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Kürzungen beim WohngeldFörderprogramm für Wohnungslosigkeit

Marie Frank

Kommentar von

Marie Frank

Die geplanten Kürzungen beim Wohngeld treiben viele Rent­ne­r und Familien in Armut. Statt bei den Ärmsten zu sparen, braucht es ein radikales Umdenken.

W ohnen ist in den vergangenen Jahren zunehmend zum Armutsrisiko geworden. Jede:r, der in Städten schon mal auf Wohnungssuche war, weiß, dass es ohne Vitamin B unmöglich ist, eine bezahlbare Wohnung zu finden. In der Folge gelten 5,4 Millionen Menschen als wohnarm, weil sie nach Abzug von Miete und Heizkosten unter die Armutsgrenze rutschen. Das Problem verschärft sich zunehmend: Während die Mieten auf historischem Höchststand sind und der Bedarf an Sozialwohnungen steigt, sinkt die Anzahl mietpreisgebundener Wohnungen Jahr für Jahr, allein 2025 um 20.000.

Doch anstatt das Problem zu lösen und für ausreichend bezahlbaren Wohnraum zu sorgen, konterkariert die Bundesregierung ihr eigenes Ziel, Wohnungslosigkeit bis 2030 abzuschaffen und Armut zu bekämpfen. Die aktuellen Kürzungspläne von CDU und SPD sehen künftig nur noch drei statt fünf Milliarden Euro für Wohngeld vor. Das trifft laut Bundesbauministerin Verena Hubertz (SPD) ein Drittel der über 1,2 Millionen Wohngeld-Empfänger:innen – also rund 400.000 Menschen.

Gespart wird bei denen, die ohnehin schon am wenigsten haben: Alleinerziehende, Familien und Rentner:innen. Die Armutsquote in diesen Gruppen ist signifikant höher als im Durchschnitt. Die Kürzungen beim Wohngeld werden diese Situation noch verschärfen und das Risiko für Wohnungslosigkeit drastisch erhöhen.

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Nun ist das Wohngeld zu Recht ein umstrittenes Instrument, schließlich sorgt es für höhere Mieten und ist eine Umverteilung von Steuergeldern in die Taschen privater Immobilieneigentümer:innen. Hier einfach zu kürzen, greift jedoch zu kurz und ist sozialpolitischer Sprengstoff.

Stattdessen muss dafür gesorgt werden, dass Menschen gar nicht erst auf Wohngeld angewiesen sind. Eine Entspannung auf dem Wohnungsmarkt sorgt automatisch für sinkende Ausgaben beim Wohngeld, ohne die Menschen in Armut und Wohnungslosigkeit zu treiben. Die Instrumente dafür liegen auf der Hand: Neben dem Ausbau von Sozialwohnungen braucht es sehr viel längere Mietpreisbindungen, die Vergesellschaftung großer Immobilienunternehmen und einen Mietendeckel.

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Marie Frank

Marie Frank Redakteurin

Redakteurin bei der taz mit Schwerpunkt soziale Bewegungen, Migration, Klassenkampf und soziale Gerechtigkeit. Hat politische Theorie studiert, ist aber mehr an der Praxis interessiert.
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13 Kommentare

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  • Es hilft halt langfristig nur bauen, bauen, bauen.



    Was nicht hilft ist enteignen und dauerhafte Wohnhilfen, das kostet Milliarden. Das Geld ist besser in neue Wohnungen investiert. So lange da aber fast nichts getan wird, darf man denen die Hilfe brauchen nicht einfach das Wohngeld kürzen.

  • Klar, erst die Sozialwohnungen an private Investoren verkaufen, dann diese verstaatlichen. Super Idee! Da könnte man doch einen Fünfjahresplan daraus machen. Wer soll denn die neuen Sozialwohnungen bezahlen und bauen? Solange Städte ihr Tafelsilber verhökern, sollte gar nicht mehr gebaut werden.

  • Eine SPD Ministerin, die in so einer Situation am Wohnungsmarkt Wohngeld im großen Stiel Wohngeld kürzen will, statt endlich Sozialwohnungen zu bauen. Einfach unfassbar...

    • @warum_denkt_keiner_nach?:

      Neoliberale SPD?

  • Die Baustandards abschwächen und es wird wieder mehr gebaut. Bei einem jetzigen Neubau geht nichts mehr unter 12-15 €/qm bei der Miete. Je nachdem in welcher Gegend. Oftmals such drüber. Das können sich nur noch wenige leisten.

    • @Der Cleo Patra:

      Sie möchten bei Baustandards kürzen? Also bei Hitzeschutz, Lärmschutz und anderen wichtigen Standards für's Bauen?



      Bauen muss sich übrigens nicht nach 5 Jahren amortisiert haben.

      • @Berenice:

        Wo würden Sie denn ansetzen?

