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Debatte um Social-Media-Verbot„Ohne das Internet hätte ich damals komplett am Rad gedreht“

Die Politik soll sich zumindest eingestehen, dass sie das Leben junger Menschen „beschissener“ macht, sagt der Tiktoker Levi Penell.

„Zu viel Social Media gehörte nie zu meinen Problemen“: Levi Penell Foto: Breuel-Bild/imago

Interview von

Jonas Bernauer

taz: Herr Penell, auf X schrieben Sie kürzlich, dass Ihnen „Rentner in der end life crisis auf den Sack gehen“. Was haben Sie gegen alte Menschen?

Levi Penell: Prinzipiell erst mal gar nichts. Allerdings beobachte ich, dass ältere Menschen sich oft sehr schlecht eingestehen können, wenn sie von etwas keine Ahnung haben. Die Formel „je älter, desto weiser“ geht halt aber nicht immer auf.

taz: In welchen Punkten sind junge Menschen denn cleverer als ältere?

Penell: Junge Menschen fallen beispielsweise deutlich seltener auf Onlinebetrug herein. Trotzdem stellen die Alten sich dann hin und meinen, den Jungen erklären zu müssen, wie das denn im Internet so läuft.

Im Interview: Levi Penell

ist auf Social Media für seinen Humor, unnütze, aber interessante Fakten und seine enorm hohe Sprechgeschwindigkeit bekannt. Der 25-Jährige lebt in Berlin.

taz: Die CDU will auf ihrem Parteitag über einen Antrag abstimmen, der ein Social-Media-Verbot für unter 16-Jährige fordert. Ist das im Sinne Jugendlicher?

Penell: Das ist sicher für jeden Jugendlichen unterschiedlich. Allerdings sind die Debatten um Social-Media-Verbote sowie der neue Wehrdienst Beispiele für Maßnahmen, die die Freiheiten junger Menschen einschränken. Die Konsequenzen von Missständen in unserem Land, die alle Generationen betreffen, werden zunehmend einfach an junge Menschen abgegeben. Ich unterstelle der Politik nicht, dass sie das Leben junger Menschen absichtlich beschissener macht. Mir fehlt allerdings die Einsicht, dass es im Resultat oftmals so ist.

taz: Was hat Social Media für den 14-jährigen Levi Penell denn bedeutet?

Penell: Es war für mich ein extrem wichtiger Rückzugsort. Mir ging es in meiner Jugend nicht sonderlich gut, im analogen Leben hatte ich kein stabiles Umfeld. Ohne das Internet hätte ich damals komplett am Rad gedreht.

taz: Momentan werden psychische Probleme Jugendlicher aber eher als Argument für Social-Media-Verbote angeführt.

Penell: Stimmt, und dennoch gibt es keine Studie, die belegt, dass Social Media mentale Probleme verursacht. Es ist dabei einfach nicht klar, was Ursache und was Wirkung ist. Bei mir beispielsweise war das Internet niemals der Grund für meine Probleme. Vielmehr habe ich dort so viel Zeit verbracht, weil ich im echten Leben kaum Freunde hatte.

taz: Welche Folgen hätte ein Social-Media-Verbot denn in dieser Zeit für Sie gehabt?

Penell: Vermutlich keine.

taz: Echt?

Penell: Ich war schon damals technisch recht affin und bin mir sicher, dass ich das Verbot sehr leicht hätte umgehen können. Heute ist das beste Beispiel Australien: Nachdem dort zehn Social-Media-Dienste für unter 16-Jährige verboten wurden, tauchten ganz oben in den App-Charts plötzliche neue und bis dahin eher unbekannte Plattformen auf. Die Jugendlichen waren weiter auf Social Media, nur eben nicht mehr auf Tiktok und Instagram. Wenn durch Verbote immer wieder neue Plattformen entstehen, wird es nochmals schwieriger, diese zu kontrollieren.

taz: Was gilt es eigentlich zu kontrollieren?

