen finanziellen Mittel und ihrer Lebenszeit im Ruhestand.

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69 Kommentare

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  • Generationengerevhtigkeit und soziale Gerechtigkeit müssen bei der Ausgestaltung der Rente gemeinsam gedacht werden sofern ungenügende Renten auf frühere viel zu geringe Einkommen beruhten. Darüber hinaus ist die Sozialhilfe gefragt. Und in die müssen natürlich auch hohe Einkommen aus Rente u.a. Quellen verstärkt einbezahlen.

    Ob aber ein früheres Absterben per se durch eine handwerkliche Tätigkeit oder in der Produktion bedingt ist, würde ich in Zweifel ziehen. Das ist für mich zu sehr Störche-Geburten Logik. IGM-Tarife liegen oftmals über denen der Bürojobs und auch die Anzahl der Arbeitsstunden liegt 37,5 Stunden im grünen Bereich.

  • Sie werden von allen Optionen Gebrauch machen. Sie werden Beiträge auf private Altersvorsorgen erheben. Sie werden die Beitragsbemessungsgrenze und die Beiträge drastisch anheben. Sie werden „geldwerte Vorteile“, die sich durch das Bewohnen von Wohneigentum errechnen lassen, heranziehen. Sie werden das Eintrittsalter drastisch anheben, ebenso Vorruhestände nur noch gegen völlige Verarmung zulassen. Es wird ihnen noch viel mehr einfallen.

    Es steht zu befürchten, dass die Legalität dieser Massnahmen großenteils fragwürdig sein wird. Das BVG wird Urteile sprechen müssen.

    Da diese Verfahren jedoch viele Jahre dauern werden, hat sich das Leben der Betroffenen bis dahin im wahrsten Sinne wohl großenteils erledigt.

    Und so werden sie damit durchgekommen sein. „Problem Boomer“ gelöst.

    Danach kann das Erbe verteilt, durchgeatmet und gut gelebt werden.

    Legal, illegal, sch…egal.

    Undenkbar? Wer das glaubt, darf sich gern an die letzte Legislaturperiode erinnern…

  • Die Zahlen:

    Durchschnittsverdienst 52.300 brutto 4358/Monat



    Beitragssatz18,6% => 810€/Monat



    Rentenbezugsdauer 20,5 Jahre



    Lebensarbeitszeit 39,3 Jahre

    monatliche Rente 1.552 €/Monat

    Da gehen dann noch Verwaltungskosten, Witwenrenten, etc. ab.

    Die beitragsfreie Grundsicherung beträgt ca. 1011€ im Monat.

    Mit Beiträgen in Höhe von 800€ monatlich erwirbt man also maximal 500€ monatlich über der Grundsicherung. Bei Geringverdienern kommt erkennbar gar nichts über der Grundsicherung raus.

    Problematisch wird es, wenn sich das Verhältnis Lebensarbeitszeit: Beitragszeit verändert.

  • Der wahre Grund für das sinkende Rentenniveau ist nicht für demografische Entwicklung sondern der schrumpfende Anteil der Löhne (Arbeitsentgelte) am Volkseinkommen und der wachsende Anteil der Gewinne (Unternehmens- und Vermögenseinkommen). Dies zum einen bedingt durch die Automatisierung aber vor allem auch durch das Sinken der Reallöhne seit der Agenda 2010. Neben einer besseren Lohnpolitik sollte man also auch die Gewinne an der Rente beteiligen, z.B. indem man diese steuerfinanziert, also Beitragssätze weg, dafür ein höherer Einkommensteuertarif, möglichst progressiv natürlich.



    Und wenn man mehr Beitragszahler will, ist es natürlich ziemlich dämlich, mehr Kinder zu fordern, weil die ja auch erst einmal nichts in die Rente einzahlen können, sondern erstmal Geld kosten. Besser wäre es z.B., mehr Zuwanderung zu fordern, mitsamt sofortiger Arbeitserlaubnis und unbürokratischer Anerkennung von Berufsabschlüssen.



    www.geldfuerdiewel...triedRedirect=true

  • Wenn man es ganz korrekt machen wollte, müsste man alle Renten mit der voraussichtlichen Lebenserwartung je nach früheren Tätigkeiten (Baustelle oder Büro?) und Geschlecht korrigieren:



    Männer müssten dann mehr Rente pro Monat und Rentenpunkt erhalten als Frauen (weil sie statistisch gesehen früher sterben) und Menschen, die körperlich hart arbeiten mussten, mehr als Gutverdiener, die vom Schreibtisch aus arbeiteten.

    • @Aurego:

      Was machen Sie mit Menschen, die sowohl am Schreibtisch, als auch auf Baustellen arbeiten?

