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Debatte um Social-Media-VerbotEin Mindestalter löst keine Probleme

Kommentar von

Svenja Bergt

Das Nutzen von Social-Media-Plattformen kann süchtig machen – in jedem Alter. Um Kinder und Jugendliche zu schützen, braucht es digitale Bildung.

Wichtig ist die Erziehung im Umgang mit Medien und Mobiltelefonen: einfach mal eine Sendepause einlegen Foto: Tillmann/Funke Foto Services/imago

D ie Zahlen sind mindestens beunruhigend: Mehr als ein Viertel der Kinder und Jugendlichen nutzt Social-Media-Dienste wie Instagram oder Tiktok in riskantem oder sogar krankhaftem Ausmaß. Letzteres betrifft einer neuen Studie zufolge rund 350.000 10- bis 17-Jährige. Die Zahlen stammen von der Krankenkasse DAK-Gesundheit und sind im Vergleich zum Vorjahr leicht gestiegen. Sie liefern damit eine perfekte Vorlage für das, was sich auch in Deutschland immer mehr abzeichnet: ein gesetzliches Mindestalter für die Nutzung von Social-Media-Plattformen.

Die SPD hat sich gerade pro Mindestalter positioniert, bei der CDU wird die Entscheidung in Kürze erwartet, Bundeskanzler Merz ist schon dafür. Wenn sich auch die von der Bundesregierung eingesetzte Kommission dafür ausspricht, könnte es schnell gehen mit einem Gesetz in Deutschland oder, rechtlich sicherer, dem Vorantreiben einer Altersgrenze auf EU-Ebene.

Social-Media-Sucht, das geben auch immer wieder Jugendliche in Umfragen an, ist ein Problem. Das ist kein Wunder. Denn die Plattformen sind in ihrer gesamten Konzeption darauf ausgelegt, Sucht zu erzeugen. Das liegt am Geschäftsmodell: Aus persönlichen Daten wird über deren Vermarktung Geld gemacht. Und wann kommen die Plattformen an möglichst viele Daten? Wenn Nutzungsdauer und -intensität so hoch wie möglich sind. Alles ist also darauf ausgelegt, die Nutzenden lange im System zu halten: durch Autoplay, bei dem ein Video automatisch dem nächsten folgt. Durch endloses Scrollen, die Seite hat nach unten kein Ende. Durch Push-Nachrichten, die suggerieren, dass ständig neue, interessante, sehenswerte Dinge auf der Plattform passieren, die man keinesfalls verpassen darf und die jedes Mal einen Dopaminkick aktivieren. Durch Algorithmen, die polarisierende Inhalte pushen, weil diese Emotionen und Interaktionen begünstigen.

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Manche Menschen – junge, alte, mittelalte – reagieren auf dieses Suchtangebot resilient. Sie öffnen Tiktok, scrollen ein paar Minuten, lachen, schütteln den Kopf, schließen die App wieder. Doch das gelingt den wenigsten. Zu viele stellen fest, dass sie nur mal kurz ein Video auf Tiktok, einen Post auf Insta anschauen wollten – und dann sind schon wieder eine halbe Stunde oder auch mal fast ein halber Tag weg. Eine pathologische Nutzung kennzeichnet sich unter anderem dadurch, dass die Betroffenen negative Folgen in anderen Bereichen spüren. Sie vergessen Verabredungen oder Termine, kommen zu spät, erfüllen Aufgaben nicht mehr. Das kommt nicht nur bei Kindern und Jugendlichen vor. Sondern auch bei Erwachsenen.

