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Experte über die Düngemittelkrise„Biolandwirtschaft kann Hunger verhindern“

Der Irankrieg treibt die Düngerpreise in die Höhe und bedroht die Ernährung von Millionen Menschen in Südasien. Markus Wolter von Misereor über Auswege.

Mittlerweile noch teureres Gut: Ein Bauer bereitet die Düngung seines Felds vor. Indien, Juni 2025 Foto: Bhawika Chhabra/reuters

Interview von

Jost Maurin

taz: Herr Wolter, Sie leben und arbeiten zurzeit für das katholische Hilfswerk Misereor auf den Philippinen und in anderen südasiatischen Ländern. Wie wirkt sich der Irankrieg auf die Ernährung und Landwirtschaft dort aus?

Markus Wolter: Hier ist gerade die Aussaatzeit für den Reis. Die Bauern müssen sich jetzt mit Dünger eindecken. Aber weil er doppelt so teuer wie vor der Irankrise ist, werden sie deutlich weniger kaufen, zumindest hier auf den Philippinen. Das ist die Prognose von Mitarbeitern des Landwirtschaftsministeriums. Dann werden die Ernten schrumpfen. Und damit steht Ländern wie den Philippinen, Kambodscha oder Bangladesch eine Ernährungskrise bevor, deren Dimension den meisten Regierungen noch nicht wirklich klar ist. Das macht mir große Sorgen.

taz: In Deutschland ist die Lage noch vergleichsweise entspannt. Warum ist das in Südasien anders?

Wolter: Die Region ist extrem abhängig von Düngemitteln aus dem Nahen Osten, weil große Mengen des Harnstoffs aus Katar, den Vereinigten Arabischen Emiraten und Kuwait hierherkommen. Das ist der kürzeste Weg. Wenn die Preise niedrig sind, ist das kein Problem. Aber diese Staaten haben eben extreme Abhängigkeiten geschaffen. Das rächt sich jetzt.

Bild: privat
Im Interview: Markus Wolter

51 Jahre alt, Berater für Agrarökologie des katholischen Hilfswerks Misereor in Asien. Er ist diplomierter Geograf, war mehrere Jahre als Biobauer tätig und hat jahrzehntelange Erfahrung in der landwirtschaftlichen Beratung in Europa und Asien.

taz: Wie kommt Südasien aus dieser Abhängigkeit wieder heraus?

Wolter: Die Regierungen müssten den ökologischen Landbau fördern, der auf Kunstdünger und chemisch-synthetische Pestizide verzichtet. Auch andere Formen der Agrarökologie sollten unterstützt werden, die die Abhängigkeit von Kunstdünger reduzieren und stattdessen zum Beispiel auf Kompost oder Leguminosen setzen, also Pflanzen, die den Nährstoff Stickstoff aus der Luft im Boden fixieren. Meine Vorstellung wäre eine schrittweise Reduktion chemischer Betriebsmittel, sodass die Bauern vielleicht in 10, 15 Jahren nur noch ein Minimum oder gar nichts mehr benötigen.

taz: Aber Biobauern ernten doch pro Hektar oft deutlich weniger als konventionelle, oder?

Wolter: In bestimmten Teilen Europas haben wir tatsächlich große Ertragsunterschiede, wenn es um Weizen oder Gerste geht. In den Tropen haben wir allerdings andere Voraussetzungen. Viele Studien und Partnerorganisationen von Misereor zeigen, dass die Gesamterträge gar nicht weniger werden, sondern gegebenenfalls sogar höher sein können. Man darf aber nicht nur auf ein einziges Produkt wie Reis oder Mais schauen, sondern muss die gesamte essbare Biomasse betrachten.

taz: Warum hat Bio in den Tropen nicht geringere Erträge als konventionelle Landwirtschaft?

Wolter: Durch die hohen Temperaturen ist die sogenannte Mineralisierung viel schneller. Das heißt, Stickstoff aus Kompost oder Leguminosen steht den Pflanzen schneller zur Verfügung. Ein weiterer Grund ist, dass Biolandwirte mehr verschiedene Pflanzenarten anbauen. Wenn dann eine Kultur wegen Schädlingen ausfällt, liefern andere Kulturen immer noch Erträge. Das ist Risikominderung durch Vielfalt.

