: Rechtsextremer Rosenkrieg
Der rechtsextreme Verleger Götz Kubitschek will das neue Buch von AfD-Politiker Maximilian Krah nicht veröffentlichen. Der Grund: Krahs neuerdings gemäßigtere Linie
Von Gareth Joswig
Götz Kubitschek klingt sauer. Aggressiv kennt man den rechtsextremen Verleger schon länger – ob auf Demos, wo er rangelt und Journalisten schubst, oder wenn er völkische Ideologie verbreitet. Doch diesmal richtet sich seine Aggression gegen einen langjährigen Verbündeten: den AfD-Politiker Maximilian Krah. Kubitschek hat mit ihm gebrochen.
Eigentlich sollte Krahs zweites Buch im seinem Antaios-Verlag erscheinen. Doch daraus wird nun nichts. In einem ausführlichen Text erhebt Kubitschek schwere Vorwürfe gegen seinen ehemaligen Schützling. Der AfD-Politiker habe die Debatte um „Remigration“ als „Feindzeuge“ geführt und vergiftet. „Krahs Methoden der Gesprächsführung sind indiskutabel. Sein Buch kann unter diesen Umständen nicht bei Antaios erscheinen“, schreibt Kubitschek.
Krah hatte sich zuvor – wohl aus strategischen Gründen – vom Begriff „Remigration“ distanziert. Anlass könnten Urteile des Oberverwaltungsgerichts Münster zur AfD-Einstufung als rechtsextremer Verdachtsfall und des Bundesverwaltungsgerichts im Compact-Verfahren sein. Beide Gerichte stuften das völkische Konzept, das systematische Diskriminierung und Vertreibung auch von Deutschen mit Migrationshintergrund vorsieht, als verfassungsfeindlich ein. Krah hat vor gut einem Jahr als Spitzenkandidat bei der EU-Wahl selbst noch völkische Positionen vertreten – unter anderem in seinem ersten Buch „Politik von rechts“ – erschienen 2023 im Antaios-Verlag. Krah äußerte sich bislang nicht auf taz-Anfrage.
Die ideologische Wende brachte Krah im völkischen Lager viel Kritik ein und führte zu einer öffentlichen Schlammschlacht mit dem Identitären-Kopf Martin Sellner. Sellner hatte in Vorträgen von der „Remigration“ von fünf bis sechs Millionen „nicht-assimilierter Staatsbürger“ gesprochen und wirbt seit Langem mit einigem Erfolg für die Übernahme seines Konzepts und Kampfbegriffs – auch innerhalb der AfD. Ein geplantes Streitgespräch zwischen Krah und Sellner beim Sommerfest von Kubitscheks Verlag platzte. Sellner wollte sich nicht mit dem „Feindzeugen“ Krah auf ein Podium setzen. Daraufhin beschimpfte Krah den Österreicher als „Pussy“.
Das Fass zum Überlaufen brachte Krah Ende vergangener Woche. In einem Vortrag vor der AfD-Bundestagsfraktion warnte er vor der Identitären Bewegung und ihrem möglichen Verbot. Vor dutzenden Abgeordneten und deren Mitarbeitern sprach er sich gegen die stets von Kubitschek propagierte Verzahnung mit dem aktivistischen Vorfeld aus.
Krahs Distanzierung kommt für die AfD spät. Die Partei ist längst völkisch dominiert. Auch Parteichefin Alice Weidel äußert sich immer wieder in diese Richtung, im Bundestagswahlkampf erklärte sie „Remigration“ zur Parteiräson, auch wenn die Führung den Begriff nach außen als Synonym für Abschiebungen zu verharmlosen versucht. Ebenso arbeiten trotz eines offiziellen Unvereinbarkeitsbeschlusses zahlreiche Identitären-Kader für AfD-Abgeordnete.
Das ist offenbar ein wunder Punkt bei Kubitschek, der seinen Angriff auf Krah mit dessen Warnungen vor den Identitären einleitete. Interessant: Kubitscheks Sohn demonstrierte selbst schon mit der Identitären Bewegung und fiel ebenfalls durch Aggression auf. Jüngst verurteilte ein Gericht ihn wegen schwerer Körperverletzung zu acht Monaten auf Bewährung. Der damals 19-Jährige hatte im November 2023 am Rande einer rechtsextremen Demo gemeinsam mit seinem Vater einem Mann eine Flasche auf den Kopf geschlagen. Es traf – offenbar versehentlich – auch hier: einen anderen Rechtsextremisten.
Gemeinsam für freie Presse
Als Genossenschaft gehören wir unseren Leser:innen. Und unser Journalismus ist nicht nur 100 % konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung. Unser nächstes Ziel: 50.000 – und mit Ihrer Beteiligung können wir es schaffen. Setzen Sie ein Zeichen für die taz und für die Zukunft unseres Journalismus. Mit nur 5,- Euro sind Sie dabei! Jetzt unterstützen