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Grünlicher Europäischer Aal (Anguilla anguilla) Foto: Rolf Riedmatten/imageBROKER/imago

Vergessene Helden der ÖkologieWer den Aal nicht ehrt, ist den Wal nicht wert

Wenn Wale leiden, bricht vielen Menschen das Herz. Hässlichere Tiere werden dagegen oft übersehen. Zeit für eine Würdigung.

A us den Augen, aus dem Sinn. Kaum lag der arme Wal nicht mehr vor der deutschen Küste, kümmerte sich niemand mehr um ihn. Zumindest nicht die mediale Öffentlichkeit. Nun wissen wir: Timmy ist tot, der wochenlange Rummel war vergebens, und in ein paar Tagen wird niemand mehr über ihn sprechen.

Was wir nicht sehen, beschäftigt uns nicht. Können Sie sich zum Beispiel noch an die Autofahrten erinnern, bei denen man am Ende die Windschutzscheibe schrubben musste? Überall klebten Insekten. Gibt es nicht mehr. Wo sind die alle hin?

Vor knapp zehn Jahren machte die Krefelder Studie Schlagzeilen. Die Anzahl der Insekten sei bundesweit um mehr als 75 Prozent geschrumpft. Das ist ein Problem. Wer bestäubt den Großteil der Nutzpflanzen auf den Feldern, wenn es keine Bienen, Fliegen und Falter gibt? Wer zersetzt den Biomüll, wenn es keine Käfer und Larven gibt?

Außerdem gehören Insekten zur Basis fast jeder Nahrungskette. Wo sie fehlen, schwinden die Populationen von Vögeln, Fledertieren, Amphibien und Fischen. Klingt nach Apokalypse. Sorgen machen wir uns deshalb trotzdem keine. Weil es ja nur Insekten sind.

Weltweit gilt mehr als jede dritte Tier- und Pflanzenart als bedroht. Die Gründe für dieses Artensterben sind alle menschengemacht, sei es die industrielle Landwirtschaft oder die Ausbeutung natürlicher Ressourcen, seien es der Klimawandel oder eingeschleppte Nahrungskonkurrenten und Fressfeinde. Das Problem für uns: Aus denselben Ökosystemen, die wir zerstören, beziehen wir auch die Rohstoffe, die unser Überleben sichern.

Wie lange diese Ökosysteme noch durchhalten, wissen wir nicht. Zur Veranschaulichung spricht man im Naturschutz von der Gefahr eines Kaskadeneffekts. Er erzählt vom Netz, das mit ein paar Löchern noch halbwegs in Ordnung ist, bis es plötzlich reißt. Oder vom Jengaturm, der immer wackeliger wird, bis er schließlich einstürzt.

Besonders dramatisch ist das Artensterben, wenn Schlüsselspezies betroffen sind. Das sind die Arten, die in komplexen Abhängigkeitsketten entsetzliche Lücken hinterlassen. Waldelefanten etwa trampeln Schneisen in den Dschungel, die andere Tiere als Fluchtwege nutzen und Licht für Jungpflanzen schaffen. Auf ihrer Wanderschaft verteilen die Dickhäuter Samen mit ihrem Dung.

Eisbären lassen bei ihren Robbenfängen Reste übrig, die das Überleben mehrerer fleischfressender Arktisbewohner sichern. Und Wale wälzen bei ihren Tauchgängen Nährstoffe aus der Tiefe der Ozeane an die Oberfläche. Diese sogenannte Walpumpe düngt den Phytoplankton, der die Grundlage so ziemlich aller Nahrungsketten im Meer bildet.

Naturschutzorganisationen versuchen die Krise der Artenvielfalt sichtbar zu machen. Sie haben sich dafür fotogene Botschafter ausgesucht, die sanft auf das Problem hinweisen: Panda, Gorilla, Feldhamster – alle schön, alle flauschig, alle gefährdet. Sie sollen wenigstens ein bisschen Empathie in uns wecken. Denn wir schützen lieber Tiere, die uns ähnlich genug sind, um unsere Gefühle zu spiegeln. Würmer und Mücken hingegen haben keine Lobby. Wirbeltierchauvinismus wird das auch genannt.

Um unsere Ökosysteme zu schützen, braucht es vielleicht jedoch eine neue Erzählung von Naturschutz. Eine, die nicht nur die Pandas und Wale ins Scheinwerferlicht wirft, sondern auch all die hässlichen, glitschigen, krabbeligen, unscheinbaren und schauderhaften Lebewesen, die in den Ökosystemen entscheidende Aufgaben übernehmen. Darum widmen wir uns hier sieben nicht ganz so putzigen, aber trotzdem lebenswichtigen Tieren.