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taz: Was sagen Sie zu dieser Kritik: Wenn Asien auf Bio umstellte, dann würde dort Hunger ausbrechen?

Wolter: Das halte ich für unbegründet, weil viele Betriebe, mit denen wir arbeiten, das Gegenteil beweisen: Dort, wo diese vielfältigeren Systeme angewendet werden, nimmt die Ernährungsunsicherheit ab. Je mehr Biodiversität, je mehr Bäume und Sträucher integriert worden sind, umso sicherer ist die Ernährung. Da ist die Agrarökologie deutlich überlegen, weil sie auf Vielfalt setzt statt auf Monokultur. Die große Vielfalt macht möglich, dass auch bei einer Missernte von ein oder zwei Kulturen immer noch etwas Essbares oder Verkaufbares geerntet wird. Bei Monokulturen sind die Bauern auf Gedeih und Verderb auf diese eine Kultur angewiesen, und wenn die danebengeht, gibt es große Probleme. Außerdem schafft eine Erhöhung der Vielfalt ein eigenes Mikroklima und eine Umgebung, wo sich Schädlinge und Nützlinge gegenseitig besser in Schach halten. Das habe ich vor Ort gesehen.

taz: Sri Lanka hatte im April 2021 ein Verbot der Importe von synthetischen Düngern und Pestiziden beschlossen. Hat das nicht eine große Krise verursacht?

Wolter: Ich war im November 2022 dort. Da waren vor den Tankstellen unglaublich lange Schlangen, weil die kein Diesel und Benzin mehr hatten, da das Land so dermaßen pleite war. Die Sofortumstellung auf Bio ging tatsächlich total nach hinten los, die Lebensmittelpreise explodierten, die Wirtschaft stürzte ab. Der Grund war, dass die Bauern auf die Umstellung nicht vorbereitet waren. Sie haben es aus der Presse erfahren. Selbst die Bioverbände hatten davor gewarnt. So eine Umstellung kann nur schrittweise passieren. Es braucht viel Beratung und anfangs auch Unterstützung mit Biodüngern für die Landwirte.

taz: Wie wirtschaften denn die meisten Bauern in Asien im Moment?

Wolter: Die meisten Bauern arbeiten konventionell. Agrarökologie oder Bio ist fast überall eine Nische, abgesehen von Ausnahmen wie Osttimor. Aber sonst hat die sogenannte grüne Revolution, also die Einführung etwa von Hochertragssorten, von chemisch-synthethischen Düngern und Pestiziden ab den 1960er Jahren sehr intensiv stattgefunden. Sie ist sehr stark staatlicherseits gefördert worden – bis heute.

taz: Aber Pestizide und Kunstdünger kosten ja erst mal eine Menge Geld. Wie können sich die LandwirtInnen in solchen armen Ländern diese Mittel leisten?

Wolter: Dafür ist das Geld trotzdem da, zur Not verschulden sich die Bauern. Die grüne Revolution hat es geschafft, die drohende Hungerkatastrophe in Asien durch höhere Erträge abzuwenden. Aber sie hat es nicht geschafft, die Bauern aus der Armut zu holen, weil Kunstdünger und Pestizide eben teuer sind.

taz: Warum setzen so viele Bauern dennoch auf konventionelle Landwirtschaft?

Wolter: Wer Pestizide und Kunstdünger nutzt, gilt als modern. Wer das nicht tut, gilt in vielen Ländern als rückständig. Dabei sind Bauern in der Wahrnehmung der Menschen sowieso schon oft am untersten Ende der sozialen Skala. Außerdem wird mit Kunstdünger unglaublich viel Geld verdient von einigen oligarchisch-monopolistischen Systemen. Und die haben überhaupt kein Interesse daran, dass sich das System ändert. Es gibt da sehr starke finanzielle Interessen von Eliten, die das verhindern.

taz: Wie kann die Agrarwende in diesen Ländern trotzdem gelingen?