Social-Media-Nutzung beeinflusst ­Körperbilder, Schlafverhalten, Politik und ­­­­Demokratie, soziale Beziehungen

Nun lässt sich argumentieren, dass Erwachsene Suchtdinge machen dürfen, die für sie und andere negative Folgen haben: Rauchen, Alkohol trinken, in Wingsuits von Klippen springen. Doch selbst, wenn man das so sieht, ist es mit Social Media etwas anderes als etwa beim Rauchen. Da gilt: Je älter Menschen sind, desto unwahrscheinlicher ist es, dass sie damit anfangen – das ist zumindest eine der Präventionsstrategien. Bei Social Media hingegen ist es keine realistische Option, nicht damit anzufangen. Die Plattformen sind längst viel zu sehr in unserem Leben verwurzelt. Der Arbeitgeber will via Tiktok neue Kun­d:in­nen finden, die Wissenschaftlerin hat ihre Community auf Bluesky, auf Instagram gibt’s das gehypte Kuchenrezept. Wer jünger als etwa 25 ist, bezieht oft eh einen guten Teil seiner Nachrichten von Social-Media-Plattformen.

Mit dem Erreichen eines gesetzlichen Mindestalters würden also Menschen von einem Tag auf den anderen dieser Parallelwelt ausgesetzt, ohne vorher gelernt zu haben, wie man sie sinnvoll nutzt und die eigene Resilienz gegenüber dem Suchtpotenzial und anderen negativen Effekten schärft. Dazu kommt: 13-Jährige lassen sich vermutlich noch auf eine elternbegleitete Lernphase zum Umgang mit den Plattformen ein. Aber 15-Jährige? In Australien ist das Mindestalter 16, Frankreich will 15 Jahre.

Sucht ist nur ein Teil des Dramas. Social-Media-Nutzung beeinflusst die Körperbilder, das Schlafverhalten, Politik und Demokratie, soziale Beziehungen. Soll das wirklich so weiterlaufen für alle ab 14, 15 oder 16? Daher ist ein Mindestalter nicht mehr als Aktionismus. Geeignet, um ein paar Symptome ein bisschen zu lindern, aber ohne die Ursache anzugehen. Besser wäre es, das Geschäftsmodell, das auf maximaler Ausbeutung der persönlichen Daten beruht, anzugreifen – flankiert mit Maßnahmen gegen Auswüchse wie Autoplay und standardmäßig aktivierte Push-Nachrichten. Ein unbequemer Weg, vor allem mit der aktuellen Besetzung im Weißen Haus in den USA. Aber einer, der mehr Schutz schaffen würde für alle.

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Redakteurin für Wirtschaft und Umwelt
schreibt über vernetzte Welten, digitale Wirtschaft und lange Wörter (Datenschutz-Grundverordnung, Plattformökonomie, Nutzungsbedingungen). Manchmal und wenn es die Saison zulässt, auch über alte Apfelsorten. Bevor sie zur taz kam, hat sie unter anderem für den MDR als Multimedia-Redakteurin gearbeitet. Autorin der Kolumne Digitalozän.
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43 Kommentare

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  • "Das kommt nicht nur bei Kindern und Jugendlichen vor. Sondern auch bei Erwachsenen."

    Ja, beim Alkoholismus soll es auch so sein. Nur plädiert dort Gott sei Dank niemand dafür, dass Alkohol für Kinder und Jugendliche frei verkäuflich sein muss und dass das eigentliche Problem sei, dass Kinder den Umgang mit Alkohol nicht gelerntbbekommen.

  • Ein Vorschlag zur aktuellen Diskussion um die Einschränkungen der Nutzung sozialer Medien für Kinder und Jugendliche:

    Eine Altersverifikation vorausgesetzt (die für alle denkbaren Modelle notwendig ist), könnte man die Nutzungsdauer sozialer Netzwerke zeitmäßig begrenzen: nach einer gewissen Onlinezeit wird man zwangsweise ausgelogged, dann gilt eine gewisse "Sperrzeit" und erst danach kann man sich wieder einloggen. Insgesamt wird das Zeitkontingent auf Tagesbasis begrenzt.

    Wichtig wäre es, verschiedenen Plattformen (die eine Bagatell-Nutzeranzahl überschreiten), verschiedene Wertigkeit zu verleihen. Das könnte z.B. heißen, 1 Minute TikTok zu werten wie 3 Minuten einer seriöseren Plattform.

    Was heißt in diesem Zusammenhang "seriös" ? Man muss natürlich objektive Kriterien heranziehen wie z.B. den anhand repräsentativer Stichproben ermittelten Anteil nicht gekennzeichneter KI generierter Inhalte oder nachweislicher Falschinformationen usw.







