Abschiebepläne nach Syrien: Ein Ohr für die AfD

Es wäre so leicht: Straftat hier begangen – Täter hier bestraft. Eine Regierung sollte das vermitteln können statt sich Druck von rechts zu beugen.

Ein Mann trägt einen Käfig mit einer Katze durch ein zerstörtes Wohngebiet

Idlib, im August Foto: Anas Alkharboutli/dpa

Auf wen hören die deutschen Innenminister wohl eher: auf die AfD oder auf das Auswärtige Amt? Wenn es um Abschiebungen nach Syrien geht, ist die Antwort: auf die AfD. Die hatte im November eine Delegation von Hobbydiplomaten aus ihrer Bundestagsfraktion nach Damaskus geschickt, um Hände mit Vertretern der Regierung von Präsident Baschar al-Assad zu schütteln. Das wichtigste Ziel der Reise war, hinterher erneut behaupten zu können, der „Aussöhnungsprozess“ in dem Bürgerkriegsland sei vorangeschritten, sodass es Zeit für die „Rückkehr der syrischen Flüchtlinge in ihre Heimat“ sei.

Professionelle Diplomaten sehen das anders: Im jüngsten Syrien-Bericht des Auswärtigen Amt steht: „Immer wieder sind Rückkehrer, insbesondere – aber nicht nur – solche, die als oppositionell oder regimekritisch bekannt sind oder auch nur als solche erachtet werden, erneuter Vertreibung oder Repressionen, bis hin zu unmittelbarer Gefährdung für Leib und Leben ausgesetzt.“ Die Bedrohung bestehe in allen Landesteilen.

Trotzdem wollen die Innenminister der Länder am Freitag beschließen, dass künftig Straftäter nach Syrien abgeschoben werden können, so wie es auch nach Afghanistan praktiziert wird. Begründet wird dies mit dem angeblichen Rechtsempfinden der Bevölkerung, der „nicht zu vermitteln“ sei, warum Straftäter ihren Schutzanspruch nicht verwirken sollen, so der Vorsitzende der Innenministerkonferenz (IMK), Hans-Joachim Grote (CDU) aus Schleswig-Holstein.

Dabei wäre es so leicht: Straftat hier begangen – Täter hier bestraft. Menschenrechte bleiben davon unberührt. Das zu vermitteln sollte die Kommunikationsfähigkeiten einer Regierung nicht übersteigen. Tatsächlich beugt man sich einmal mehr dem Druck von rechts außen in der dünnen Hoffnung, die AfD zu schwächen, indem man ihre Forderungen aufgreift. Und versetzt die SyrerInnen, die sich nach Deutschland gerettet haben, in Angst. Denn wird erst abgeschoben, fühlt sich keiner von ihnen mehr sicher.

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Seit 2006 bei der taz, zuerst bei der taz Nord in Bremen, dann Redakteur bei taz1, seit 2014 im Ressort Reportage und Recherche. Seit 2016 erschienen von ihm im Ch. Links Verlag "Die Bleibenden", eine Geschichte der Flüchtlingsbewegung, "Dikatoren als Türsteher" (mit Simone Schlindwein) und "Angriff auf Europa" (mit M. Gürgen, P. Hecht. S. am Orde und N. Horaczek) https://t1p.de/imjo. 2019 erscheinen zudem der "Atlas der Migration" (Hrsg. Rosa Luxemburg Stiftung, https://t1p.de/qsa2) und der "Atlas der Zivilgesellschaft" (Hrsg. Brot für die Welt, https://t1p.de/qs)

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