Wolter: Bauern stellen um, wenn das gut eingebettet ist im Dorf, in der Region; wenn einer sagt: Ich probier das mal auf einem Viertel meines Betriebs. Wenn sich dann der Boden erholt, die Erträge steigen und mehr Geld übrig bleibt, dann sagen andere: Ja, das möchte ich auch lernen. Das habe ich auf Sumatra beobachten können. Extrem wichtig ist, dass es Zugänge zu Märkten gibt, damit die Bauern auch wissen, an wen sie dann die Ware verkaufen können. Diese Kombination ist entscheidend.

taz: Um die Abhängigkeiten zum Beispiel von Kunstdünger aus der Golfregion zu reduzieren, könnten asiatische Länder ja die eigene Produktion solcher Dünger steigern. Was halten Sie davon?

Wolter: Das macht Indonesien, das eigene Gas- und Ölvorkommen und eine eigene Kunstdüngerproduktion hat. Es ist auch von anderen südostasiatischen Staaten angefragt worden, ob es seine Produktion nicht ausweiten kann, damit sie versorgt werden. Dann sind die Bauern aber immer noch abhängig von außen. Das Besondere der Ökolandwirtschaft ist ja, dass sie quasi keine Betriebsmittel mehr von außen braucht.

taz: Welche Vorteile hätte mehr Biolandwirtschaft in diesen Länder noch?

Wolter: In Asien wird zum Teil sehr viel Stickstoffdünger pro Hektar benutzt. Damit werden Böden, Grundwasserleiter und Gewässer belastet. Ein Großteil des Kunstdüngers wird von den Pflanzen gar nicht aufgenommen, sondern geht entweder gleich in die Atmosphäre als sehr, sehr wirksames Treibhausgas oder über das Regenwasser dann in die Grundwasserleiter. Dort versauert es und sorgt für eine Überdüngung von Gewässern. Die Kunstdüngerproduktion weltweit trägt zu 2 Prozent der globalen Treibhausgase bei. Biolandwirtschaft ist also gelebter Klimaschutz.

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taz: Was kann ich als VerbraucherIn in Deutschland tun, um den Ökolandbau in Asien zu unterstützen?

Wolter: Sie könnten mehr Bio- und Fair-Trade-Produkte kaufen, zum Beispiel Reis, Cashewkerne oder Trockenfrüchte.

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34 Kommentare

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  • In Asien gibt es schon Analogien z. Amazonas, was die Produktion sehr ergiebiger anthropogener Böden angeht:



    Pieplow H, Terra Preta im Alltag: Erfahrungen aus Südkorea, Ithaka-Journal 2014 Arbaz, Switzerland, pp. 450-454, www.ithaka-journal.net/de/ct/150



    Hier steht:



    "Wer das Handbuch von Cho Han Kyu liest, bekommt ein Gefühl dafür, wie viel Wissen wir in unserem Kulturkreises verloren haben und wieder erlernen können, um uns gesund zu ernähren und im Einklang mit der Natur zu leben. Hervorzuheben ist, dass es nicht ausreicht, sich nur mit einem Teilelement, wie der Fermentation, Kompostierung, Holzkohleherstellung, bodenschonenden Anbauverfahren oder gesunder Ernährung zu befassen. Man sollte vielmehr die offenen Fließgleichgewichte des ganzen Kreislaufs vom Essen zum Essen im Blick haben. Dies betrifft insbesondere das Gewinnen eines tieferen Verständnisse der unmittelbar miteinander verbundenen Kohlenstoff-, Stickstoff-, Phosphor- und Wasserkreisläufe. Zu einem auf diesen Kreisläufen aufbauenden gesunden und erfüllten Leben gibt es unendlich viele Wege, die man finden kann, wenn man die Grundprinzipien verstanden hat. Wer sich auf diese Wege begibt, wird von Jahr zu Jahr mehr..."

  • Bio ist ein wesentlicher Baustein. Entscheidend ist aber, ob wir Menschen es vielleicht noch lernen, die Kreisläufe zu schließen. Andernfalls graben wir weiter an unserem Untergang.

    Nur ein kleines Beispiel. Zum Kreislauf gehört zB, dass wir auch unsere eigenen Exkremente wiederverwenden und nicht über Alibi-Kläranlagen in die Gewässer entsorgen und damit verseuchen. Der Ansatz von Demeter, Bioland, etc ist zu begrüßen, bleibt aber weit hinter dem notwendigen Kreislauf zurück.