    Damit würde m.E. ein gewisser Druck auf die Plattformen in Richtung Seriösität aufgebaut und die jugendlichen Nutzer würden gleichzeitig Erfahrung im Umgang mit sozialen Medien machen.

  • Jegliches Medium, das so gestaltet ist, dass man nur die Nachrichten in genau der Färbung zu lesen bekommt, die der eigenen Meinung entsprechen oder diese verstärken, sind abzulehnen. Und Geschäftsmodelle, die darauf basieren, sind zu verbieten. Die DSGVO würde dafür eigentlich schon ausreichen.



    Ich habe live und in Farbe erlebt, wie Menschen aus meinem Umfeld zu AfD-Jüngern geworden sind, weil sie ihre Information über Jahre nur aus rechten Filterblasen erhalten haben.



    Und nein, Bildung hilft da wenig. Es gibt ein Dutzend menschliche Biase, die einfach Teil unseres Wesens sind (de.wikipedia.org/w...iver_Verzerrungen). Und sich dieser Verzerrungen bewusst zu sein hilft wenig (auch dazu gibt es Studien).

  • Es ist auch eine Forderung an die Gesellschaft (und die Regierenden), diese Klippen zu mildern, indem man mehr in Kinder- und Jugendarbeit investiert, die mehr an realem Leben und Begegnung orientiert ist (auch für Heranwachsende in prekären Lebenssituationen). Und die konsumierenden Jugendlichen werden ja später die Erwachsenen, die den falschen Einflüssen hinterher rennen (oder anderen Süchten verfallen). Ein Verbot wäre sicher genauso zu umgehen, wie die Zeitblockaden nicht jugendfreier Filme. Nur lebenswerte Alternativen für das reale Leben können helfen. Es gilt eine Menge Süchte zu bekämpfen. Schaut hin, was eure Kinder tun, nicht nur im Internet!

  • Meine Großneffen und -nichten haben noch kein eigenes Handy. Aber sie dürfen die Geräte ihrer Eltern hin und wieder nutzen (unter Aufsicht), damit sie den Umgang damit lernen.



    Falls Eltern jedoch ihre Kinder stets erreichen wollen oder erreichbar sein wollen, kann man ein Handy ohne Internetzugang zur Verfügung stellen.



    Kurz und gut: Die Verantwortung sollte bei den Eltern liegen und nicht beim Staat.

    • @Il_Leopardo:

      @ Leonardo II



      Fragen Sie mal heutzutage junge Eltern, was die unter Verantwortung verstehen, da bekommen Sie doch nur leere Blicke...

      • @Alex_der_Wunderer:

        Eltern, die ihren Kindern "jeden Wunsch erfüllen", wollen im Grunde ihre Ruhe haben. Sie tun ihnen damit jedoch keinen Gefallen, da das Leben "kein Wunschkonzert" ist.

      • @Alex_der_Wunderer:

        In etwa so verantwortungsvoll also, wie Boomer mit der Natur umgegangen sind?

        • @TV:

          Sie sagen es...



          Und jetzt wundern sie sich über die jüngeren Generationen.



          "Junge, du sollst es mal besser haben als ich!" bedeutet "Junge, du wirst mal einen Q70 fahren statt meines kümmerlichen Q7s".

  • Wenn Kinder schon früh süchtig werden, haben sie keine Zeit wichtige Dinge und Sozialverhalten zu erlernen und Kindheit zu erleben. Hält man sie in dieser Zeit von Parasozialen Medien fern, dann ist schon viel gewonnen - selbst wenn sich später eine Sucht entwickeln sollte.

    Daher gilt, doch ein Verbot löst bestimmte Probleme - wenn halt auch nicht alle.

  • Ein Mindestalter löst keine Probleme, klar lass 11jährige Schnaps kaufen und kosumieren und Auto fahren - am besten beides gleichzeitig.

  • Naja, bei Alk und Zigaretten mag ein Mindestalter nicht alle Probleme lösen, aber der Konsum wird zumindest erheblich erschwert. Und hier kontrollieren Supermärkte streng - die Strafen sind enpfindlich hoch.



