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Die WahrheitHochgestochene Minikalifen des Humors

Als Freund italienischer Motorräder braucht es für lautes Gelächter unbedingt ein Übersetzungsprogramm aus dem wundervollen Stiefelianischen.

L ange wiegte ich mich in der schmeichelhaften Illusion, die digitale Welt werde ihren Schöpfern wenigstens auf zwei Gebieten niemals das Wasser reichen können: Humor und Poesie, wahlweise auch humoristische Poesie oder poetischer Humor. Neulich aber musste ich erkennen, dass auch diese letzten beiden Bastionen menschlicher Unnachahmlichkeit inzwischen gefallen sind. Die Kränkung wiegt umso schwerer, als dabei kein Supercomputer am Werk war – sondern das vergleichsweise dümmliche Übersetzungsprogramm von Facebook.

Als Besitzer einer Moto Guzzi bin ich Mitglied verschiedener Gruppen, in denen vor allem Italiener die Macken ihrer Mopeds kommentieren. Weil mir das Italienische un libro con sette sigilli“ ist, drückte ich irgendwann auf „Translate“ – und es öffneten sich mir die Pforten zum Paradies konkreter Poesie, zu geheimnisvollen Versen ohne Rhythmus, Reim oder Sinn, verfasst von bisher unbekannten Meistern der freien Form.

Auf meine banale Frage, wieso bei mir unten das Öl raustropft, überraschte mich ein gewisser Moreno Capocasa mit folgenden Zeilen: „Meiner hat es auch getan. Cricket und um alle Weinreben herum. Ich habe vier Pulls gefunden und einen, der fast von selbst weg gekommen ist. Ende der Schwellung.“ Mit diesem Zug ins Sexuelle hatte ich nicht gerechnet, auch nicht mit der nüchternen Ergänzung von Gaetano Giacca: „Es ist nur der Teil, wo das Gewächshaus unter Druck ausgeht. So wird es durch Temperaturveränderungen.“ Lakonisch und tröstlich zugleich.

Seitenhieb auf Japaner

Alessandro Sala hingegen bediente sich romantischer Topoi für einen augenzwinkernden Seitenhieb auf die japanische Konkurrenz, nur um sich am Ende seines Gedichts ins vollends Rätselhafte zu flüchten: „Wenn er dir eine gleiche Veränderung angeboten hat, stell dir zwei Fragen. Behalte den Honda und ich sag's dir mit sieben Schluckies in der Garage.“ Welche zwei Fragen? Was sind Schluckies? Wieso Honda? Oder, um es mit den Worten von Gabriele Marchese zu sagen: „Habt ihr nach all diesen Änderungen eure Lebensläufe an der Kasse überprüft?“ Es sind die existenziellen Fragen, die hier gestellt werden.

Wer Antworten sucht, findet sie bei Michele Chinaglia, einem ungekrönten König der knappen Form: „Alle acht Reben straffen. Ich mache das regelmäßig.“ Wie sich herausstellte, ist der vielseitige Michele Chianglia auch ein ungekrönter Sultan dadaistischer Orientalismen: „Wenn du fähig bist, wirst du alles aufzwingen, sogar einen Minikalifen. Übrigens: Schubkarren sind nicht besonders gut für das Kardamom.“ Oder, wie es der große Michele Piovesan ausdrückt: „Radfahren ist was anderes. Hab ich als Kind mit Wespe ein paar Meilen mit dem Rad gemacht. Jetzt bin ich damit zufrieden, meine Schnauze in Beschleunigung zu heben, wenn der Gimbal kaputtgeht.“

Das mag sich zwar Hochgestochen lesen, hat aber auch einen Gebrauchswert. Ich frage mich jedenfalls nicht mehr, wieso bei mir unten das Öl raustropft.

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Inlandskorrespondent
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3 Kommentare

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  • Und Zack - steht auch auch schon italienische Poesie mit Arno Frank im Raum.

    taz.de/Die-Wahrheit/!6182125/

    ...Ich frage mich jedenfalls nicht mehr, wieso bei mir unten das Öl raustropft...

  • Da fällt mir Werner „Beinhart" ein:



    „Mit dem Öl nich spa(da)sam sein!"

  • Danke - herrlich - 🏍️ Windjammer Spada - .*



    Die erste Maschine im Windkanal - 🙀🧐

    “Und ewig tropft die Guzzi!“ But



    Meine nicht - warum auch immer •

    unterm——*



    Wartet post stroke auf den Jüngsten -



    Der zum Master aber ers mal n Reisbrenner -



    KAVA IV am Draht zieht - wa.



    entre nous:



    ps bei einem Treffen anne Weser wurde als verlotterteste Maschine prämiert -



    Mit 🪣 - hängend unter der Ablaßschraube 🙀



    (Immer gern - always at your service;)