    • @Bauer Gerry:

      Richtig, auf den zu schließenden Kreislauf bezüglich menschlicher Ausscheidungen weise ich auch immer gebetsmühlenartig hin, was manchmal zu erschrockenen Reaktionen selbst bei ökobewegten Menschen führt. Aber es ist technisch längst möglich Klärschlamm usw. entsprechend aufzubereiten, auch Medikamentenrückstände usw. sind dann kein Problem mehr. Dies sollte im Informationszeitalter selbst global keine Umstände mehr bereiten, für alle registrierten Liefermengen von Kaffee, Tee, Bananen, Kakao u.ä. muss das Schiff auf der Rückreise eben wieder die entsprechende Menge organischen Dünger dabei haben.

  • Bevor man darüber streitet ob Reis in Bio oder Konventionell erzeugt sollte man darauf drängen den Reisanbau abzuschaffen.



    Reis ist, egal wie erzeugt, eine der schädlichsten Kulturpflanzen überhaupt, Reis ist für 10 % des Weltweiten Methanausstoßes verantwortlich, Reis braucht Unmengen von Trinkwasser, 2000 - 5000 l je kg Reis. Stiftung Warentest hat in allen untersuchten ( www.test.de/Reis-i...dstoffe-6122435-0/ ) Proben von Reis Arsen nachgewiesen und in vielen Kadmium, also Krebserregend und Nierenschädlich. Hier müsste jetzt eigentlich die Frage im Raum stehen warum so etwas überhaupt bei uns verkauft werden kann/darf.

    • @Günter Witte:

      Mal nicht so panisch sein. Der Methanausstoß der Viehhaltung ist um ein vielfaches höher. Es gibt auch Reissorten die weniger Wasser benötigen oder poliert werden und deshalb eine geringere Konzentration von Arsen aufweisen. Es wird lediglich empfohlen Reis nicht ausschließlich als Hauptnahrungsmittel zu verwenden. Basmati- und Trockenreis haben die geringste Belastung. Durch in Wasser einlegen oder mit reichlich Wasser kochen und abgießen, lasst sich der Arsengehalt um bis zu 50% reduzieren.

  • Die Grundlage von biologisch/ökologischem Anbau sind die Erhaltung und Verbesserung der Böden. Es geht bei Bio nicht darum, dass die Lebensmittel besser schmecken als im konventionellen Anbau. Das ist ein Nebeneffekt. Der konventionelle Anbau errichtet landwirtschaftliche Wüsten, ohne jeden Bodenlebens. Dort kann nur was wachsen, wenn Düngemittel eingebracht werden. Die Pflanzen werden dann noch mit Insektiziden gespritzt und kommen dann gut aussehend in den Handel, sind aber stark belastet und inhaltlich leer, was man dann schmeckt. Insofern ist die Düngemittel"krise" ein weiterer Weckruf. Hört endlich auf mit der konventionellen Landwirtschaft!

    • @shitstormcowboy:

      Nur werden durch den Einsatz von Chemischen Pflanzenschutzmittel die Pflanzen davor geschützt stark gesundheitsgefährdende oder sogar tödliche Pilzkrankheiten wie Mutterkorn, Schimmelpilze, Mykotoxine, Antoniusfeuer zu entwickeln, durch die, bevor man die Pflanzen gesund hielt, jedes Jahr tausende von Menschen gestorben sind.

      • @Günter Witte:

        und damit die PSA am den Blättern kleben bleiben, enthalten sie PFAS Verbindungen.



        Sehr lecker.



        Man muss das Gesamtbild betrachten- nicht nur einzelne Aspekte.

    • @shitstormcowboy:

      Stimmt nur bedingt



      Auch im Bio-Anbau sind Stoffe erlaubt, welchen die Fauna und Flora schädigen und die Böden schwer belasten können. Als ein Beispiel nur die Verwendung von Kupfer als Fungizid, welches sich in den Böden anreichert und Pyrethrine / Spinosad welches auch für Bienen gefährlich ist, um nur zwei Beispiele zu nennen. Klar ist Bio besser, aber "heilig" ist es dann doch auch nicht.



