Social-Media-Verbot : Mit Kinderschutz gegen Kinderrechte
Auch Kanzler Friedrich Merz fordert ein Social-Media-Verbot für Jugendliche unter 14 Jahre. Dabei ignoriert er das Kinderrecht auf Zugang zu Medien.
Foto: Michael Gstettenbauer/imago
D ie SPD hat Anfang der Woche gefordert, Social Media für Kinder und Jugendliche unter 14 Jahren zu verbieten. Auch Bundeskanzler Friedrich Merz hat sich dafür offen gezeigt. Begründet wird das mit dem Wohl der Kinder: Die Suchtgefahr von sozialen Medien ist groß, außerdem verbreiten sich politischer Extremismus und ungesunde Körperbilder.
Deshalb klingt es erst mal sinnvoll, Kindern Social Media zu verbieten. Das Ding ist aber: Soziale Medien sind nicht inhärent gefährlich. Sondern sie sind zuallererst ein Ort des Austauschs. Hier werden Informationen geteilt und gesellschaftspolitische Debatten geführt.
Social Media wegen des Suchtfaktors mit Zigaretten oder Alkohol und zu vergleichen, macht nur begrenzt Sinn, weil jede einzelne Zigarette komplett verzichtbar und noch dazu gesundheitsschädlich ist. Auf sozialen Medien gib es dagegen viele sinnvolle Inhalte, die der Gesundheit keineswegs schaden. Was sie gefährlich macht, sind andere Dinge, zum Beispiel: süchtig machende Algorithmen, rechtsextreme Arschlöcher und patriarchale Schönheitsbilder.
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Ein Social-Media-Verbot erscheint als eine einfache Lösung. Das ist es aber nicht. Laut der UN-Kinderrechtskonvention haben Kinder nicht nur ein Recht auf Wohlergehen, sondern auch ein Recht auf Meinungs- und Informationsfreiheit sowie auf Zugang zu Medien. Das Recht auf Wohlergehen darf nicht missbraucht werden, um die anderen beiden in die Tonne zu treten.
Kinder, die ohnehin wenig Macht haben, weil sie an Wahlen nicht teilnehmen dürfen, systematisch von sozialen Medien und damit vom gesellschaftlichen Diskurs auszuschließen, entmachtet sie noch weiter. Wenn Plattformen ihre Inhalte nicht verantwortungsvoll gestalten, sollte das nicht zum Problem junger Menschen gemacht werden, sondern zum Problem der Anbieter.
Auf EU-Ebene existieren längst Leitlinien, die Algorithmen regulieren könnten. Plattformen müssten dazu verpflichtet werden, Eltern bei der Aufsicht ihrer Kinder auf sozialen Medien zu unterstützen. Medienkompetenz in Schulen müsste ausgebaut werden. Es gibt tausend Möglichkeiten, um Kinder vor den Plattformen zu schützen. Ein Verbot gehört nicht dazu.
Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Fassung des Textes stand fälschlicherweise, Friedrich Merz wolle das Social-Media-Verbot auf Jugendliche unter 16 ausweiten. Es ging aber nur um Jugendliche unter 14 Jahre. Wir bitten um Entschuldigung.
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