    • @Aurego:

      Wenn man es denn "korrekt" machen will, dann müssten Sie alle Faktoren, die die Länge des Lebens beeinflussen berücksichtigen:



      Rauchverhalten, Sport, Alkoholgenuss, Gewicht, Bluthochdruck und soziale Vernetzung.... wieviel Kinder, also zukünftige Beitragszahler, .... und 100 Dinge mehr.



      1.) Lustig wäre, dass dann die chronisch Kranken oder ungesund lebenden Trinker und Raucher niedrige Beiträge hätten wegen statistisch niedriger Lebenserwartung.



      2.) Das System könnt oder müsste sogar wegen Entsolidarisierumg privatwirtschaftlisch organisiert werden.

  • Wie kommen Sie auf die absurde Idee, dass die Umverteilung von Arm zu Reich unerwünscht sei?

    • @Renate Henscheid:

      Naja, aber die, die es wünschen sollten, sind auf jeden Fall in der Minderheit.

      • @Aurego:

        Dieser Minderheit gelingt es aber durch das ständige Zünden neuer Nebelkerzen politische Mehrheiten zu kreieren, die dafür Sorgen, dass ihre Interessen durchgesetzt werden.

  • Das ist ein sehr überlegter Beitrag. Mir wurde nicht ganz deutlich, inwieweit die höhere Lebenserwartung letztlich nicht den Anteil ein relativer sozialer Ungerechtigkeit gleich hält.

  • Ich denke man muss auch den allgemeinen Gesundheitszustand einer Person berücksichtigen. Es ist sehr ungerecht, wenn man so viel wie möglich arbeitet und am Ende nur Kürzungen raus bekommt oder vor der Rente tot umkippt. Das hängt natürlich mit der Art der Arbeit und sozialer Schicht zusammen, aber zum Beispiel auch mit Behinderung. Bei manchen Behinderungen können die Leute gut arbeiten, aber halt für begrenzte Zeit bzw. Ihre Lebenserwartung ist häufig geringer.

  • Ein 1% höheres Rentenniveau bringt bei einer Rente von 400€ nur 4€ mehr. Eine Erhöhung von 3% 12€. Da solche Rentner in der Grundsicherung sein dürften, wird sie vollständig verrechnet. Das Ergebnis für die „arme flaschen sammelnde Rentnerin“ von Frau Bas sind 0€ mehr.

    Der wohlhabende Rentenbezieher mit 2.000€ erhält 20€ bzw. 60€ mehr im Monat. (Ohne Steuern). Dazu lebt er noch länger.

    Seine höhere Rente leitet sich aus früheren höheren Löhnen ab. Er hatte also auch mehr Möglichkeiten, Kapital anzulegen und Eigentum zu bilden.

    Höhere Löhne basieren häufig auf einem Studium. Hier ist bekannt, daß eher die Kinder wohlhabender Familien studieren. Folglich gibt es dort auch eher Familienvermögen und entsprechend größere Erbschaften, wie z.B. Eigenheime, Mietwohnungen, Wertpapiere.

    Jeder muß verstehen, daß der aktuelle Kampf der SPD um ein prozentual höheres Rentenniveau gar nicht den vorgeschobenen armen Rentnern zugute kommt, wie die SPD glauben machen möchte. Die SPD kämpft aktuell für Menschen, denen es im Leben schon immer besser ging und geht.

    Die SPD muß hoffen, daß die "Arbeiterklasse" nicht dahinterkommt.

    Arbeiter sind nicht dumm. Die SPD wird keine Neuwahlen riskieren.

    • @Donald Duck:

      Ich bin bei Ihnen, nur sitzen Sie am Ende einem Irrtum auf. Wenn man sich die Wählerzusammensetzungen der Wahlergebnisse ansieht, ist die SPD eben keine Arbeiterpartei mehr. Das übernimmt die A*D inzwischen.



      Zudem gibt es nach meiner Wahrnehmung grundsätzlich kaum noch eine "Arbeiterklasse" im eigentlichen Sinne.

    • @Donald Duck:

      Sowohl bei Renten als auch bei Löhnen würde es zu mehr Verteilungsgerechtigkeit führen, wenn man sie einfach um feste Beträge für alle erhöhte:



      Lassen wir die Rente für alle Rentner um 30€ im Monat steigen, erhalten die mit 1.000€ Rente 3% mehr und die mit 3.000€ Rente nur 1%. Aber natürlich würden die Bezieher höherer Renten dann wieder wehklagen, dass das nicht gerecht sei.