      Aber ich wüsste auch nicht, ob und wie man 10 Milliarden Menschen in 100% völlig ohne Umweltbelastung ernähren könnte.

      • @Hans Dampf:

        Das "Kupferargument" ist so sicher wie das Amen in der Kirche:



        Kupfer wird bei manchen Trinkwasserqualitäten auch aus den Hausleitungen gelöst und findet sich dann in Deinem Kaffee (und im Klärschlamm, der oft nich auf dem Acker landet).



        Auch lecker.



        Trotzdem- unter Abwägung- ist mir Biowein lieber als "Gspritzer". Höherer CO2 footprint, PFAS, Mikroplastik, Kunstdünger aus Erdgas..



        Sehr lecker.



        Man muss das Gesamtbild betrachten- nicht nur einzelne Aspekte



        Man muss das Gesamtbild betrachten- nicht nur einzelne Aspekte.

      • @Hans Dampf:

        Das weiß ich als Nichtbauer ebenfalls nicht, jedoch "fressen" Erwachsene aus medizinischer Sicht schon einmal zuviel. Darüber hinaus kippen wir Nahrungsmittel auch gerne mal ins Klo. Womöglich ist Quantität nicht das Problem.

    • @shitstormcowboy:

      Die Böden werden nicht mit Öko-Landbau verbessert. Da gibt es viel bessere Systeme. Informieren Sie sich mal über "No Till" im Ackerbau. Auf dem amerikanischen Kontinent ist "No Till" schon fest etabliert. Bio muss den Boden bearbeiten und Pflügen. Das mag der Boden gar nicht.

      • @Bernhard Hellweg:

        'No till' funktioniert nur mit 'spritz viel' (v.a. Glyphosat). Für die Bodenstruktur besser (v.a. lehmhaltige). Dafür PFAS, Mikroplastik und Rückstände in Pflanzen und Grundwasser.



        Supi.



        Man muss das Gesamtbild betrachten- nicht nur einzelne Aspekte.

      • @Bernhard Hellweg:

        Nur zur Erläuterung, "No Till" steht für "No Tillage", ist in Kanada sehr verbreitet aufgrund der kurzen Vegetationsdauer. In diesem unserem Land wird es Direktsaat genannt. Das der Boden keine Bearbeitung mag ist mir neu, aber ich mache das ja auch erst seit 30Jahren. Die Alternative zum Pflug ist der Grubber, der Unterschied ist der Boden wird nicht gewendet.

        • @Klaus-Jürgen Reinke:

          No Till. bzw Direktsaat, benötigt weder Grubber noch Pflug und ist in Südamerika Standard. Ansonsten hätten sie dort extreme Bodenerosion. Pflug und auch Grubber schädigen das Bodenleben mehr als Agrarchemie.

  • Wer mit Bio-Landwirtschaft in Zeiten von Klimawandel und einer rasanten globalen Bevölkerungsentwicklung den Hunger bekämpfen will, der glaubt auch an die wundersame Brotvermehrung. Apropos, jedes kg Ernte benötigt die gleiche Menge Pflanzennährstoffe, sprich Dünger. Wo sollen diese Nährstoffe herkommen?

    • @Bernhard Hellweg:

      Über die Sache mit der wundersamen Brotvermehrung bin ich beim aufmerksamen Lesen ebenfalls gestolpert, denn: an der Stelle, an der Herr Wolter von Herrn Maurin damit konfrontiert wird, dass die Erträge pro Ha bei konventioneller Landwirtschaft deutlich höher sind als im Biolandbau, zündet Herr Wolter eine Nebelkerze und antwortet mit 'Risikoverminderung durch Diversität' d.h. er vergleicht den Ertrag von biologisch angebauten Mischkulturen mit demjenigen von biologisch angebauten Monokulturen! Letztere konvergieren bei starken Befallsdruck gegen Null, z B. wenn Phytophtora infestans in einem bio-ökologisch bebautem Kartoffelacker wütet. Die Antwort von Herrn Wolter ändert jedoch nichts daran, dass der Ertrag von konventionell angebauten Monokulturen (in ton/Ha) dem vergleichbaren Wert aus dem Bioanbau überlegen bleibt. Wäre es anders, dann bräche das Geschäftsmodell von Syngenta & Co sofort in sich zusammen. Die wundersame Brotvermehrung lässt daher noch auf sich warten.