    Und ein Social Media Verbot man nicht alle Probleme lösen - aber zumindest einige. Denn Medienaufklärung wird viele nicht erreichen oder es ist ihnen egal - wieviele Eltern kümmert es nicht, was das Kind so treibt auf Handy oder Tablet.....

  • Essen oder trinken Sie lieber? Es braucht natürlich beides: Verbote und Altersgrenzen UND Regulierung der Funktionsweisen auf den Plattformen.

  • Wenn dadurch eine geringere Internetnutzung erreicht wird, nützt das nicht nur den Kids sondern auch der Umwelt.

  • "Ein Mindestalter löst keine Probleme"



    ... tut es doch.

    • @Fritz Müller:

      Aber nur für die braven Dummen! Die Cleveren, Intelligenten, Gebildeten, Kriminellen, Skrupellosen werden die Sperre umgehen.



      Ein Blick nach Australien reicht.... :))

      • @Donni:

        2024 bei bpb.de



        "Das australische Parlament hat letzte Woche ein Gesetz verabschiedet, das ein Mindestalter von 16 Jahren für die Nutzung sozialer Medien festlegt.



        Die Plattformen haben ein Jahr Zeit, um Alterskontrollen einzuführen. Bei Versäumnis drohen Strafen von bis zu 31 Mio. €."



        Wenn es nicht funktioniert, muss es eben verbessert werden, um den erwünschten Erfolg zu haben.



        Vielleicht erinnern sich noch andere beispielsweise an den Katalog für das Nichtanlegen des Gurtes usw.



        Bei mein-koeln.net



        "Stadt Köln schließt Kioske in Mülheim und Kalk wegen Verstößen gegen Jugendschutz- und Gewerberecht. Strengen Kontrollen folgen."



        Das Lamentieren zu den vermeintlichen Misserfolgen ist immer ein guter Hinweis, dass weiter intensivierter Handlungsbedarf besteht.



        Das Geschäftsmodell der Konzerne als Anbieter für Social Media ist alles andere als harmlos. Die wollen nicht "nur" spielen.

  • "Das Geschäftsmodell anzugreifen" - wie soll das denn in der Praxis auch nur ansatzweise funktionieren? Mit irgendwelchen komplizierten, bürokratsichen EU-Regeln, die jahrelang ausgearbeitet werden und dann sofort irgendwie umgangen werden?



    Mann könnte diese "sozialen Medien" einfach mal komplett sperren. Es gibt ja genügend andere Möglichkeiten, sich im Internet zu informieren und auszutauschen.



    Oder als ersten Schritt einfach mal die Umsätze besteuern, in der Höhe der Tabaksteuer.

  • Das ist so, als würde man argumentieren, dass ein Bier oder eine Kippe für Kinder okay ist, weil die sich langsam dran gewöhnen müssen, damit sie davon nicht abhängig werden, wenn sie plötzlich mit 18 "dürfen".



    Tatsächlich fangen viele gar nicht erst damit an, wenn sie als Kinder/Jugendliche von der Sucht verschont geblieben sind.



    Vielleicht würde das bei Social Media genauso funktionieren.

  • "Bei Social Media hingegen ist es keine realistische Option, nicht damit anzufangen. Die Plattformen sind längst viel zu sehr in unserem Leben verwurzelt."

    Ich glaube, dass stimmt nicht. Viele der Menschen, die ohne social media aufgewachsen sind, führen auch jetzt ein Leben ohne TikTok. Auch ändert sich "hedes hippe rezept/trend ist auf social media sehr schnell, wenn junge menschen keinen zugang haben, weil die machen ihre eigenen trends.

  • Ich bin seit 8 Monaten clean.



    Davor habe ich soo viel Zeit auf twitter/ X verschwendet.



    Bin froh den Absprung geschafft zu haben.



    Ein Verbot der asozialen Medien würde vielen Kindern helfen. Ich bin dafür.



    Aber wichtiger wäre es diese Firmen auch mal zur Abwechslung zu besteuern und soziale Regeln gesetzlich vorzuschreiben und diese durchzusetzen.



