UN-Umweltprogramm : Mehr Tempo in Sachen Klimaschutz
Die im Pariser Abkommen festgelegte 1,5-Grad-Grenze ist nicht zu halten. Jetzt gilt erst recht, die Maßnahmen zur CO₂-Einsparung zu intensivieren.
Foto: Christophe Van Der Perre/reuters
E s war ein Coup: Die Regierungen der Welt schrieben 2015 ins Pariser Weltklimaabkommen, dass sie die Erderhitzung bei „deutlich unter 2 Grad“ und möglichst sogar bei 1,5 Grad gegenüber vorindustriellen Zeiten begrenzen wollen. Die 1,5-Grad-Grenze war ein unwahrscheinlicher Verhandlungserfolg von kleinen Inselstaaten wie Vanuatu im Südpazifik, Trinidad und Tobago in der Karibik oder wie Mauritius im Südwesten des Indischen Ozeans.
Die Länder eint, dass sie kolonial ausgebeutet wurden von Staaten, die den eigenen Reichtum und die Industrialisierung antrieben und die damit die Klimakrise auslösten. Sie eint auch, ganz besonders unter der kaum mitverschuldeten Katastrophe zu leiden. Das Meer droht, diese Länder zu großen Teilen zu verschlingen. Die 1,5-Grad-Grenze nannten sie ihre „Rettungsleine“.
2018 zeigte ein Sonderbericht des Weltklimarats, dass die Bedrohung von Mensch und Natur schon bei 2 Grad Erderhitzung tatsächlich deutlich größer ist als bei 1,5 Grad. Die Rettungsleine brauchte also eigentlich die ganze Welt. Ergriffen hat sie sie leider nicht. Wovor die Wissenschaft schon lange warnt, haben jetzt auch die Vereinten Nationen anerkannt: Nachdem etwa das Jahr 2024 im Durchschnitt schon 1,6 Grad heißer war als vor der Industrialisierung üblich, ist der dauerhafte Eintritt in die Ära jenseits der 1,5 Grad schon in den kommenden Jahren zu erwarten.
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Das schreibt das UN-Umweltprogramm in einem Bericht. Das heißt: mehr extreme Hitze, intensivere Stürme, mehr Dürre im Wechsel mit Starkregen, ein höherer Meeresspiegel – also verlorener Lebensraum, möglicherweise Ernte- und damit mehr Hungerprobleme, ganz allgemein mehr Gefahr. Besonders betroffen sind arme Länder, die wenig Mittel zur Anpassung haben. Auch das Risiko für unumkehrbare Schäden mit weltweiter Bedeutung steigt.
Temperaturen rückwirkend drücken
Das ist kein Wunder, denn trotz aller Klimaschutzappelle wird global gesehen immer mehr fossile Energie genutzt, die Treibhausgasemissionen haben im vergangenen Jahr sogar ein neues Rekordhoch erzielt. In Deutschland gehen die Emissionen zwar seit 1990 zurück, oft genug aber vor allem wegen wirtschaftlicher Krisen. Schwarz-Rot macht klimapolitische Fortschritte sogar wieder rückgängig, etwa beim Heizungsgesetz oder bei der Erneuerbaren-Förderung.
Das UN-Umweltprogramm hat sich auch damit beschäftigt, wie man die globalen Temperaturen nachträglich wieder in den 1,5-Grad-Bereich drücken könnte. Das bringt allerdings einmal verlorene Ökosysteme nicht wieder zurück. Außerdem brauchen wir dafür neben gesunden Wäldern und Mooren auch umfangreiche technische Methoden, die bislang als riskant, teuer und ineffizient gelten. Sie sind noch nicht annähernd in ausreichendem Maße verfügbar.
Wahr ist also immer noch: Es geht darum, so schnell wie möglich weg von fossilen Energieträgern zu kommen und damit die klimaschädlichen Emissionen zu reduzieren. Das allein bleibt die einzige echte Rettungsleine.
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