Penell: Die Algorithmen. Auch wenn die Plattformen natürlich kein Interesse daran haben werden, müssen sie offenlegen, wie ihre Algorithmen funktionieren. Social Media ist das wichtigste Meinungsmedium unserer Zeit, wir dürfen es nicht allein dem Markt überlassen.

taz: Also muss es doch die Politik richten?

Penell: Ja, und zwar indem sie an den Algorithmen ansetzt, auch wenn das keine Schlagzeilen wie „Social-Media-Verbot für alle unter 16“ liefert. Lediglich die Forderung nach solchen Verboten ist das Ergebnis einer Politik, die sich nicht ernsthaft mit den Lebenswelten Jugendlicher auseinandersetzt. Pauschale Verbote werden Plattformen wie Tiktok, die weitaus vielfältiger als andere Medien sind, einfach nicht gerecht.

taz: Jetzt aber mal ehrlich: Gab es in Ihrem Leben nie den Moment, in dem Sie sich wünschten, jemand nähme Ihnen das Handy weg?

Penell: Ich hatte schon so einige Probleme in meinem Leben – zu viel Social Media gehörte nie dazu.

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36 Kommentare

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  • „Die Formel ,je älter, desto weiser' geht halt aber nicht immer auf."



    --



    Als-End-Life-Weiser (70++) komme ich zu der Erkenntnis, dass zwei ganz fundamentale Umkehrungen vorher gültiger Tatsachen passiert sind in diesen Jahren, die ich auf dem blauen Globus weile:



    In meiner Kindheit, Jugend und auch noch in der Zeit als junger Erwachsener war es so, dass die Älteren den Jüngeren Dinge erklärt haben. Mittlerweile ist es umgekehrt.



    Bis vor ca. 20 Jahren dienten Technik und technischen Systeme den Menschen. Durch Verbreitung von Smartphones und SM ist es sogenannten Tech-Konzernen gelungen, auch hier die Beziehung umzukehren. Menschen unterwerfen sich technischen Systemen und werden gründlich veräppelt.

  • Welche Neuigkeiten erwartet man zu erfahren, wenn jemand nach einem Medium befragt wird, von dem er offensichtlich zu Teilen lebt? Wer nie in einer Welt ohne Internet gelebt hat kann schlecht beurteilen wie es ihm dort ergangen wäre...



    Mir persönlich scheint aus praktischem Erleben absolut klar, dass insbesondere junge und sehr junge Menschen über kurz oder lang durch das fast restlose Abtauchen in digitale Tiefen Schaden nehmen müssen. Auch ohne vertiefende Forschungsgrundlagen.



    Wer mit offenen Augen durchs Leben geht muss doch bemerken, dass mehr als zwei Drittel seiner Mitmenschen nicht mehr im "Hier und Jetzt" unterwegs sind.



    Gelegentlich werde ich den Eindruck nicht los, ein großer Teil davon wartet nur noch auf den Tag, an dem er/sie sich selbst digitalisieren und auf Nimmerwiedersehen in seinem/ihrem unentbehrlichen geliebten Hosentaschengehirn verschwinden kann...



    Ein Sorry an die Social-Media-Gemeinde: Ich besitze kein "Smartphone" und hoffe inständig darauf nie eines zu benötigen...

  • „…. Ohne das Internet hätte ich damals komplett am Rad gedreht. …“



    Naja, Pubertät ist für die meisten Menschen nicht gerade ein „Zuckerschlecken“, Kindheit und Jugend sind längst nicht für alle traumhaft. Nichtsdestotrotz mussten/müssen viele diese Zeit ohne (un)soziale Medien überstehen. Das ist auch eine Forderung an die Gesellschaft (und die Regierenden), diese Klippen zu entschärfen nicht zu verschärfen, indem man mehr in Kinder- und Jugendarbeit investiert, die mehr an realem Leben und Begegnung orientiert ist (auch für Heranwachsende in prekären Lebenssituationen). Und die konsumierenden Jugendlichen werden ja später die Erwachsenen, die den falschen Einflüssen hinterher rennen (oder anderen Süchten verfallen).