    Aber das Fass wird keiner aufmachen.

    • @So,so:

      "Aber das Fass wird keiner aufmachen"



      ...



      Jetzt Fass, früher noch "Büchse" der Pandora:



      swr.de 2025



      "Feature



      Das Fass der Pandora – Kinder und soziale Medien"



      Weiter dort:



      "Studien belegen, dass es einen Zusammenhang gibt zwischen der Zeit, die Kinder und Jugendliche am Handy verbringen, und ihren potentiellen psychischen Erkrankungen.



      Je länger sie am Handy daddeln, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie an Depressionen oder Angstzuständen leiden.



      Nicht nur unangemessene Abbildungen wie Pornografie oder Tierquälerei sehen sie auf ihrem Display; auch ihr Körperbild wird entscheidend durch soziale Medien geprägt…



      Was kann man dagegen tun?



      Ein bestürzendes Feature von Elisabeth Weilenmann."



      Fürsorgepflicht heißt auch Verantwortung wahrnehmen, wo die Eskalation droht.



      Was soll nach Fass kommen?

  • Da es völlig unrealistisch ist, dass das „Geschäftsmodell angegriffen wird“, bleibt nur eine Altersbeschränking und natürlich parallel dazu Aufklärung.

  • Spannend, wenn ein Artikel erst für Alternativen plädiert, am Ende aber erklärt, warum Alternativen nicht realistisch sind.

  • Nö!



    Der Artikel vom Kollegen Gereon Asmuth vertritt die überzeugendere Position.



    Der Vergleich mit dem Rauchen ist gut.



    Hier zeigt sich, dass eine Gesellschaft verändert werden kann.



    Wir Boomer konnten uns erst gar nicht vorstellen, dass es ein Leben ohne Rauchen in Restaurants, Kneipen und Clubs geben könnte. Und doch ist es passiert. Nicht von selbst, erwa durch Einschränkungen die die Firmen selbst einführten Absurd !- wäre der Wunsch gewesen, der bei social media irgendwie mitschwingt.



    Eine Unternehmensgruppe soll sich selbst, Ihr Unternehmenskonzept einschränken.



    Das zu fordern ist Aktionismus.



    Das Gleiche gilt für den "breiten Angriff" der EU auf social media.



    Wer so argumentiert, wartet wohl grundsätzlich darauf, dass "da oben" irgendwas nach den eigenen Wünschen entschieden wird.



    Politisch Aktive sehen aber eine Chance, wenn sie sich bietet und momentan ist eine Mehrheit für ein Verbot greifbar.



    Gäbe es Möglichkeiten ein Verbot zu umgehen?



    Natürlich, wie stets kann ein Gesetz umgangen werden.



    Doch das Heraufsetzen der Altersbeschränkung von 16 auf 18 hat innerhalb von 25 Jahren den Konsum auf ein Viertel gedrückt und die Gesellschaft insgesamt positiv beeinflusst.



    MACHEN!

  • Ich finde die Diskussion als absurd.



    Ab wann kann man den Führerschein machen? 16? 17? Zu meiner Zeit gab es den Klasse 4 ab 16. Aber egal, man trägt Verantwortung für sich und die Menschen im Umfeld.



    Wahlen ab 16 z.B. bei Kommunal- und Landtagswahlen und sogar bei der Europawahl. Hier trägt man sogar Verantwortung für die Welt!



    Aber bei Social Media hält man die selben Jugendlichen für unreif und verantwortungslos?



    Überdenkt das Ganze mal. Entweder oder!

  • Wäre ich noch ein Jugendlicher, würde ein Verbot die Sache erst richtig interessant machen. "Digitale Bildung" wird von Jugendlichen nicht gewünscht. dann wird wohl nur auf eine andere, neue ausgewichen. Diese Verbotskultur schreckt doch nur ab.

    • @Klartext:

      Digitale Bildung wird vor allem von den Anbietern der gesellschaftsunverträglichen Netzwerke und deren Komplizen nicht gewünscht.