      • @Aurego:

        Wenn man Verteilungsgerechtigkeit nur danach definiert, dass alle das Gleiche bekommen, haben sie recht. Allerdings wird es dann halt immer schwerer Mitarbeiter zu finden, die Verantwortung übernehmen. Beispielweise findet man kaum Lehrer, die die Schulleiterposition übernehmen wollen. Geringfügig mehr Gehalt, dafür viel Verantwortung und viel Ärger. Von daher muss für mich Verteilungsgerechtigkeit auch die Leistung berücksichtigen.

      • @Aurego:

        Ein konstruktiver Beitrag, den ich noch nicht auf dem Schirm hatte. Das Bundesverfassungsgericht hat die erworbenen Rentenansprüche in Form von Punkten so wie Eigentumsrechte gestellt, so daß es nicht leicht möglich ist, wenige Rentenpunkten höher und bei viele niedriger zu bewerten. Ähnlich, der progressiven Besteuerung von Einkommen.

        Diese Vorgabe schließt aber nicht unbedingt Änderungen am Verfahren der späteren Rentenerhöhungen aus. Juristen werden das besser beurteilen.

        Eine andere Idee wäre, Rentenbezüge nur zum Teil gegen Grundsicherung und Wohngeld gegenzurechnen. So daß auch Bezieher niedriger Renten mehr zur Verfügung haben, als jemand der nie in die Rentenkasse eingezahlt hat.

        Die unterschiedliche durchschnittliche Lebensdauer von Empfängern niedriger und hoher Renten soll bei der "Rendite" auf die Einzahlungen übrigens rund 50% ausmachen. In meiner obigen Rechnung wäre daher statt 20 und 60€ mehr für Bezieher hoher Renten. als Gegenwerte 30 bzw. 90€ anzusetzen - wenn man nur die Erhöhung betrachtet - während es beim Bezieher niedriger Renten bei 0€ mehr bleibt. (Der wesentliche Unterschied entsteht natürlich durch die höhere Anzahl an erlebten Auszahlungen.)

  • Wenn die finanzielle Lage der RV schwierig wird und die Politik nicht zu anderen Reformen (teilweise kapitalgedecktes System) fähig ist, dann muss man vom Äquivalenzprinzip abweichen. D.h. Rentenbezieher mit hoher Rente bekommen etwas weniger Rente für einen Rentenpunkt als solche mit geringer Rente.

    • @moonwatcher:

      Ist das nicht in der Schweiz so ähnlich?

  • Jo. Für die Einen triffts die Jungen, für die Anderen die Alten, für die nächsten die Armen. Fakt ist und das wissen eigentlich alles seit etlichen Jahren ganz genau. Es braucht eine grundlegende und allumfassende Reform, eine, die ohne eventuell und vielleicht zukunftstauglich ist. Wie auch immer die am Ende aussehen mag. Ist halt unpopulär und deswehalb traut sich niemand ran. Alles Andere was darumherumgekäst wird, halte ich für Augenwischerei.

  • Wer die CDU/AfD oder FDP wählt, der will das so haben.



    Hart arbeiten bei niedrigen Löhnen, dann immer länger, dann stirbt man schneller und ist die wenigen Jahre bis zum Tod eben auch noch verarmt oder muss Anträge bei den Ämtern stellen.



    Die SPD hat mit der Riesterreform die Rente so gestaltet, dass sie definitiv für viele Menschen nicht mehr armutsfest ist. Der Unterschied der alten Renten und der neuen Renten ist dermaßen extrem, dass es mich wundert.



    Dazu dann noch der Zynismus der SPD, etwa Franz Müntefering, der meinte, es sei eben schon so, dass ein Mallorca-Urlaub eingespart werden muss, dann könne dies durch private Vorsorge ausgeglichen werden. Jetzt verreisen aber viele arme Arbeitnehmer nie nach Mallorca und verarmen im Alter. Gut ein Fünftel der Arbeitnehmer arbeitet im Bereich des Mindestlohns, kann privat nicht vorsorgen. Über 6,7 Mio. machen einen Minijob, von denen ca 4 Mio. nur diese Arbeit ausüben.



    In Deutschland gibt es so viele Menschen, die nicht richtig arbeiten können oder wollen, dass Armut im Alter ein großer Faktor wird. Und die CDU/CSU will es jetzt noch extremer machen, anstatt gegenzusteuern sollen sie noch ärmer werden, noch schneller sterben.

  • Danke für den Artikel und Dank an @Prof Gerd Grözinger für den Begriff „sozialer Gradient“. Ich hatte hier im Forum bereits mehrfach laienhaft versucht, diese Komponente in die Diskussion zu bringen.