Stierkäfer (Typhöus Typhöus) Foto: blickwinkel/imago

Der Stierkäfer

Über Scheiße spricht man nicht. Verständlich: Im Kot stecken Bakterien und Krankheitserreger, also gehen wir auf Abstand. Zum Glück sehen das nicht alle Lebewesen so. Für manche ist der ganze Mist ein einziges Festmahl. Damit das wissenschaftlicher klingt und sich keiner ekelt, sprechen Fachleute von Koprophagie.

Emsig verwertet hierzulande der Stierkäfer das große Geschäft anderer Tiere. Schwarz glänzend und mit kleinen Hörnern auf dem Kopf nutzt er den Dung von Kühen und Pferden als Nahrung und Kinderzimmer zugleich. Er gräbt Tunnel in den Boden, schleppt den Kot hinunter und legt dort seine Eier ab.

Seine koprophagen Larven fressen sich dort dann fett und sorgen für fruchtbare Böden, die die erwachsenen Käfer beim Graben auch noch belüften. Ohne Mistkäfer sähen Weiden schnell scheiße aus: mehr herumliegende Kuhfladen, schlechter wachsendes Gras, mehr parasitische Würmer oder Stechfliegen.

Bei uns ist der Stierkäfer regional selten geworden. Vom Aussterben bedroht ist er aber nicht, denn er wurde von Australien importiert. Dort verwertet er den Dung des europäischen Viehs, den die heimischen Mistkäfer unberührt lassen.

Diademspinne (Araneus diadematus) Foto: Eric Isselee/imageBROKER/imago

Die Spinne

Sie haben ein paar Beine zu viel und krabbeln mit ihnen viel zu schnell herum. Kaum ein Tier löst so zuverlässig Panik aus wie die Spinne. Wir fürchten uns vor tödlichen Bissen, und wenn keine giftigen Arten in der Nähe sind, dann wenigstens vor der Legende, wir würden in unserem Leben mehrere Spinnen im Schlaf verschlucken.

Was aber stimmt: Spinnen verschlucken selbst viele andere kleine Lebewesen und das fällt ins Gewicht. Forschende schätzen, dass Spinnen weltweit Hunderte Millionen Tonnen Tierchen im Jahr erbeuten. Spinnen sollen mehr Biomasse verwerten als Wale. Spinnen halten also die Populationen im Gleichgewicht. Zudem dienen sie anderen Tieren als Nahrung. Bedroht werden viele Arten jedoch durch Pestizide, versiegelte Flächen und zu aufgeräumte Gärten ohne Nischen und Verstecke.

Fassen Sie sich also ein Herz und lassen sie die Spinnen und ihre Netze in Frieden. Ja, sie sitzen stumm und unansehnlich in den Ecken herum. Das tun die Teenager in Ihrem Haus auch, kein Grund, sie deshalb zu erschlagen. Spinnen sorgen für weniger Mücken, Fliegen, Lebensmittelmotten, Milben und andere Nervensägen.

Und falls Sie Spinnen bislang immer behutsam im Glas gefangen und ausgesetzt haben: Sparen Sie sich die Mühe. Eine rausgeworfene Hausspinne stirbt.

Der Blobfisch

Der Blobfisch ist berühmt geworden, weil er auf einem Foto aussieht wie ein deprimierter Kaugummi mit Nase. Das Bild ging als Meme viral und der Blobfisch wurde zum hässlichsten Tier der Welt gekürt. Dabei beruht das Foto auf einem Missverständnis.

Tausend Meter unter der Wasseroberfläche, sieht der Blobfisch nicht ganz so zerknautscht aus. Das gallertartige Gewebe seines Körpers macht ihn flexibel genug, um den Wasserdruck in den Tiefen auszuhalten. Den richtig albernen Eindruck macht der Fisch erst, wenn er durch schnelle Dekompression beschädigt wird. In dem Zustand würde niemand einen Schönheitswettbewerb gewinnen.