    Ein Verbot wäre sicher genauso zu umgehen, wie die Zeitblockaden nicht jugendfreier Filme. Die Büchse der Pandora ist geöffnet, Nur lebenswerte Alternativen für das reale Leben können helfen.

  • "Ich habe keine Probleme mit Social Media. Nur ohne!" ;-)

  • Haha, der junge Mann liefert hier selbst gute Argumente für ein Verbot oder Einschränkungen für Kinder.



    "Bei mir beispielsweise war das Internet niemals der Grund für meine Probleme. Vielmehr habe ich dort so viel Zeit verbracht, weil ich im echten Leben kaum Freunde hatte." sagt wer? Ach, er selbst. Respekt für so viel Expertise zur Eigendiagnose.

    Außerdem: "Allerdings sind die Debatten um Social-Media-Verbote sowie der neue Wehrdienst Beispiele für Maßnahmen, die die Freiheiten junger Menschen einschränken."



    Allerdings, genauso wie Alkohol- und Drogenbeschränkungen, Mindestalter für Führerschein und Strafbarkeit usw.

    Möchte er alle diese Beschränkungen auch aufheben? Nein? Weil es gibt ja gute Gründe dafür? Ach was!

    • @Spiritus:

      Seit wann braucht man eine Fremddiagnose um zu sagen, wie viele Freunde man hat?

  • Meinung raushauen kann er. Fakten selbstkritisch checken, da bin ich mir nicht ganz so sicher.



    Dass man Ausweichreaktionen annehmen kann, da hat er einen Punkt. Die wohlfeile Politikerschelte ist hingegen lächerlich. Da hätte ich ihm gerade ein paar gute Papierbücher und -zeitungen gewünscht. ; )

  • recht reflektiert, der Knabe. Keine schlechte Argumentation.

  • Stimmt schon, Verbote sind zu simpel. Sie lösen das wahre Problem nicht. Es ist eine schwierige Gratwanderung zwischen Meinungsfreiheit und Zensur, und einfache Lösungen (wie zB echten Namen verwenden) haben Konsequenzen die nicht sofort offensichtlich werden.



    Vielfach werden soziale Probleme (zB im Umgang mit anderen) durch soziale Medien (global, anonym) stark vervielfältigt.

  • Und wer sagt den Jugendlichen in 2-3 Generationen, dass es mal anders war? Dass Jugendliche und Menschen ruhiger waren, Die Aufmerksamkeitsspanne größer und länger war, dass Menschen in ihrer konkreten Umwelt gelebt und interagiert haben?



    Das Wohlbefinden und die Lebensqualität sind mit Social Media definitiv beschissener.

    • @Marc Seeger:

      Die Archive und Bibliotheken und die Alpha Retro Dokus am Freitag um 21 Uhr.

  • Wozu braucht es Tiktoker? Wenn sie einem nicht die Zeit rauben oder irgendwelche Konsumjunkies zu noch mehr Konsum anreizen, was machen sie Sinnvolles? Ich weiß es nicht! Diese Jugend ist echt zu bedauern, beherrschen ein technisches Gerät und verstehen vom Leben irgendwie nichts mehr.

    • @Gastone:

      Diese Jugend ist echt zu bedauern, beherrschen ein technisches Gerät...

      Klicken, wischen und fuchteln können sie, beherrschen bezweifele ich stark, denn sie wissen oft nicht, was sie da wirklich tun.

  • Ich kann über so viel Widersprüchlichkeiten, Unwissenheit und sich Beschwerens in den Aussagen nur den Kopf schütteln. Niemand will das Internet für Kinder und Jugendliche verbieten, es gibt besagte Studien, es wird nicht alles auf die junge Generation abgeladen, was es vorher nicht auch schon für andere Generationen gab, die dt. Politik soll etwas zugeben, was rein subjektives Empfinden des Interviewten ist und und und. Anstatt Narrative zu wiederholen die man irgendwo aufgeschnappt hat, die gerade in manchen Kreisen en vogue sind, wäre es angeraten, sich mit den Dingen dialektisch auseinanderzusetzen.