    Als selbsternanntes „elitäres Arbeiterkind“ habe ich Kontakte in fast alle Milieus (behalten), und meine Privat-Empirie wird durch den Kommentar von Philipp Portz bestätigt. Fazit: „Generationengerechtigkeit“ im vorhandenen Rentensystem gibt es nicht.



    Eine Großreform des Systems Altersversorgung wird aber nicht stattfinden, weil es zu viele Profitierende des aktuellen Systems gibt. Die sind bei Wahlen zu mächtig, und somit muss der Ausgleich über den Bundeszuschuss (aus Steuern) weiterhin erfolgen. Solange der Niedriglohnsektor staatlich gefördert wird, ist das auch nur angemessen. Die „eingebildeten Rebellen“ Winkel, Reddig usw. wollen das natürlich nicht, weil Steuern… Die müssen ja vllt. auch sie bezahlen. Die erwarten sicherlich, dass für sie als Berufs-Parlamentarier*innen weiterhin die üppige Versorgung bestehen bleibt.



    Disclaimer: Als geschäftsführender Gesellschafter war ich mehr als 40 Jahre selbständig und durfte/musste privat versorgen.

  • Man müsste beim Renteneintrittsalter nicht fix auf ein Alter setzen, sondern eher auf eine "Lebensarbeitszeit" umstellen. Wer mit 16 anfängt auf der Baustelle zu arbeiten, kann das wahrscheinlich nicht bis 70 durchziehen. Wer bis 30 studiert, hat da ziemlich sicher bessere Karten.

    • @Micha.Khn:

      Das nützt nichts.



      Wer studiert und mit 30 Jahren beginnt, sozialversicherungspflichtig zu arbeiten, kann vielleicht bis 67 arbeiten, hat dann zwar noch 16 Jahre Rentenbezug vor sich, aber praktisch dasselbe Verhältnis von Rentenbezug zu Lebensarbeitszeit wie der, der mit 16 angefangen hat und bis 63 arbeitet. Wer aber studiert, hat am Ende i. d. R. ein wesentlich höheres Einkommen (ja, es gibt Ausnahmen). Einige Studierte zahlen gar nicht in die gesetzliche Rentenversicherung ein, weil ihre Berufsstände eigene Versorgungswerke betreiben, die sie im Alter mitunter äußerst üppig versorgen (wenn sie das Geld nicht in Immobiliengeschäften verzockt haben ...).



      Es wäre natürlich gut, die private Vorsorge zu fördern (z. B. durch 401k-Depots, steuerliche Anreize o. ä.), aber das nützt auch nur denen, die genug übrig haben, um für das Alter zu sparen.



      Mir persönlich wäre ein höherer Rentenbeitrag auf jeden Fall lieber als eine niedrigere Rente, aber ich kann auch ohne staatliche Hilfe ausreichend vorsorgen.

    • @Micha.Khn:

      Der 16 + 45 = 61. Ok. Aber 30 + 45 ist 75. Und bei Frauen, die ggf wg. Kindererziehung Unterbrechungen haben liegt der Renteneintritt dann u.U. jenseits der 80.

    • @Micha.Khn:

      Da heutzutage das Studium oft als kostenlose Berufsausbildung für Unternehmen gesehen wird, könnte man schon 3 Jahre analog zu Ausbildungen anrechnen. Auch wird, wer da keinen Silberlöffel bekommen hat, sein/ihr Studium zumindest durch Arbeit mitfinanzieren.

  • Ich gebe dem Kommentar grundsätzlich recht, das Auseinanderdriften von Lebenserwartung im Durchschnitt und der nach sozialer Klasse und Einkommen ist ein großes Problem. Rente mit 67 bedeutet, dass dem Maurer die Rente gekürzt wird weil der Manager zu lange lebt. Deswegen würde ich kürzere notwendige Rentenjahre für solche Berufsgruppen und eine Mindestrente unterstützen.

    Aber: Darum geht es nicht im Rentenpaket. Das Rentenniveau gilt für alle Rente, also auch die oberen. Von den 120 Milliarden extra Schulden würden nicht mal ein Viertel bei den unteren 25% ankommen, den Rentner mit hohen Ansprüchen bekommen bei gleicher Prozentzahl absolut mehr Geld. Von einem Bruchteil des Geldes könnte man Sozialwohnungen und Altersheime bauen um Rentner auf der Ausgabenseite zu helfen und indirekt mehr Wohnraum für Familien schaffen.

  • „Weniger Privilegierte“ gibt es nicht. Gemeint sind eigentlich „Benachteiligte“, wenn von Unterprivilegierten oder weniger Privilegierten die Rede ist. Vermeidet diesen Euphemismus.