Blobfische leben am Meeresboden, wo sie regungslos auf kleine Tiere warten. Da unten ist die Nahrung knapp. Jeder unnötige Flossenschlag wäre Energieverschwendung. Bedroht wird der Blobfisch unter anderem durch die Tiefseefischerei. Die Schleppnetze am Meeresboden erwischen den Fisch versehentlich, obwohl ihn gar keiner essen will. Machen Sie sich nicht lustig über den armen Blobfisch. Wäre Ihre Zukunft so düster, Sie würden auch nicht besser aussehen.

Bartgeier (Gypaetus barbatus) Foto: David & Micha Sheldo/imageBROKER/imago

Der Bartgeier

Fleischfetzen hängen aus dem Schnabel, Blut rinnt den Hals hinab. Der starre Blick erinnert an die nächste Killerszene aus einem „Jurassic Park“-Film. Weil Geier aussehen wie eine Mischung aus Urzeitungeheuer und gerupftem Huhn, werden die riesigen Vögel oft für Monster gehalten. In den Alpen erzählte man über den Bartgeier, er würde Menschenkinder fangen – und rottete die Population dort aus.

Tatsächlich fressen Bartgeier Aas statt Kinder. Ihr Immunsystem, ihre ätzende Magensäure und ihre Bakterien tötende Darmflora ermöglicht es Geiern, sich sogar über Kadaver herzumachen, die andere Aasfresser schon nicht mehr runterkriegen würden. Auch der meist kahle Vogelkopf hat seinen Zweck. Ohne Gefieder im Gesicht bleiben beim Fressen weniger Blut und Bakterien am Geier kleben.

Gäbe es keine Geier, wäre unsere Welt noch mehr Müllhalde als ohnehin schon. Zum ganzen Abfall kämen noch unzählige verwesende Tiere hinzu. Fäulnisbakterien würden sich ausbreiten, Krankheiten würden grassieren.

Geier gibt es fast auf der ganzen Welt. Die Altweltgeier wie Gänse-, Mönchs- oder Bartgeier leben in Afrika, Asien und Europa, Neuweltgeier wie die Kondore in Amerika. Die meisten Arten sind bedroht. Sie sterben durch vergiftete Tiere oder sie verlieren ihren Lebensraum. Beim Bartgeier gibt es immerhin Hoffnung. Der wird derzeit erfolgreich in den Alpen wieder ausgewildert.

Gemeine Flussmuschel (Unio crassus) Foto: Hartl/blickwinkel/imago

Die Muschel

Haben Sie sich auch schon einmal im Gourmetrestaurant beim Austernschmaus den Magen verdorben? So mit heftigen Krämpfen und seeungeheuerlichen Fieberträumen? Tja! Muscheln isst man halt auch nicht. Sie sind wichtige Tiere, auch wenn sie kein Gesicht haben und aussehen wie Kieselsteine mit Scharnier.

Muscheln filtern Schadstoffe. Wie kleine Kläranlagen saugen die Tiere Wasser an, filtern Schwebstoffe, Algen und Kleinstlebewesen heraus und geben saubereres Wasser wieder ab. Das hält ganze Seen und Flüsse klar.

Doch fast alle heimischen Großmuscheln stehen inzwischen auf der Roten Liste gefährdeter Arten. Besonders schlimm trifft es die Flussperlmuschel und die Bachmuschel. Beide gelten in manchen Regionen als fast ausgestorben.

Verschmutztes Wasser, Flussbegradigungen und Staudämme machen den Muscheln zu schaffen. Dazu kommen invasive Arten wie die Quagga-Dreikantmuschel aus dem Schwarzen Meer. Sie hat sich an Schiffe geheftet oder ist im Brackwasser mitgeschwommen und verdrängt nun unsere heimischen Arten, etwa im Bodensee. Wenn Sie also schon unbedingt Muscheln schlürfen wollen, nehmen Sie die invasiven.

Wechselkröte (Bufo viridis) Foto: Dreamstime/imago

Die Wechselkröte

Warzen. Glibber. Urgs. Keiner mag Kröten, nicht einmal im Märchen. Da wird der Froschkönig nicht etwa geküsst. Er wird an die Wand gepfeffert. Das sollte man sich heutzutage besser sparen, denn Amphibien sind zusammen mit den Insekten besonders vom Artensterben betroffen. Frösche, Kröten und Lurche stehen unter Naturschutz. Wo sie entdeckt werden, legen sie Bauprojekte lahm. Zur Krötenwanderung helfen ihnen Menschen über die Straße. Doch ihr Lebensraum wird immer knapper.

