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Wachsende IslamfeindlichkeitSchweineköpfe und Spuckattacken

Antimuslimische Angriffe wie in San Diego am Montag haben in den letzten beiden Jahren weltweit zugenommen – auch in Deutschland.

San Diego, Kalifornien, 19. Mai: Hunderte Menschen versammeln sich zu einer Mahnwache für die Opfer eines Moschee-Angreifers Foto: Nelvin C. Cepeda/Zuma Press/imago

Am Morgen des 1. Mai machten die Mitglieder einer türkisch-islamischen Moscheegemeinde im bayerischen Memmingen eine grausige Entdeckung. Unbekannte hatten eine Mauer vor der Moschee, Teile der Fassade und des Geländes mit Schweineblut beschmiert. Zudem hatten sie einen Schweinekopf auf das Symbol des Halbmondes gespießt.

Der türkisch-islamische Islamverband Ditib, dem über tausend Moscheegemeinden in Deutschland angehören, warnte vor weiteren Attacken auf Muslime. Viele Muslime in Deutschland hätten die Befürchtung, dass noch Schlimmeres passieren könnte und Menschen zu Schaden kommen, sagte Ditib-Generalsekretär Eyüp Kalyon dem Berliner Tagesspiegel am Mittwoch. Laut Ditib habe sich die Zahl der Übergriffe auf Moscheen in Deutschland in den Jahren 2024 und 2025 auf das Vier- bis Fünffache im Vergleich zu der Zeit davor erhöht, sagte Kalyon.

Am Abend nach dem Angriff hatten sich mehrere hundert Memminger Bürger zu einer Solidaritätsaktion zusammengefunden. Die Generalstaatsanwaltschaft München ermittelt gemeinsam mit dem polizeilichen Staatsschutz. Wenn es Solidarität gebe, dann sei sie meistens nur lokal, sagte Kalyon. Übergriffe wie in Memmingen trügen die Botschaft „Ihr gehört hier nicht dazu“, sagte der Ditib-Generalsekretär. Er beklagte, „dass die Politik und staatliche Akteure das Phänomen entweder ignorieren oder zumindest relativieren“. Die Politik müsse die Sorgen der Muslime genauso ernst nehmen wie bei anderen Glaubensgemeinschaften.

Nach der Eskalation im Nahostkonflikts seit dem Angriff der Hamas am 7. Oktober 2023 hätten Diskriminierungen und Übergriffe, die häufig auch gewalttätig werden, sprunghaft zugenommen, sagt die „Allianz gegen Islam- und Muslimfeindlichkeit“ (Claim). Das Netzwerk vereint bundesweit mehr als 50 muslimische und nichtmuslimische Organisationen.

Im vergangenen Juni dokumentierte Claim in seinem Jahresbericht eine Rekordzahl von über 3 000 Fällen. Dies entspräche im Durchschnitt mehr als acht Vorfällen pro Tag. Das Spektrum reiche dabei von Angriffen auf religiöse Einrichtungen wie Moscheen, Körperverletzungen bis zu Mord. Frauen mit Kopftuch sind besonders betroffen: Sie werden bespuckt und angefeindet. Kinder auf dem Schulweg werden beschimpft, Moscheen mit Hakenkreuzen beschmiert. Menschen haben Wohnungen und Jobs verloren.

Hass wird durch rechtspopulistische Parteien angeheizt

Islamfeindlichkeit nimmt global zu, das zeigt nicht nur der Anschlag auf eine Moschee im US-amerikanischen San Diego am Montag. Deutschland und Frankreich gehören laut Erhebungen der Europäischen Union zu den Ländern mit den meisten gemeldeten Vorfällen. Auch in Österreich, Belgien und Bulgarien haben antimuslimische Vorfälle zugenommen.

Der Hass auf Muslime wird durch rechtspopulistische Parteien und rechtsextreme Agitatoren im Netz angeheizt. In London etwa gingen am vergangenen Wochenende Zehntausende Anhänger des rechtsextremen Anti-Islam-Aktivisten Tommy Robinson auf die Straße, um gegen Migranten und Muslime zu demonstrieren.

Der britische Rechtsextremist, geboren als Stephen Yaxley-Lennon, bezeichnet den Islam als „Krankheit“ und „Ideologie“, die mit der britischen Identität absolut unvereinbar sei. Am Rande der Demonstration in London erklärte er in einem Interview, als Premierminister würde er „den Islam stoppen“. Diese Religion solle aus allen Schulen und der Öffentlichkeit verbannt werden. Muslime sollten Großbritannien verlassen und in ihre Herkunftsländer zurückkehren, Geflüchtete zuallererst. Zur Not müsse das Militär nachhelfen.