  • "Langlebigkeit ist in Deutschland ungleich verteilt – entlang von Bildung, Einkommen, Beruf und Wohnort." Den größten Unterschied haben sie vergessen, den zwischen Frauen und Männern. Frauen leben im Schnitt fast fünf Jahre länger als Männer, aber auch Alleinlebende sterben im Schnitt früher als in Partnerschaft lebende: verheiratete Männer leben fast sechs Jahre länger als unverheiratete Männer, bei Frauen sind es rund 4 Jahre. Hier sind die Gründe klarer: a) Einsamkeit b)in einer engen Gemeinschaft passt man aufeinander auf: manche Krankheitssymptome werden eher vom Partner oder der Partnerin erkannt als von sich selbst, man(n) wird zum Arzt geschickt...

    • @Offebacher:

      Mönche sterben gar nicht mal so viel früher als Nonnen. Geregelter Lebensstil statt Audi, Überstunden und Genussgifte scheint einen Einfluss zu haben.



      Doch der Unterschied Mann-Frau ist in den USA stärker als der zwischen Schwarz und Weiß! Soll uns dabei nicht ablenken von der Reich-Arm-Problematik.

  • Das ist aber eine starke Vereinfachung der Realität. Ist wirklich nur die harte, körperliche Arbeit Auslöser für die kürzere Lebenszeit. Spielen nicht auch Ernährung, Kosum von Alkohol und fehlende gesundheitlicher Überwachung eine Rolle? Geht wirklich die Mehrheit der Menschen mit höherem Einkommen lockeren Bürojobs nach? Wieso meint der Autor, das es so viel einfacher ist in diesem Berufen länger zu arbeiten?

    • @FraMa:

      Psychisch wie physisch angenehmer ist es schon, oder?



      Gesoffen wird schließlich "oben" wie "unten", nur anderes Zeug. Reiche trinken sogar mehr Alkohol, sagen Studien.

      Lassen wir uns gemeinsam für eine gerechte, sozial sichere Zukunft streiten. Das verlängert allen das Leben.

  • Danke für den Kommentar.

  • Bei Lage der Nation habe ich einen guten Kommentar zur Rente entdeckt, den ich hier gerne teilen möchte:



    talk.lagedernation...nzuschuss/30482/15

    • @resa:

      Sehr guter Artikel.



      Mir war klar, dass viele sachfremde Leistungen aus der Rentenkasse bezahlt wurden. Aber wenn man sieht, wie oft da geradezu geplündert wurde, muss man froh sein, dass da überhaupt noch etwas drin ist.

      • @EchteDemokratieWäreSoSchön:

        Dafür gibt es aber den jährlichen Steuerzuschuss von etlichen Milliarden pro Jahr. 2023 waren dies insgesamt rund 112,4 Milliarden Euro (schreibt die Deutsche Rentenversicherung auf ihrer Webseite). So einfach und pauschal lässt sich diese Rechnung also nicht machen.

  • Gerd Grözinger , Autor , Prof., Europa-Univ. Flensbu

    Der soziale Gradient bei der Sterblichkeit (so der Fachausdruck) bedeutet letztlich, dass im Alter die Geringverdiener die Besserverdiener implizit subventionieren. Deshalb habe ich als pragmatische Lösung vorgeschlagen (darunter in der taz am 8.10 2023), dass über eine längere Periode weg Rentensteigerungen nur zur Hälfte als Prozentgröße, zur anderen Hälfte als Grundbetrag ausgezahlt werden sollten. Damit knüpfte man an eine gewerkschaftliche Solidar-Tradition an, wo Tarifverträge häufig so ausgestaltet sind. Und bei der Bekämpfung der Frauenaltersarmut käme man auch einen guten Schritt voran.

    • @Gerd Grözinger:

      Gute Idee

    • @Gerd Grözinger:

      Ja, da muss es hingehen, dass die unteren Renten steigen, so dass jemand, der 35-40 Jahre gearbeitet hat, in jedem Fall von der Rente Leben kann ohne Bürgergeld oder Grundsicherung in Anspruch nehmen zu müssen. Dafür müssen die Grossverdiener, die bisher von der Beitragsbemessungsgrenze profitieren, mehr bezahlen. Nur so kommt da wieder ein wenig Gerechtigkeit und System.

    • @Gerd Grözinger:

      Sehr guter Vorschlag, leider wird er von den sog. Entscheidungsträgern nicht gehört und umgesetzt. Darüber wundere ich mich mittlerweile seit 5 Jahrzehnten! Es gibt so viele schlaue Menschen mit praktischen Lösungsansätzen, warum finden diese nicht ihren Weg in die Regierungspolitik. Apropos Politiker*innen: Leistung muss sich lohnen - wie sieht ein leistungsgerechter Lohn für diese aus?