    • @Bernhard Hellweg:

      Bei diesen Überlegungen vermisse ich das Gegenüberstellen von Fläche und Verbrauch, sowie Kennzahlen des tatsächlichen Bedarfs, aber auch dazu, was achtlos oder achtungsvoll dennoch weggeworfen wird. Auch Erzeuger stehen nämlich leider unter Wachstumszwang, weil (fremde) Vermögen Preise machen. So viel zur wundersamen Brotvermehrung.

      • @Gerhard Krause:

        In der Tat, wir gehen mit Nahrung nicht achtsam um. Wir werfen sie achtlos weg,, wir füttern unser Vieh damit, wir verbrennen sie in unseren Motoren und letztendlich sollen alle Menschen ernährt werden. Wird jetzt weniger Nahrung geerntet, werden wir Reichen weiterhin achtlos mit unserer Nahrung umgehen und bei den Ärmsten der Armen kommt Nahrung nicht mehr an, sie müssten verhungern. Wer eine andere Landwirtschaft will muss erst mal die Nahrungsmittelsysteme verbessern. Vorher muss man sich um eine andere Landwirtschaft keine Gedanken machen, Da heißt es nur, immer mehr produzieren.

    • @Bernhard Hellweg:

      Sie kommen aus dem Nährstoffkreislauf, der in der Natur die wunderbare Welt der Pflanzen geschaffen hat und so den Kohlenstoff aus der Luft gebunden. Aber dann kamen die grossen Städte und die Kläranlagen, die den Schlamm als "thermische Energie" abgaben, einen Teil der Nährstoffe rausfilterten um dann den Rest in die Flüsse und Meere abgeben zu dürfen.... Jetzt gehen auch bei den Mineralien die Lagerstätten zu Ende und es werden selektiv (nach "Marktpreisen", Schäden in Flüssen und Meeren werden nicht eingepreist) einzelne Nährstoffe zurückgewonnen. Bei Stickstoff wird der energieintensiv hergestellte Harnstoff wahlweise in Luft und Wasser "entlassen". Und die Erklärung von Politik, Wissenschaft und Industrie warum das so sein muss war einfach: der Kreislauf ist mit soviel "Dreck" belastet, das können wir den Böden nicht zumuten. Wohlmeinende Bodenschützer haben diese Lied mitgesungen. Und jetzt findet weltweit ein Umdenken statt: Kreisläufe schliessen und die Stickstoffgewinnung aus der Luft den Leguminosen, Farnen und Bakterien überlassen. Und ich gebe dem Autor des Artikels recht, das ist in den Tropen sogar einfacher. Aber wenn wir das Geld von der Marsmission umleiten.....

    • @Bernhard Hellweg:

      Sie meinen also, wir sollten bei der von Ihnen prognostizieren "rasanten globalen Bevölkerungsentwicklung" die begrenzten Süßwasserreserven noch weiter vergiften, die Temperatur noch weiter nach oben treiben, und die Biosphäre noch weiter zerstören?



      Ihnen ist schon bewusst, dass auch die gen-gezüchteten Nutzpflanzen der großen Pharmakonzernen auf trockenem Boden ohne Wasser nicht wachsen, oder denken Sie dies seien wundersame Magiepflanzen?

    • @Bernhard Hellweg:

      Ja genau das ist die Frage. Darum intelligente Systeme, also mit Bäumen, deren Laub für entsprechenden Nährstoffeintrag führt. Geschlossene Kreislaufsysteme, die keinen @Dünger“ von außen benötihen. All das macht uns die Natur vor und ist in den Konzepten Waldgarten, syntropische Landwirtschaft und Permakultur enthalten. Ich hatte hier drei Kommentare geschrieben, die offensichtlich nicht veröffentlicht werden…?

  • Mit Biolandwirtschaft verhungern die Vorstände der Düngemittel-, Spritzmittel und Monstermaschinenkonzerne, die Medizinbranche verliert die Einnahmen, durch Symptombekämpfung bei Krankheiten durch Fehl- und Falschernährung - hat denn mit denen niemand Mitleid??