Robinson führt alle gesellschaftlichen Probleme, ob Kriminalität oder Terrorismus, pauschal auf den Islam und muslimische Einwanderer zurück.

Nach der tödlichen Messerattacke im britischen Southport im Sommer 2024, bei der ein 17-Jähriger bei einem Tanzkurs drei Mädchen tötete, verbreitete er Falschmeldungen über den Täter. Der Täter sei ein muslimischer Asylbewerber, der illegal per Boot ins Land gekommen sei, behaupteten er und andere. Tatsächlich handelte es sich um einen britischen und christlichen Staatsbürger, der als Sohn von Ruandern in Wales geboren wurde. Solche Gerüchte lösten tagelange Unruhen und Übergriffe aus, die sich gegen Moscheen, Unterkünfte für Asylsuchende sowie gegen die Polizei richteten.

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8 Kommentare

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  • Ich war oft in arabischen Ländern und habe Gastfreundschaft genossen und den Islam als normale Religion erlebt, in manchen Fällen etwas strikter als wir es im Westen halten.



    Hier in Deutschland sehe ich aber, dass der Islam zunehmend als identitätsstiftend mißbraucht wird und zur Abgrenzung gegenüber der Mehrheitsgesellschaft genutzt wird und dadurch oft radikaler und kompromissloser ist als in den meisten islamisch geprägten Ländern.



    Hier müssen sich die Gemeinden selbst an die Nase fassen und überlegen, wie sie mit der Skepsis der Mehrheitsgesellschaft umgehen und wie sie in Zukunft in Deutschland leben wollen.

  • Jeder antimuslimische Vorfall ist einer zuviel, ganz klar. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass weltweit der größte Teil von muslimischen Gewaltopfer immer noch auf das Konto von fanatisierten Glaubensbrüdern geht. Das entlässt die anderen Gemeinschaften nicht aus der Verantwortung ihren Teil beizutragen, dass die Vorfälle aufhören. Aber es würde sehr helfen, wenn es auch innerhalb der muslimischen Gemeinde eine klare Abgrenzung von diesen Fanatikern geben würde.

  • Mein Beileid den Betroffenen. Solche Aktionen sind eine Gefahr für die Gesellschaft und eine Schande für die Täter. Hoffentlich werden die Täter ermittelt, und kommen nach einer vom Gericht verhängten Strafe, ebenfalls zu der Einsicht.

  • Intoleranz ist immer ein Nährboden für Gewalt gegen Andere. Worauf sich dabei jemand beruft, ob religiöse, politische oder auch vermeintlich humanistische Gesinnung ist nicht so entscheidend, wie die Bereitschaft, die eigene Erkenntnis notfalls mit Gewalt durchzusetzen, unabhängig vom politischen Lager.. Leider gibt es dafür auch im medialen und politischen Kontext immer wieder willfährige Mitläufer.

  • Die Entwicklungen nur den Influencern oder den Parteien zuzuschreiben ist eine sehr vereinfachte Sicht, es muss schon in der Bevölkerung eine gewisse Grundstimmung geben damit sie empfänglich sind. Die im Ausland oft übertriebene Meinung von Nazi- Deutschland war wohl dann doch nicht so übertrieben zumindest bezogen auf ein Viertel der Bevölkerung.

    • @Retsudo:

      Ein wenig kurz gesprungen. Bax schreibt zwar auch, aber beileibe nicht nur von Deutschland.

      Wenn man mal sehenden Auges durch die Welt geht (und sie nicht liest) könnte man feststellen, dass es global - verstärkt nach dem 7/10 - einen Trend gibt , die Religionen gegeneinander aufzuwiegen. Ein Trend zum Antiislamismus ist mir zB in good old G aufgefallen.

  • "Hass wird durch rechtspopulistische Parteien angeheizt"



    Zweifellos ist das so. Doch man sollte nicht vergessen, dass es Parteien der "Mitte" sind, die den Duktus etwa der AgD übernommen haben und die sich nicht klar genug von den Hasstiraden unterscheiden (wollen).

  • Die Abscheulichkeit das Menschen wegen ihres Glaubens immer mehr, immer brutaler angegriffen werden gilt nicht nur für den Islam, sondern auch gegen Christen und Juden sind die Anzahl von Straftaten explodiert, Weltweit und auch sehr stark in Deutschland.



    Die Verrohung der Gesellschaft zieht immer größere Kreise, Rechte gegen Ausländer, Linke gegen Rechte, Islamisten die ein Kalifat fordern, und jeder versucht sein, noch so idiotisches, Weltbild auch mit Gewalt zu erreichen. Aber die noch größeren Idioten (oder Brandstifter) sind dann die welche solche Straftaten auch noch rechtfertigen.