  • Ja, wir sterben höchstwahrscheinlich alle mal, auch wenn wir uns das Gegenteil täglich vorspielen. Doch gehört es wohl zur Gerechtigkeit, dass nicht nur bei Art, sondern auch bei Länge des Lebens die Unterschiede nicht derart krass werden. Und sonst ist die Rente da eine Umverteilung von Arm zu Reich (Vergessen wir übrigens neben der Rente Pensionen, Einkünfte,... nicht und auch nicht die ausufernden "Minijobs" auf Kosten der Sozialsysteme).



    Zurück aber zu Lebenserwartung: Ansätze wären Übergang zur Einheitskrankenkasse (keine Deckelungen), Rad statt Auto fördern, Gemüse statt Industriefleisch und Zucker fördern. Also gegen gewisse Lobbys gegenhalten, statt dort zu dienern.

  • Alle müssen in die Rentenkasse einzahlen, Politiker, neue Beamte und Selbständige auch. Es darf nicht sein, dass die Arbeiter mickrige 48 % Rente bekommen und Beamte üppige 71 %. Erst wenn das umgesetzt ist wird es gerechter werden. Politiker haben doch momentan wenig Interesse die Renten anzuheben, sie sind ja nicht selbst betroffen und bekommen ja beamtenähnliche Ruhegehälter.

  • Ich bin selbst auch der Meinung, dass Menschen in körperlich belastenden Berufen nicht bis 70 arbeiten können und dass es keiner von ihnen verlangen sollte, wenn es irgendwie zu vermeiden ist.



    Was die geringere Lebenserwartung, der sozial Schwächeren angeht, sind sozioökonomischer Stress und körperliche Arbeit aber nur zwei von vielen Ursachen. Die anderen sind von den Betroffenen oft auch selbst verursacht. Alles davon statistisch nachweisbar: Man raucht mehr, nimmt Vorsorgeuntersuchungen weniger in Anspruch, ernährt sich ungesünder (Zum Teil mag das finanziell bedingt sein, zum Teil aber nicht: wer minimal recherchiert, findet viele Speisen, die gesund und günstig sind, zum Beispiel mit Hülsenfrüchten).



    Es ist nicht ganz leicht, der Gesellschaft an diesen Faktoren die Schuld zu geben. Zumal Kampagnen zur Gesundheitsförderung oft ins Leere laufen. („Die wollen uns unser… wegnehmen!“)

    • @Helene10:

      Na ja, ich will mal so sagen: Menschen, die in körperlich belastenden Berufen arbeiten, sind meist auch wenig gebildet und machen sich daher auch nicht so viele Gedanken über Ernährung. Auch ist jemand, der den ganzen Tag wirklich so eingespannt ist, einfach abends zu kaputt, um noch an so was wie das Kochen von Hülsenfrüchten zu denken. Und Zigarette und Bier sind für diese Leute eine kleine Auszeit von der täglichen Plackerei.

    • @Helene10:

      Hallo Helene10, gehe ich recht in der Annahme dass sie nicht zu der Gruppe der Menschen gehören, die "schwerere" Arbeiten verrichten und auch nicht zu den, wie sie sie nennen, sozial schwächeren Menschen? Ich gehöre zu diesen Menschen und ich fühle mich durch ihren Kommentar von oben herab angesehen. Ich möchte so nicht angesehen werden. Darum mache ich darauf aufmerksam.

      • @earthgirl:

        Bitte entschuldigen Sie, das lag keineswegs in meiner Absicht. Manchmal drücke ich mich ungeschickt aus, ohne es selbst zu sehen oder zu wollen.



        Es ist immer leichter, von Angesicht zu Angesicht zu kommunizieren als Nummer in schriftlicher Form.

      • @earthgirl:

        Ich bin der Meinung, dass "sozial schwächere " Menschen bei der materiellen Betrachtungsweise eher ganz oben anzutreffen sind.



        Finanziell schwach bedeutet nicht unbedingt sozial schwach. Was Reiche von der Gesellschaft halten, zeigen sie gerne und so oft wie möglich.

        • @Erfahrungssammler:

          👍 Absolut!

        • @Erfahrungssammler:

          Darum weil ich mich nicht als "sozial schwach" ansehe, habe ich den Einschub "wie sie sie nennen" in den Satz an Helene10 gefügt. Das ganze Thema macht bei mir ein ziemliches Fass auf und in mir geht was dann ziemlich direkt auf die Barrikaden gegen die obere Klasse.

          • @earthgirl:

            Es war auch keinesfalls als Widerspruch, sondern als Bestätigung gemeint.