    • @Erfahrungssammler:

      Woher kommen die Pflanzennährstoffe für die Bio-Landwirtschaft?

      • @Bernhard Hellweg:

        Ich bin selbst kein Bio-Landwirt, aber bei ihren Argumenten fällt auf, dass sie sich mit deren Arbeitweise wenig beschäftigt haben. Da wäre zum einen eine deutlich anspruchsvollere Fruchtfolge, was der konventionellen Landwirtschaft auch ganz gut tun würde. Zum anderen wird deutlich mehr mit Leguminosen gearbeitet, das muss ich hoffentlich nicht erklären. Das Ausbringen von Stallmist ist auch besser als nur Gülle auszubringen.

      • @Bernhard Hellweg:

        Haben Sie vielleicht das CO2 vergessen, das den größten Teil der produzierten Biomasse ausmacht? Dünger muß Stickstoff und Mineralien einbringen. Die Masse kommt aus der Luft. wenn mich miner gymnasiale Biologie nicht täuscht. Dann ist es nicht richtig, daß die gleiche Masse and Dünger benötigt wird, um Biomasse zu produzieren.

      • @Bernhard Hellweg:

        Das Stöckchen ist mir nicht hoch genug, da macht Drüberspringen keinen Spaß

        • @Erfahrungssammler:

          Wenn Sie meinen Mineralien , sprich Pflanzennährstoffe kommen aus der Luft, dann haben Sie das Stöckchen nicht erkannt...

  • Kann dem nur zustimmen. Habe engere Kontakte nach Kambodscha und dort wurde jetzt aktuell viel über diese Abhängigkeiten geschrieben. Parallel wurde Humusherstellung (z.B. auf der Grundlage der invasiven Wasserhyazinthe) propagiert und die Aufbereitung von Klärschlämmen zur Düngung. Die pure Not treibt Politik und Wissenschaft in die richtige Richtung. Aber die armen Kleinbauern sind natürlich erst einmal wieder gekniffen.... In Kambodscha ist in kleinem Umfang auch Azolla als Viehfutter und Kompostgrundlage ein Thema. Stimmt mich alles optimistisch.....

    • @Heiner Petersen:

      Politik, Wissenschaft und deren Sponsoren in den Konzernen sind von "purer Not" noch sehr weit entfernt. Wüssten sie ansatzweise, wie sich das anfühlt, würden sie endlich wirksam etwas zum Positiven hin bewegen.

  • Es gibt sicherlich sehr viele Landwirte die völlig anderer Meinung sind, Biodiversität schön und gut aber wenn es um die Masse geht, wird immer noch viel Dünger gebraucht.

  • Nun mal langsam! Wenn das so praktiziert wird, wird bei den Aktionären der Chemiekonzerne und in den Chefetagen eine andere Hungersnpot ausbrechen. Und das werden diese Leute zu verhindern wissen....

  • Ein sehr gutes Thema, danke für das Interview!

  • Ich selber experimentiere und forsche an der Schnittstelle Biodiversität und Ertrag, also ein Maximum an Ertrag und gleichzeitig ein Maximum an Biodiversität. Mit Methoden der Permakultur und syntropischen Landwirtschaft ist das möglich. Tatsächlich fallen immer Kulturen aus und andere tragen. Mit Bäumen, Sträuchern, Bodendecker und Rankpflanzen, mit Wildnis und mit Beeren, Obst, Gemüse, Kräuter, Wurzelgemüse und Insekten und intaktem Bodenleben (no dig) gibt es eine gigantische Vielfalt und ein richtig gesundes Ökosystem. Irgendwann. Nach 6-7 Jahren. Bis dahin fressen Wühlmäuse, Mäuse, Vögel vieles und Schnecken Alles was an einjährigen Kulturen gepflanzt wurde. Ich hatte viel Arbeit, Ausgaben und… keinen Ertrag von diesen Kulturen. Zusätzlich ist das Ernten deutlich aufwendiger.

    Das ist genau das, was wir als Menschen brauchen. Denn rechteckige Monokulturen machen dumm. Gigantische Vielfalt lässt Demut entstehen.



    Aber: es ist definitiv nicht wirtschaftlich.



    Ist jetzt die Anbauweise schlecht? Oder das Wertesystem…