    Ich frage mich auch, weshalb hier der Interviewer nicht mal kritisch eingehakt hat. So ist es nur eine Abfolge von oberflächlichen Fragen und Antworten ohne neuen Erkenntnisgewinn.

  • Die Aussage „Junge Menschen fallen deutlich seltener auf Onlinebetrug herein“ stimmt so pauschal nicht.



    Jüngere Menschen werden insgesamt häufiger Opfer von Online-Betrug als ältere Menschen. Ältere Menschen verlieren jedoch im Durchschnitt höhere Geldbeträge, wenn sie betroffen sind.



    Jüngere nutzen digitale Plattformen (Social Media, Online-Shopping, Gaming, Dating-Apps) intensiver – dadurch sind sie häufiger Betrugsmaschen ausgesetzt.

    www.ftc.gov/system...ight_oct2019_0.pdf



    www.bild.de/leben-...64470d4a36d63934ee



    www.cbs.nl/en-gb/n...line-crime-in-2024

  • "Ohne das Internet hätte ich damals komplett am Rad gedreht“

    Wer weiß? Es ist im Nachhinein immer schwierig, sich einen anderen Ablauf der Dinge vorzustellen.



    Ohne Internet hatten Kinder und Jugendliche weniger Ablenkung, waren unmittelbarer mit sich und ihrer Umgebung konfrontiert, haben (wenn es gut lief) sich öfter gegenseitig besucht, haben mehr im analogen Leben gemacht, und sei es gemeinsames Rumhängen in Langeweile.



    Wir wissen noch nicht, was der bessere Weg ist um aufzuwachsen.

  • Mir würde ein Verbot von spionierender Werbung, der sogenannten "individualisierten Werbung" schon genügen, wenn es EU-weit durchgesetzt wird.



    Dann lohnen sich die Müllplattformen weniger, ein Sumpf wird ausgetrocknet und Jugendschutz wird weniger dringend und wir Alle können aufatmen.

  • „Die Politik soll sich zumindest eingestehen, dass sie das Leben junger Menschen ,beschissener' macht“



    Was glaubst denn Du? CDU zerstört CDU? Haha. Wie geht es eigentlich Rezo?



    --



    Soma für die Oma (und den Opa).



    Tiktok für die Kids.



    Das ist der Witz.



    en.wikipedia.org/w..._(Brave_New_World)



    --



    Die einen produzieren (sich),



    Die andren konsumieren.



    Sie nennen es „Social Media".

  • Einen Influencer (oder z.B. den Sprecher der Bundesschülervertretung) zu einer Teilregulierung von SM zu befragen, ist genau so sinnvoll wie eine Umfrage auf dem Oktoberfest oder in einer Berliner Eckkneipe zur Einschränkung des Alkoholausschanks. Das Ergebnis ist jeweils erwartbar.

    • @Vigoleis:

      Und deswegen sind deren Meinungen nichts wert?



      Anstatt andere Leute abzuwerten könnten Sie sich auch inhaltlich mit ihnen auseinandersetzen.

      • @Barnie:

        Ich werte ihre Meinung nicht ab, sondern frage mich lediglich, welche Bedeutung die Meinung von Süchtigen (deshalb der Vergleich) hat, wenn man sie zum Entzug ihres "Stoffes" befragt.



        Ich kann den Vergleich gern fortsetzen: Diskutieren Sie bitte mal mit Porsche- oder Ferrarifahrern über ein Tempolimit. Ich bin mir nicht sicher, wie Sie deren Meinung dazu einordnen und als wie sinnvoll Sie diese Debatte empfinden würden.



        Und mit allem Respekt füge ich hinzu: Ich kann mir trotz Ihres Einwandes z.B. nicht vorstellen, dass Sie sich mit der gleichen Empathie für hemmungslosen Alkoholkonsum einsetzen würden.

  • Er sieht auch wie Internet aus.