  • Dem ist nichts hinzuzufügen. So isses. Danke ! Es gibt auch CDU Wähler die körperlich schuften bin gespannt wie Merz das regelt.

  • Schon in der Einleitung ist viel leider falsch.



    Die Rente macht nur noch 9,3% des BIP aus, ehemals 10,8%. Der Bundeszuschuss macht nur noch 2,6% des BIP aus ehemals 3,5%.

    Haushaltlöcher gibt es auch keine sondern politischen Streit darüber in welchen Teilen die private Ersparnis (Circa 300Mrd € p a.) durch deutsche oder aber durch ausländische Staatsverschuldung (Exportüberschuss) ermöglicht werden soll.

    Da klafft nichts und für die Rente ist nicht das Verhältnis von Arbeitnehmer zu Rentner entscheidend sondern das BIP. Ein Arbeitnehmer heute zahlt eben weit mehr ins BIP als früher zwei Arbeitnehmer.

    Es ist wirklich schade dass sich viele Journalisten nichtmal die grundlegenden Zahlenverhältnisse anschauen.

    • @SPD-Versteher:

      👍👍

    • @SPD-Versteher:

      🙏🙂

    • @SPD-Versteher:

      Sie haben recht, das Alterssicherungssystem in seiner Gesamtheit wird der veränderten Vermögens- und Einkommensverteilungslandschaft schlichtweg nicht gerecht. Die Alterssicherung kann - wie auch Gesundheit und Pflege - nicht länger so stark wie bisher aus Arbeitseinkommen generiert werden und damit steigende leistungslose Einkommen/Kapitalgewinne und Produktivitätszuwächse ausblenden. Nur wenn man grundlegend an das Alterssicherungssystem ran geht, also an den Kreis der Einzahlenden und die verschiedenen Einkommensarten, und außerdem noch versicherungsfremde Leistungen nicht länger der Rentenkasse aufbürdet und sie nur teilweise durch Steuerzuschüsse kompensiert, nur dann kommt man raus aus dem Dreieck des Schreckens aus Beitragshöhe, Rentenhöhe und Renteneintrittsalter. Und dann haben wir noch gar nicht über Ost-Rentner*innen geredet und den Skandal, dass erhebliche Kosten der Einheit auf die Rentenkasse abgeschoben wurden, damit Birne Kohl versprechen konnte: keine Steuererhöhungen (ist dann richtigerweise doch passiert, aber... Fußnote der Geschichte).

      • @My Sharona:

        👍

      • @My Sharona:

        Wir sollten aber auch Berücksichtigen, wenn immer mehr Produktionen durch Maschinen & Roboter die Fertigung in der Industrie übernehmen, somit unser BIP wohl steigt aber nicht die Abgaben in unsere Sozialsysteme, diese Einnahmeausfälle nur durch eine entsprechende Zuzahlung aus dem Bundeshaushalt aufgefangen werden kann & muss. Darum sollten halt auch für Maschinen & Roberter die die Arbeit von Menschen übernehmen, entsprechende Abgaben für unser Sozialsystem geleistet werden.

      • @My Sharona:

        Danke, endlich spricht es einer aus. 👍

    • @SPD-Versteher:

      Ich bin nicht studiert. Aber zumindest das hat mir mal ein Volker Pispers auf der Bühne erklärt. Danke.



      Selbst was man als „Allgemeinwissen" werten sollte, findet den Weg nicht mal in die Schulen.

    • @SPD-Versteher:

      Wo ist hier denn bitte in der Einleitung etwas falsch? Ich glaube eher Sie haben falsch gelesen.



      Der Autor spricht von einem Viertel des Bundeshaushalt und nicht vom BIP. Das sind zwei verschiedene Dinge.



      Und das bereits 1/4 des jährlichen Bundeshaushalt zur Gestaltungsmacht direkt in die Renten fließt ist ein Riesen Problem. Denn gedacht war eigentlich, dass aus dem Bundeshaushalt gar keine Leistungen für Renten erbracht werden müssen.

      Tut mir leid Ihnen das sagen zu müssen, aber Ihr Beitrag ist schlicht von vorne bis hinten falsch.



      Das BIP ist schlicht keine Rechengröße die hier angesetzt werden kann, denn der Bundeshaushalt entspricht nicht dem BIP.



      Der Bundeshaushalt beläuft sich aktuelle auf 445 Mrd, wovon 115 Mrd direkt für die Rente drauf gehen.



      Das ist so ungesund, dass ist ein Riesen Problem!

      • @Walterismus:

        Der Bundeshaushalt ist eine Aufstellung der Einnahmen (hauptsächlich Steuern) und Ausgaben der Bundesregierung und wird in Relation zum BIP gesetzt, um die Staatsquote zu ermitteln, soviel ich weiß.

