Die Wahrheit: Männer im Lift
Donnerstag ist Gedichtetag auf der Wahrheit: Heute darf sich die geneigte Leserschaft an einem Poem über orientierungslose Wesen erfreuen.
Mitten im Schaffensdrang grausam behindert.
Bebend vor Tatkraft, mit scharrendem Huf.
Nichts was die Anspannung minimal lindert.
Eingepfercht im Kabinen-Kabuff.
Münder geschlossen. Knackende Zähne.
Lippen fest aufeinander gepresst.
Fäuste geballt, am Hals pocht die Vene.
Stillstand ist Hölle, Warten ist Pest.
Einer hievt Rotz hoch, als könnt er den Aufzug
dadurch befeuern. Vergebliche Müh.
Lahmes Gelupfe, zäher als Kautschuk.
Zieht sich wie Faden vom Käsefondue.
Männer im Lift wirken so trostlos.
Bitter und stumm stehen sie stramm.
So wie die Fußballer kurz vor dem Freistoß.
Hände geschichtet zum Schutze der Scham.
Männer im Lift. Sinnbild der Krise.
Leiden im nicht verschuldeten Joch.
Haben den Sachverstand, die Expertise.
Hätten die Lösung und kommen nicht hoch.
Männliches Wollen muss raus aus den Kellern.
Macht endlich Schluss mit dem traurigen Spiel.
Lasst uns die Lifte im Lande verschnellern.
Bringt unsre Wichtigen zügig ans Ziel.
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