Die Wechselkröte hat sich deswegen schon angepasst. Während in den vergangenen 50 Jahren die eigentlichen Feuchtgebiete trockengelegt wurden, laicht diese Art notfalls auch in Pfützen auf Baustellen oder in Fahrspuren ab. Trotzdem gilt die Wechselkröte in Deutschland als stark gefährdet, in der Schweiz ist sie bereits verschwunden.

Mit ihren beige-grünen Flecken auf der Haut sieht die Wechselkröte aus wie eine verschimmelte Brötchenhälfte, und sie heißt so, weil sie je nach Untergrund etwas heller oder dunkler wirkt. Ein Tier vertilgt nachts bis zu 150 Insekten, dazu Spinnen und auch Schnecken. Ihre Kaulquappen halten die Teiche sauber. Stimmt etwas mit dem Wasser nicht, geht es den Kröten schlecht. Die Amphibien sind eine Art Fieberthermometer für das Feuchtbiotop.

Europäischer Aal (Anguilla anguilla) Foto: Nick Upton/Nature Picture Library/imago

Der Aal

Noch nie hat ein gestrandeter Aal einen Medienrummel ausgelöst. Wenn jemand nach ihm ruft, dann ist das Aale-Dieter auf dem Fischmarkt, dann ist der Aal geräuchert und kommt mit Rührei und einer Scheibe Zitrone. Für das weitere Schicksal der Aale interessiert sich kaum jemand. Vielleicht, weil sie Schlangen ähneln und wir auch von Schlangen nichts wissen wollen.

Lange Zeit wussten die Menschen nicht einmal, wie und wo sich Aale vermehren. Inzwischen ist klar: Der Europäische Aal reist zur Paarung über 5.000 Kilometer bis in die Sargassosee im Atlantik vor Florida, seine Larven nutzen dann Meeresströmungen, um zurückzugelangen. Aale können also süß wie salzig, in einem Leben reisen sie durch Flüsse, Seen und Meere. Dabei transportieren sie Nährstoffe durch ganze Ökosysteme.

Seine Wanderlust jedoch bringt den Aal in Schwierigkeiten. Die Flüsse sind verbaut, die Meere überfischt. Dazu verändert der Klimawandel die Temperaturen und Strömungen im Wasser. Wegen ihres komplexen Lebenszyklus können Aale nicht kommerziell in Gefangenschaft gezüchtet werden. In vielen Regionen sind die Aalbestände dramatisch eingebrochen.

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33 Kommentare

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  • Danke - was eine feine tour d‘horizont.

    Doch. “Die Erfahrung lehrt das die Erfahrung nichts lehrt!“ meint der Totengräber & Vater vom Aftheiker Minderhout bei Marten t‘ Hart.



    ZB der Aal wie der Hering in der “überschwemmten Wiese“ vulgo Ostsee weit verbreitet ja als “Brotfisch“ zuhause - einst.



    & ein früh nachdenklich forschender*1956 🙀



    Ming Mouder “Paulus? Ein Riese von Kerl. Wenn er mit seinem Damenflor nen riesen Weidenkorb am über Dahlemer Markt zog - der Herr Professor mit 10 🧻🧻🧻 - Strick drum!“



    Hatte sich ua über Abwassereinleitungen zB von Papierfabriken etc beschäftigt



    Heute ist das Forschungsschiff “Paulus Schiemenz“ nach ihm benannt! But.



    In den 20gern “Wenn wir mit den Einleitungen so weitermachen. Wird der Hering bald ein begehrter Speisefisch werden!“ Doch



    “Die Erfahrung lehrt das die Erfahrung nichts lehrt!“

    unterm——



    Paulus Schiemenz (* 4. Dezember 1856 in Kalkwitz, heute Landkreis Oberspreewald-Lausitz; † 15. Dezember 1936 in Berlin) war ein deutscher Fischereibiologe und Hochschullehrer.



    de.wikipedia.org/wiki/Paulus_Schiemenz

  • Sehr schön! Allerdings: Habe erst gestern wieder eine Windschutzscheibe schrubben müssen...

  • Eine Kleinigkeit zum Wahl. Etwas, was ich kaum gehört habe, neben den Meinungen ihn sterben zu lassen und den selbstinszinierenden Rettern und Experten. Es wurde selten erwähnt, was es für einen Wal bedeutet in der Ostsee zu sein. Das ist einfach nur grausam. Der Aufenthalt in der Ostsee ist für alle Wale bis auf den Schweinswal hoch gefährlich, selbst wenn er nicht strandet.