        Alles wurde die letzten Jahre verkompliziert und teurer.

        Von der Planung über die Rohstoffgewinnung bis zum bauen selbst.

        Wenn jemand im Mietwohnungen investiert, dann macht man das um wenigstens etwas Ertrag zu haben.

        Die Kalkulationsgrundlage ist immer der Kaufpreis. Bei uns kostet eine Neubauwohnung mit 80qm min. ca. 450.000€



        Dazu noch 10% Nebenerwerbskosten dann sind wir bei 495.000€

        Bei ca 100.000€ Eigenkapital bleiben noch 400.000€

        Soll die Wohnung in 20 Jahren abbezahlt sein, ergibt das monatlich schon eine Summe von 1.667€

        Was noch nicht gerechnet ist sind Finanzierungszinsen, Grundsteuer, etc.



        Dazu sind 100.000€ aus ihrem Kapital gebunden, die keinen Ertrag bringen.

        Welche Miete würden Sie als Eigentümer hier veranschlagen?

        • @Sole Mio:

          Toller Kommentar. Nur fürchte ich, dass die welche immer Mietpreisbremse und Enteignung rufen ihre Kalkulation entweder nicht verstehen oder nicht verstehen wollen. Neuer Wohnraum in einer Innenstadt für Mieten um 10-15€ sind leider nicht mehr finanzierbar.

    • @Der Cleo Patra:

      Um unsere Klimaziele zu erreichen muessen wir im Winter Strom sparen, da der Winterstrommix aufgrund des verfruehten Atomausstiegs eine so klimatische Katastrophe ist. Also werden die Strompreise und Baustandards hochgetrieben, um Stromeinsparungen zu erzwingen. Dies hat die Mieten hochgetrieben, ob nun im Neubau oder im energetisch sanierten Bestand.



      Und wie Sie richtig feststellen, koennen sich das nur noch wenige leisten. Vor allem kann es sicher der Staat in Form von Wohngeld nicht mehr leisten.



      Und so schliesst sich der Kreis, und wie immer kommen die Schwaechsten unter die Raeder.

      • @elektrozwerg:

        "Um unsere Klimaziele zu erreichen muessen wir im Winter Strom sparen, da der Winterstrommix aufgrund des verfruehten Atomausstiegs eine so klimatische Katastrophe ist"

        Mit Verlaub, das ist schlicht technischer Quatsch was Sie hier schreiben, Sorry für die Deutlichkeit aber hier muss das mal gesagt werden.

        Ach ja, kleiner Rückfrage, wo sollen denn die für den weiterbetrieb der alten AKW´s erforderlichen Uranbrennstäbe herkommen?

  • Mehr sozialer Wohnungsneubau mit längeren Mietpreisbindungen wäre gut und wichtig, aber wie viele zusätzliche Wohnungen würden mit einer Verstaatlichung großer Immobilienunternehmen geschaffen? Keine einzige...



    Und eine Lösung für die mangelnde Freigabe von Bauland ist auch nicht in Sicht, das beißt sich mit dem Naturschutz (Flächenverbrauch, Verschwinden von Kaltluftschneisen etc...).

    • @Offebacher:

      Bauland wird ja freigegeben. Nur nicht vorrangig für Sozialwohnungen. Und natürlich könnte ein Immobilienunternehmen in Staatshand Sozialwohnungen bauen...

      • @warum_denkt_keiner_nach?:

        Dann wäre es aber besser, der Staat (Bund, Länder, Kommunen) nutzt dafür vorhandene, in seinem Besitz befindliche Immobilienunternehmen bzw. gründet Neue, wenn er keine hat. Gibt dann das Geld für Neubauten bzw. Renovierung/Umbau von sonst nicht mehr nutzbarem Wohnraum aus statts mit dem Geld private Immobilenunternehmen zu kaufen. Dann ist das Geld weg, ohne dass eine einzige neue Wohnung gebaut wurde.



        Die im Besitz der Stadt Hamburg befindliche SAGA scheint mir ein gutes Beispiel zu sein, bin aber davon zu weit weg, um zu wissen, ob hier die Medienmeldungen korrekt sind. In Offenbach entsteht am Main mit der Hafeninsel ein neues Stadtviertel, da gibt es aber nur teure bis sehr teure "freifinanzierte" Miet- und Eigentumswohnungen.



        Den größten Block hat dort die ABG Frankfurt gebaut, eine Tochter der Stadt Frankfurt. Aber auch keine Sozial- oder zumindest Mittelpreiswohnungen, sondern Wohnungen im "oberen" Bereich, wie sie es nennen. Die geförderten Wohnungen bauen sie in Frankfurt. So wird der Spalt zwischen Offenbachern und Frankfurtern auch nicht kleiner, und das sage ich als Zugezogener in den Rhein/Main-Raum.