    • @Johann63:

      Naja, in den 1970er hätte er auf jeden Fall im Foto-Shooting für den "Kinderschokolade-Boy" ganz vorne mitgemischt.

  • Bleibt legitimes Vorrecht der ersten Jahre erwachsenen Lebens, auf oft geradezu peinlich-unangenehm absurde Weise selbstgerecht, arrogant und in den Dingen und Sachverhalten bereits als durchgebildet, begriffsfest und historisch erfahren erprobt aufzutreten.



    Wer als „Rentner in der end life crisis" der damit anderen "auf den Sack" geht, seine, ihre Biografie auch nur einigermassen reflektiert und emotional gereift zu sich und als sich selbst nehmen kann, kennt sich in diesem Aggregatzustand noch selbst.



    Wie zum Beispiel die virtuose Anwendung der Anekdotischen Evidenz zur Begründung eines Ziels. Huppi, Schnuppi und auch der Paul dürften ja auch mit 14 bis Mitternacht in die Disco.

    Oder: "Penell: Ich hatte schon so einige Probleme in meinem Leben – zu viel Social Media gehörte nie dazu."

    Bin Rentnerin in ihrer end life crisis. Kann aber im 66. Jahr nicht mit dem Klischee dienen, das Comics, Rock´n Roll und Fernsehen per se meinen und den Untergang des Abendlandes in der mir lieb gewonnen Ausprägung bedeuten.

    Meine crisis wird von der mich umgebenden wirkmächtigen Begriffslosigkeit getrieben, wer die Algorithmen beherrscht, wie Massenpsychologie und -manipulation funktioniert.

  • Eine geeignete Maßnahme wären auf jeden Fall, die bei Vielem praktizierte Werbefinanzierung abzuschaffen. Ein mündiger Bürger - das wollen wir doch, oder? - sollte das, was er konsumiert auch selbst bezahlen müssen und dürfen. Wer das aufgrund seiner prekären Lage nicht kann, muss in diese Lage versetzt werden.

  • Er sagt das, was die Jugend sagen muss.

    Zwei Punkte: Für die Freiheitseinschränkung durch eine mögliche Wehrpflicht, ist aber nicht DIE hiesige Politik verantwortlich, sondern die Weltlage. Dazu aktuelle Meldungen: "wenn es Druck gibt, ducken die Deutschen sich weg" oder "fabulieren über Erstschläge in europäischen Zentren um die Eliten auszuschalten".

    Der andere Punkt: Er hat erst dargelegt, dass die Politik kein Ahnung hat und möchte dann, das eben diese bei den Algorithmen ansetzt. Das ist eine Illusion. Aktuelle Meldung dazu "Washington arbeitet an einem Portal um Sperren in Europa zu umgehen". Von den Interessen und der Macht der Tech Konzerne ganz zu schweigen.

    • @fly:

      Leider wahr. Es stimmt schon, die Alten haben oft wenig Ahnung, die Jungen aber teilweise gar keine, dafür aber fast immer die sichere Gewissheit absolut im Recht zu sein, bei mir war das jedenfalls so.

  • Die Hysterie um Social-Media geht an den Realitäten der Legacy-Media vorbei. Die Prosa von Medien als Werkzeuge von Bildung im Sinne der Aufklärung und als „Vierte Gewalt“ war immer schon mehr Theoretisieren über Potenziale als Beschreibung von Wirklichkeit. Auch die alten Medien haben von Anfang an auf Dramatisierung und Emotionalisierung gesetzt. Mit dem Aufkommen elektronischer Massenmedien wurde daraus ein toxischer Überbietungswettbewerb der Kompression von Nachrichten auf minimalen Informationsgehalt und sensueller Affizierung des Publikums. In den Medien wird heute fast nichts mehr erklärt oder eingeordnet, nichts hinterfragt oder in größeren Zusammenhängen aufgearbeitet. Kurznachrichten, Dokus mit Gefühl und bloß kein Schulfernsehen, dafür Wissen als Quiz. So haben die Legacy-Media mit ihrem Dauerfeuerwerk aus zusammenhangslosen Informationshäppchen den Grundstein für den Erfolg der Social-Mediagelegt. Viele davon versuchen längst an den Erfolg der Social-Media anzuknüpfen, bedienen sich der gleichen Technik und gleichen Methoden, um ihr Publikum in ihren Blasen gefangen zuhalten.