  • An alle Garten- und Vorgartenbesitzer. Pflanzt einheimische Pflanzen an, die helfen der hiesigen Tierwelt tausendmal mehr als Exophyten. Also raus mit Kirschlorbeer und Forsythie her mit Weißdorn und Holunder.

    • @QuantumRider:

      Zum Bleistift ✏️ Kölle ins Stammbuch 🙀🥴🧐

      Afrikanische Schirmakazie - um & rum & dumm!



      Da kannste in den nivht endenwollenden



      Straßenzügen gleich Plastikbäume pflanzen •

  • Klassischer Scheinbeweis/Fehlattribution:„Können Sie sich zum Beispiel noch an die Autofahrten erinnern, bei denen man am Ende die Windschutzscheibe schrubben musste? Überall klebten Insekten. Gibt es nicht mehr. Wo sind die alle hin?“



    Großteil ist verursacht durch windschnittigere Autos. Die klebten früher sogar am Scheinwerfer …

    • @Dobro:

      Sie können sich gern mit einem kastigen alten Fahrzeug davon überzeugen, dass es nicht am Design liegt.

    • @Dobro:

      "Klassischer Scheinbeweis", - klar. Weil das Cleverle Mensch mit windschnittigeren Autos für weniger Insektenmatsch auf Windschutzscheiben sorgt.



      Ich bin jahrzehntelang dasselbe Motorrad gefahren, - da ist nichts windschnittiger geworden. In den frühen Neunzigern ging es nach sommerlichen Fahrten nie ohne langes Einweichen vorweg, ehe die Insektenreste an Scheinwerfer, Blinker und Seitenspiegeln entfernt werden konnten. Um 2015 herum war keine Mühe mehr nötig, - selbst der Helm blieb größtenteils frei von Insekten. (Ich gestehe: auch ich bin somit Schuld an millionenfachem Insektensterben.)

    • @Dobro:

      Dann erklären Sie mir bitte, warum das Phänomen auch bei meinem Oldtimer auftritt. Der ist genau so wenig windschnittig wie vor 53 Jahren.

  • Zum Leben gehört der Tod. Jede Sekunde sterben Millionen Lebewesen. Ganz normal, da braucht man nicht anfangen sich irgendwie gefühlstechnisch zu binden.

    • @Klaus Schwarzmüller:

      Wenn es zu gefühlstechnischer Bindung nicht reicht, versuchen Sie es doch mal mit Vernunft und Verstand. Der Artikel liefert doch genug Informationen.

    • @Klaus Schwarzmüller:

      ?



      Es geht weder um Leben und Tod, noch um emotionale Bindungen. Ganz nüchtern geht es um die Biodiversität, bzw. Das Aussterben von Arten. Und das Aussterben ist durch den Menschen stark beschleunigt worden.

      • @fly:

        Leben und Tod IST Biodiversität!

      • @fly:

        Natürlich geht es um den Tod!



        Wir stürzen uns nur noch aufs leben(dige) und entfernen alles Abgestorbene. Damit töten wir Kreisläufe - das ist das dümmste was Mensch machen kann! Und das zeugt davon, dass wir überhaupt keine Ahnung von Natur haben. Tod ist der Motor von allem!

        Das rührt vom linearen Weltbild. Wird Zeit, daraus Wieder ein ewigliches zu machen.

        Die Natur ist eben nicht nur schön und lieblich. Sie ist - aus unserer gegenwärtigen Sicht - absolut grausam! Fressen und gefressen werden, Zerstörung, lebensfeindliche Orte (die gar nicht so lebensfeindliche sind). Die Gottesanbeterin frisst dem Männchen WÄHREND DES PAARUNGSAKTES den Kopf ab. Derartiges verstehen wir mit unserer beschränkten Ethik NICHT.

        Die Natur ist auch nicht empfindlich oder schwach - sie ist Ultra robust. Nichts wird sie aufhalten. Dass sie leidet, zeigt nur, mit welcher Wucht wir auf sie eindreschen.

        In der Doku die Geschichte der Menschheit wird gezeigt, dass der Homo sapiens die anderen Menschenarten und viele Grosstiere verdrängt und jedes Ökosystem beherrscht hat. Das wird als Erfolg dargestellt?!

        Wir erkennen nicht, dass wir maßlos geworden sind… und die ganze Welt verdreckt haben.