      Deren Klientel kann gar nicht früh genug darauf geprägt werden, sich widerstandslos abzocken und ausbeuten zu lassen.



      Jugendliche, die dazu stehen, sich bilden zu wollen, werden in der Öffentlichkeit ausgelacht, diffamiert, beleidigt oder als nicht normal erklärt.

  • Ich finde es irgendwie sehr interessant wie hier versucht wird sich gegen ein Verbot zu stemmen dies als übertrieben, übergriffig und nutzlos dargestellt wird. Die gleichen dann aber bei Enteignung sofort auf den fahrenden Zug aufspringen.

    Zum Thema, ja, Bildung mit dem Umgang mit diesen Medien ist sicher ein Weg. Aber wir kriegen es ja in diesem Land immer schlechter hin den Kindern überhaupt anständig lesen, schreiben und rechnen beizubringen, geschweige denn Text Verständnis. Und diesem Schulsystem soll es zusätzlich noch gelingen wie man mit social Media richtig umgeht?

    Ich würde da fast dem Verbot mehr Chancen zutrauen .. Zumindest bis 12..

    • @Duplozug:

      Wie stellen sie das Alter fest?

      Wie soll denn so ein Verbot funktionieren, ohne dass sich JEDER bei den Portalen mit dem Personalausweis und Identverfahren anmelden muss um nachzuweisen, dass man ein bestimmtes Alter hat. Es müssen also 100% aller Teilnehmer eines Social Media ihre Identität preisgeben. Da sehe ich erhebliche Probleme bei allen Personen und Aktivisten, die von ihrer Regierung überwacht werden.



      Ich sehe die Verantwortung bei den Eltern, diese können den Zugang regeln und verbieten.

      • @Hans Dampf:

        Also theoretisch kann man auch eine Altersverifikation über Personalausweis bauen, die nur Über 18? Ja/Nein ausgibt.



        Aber ich gebe ihnen recht, die meisten, die für die Altersbegrenzung sind, träumen von einem Internet mit Klarnamenpflicht: www.tagesschau.de/...-internet-100.html

      • @Hans Dampf:

        Das hätte ja mit Erziehung zu tun, und mit dem lästigen Kram sollen sich Kita und Schule - also der Staat - gefälligst beschäftigen.

    • @Duplozug:

      @Duplozug



      Wenn Sie tatsächlich auf eine allgemeine Enteignung von Eigentum anspielen, übertreiben Sie aber über alle Maßen. Wahrscheinlich meinen sie eine gerechtere Umverteilung. Und so wie es nun einmal aussieht, wäre diese dem Überleben der Demokratie eher zuträglich. Aber eigentlich hat das Thema soziale Medien nur indirekt damit zu tun, weshalb ich mich frage wie Sie darauf kommen?



      Die zugrunde liegende Annahme verbotskritischer Argumentation liegt wohl darin, dass Reglementierungen meist sowieso nur dann wirksam sind, wenn ihr eine allgemeine Einsicht innewohnt. Wieso Sie so tun, als ob dies wieder allein dem Schulsystem überlassen sein soll, erschließt sich mir ebenfalls nicht.



      Was mich verwundert: Ähnliche Diskussionen wurden bei der Einführung der Rockmusik, des Fernsehens und später dann der Videospiele geführt. Instinktiv würde ich das soziale Ungleichgewicht bei gleichzeitigem Wiedererstarken rechter Gesinnung ursächlich den sozialen Medien zuschreiben. Oder ist es nur die Verwechslung von Korrelation und Kausalität?

      • @jDoll:

        Nein ich meinte weder alle, noch bin ich gegen höhere Steuern für Reiche.



        Ich meinte vor allem Enteignungen von Wohnungen die hier bei der taz gerne als die Wunderwaffe gegen alle Probleme die es gibt verwendet wird.

        Wer soll es denn sonst machen wenn nicht die Schule? Die meisten Eltern sind heute schon überfordert mit dem ganzen. Deswegen ist es ja an den Schulen mittlerweile so schlimm. Eltern die jetzt schon Zuhause den Kindern alles ermöglichen sind nicht das Problem. Weder bei der Schule, noch bei so einem social Media Umgang.