  • Die einen bringen Fernsehberichte über Jugendliche, die im Netz gemobbt werden, die TAZ bringt jetzt das Interview mit einem Internet affinen Jugendlichen. Beides halte ich nicht für besonders zielführend. Es wäre vermutlich hilfreicher, wenn z.B. die TAZ recherchiert, ob es nicht schon belastbare Studien zur Nutzung sozialer Netzwerke durch Jugendliche gibt, und dann darüber berichtet. So könnte man sich eher ein reelles Bild zur Problematik machen.

    • @StephanBerlin:

      Sie haben Recht damit, dass eine Recherche zu belastbaren Studien zu begrüßen wäre.

      Aber deswegen kann man doch trotzdem verschiedene Meinungen einholen und veröffentlichen. Die gehören zu einem "reellen Bild" dazu.

  • Grundsätzlich unterstütze ich Herr Penells Aussage, dass Kindern und Jugendlichen Freiheiten genommen würden durch ein Social-Media-Verbot. Aktuell fehlt es an passenden Angeboten für Kinder und Jugendliche, so dass diese sich die im Internet suchen und sie dort ihren Interessen besser nachkommen können. Auch kann ich bei der Aussage mitgehen, dass Jugendliche sich nach Alternativen im Netz umgucken werden und schnell lernen werden, diese zu nutzen.



    Womit ich Bauchschmerzen habe, ist seine Aussage, dass es keine Belege dafür gebe, dass Social Media keine mentalen Probleme verursache. Hier gab es auch schon Artikel der taz zum Thema, z.B. zu Suchtgefahren: taz.de/Im-Bann-der...orithmen/!6155162/ . Schade, dass die interviewende Person hier nicht widersprochen hat.



    Bei einem wichtigen Rolemodel wie Penell, der an sich zu differenzierendem Umgang mit Themen fähig zu sein scheint, finde ich es sogar gefährlich, dass er seine eigenen Erfahrungen im Aufwachsen mit Internet und Social Media als allgemeingültig zu erklären scheint. Insb. schade, da er als GenZ schon der nächsten Generation angehört, die noch anders als jetzige Jugendliche aufgewachsen ist.

  • Ich bin erstaunt über so viel Voreingenommenheit und die Pauschalisierungen, die hier zu Tage treten. Junge Menschen fallen weniger auf Online-Betrug rein, weil sie nicht zur Zielgruppe gehören. Schon mal daran gedacht? Es möchte auch niemand das Internet für Jugendliche verbieten, wie er mit seiner Aussage suggeriert. Auch die Aussage zur Studie über die Auswirkungen von Social Media stimmen nicht. Kurzum: Etwas mehr Sachkenntnis vom Interviewten wäre schon schön. Pauschale Behauptungen in den Raum stellen ist viel zu einfach.

    • @Pia Mansfeld:

      "Pauschale Behauptungen in den Raum stellen ist viel zu einfach."

      Aber genau so funktioniert das. Wir sprechen von einem Raum in dem der gewinnt, der seine Behauptungen am attraktivsten vorträgt. Belege stören da nur.

    • @Pia Mansfeld:

      Das stimmt, haha und wieviel zweifelhafte Apps und Zirkus ich bei Kids schon abgefangen habe: mehr als bei meinen Eltern zum Beispiel, die rufen an wenn ihnen etwas komisch vorkommt und klicken nicht auf weiter. Statt sich Datenkraken und Abos zu ziehen. Da herrscht soviel völlig normale Naivität, drum ist man ja erst mit 16 und nicht mit 12 geschäftsfähig.

    • @Pia Mansfeld:

      Im Grunde genommen bestätigt Ihr Beitrag die Einlassungen Penells.

      • @Grusel:

        Und wo genau?