    • @Klaus Schwarzmüller:

      Der Tod gehört zum Leben, nur die über Jahrtausende eingespielten natürlichen Gleichgewichte wie Räuber Beute Beziehungen massiv zu stören, gehört nicht zum Leben, es sollte auch bei der klaren Faktenlage nicht um Gefühle gehen, nur die Scheinheiligkeit und Doppelmoral der Gesellschaft soll durch den Artikel aufgezeigt werden, insbesondere nach der Berichterstattung über den gestrandeten Wal.

      Ihr Kommentar erscheint sehr simpel und unreflektiert, wahrscheinlich wird ihr Typus sich dann hinstellen und einen Sündenbock suchen, wenn die lieben Bienen aufhören,zu bestäuben.

    • @Klaus Schwarzmüller:

      Oh, das klingt aber sehr trocken.



      Freunde sterben - Verwandte - etc

  • "Wer den Wal hat, hat die Qual..." oder so ähnlich.



    Nun ist er tot, war doch alles umsonst. - Aber tolle Fotos gabs!!! Und dann nach Hause, Flurtür auf: "Da ne Spinne! Mach die tot!" In der Küche ne Fliege: "...mach die tot!"



    So ist das halt, mit menschlicher Tierfreundlichkeit. Hat das Tier erst einen Vornamen ist's mit dem rationalen Denken vorbei. Aber alles, das uns an die Autoscheibe fliegen kann oder sonst mit Brummen und vermeintlich hässlichem Aussehen daher kommt, kann weg.



    Da schafft's dann auch mal ein namhafter Bauernfunktionär der Presse zum Einsatz von Pestiziden zu diktieren: "Diese Insekten nützen dem Menschen doch gar nichts..."

    • @Der olle Onn:

      Vor 35 Jahren konnte man sich noch beschweren, daß einem Insekten die Windschutzscheibe zukleistern, aber das ist jetzt längst vorbei.



      Das Verhalten gegenüber tierischem Leben ist halt auch eine Erziehungsfrage, ich hatte da irgendwie ein bißchen Glück mit meinen Eltern.

      • @Wurstfinger Joe:

        @ Wurstfinger Joe



        Sind Windschutzscheiben nicht eh etwas überbewertet ? 😁

    • @Der olle Onn:

      An meine Spinnen lass ich niemanden ran. Die Sorgen dafür, dass die Insekten in meiner Wohnung nicht überhand nehmen.

  • taz: *Wenn Wale leiden, bricht vielen Menschen das Herz. Hässlichere Tiere werden dagegen oft übersehen.*

    Das hässlichste Säugetier der Welt ist der Mensch. Außen kein Fell und in seinem Inneren extrem bösartig.

    Bleiben wir aber mal bei dem Wal Timmy, der uns gezeigt hat, was der Mensch anrichtet. Geisternetze – also Fischernetze, die herrenlos im Meer treiben oder sich am Meeresgrund verfangen – sind laut Schätzungen internationaler Wal- und Umweltschutzorganisationen jährlich für das Sterben von über 300.000 Wale und Delfine verantwortlich.

    Und warum "Timmy" uns so bewegt hat, lag an seiner Größe und weil wir es nicht gewöhnt sind, so ein riesiges Tier leiden und sterben zu sehen.

    Der taz-Autor hat aber vollkommen recht, denn die zahllosen anderen Kreaturen (Tiere, Fische, Insekten, ...), die wir gar nicht mehr richtig wahrnehmen, aber dennoch umbringen (wenn auch nicht mit Absicht) sind für unser eigenes Überleben extrem wichtig.

    Nur müsste der Homo "sapiens" (weise, klug, vernünftig) auch endlich mal sein Hirn einschalten und sich nicht weiterhin von unfähigen Politikern und gierigen Managern einreden lassen, dass nur das naturzerstörende Wirtschaftswachstum wichtig ist.

  • Das erinnert mich an meine Kindheit, bei uns hat sich des öfteren eine Kröte in unseren bei Starkregen oft überschwemmen Keller verirrt.