    • @Duplozug:

      Was hat denn Enteignung damit zu tun? Um auf einem Haufen leistungslos erworbenen Kapital zu hocken gibt es auch keine Altersgrenze und es ist kein eigenes Zutun erforderlich.

      Den ganzen Tag in den sog. sozialen Medien zu verbringen und Realitätsverlust zu erleiden ist ja ein allgemeines Problem, das beim Grundschüler anfängt und wohl noch nicht mal beim US-Präsidenten endet. Da sollte man bei den Betreibern anfangen, Klarnamenpflicht, Anwendung des Presserechts, Kennzeichnung ob realer oder erzeugter Inhalt und Besteuerung der Datenströme sollte für den Anfang reichen. Dann den Umgang mit Geräten und Medien für Schüler und Eltern* schulen.

      *) Anfang der 1970er wurden angesichts der Einführung der Mengenlehre in den Grundschulen auch Schulungsmaterial für die Eltern und Schulungen der VHS angeboten, was von den meisten Eltern angenommen wurde.

    • @Duplozug:

      Richtig, @duplozug den links der Mitte stehenden Protagonisten fehlt eine durchgängige Philosophie zwischen Freiheit des Individuums einerseits und gesetzlichen festgelegten Reglementierungen zu jeweils relevanten Themen. Willkürliche Widerborstigkeit ist kein Standpunkr.



      Übrigens: Mündige Internet-User U16 setzt mündige und kompetente Erwachsene/Eltern voraus. Ich habe da massive Zweifel wie das funktionieren soll. Daher Verbot und Einschränkung als einzig gangbarer Weg... also wenn man das Thema als Problem anerkannt hat.

      • @Tom Farmer:

        @ Tom Farmer



        ...dann aber auch bitte umgehend das Wahlrecht für alle Bürger abschaffen.



        In Punkto Kinder Aufziehung vertrete ich schon lange vehement die Ansicht für die Einführung, eines verbindlichen Erziehungsführerschein für werdende Eltern.

      • @Tom Farmer:

        Anschließe mich!!!

    • @Duplozug:

      Sie vermischen hier Dinge die überhaupt nichts miteinander zu tun haben.

      • @schnarchnase:

        Es geht darum, je nach Thema ist Verbot das Allheilmittel (Verbrenner, Nordic Modell), oder alles ist nicht effektiv genug außer z.b Enteignung (Wohnungen)... Aber bei dem einen Thema wo die konservativen sogar evtl dabei wären zum Schutz zu verbieten (social Media) da wird es als nicht durchsetzbar, falsch usw tituliert. Ich behaupte Enteignungen im großen Stil sind in unserer Gesellschaft und unserem Rechtssystem weniger einfach durchsetzbar.

        • @Duplozug:

          Die Konservativen sind vor allem dabei (aber auch die sogenannten "Progressiven") weil sie dann das Internet besser kontrollieren können. Jugendliche von den großen Plattformen im Internet zu verbannen geht halt nur mit sicherem behördlich kontrolliertem Altersnachweis. Sonst können sie nicht 15 Jährige von 16jährige (als Beispiel) unterscheiden.

          Der Herr Merz will ja auch schon Klarnamenpflicht im Internet als nächste Wunschvorstellung zur Einhegung des Internets in die staatliche Narrativsetzung für die Insassen des jeweiligen Landes. Der Schutz der Jugend ist nur die Ausrede um das durchzusetzen.

          Es geht halt darum Diejenigen aufzuspüren welcher der Regierung, Parteien generell, widersprechen um sie dann sanktionieren zu können: Strafrechtlich, Debanking öffentliche Bloßstellung in den Zeitungen usw. - was aktuell schon dazu genutzt wird. Dazu braucht man halt Datenbanken wo jeder identifiziert werden kann. Das ist das Ziel

          Wenn es darum Gänge den großen Plattformen Einhalt zu gebieten würde man diese entsprechenden Regeln unterwerfen - inklusive effektiver Durchsetzung. Das will man explizit nicht wie die aktuelle Realität zeigt.