      • @Walterismus:

        Das Argument scheint mir ziemlich deutlich zu sein: Es gibt genug Wohlstand hierzulande, nur verteilt wird er nicht. Und um diesen Umstand zu verschleiern, werden Scheindebatten um die Rente geführt, statt sie zukunftsfähig zu machen.

      • @Walterismus:

        Möglicherweise bin ich auf dem Holzweg (ich bin kein Volkswirt und meine Vermutungen daher mit Vorsicht zu genießen). Ich denke, dass der Bezug zum BIP dem Gedanken folgt, welchen Anteil an dem hier gemeinschaftlich produzierten Wohlstand lassen wir Gruppe der Rentner:innen zukommen und kann sich unserer Gesellschaft das leisten.

        Dass der Anteil dessen was der Bund zuschießen muss steigt, obwohl der Anteil am BIP sinkt wäre dann ein Hinweis darauf, dass dieser Wohlstand auf dem Weg zum Rentner/Rentnerin nicht mehr durch Abgaben im Berufsleben eingesammelt werden kann und auch nicht in Steuermitteln aufschlägt. Es stellt sich unweigerlich die Frage, wo der dann geblieben ist...

        Dennoch denke ich gibt es auch ganz praktische Probleme in der Zukunft, wenn sehr viele Menschen in Rente gehen und irgendwann auch Kapazitäten in Pflegeeinrichtungen in Anspruch nehmen müssen. Wie neulich ein anderer Kommentator ("Boomer" im Namen) anmerkte, kamen in dieser Generation sehr viele Kinder auf sehr wenige Lehrer:innen und vermutlich macht man sich nicht unberechtigt Sorgen, das Ganze im Alter mit Pflegekräften wiederholen zu müssen.

  • Schon wieder das Nachplappern der Sätze der Professorinnen. Wir haben in den letzten 50 Jahre auch eine sehr hohe Steigerung der Produktivität und eine sehr hohe Verdichtung der Arbeit gehab. Daher sind Vergleiche, die sich nur an der Menge der Beitragszahler und dem Lebensalter orientieren eher wenig hilfreich.

    Auch die Verengung auf die Zuschüsse zur Rentenkasse, ohne Betrachtung der Kosten für Renten für nicht ausreichend versicherte (Schein-)Selbstständige, für die jetzt noch höheren Familienzuschläge und Beihilfekosten für Beamte und deren Pensionen, für versicherungsfremde Leistungen, dh. Renten für Menschen, die nie einbezahlt haben, sind bei ihrer statistischen Betrachtung nicht berücksichtigt.

    Dass nur körperliche Arbeit erschöpft und im Alter schwieriger ist, kann nur jemand behaupten, der keine Ahnung hat, wie sehr auch rein "geistige" Arbeit erschöpfen kann, und wie auch in dem Umfeld ältere Mitbürger einem knallharten Konkurrenzkampf mit den "fitteren" jungen Menschen ausgesetzt sind. Im höheren Alter immer wieder Neues dazu zu lernen wird nicht einfach, aber als Selbstverständlichkeit angesehen.

    In der taz hätte ich einen weiteren Blick auf das Problem erwartet.

    • @Monika Dietrich:

      Liebe Monika, auch ich habe erst im sehr fortgeschrittenen Alter noch sehr viel Neues lernen und mich mit jungen Kolleginnen messen lassen müssen. Im Gegensatz zu meiner vorigen Arbeit in der Produktion hat mir das nicht nur doppeltes Gehalt sondern auch geistigen Schwung gegeben und so bin ich auch ein Jahr nach Renteneintritt immer noch in Vollzeit beschäftigt. Das wäre mit meinem vorherigen extrem schlecht bezahlten Job nicht möglich gewesen.

    • @Monika Dietrich:

      Soziale Arbeit mit Menschen erschöpft auch extrem. Da wo Menschen hilfsbedürftig sind und an ihnen nicht nur pflegerisch sondern auf alle möglichen Arten geholfen wird, sie unterstützt werde. Sehr viele Jobs in diesem Bereich sind keine Schickimicki Jobs.

  • Wie viele von diesen sogenannte Christdemokraten (Union ist mir lieber als Bezeichnung) werden sich bei diesem Bericht denken "na, wenn die sowieso schon nicht bis zur Rente leben, dann kann man ja auch das Eintrittsalter hochsetzen und das Rentenniveau senken. Ist für die eh wurscht"?

    • @Jalella:

      Sehr bitter aber sehr möglich.

  • Lieber reich und gesund als arm und krank – und wir brauchen eine ordentliche Vermögenssteuer.