    Meist war es meine Aufgabe meine mutter vor der Kröte und die Kröte vor unserem hund zu retten und sie zurück zur Wehra bzw einen kleinen neben Fluss der darin mündet zu tragen, die Kröte war interessanter weiße ganz gechillt dem Motto nach hauptsache weg vom hund 😅, lustiger weise war die kröte alle paar jahre mal wieder bei uns im Keller zu besuch, oder sie hatte irgendwo bei uns im Garten einen Ort zum Leichen gefunden, wie auch immer ich mag Kröten und hatte noch nie Probleme mit den Tiere 😁

  • Die Menschen im Patriarchalen Kapitalismus behaupten sie wären irgendwie über den Tieren,dabei können sie nur unter=mit den Tieren ko existieren! Ko existieren=nicht hierarchisieren (=patriarchale Denkweise)!! In den vor patriarchalen, shamanistischen & matrilinearen Kulturen war das anders, wie Ulli Lust gut in ihren Graphic Novels " Die Frau als Mensch" beschrieben hat.Viele versuchen nun, zu einem Lernen aus der Natur zurück zu kehren,um zu nachhaltiger& regenerativer Kreislaufwirtschaft zu gelangen. Hierfür würde ich Freuds Konzept der Psyche gerne historisch ergänzen:Die Wahrhnemhungs, Wissens-&Affektbereiche, die unser Leben unter den Tieren, = unsere eignen tierischen Anteile würde ich als "Unter-ich" bezeichnen.Unser Unterich verbindet uns mit unseren Hunden,die unsere Krebserkrankung präventiv riechen können.Es geht um eine neue Ökonomie des Gleichgewichtes von - Geben & Nehmen- statt der zerstörerisch dominierenden Profitzwänge,die ja auch die irrige Idee vom "Krieg als Vater aller Dinge" schufen: dabei ist das reiner Gebärneid,so wie auch zu meinen,daß KI Bewustsein eintwicklen könnte.Dagegen helfen Huftiere grasend Wildfeuer einzugrenzen, Ratten Mienen zu räumen etc.

    • @R.L.:

      Applaus! Danke!

      Sogar Waldbrände und gezielte Feuer sind total sinnvoll. Kommen wir doch mal von den Bewertungen weg… Die Erde erneuert sich gerade vielerorts, da wo es brennt.

      Afrika war historisch im Wechsel mal grün und dann wieder trocken, wieder grün und wieder trocken. Grönland war voller Eis dann Eis-frei, wieder eisig, wieder frei von Eis.



      Und jedes Mal mussten wir wandern, um Nahrung zu finden. Damals wussten wir: Die Erde nährt uns! Und wir wussten: alles Leben ist Austausch von Nahrung oder: jedes Wesen existiert, um ernährt zu werden und andere zu nähren. Ein Geben und Nehmen.



      Wo geben wir? Wen/was nähren wir? Und was nährt uns?



      Geld? Turbo-Technologien? Nähren uns PFAS? Plastik?

      Neulich war ich mal ausnahmsweise bei Mediamarkt und ein äußerst schrilles Geräusch durchströmte die riesige Halle. Mir war es sehr unangenehm. Ich dreht mich in alle Richtungen und niemand störte sich an dem Geräusch. Mitarbeiter und Kunden waren vertieft in irgendwas. Und ich dachte nur: „spürt hier noch irgendjemand irgendwas?“

    • @R.L.:

      Es ist ein romantischer Mythos das sogenannte „Naturvölker“ im Einklang mit der Natur leben würden. Seit der Ausbreitung des homo sapiens starben überall große Teile der Megafauna aus und die Menschen begannen die Natur zu Formen und zu Verändern, weit vor der sesshaftwerdung. Und heute leben viele der Naturvölker vom (illegalen) Handel mit exotischen Tieren und Pflanzen, was natürlich nicht explizit deren schuld ist sondern einfach der Logik des kapitalistischen Welthandels folgt.

  • Die Menschen vergöttern den Wal, sehen ihn als Wunderwesen. Abgestuft auch andere Meeressäuger.



    Verbunden auch mit Rassismus gegenüber Völkern die Meeressäuger bejagen (wie halt andere Tiere auch)



    Mit Umwelt oder Naturliebe hat das so wenig zu tun wie Hunde mögen mit Umwelt oder Naturliebe zu tun hat.

    Beide Gruppen mögen sich einbilden es gäbe ein Zusammhang, aber es gibt keinen. Dies sind getrennte Sachen.

  • Danke für den tiefgründigen und unterhaltsamen Artikel mit den perfekten Bildern!



    Ja, die Natur ist komplex.

  • Umstellung der Wirtschaftsweise, konsequenter Schutz der Lebensräume vor Militarisierung, Ausbeutung und Vermüllung weltweit jetzt. Sonst ist das oft hässliche Vieh Homo Sapiens bald selber dran.

  • Schöner Artikel und wichtiges Anliegen.



    Es beschäftigt mich schon lange, wie der Mensch seine Mitgeschöpfe be- und verurteilt. Und wieviel Unheil das anrichtet. Schade, dass wir uns immer mehr als das Lebewesen auf Erden entpuppen, welches man tatsächlich als Schädling bezeichnen kann. Alle anderen Arten scheinen zum Miteinander der Natur beizutragen. Den Nutzen unserer Spezies für das Leben auf diesem Planeten kann ich nicht finden.

    • @Woodbine:

      Wir sind das Bewusstseins-Gegenüber. Dafür haben wir diese einzigartige Fähigkeit. Das kann man von vielen Indigenen Völkern erfahren. Unsere Aufgabe ist es, die Natur auf Augenhöhe zu bewundern.



      Nicht beschützen, nicht bewahren, nicht bewerten. Aber: Das können wir nicht mehr. Wir wurden so erzogen, dass wir alles bewerten und schnell urteilen. Tja, kopfgesteuert. Und das Gefühl? Irrelevant?!

      Und wie geht das?



      Kommunikation (alles ist ansprechbar).



      Beziehung (Interaktion)



      Auf Augenhöhe („ach misst, da steht mir jetzt die Hierarchie im Weg…“).

      290.000 Jahre haben Menschenarten gelebt und überlebt. In den letzten 10.000 Jahren hat die vermeintlich letzte Menschenart einen Siegeszug hingelegt und jedes Ökosystem beherrscht. Ist das ein Sieg? Sollten wir es nicht eher als ungünstige Entwicklung auffassen? 8 Milliarden… sind viel zu viel. Keine einzige „nachhaltige“ Lebensform oder Technologie ist für 8 Milliarden möglich. Keine!

      Die Tiere haben uns damals zu Nahrung geleitet und vor Unwettern geschützt. Nun gibt es viele dieser Tiere nicht mehr. Wir haben sie verdrängt. Wer hilft uns in Zukunft? KI wohl kaum, sie wird uns nicht zeigen können, wo wir im Winter Nahrung finden…

  • Die Greenpeaces dieser Welt haben auch ihre guten Seiten gehabt, doch diese Spendenmarketingorientierung führte zur Walfixierung. Nicht gut.



    Der Aal ist mindestens genauso süß wie der Wal, und nahezu unschlagbar weiter vorne im Alphabet.

  • Die ganze Geschichte mit Timmy ist nur eine einzige Heuchelei. Einen Wal beschützen wollen, weil er so nah und greifbar erscheint und uns emotional berührt.

    Aber die hunderttausend anderen Wale, die durch Netze ertrinken oder gezielt gejagt werden, das interessiert niemanden. Oder gibt es ein weltweites Verbot dazu? Gibt es ein Verschmutzungsverbot der Ozeane eigentlich? Weil Wale sollten ja keinen Plastikmüll fressen.

    Und warum sind Schweine eigentlich weniger Wert als zum Beispiel Hunde? Diese treiben wir ja millionenfach in Massenvernichtungshallen, während Lassie ein warmes Zuhause kriegt.

    Um dieser Heuchelei zu entkommen gibt es nur eines: Veganismus und absolut keine Tierhaltung, auch nicht als Blinden- oder Sprengstoffspürhund.

    • @Troll Eulenspiegel:

      In Norwegen und Island sind soweit ich das gelesen habe die einzigen Länder in europa in denen der Walfang noch legal ist, dort wird immer mit Traditionen argumentiert, wobei ich das erlich gesagt für einen absurden Grund halte, wir menschen hatten in der Tat schon viele bescheuerte Traditionen, aber in zeiten in denen wale weltweit als bedroht gelten halte ich es für arrogant das sich 1 bis 2 Unternehmer hinter der Behauptung das ist in unserem land Tradition verstecken

      Aber es ist so wie du sagt sobald der wal dahin ist kräht kein Hahn mehr danach, ganz nach dem Motto arten Schutz bitte nur wenn es nicht zu anstrengend ist.

      Und hey ich muss sagen ich bin absolut kein öko Aktivist, Tier Schützer oder sonnst was aber ich halte es irgendwie für sehr seltsam das eben dieser Schlag leute nur aus ihren löchern gekrochen kommt wenn sowas wie eben mit diesem wal ist.

      Man bekommt das gefühl, wenn die Presse nicht vor Ort ist hat Tierschutz usw irgendwie Pause