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Über die geschlechtergerechte Stadt„Die Stadt ist gemacht für den weißen Mann in einem Auto“

Hamburg ist nicht für alle gebaut. Ein feministischer Stadtrundgang zeigt, was fehlt. Das sind nicht nur öffentliche Toiletten, sagt Luise Wolff.

Interview von

Nele Rebentisch

taz: Frau Wolff, welche Orte in Hamburg zeigen besonders deutlich, dass unsere Stadt nicht für alle Menschen gleich gut funktioniert?

Luise Wolff: Eigentlich sieht man das schon gut bei öffentlichen Toiletten. Also, wie viele gibt es in der Stadt, für wen sind sie gemacht und wie zugänglich sind sie. Es ist aber wichtig zu verstehen, dass es bei einer feministischen Stadt nicht um eine Stadt für Frauen geht, sondern eine geschlechtergerechte Stadt. Es gibt verschiedene Diskriminierungsformen und Geschlecht ist ein Aspekt. Es geht aber auch zum Beispiel um Rassismus und Klassismus.

taz: Wer wird in der heutigen Stadtplanung in Hamburg besonders ausgeschlossen und wer wird im Gegenzug planerisch am meisten bevorzugt?

Wolff: Studien zeigen, wenn Geschlecht bei der Planung nicht mitgedacht wird, dass sie dann vor allem Männer zentriert und Männer bevorzugt. Benachteiligt werden alle, die davon abweichen, das sind zum Beispiel Frauen, aber auch nicht binäre und queere Personen. Die Stadt ist gemacht für den weißen Mann in einem Auto.

Im Interview: Luise Wolff

Luise Wolff, 28, ist Bildungsreferentin bei der W3 Werkstatt für internationale Kultur und Politik und wohnt in Hamburg.

taz: Und wie sieht das konkret aus?

Wolff: Besonders merken das Personen mit einer Behinderung, die ihre Mobilität betrifft – das sieht man auf jeden Fall auch im Stadtbild, beispielsweise an der Bodenbeschaffenheit und Hürden, die man einfach mitdenken und abschaffen müsste. Auch da fällt auf, dass die Stadt für Personen gemacht ist, die Auto fahren. Dann geht’s aber auch darum, wer ist überhaupt sichtbar in der Stadt. Das wird zum Beispiel daran deutlich, wie viele Straßennamen nach Frauen oder Personen of Color benannt sind.

taz: Warum geht die Stadtplanung noch immer von einem neutralen Einheitsmenschen oder dem Mann aus?

Wolff: Das hängt damit zusammen, wer das entscheidet, das ist einfach historisch gewachsen. Es waren einfach sehr häufig Männer, die die Stadt für Männer konzipiert haben. Gar nicht unbedingt absichtlich. Aber es fehlten und fehlen andere Perspektiven. Deshalb ist es so wichtig, das intersektional zu betrachten und verschiedene Diskriminierungsformen mitzudenken, um mehr Perspektiven einzubeziehen. Und das heißt in der Schlussfolge auch, dass diese Personen auch in Entscheider*innen-Positionen müssen.

taz: Reicht es also nicht, dass die Hamburger Behörde für Stadtplanung und Wohnen in den vergangenen 18 Jahren in Frauenhand war?

Wolff: Nein. Selbst wenn jetzt Frauen auf Entscheider*innen-Positionen sind, dann können sie immer noch weiße, nichtbehinderte, nicht von Klassismus betroffene Personen sein. Und dann fallen ja schon mal viele Perspektiven weg.

Feministischer Stadtrundgang

„Gender and the City- Ein feministischer Stadtrundgang zu (Un-)Sichtbarkeiten, Care, Sicherheit und Umwelt(un)gerechtigkeit“, mit Leonie Weizsäcker und Luise Wolff, beide sind Bildungsreferentinnen der W3

8. 8., 14 bis 17 Uhr, Treffpunkt vor dem W3, der Werkstatt für internationale Kultur und Politik, Nernstweg 32-34, Hamburg. Weitere Infos und die Möglichkeit, sich anzumelden, gibt es auf der Internetseite der W3. Eintritt frei, aber um Spenden wird gebeten.

taz: Scheitert inklusive Planung eher an der Erkenntnis, an den Ideen oder an der Umsetzung?

Wolff: Ich würde sagen, die Erkenntnisse sind da und es scheitert eher an der Umsetzung. In Wien beispielsweise gibt es seit 2013 ein Handbuch, an dem sich die Stadtplanung orientieren soll. Denn wer eingeschlossen wird, ist immer auch eine Ressourcenfrage.

taz: Aber reicht ein Handbuch, wenn Gleichstellungsziele immer auch mit wirtschaftlichen Interessen, Wohnungsbau und Verkehr konkurrieren? Oder braucht es mehr Verbindlichkeit?

Wolff: Ich glaube, es braucht ganz konkrete Ziele, wie die gerechte Stadt aussehen soll. Aber manchmal macht es Sinn, einfach auch klein anzufangen. Bei breiteren Gehwegen für Personen mit Kindern zum Beispiel.

taz: Wie könnte eine Stadt aussehen, die sich an unterschiedlichen Lebensrealitäten orientiert?

Wolff: Es muss gemeinschaftlicher gedacht werden, denn die Stadtviertel sind unterschiedlich gut aufgestellt. In einkommensstarken Vierteln gibt es mehr öffentliche Toiletten. Wichtig wäre, dass man die Stadt als Ganzes denkt und das Ziel ist, dass Menschen, egal wo sie leben, innerhalb von 15 Minuten an den wichtigsten Orten, also Einkaufen, Arzt und Kita sind. Und wir brauchen gemeinsame Orte im Grünen, wo sich Leute begegnen können.

Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

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49 Kommentare

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  • Horst Sörens

    Wer in Hamburg mal Auto fahren musste, weil er z.B jeden Tag zur Arbeit muss, der hat irgendwie nicht den Eindruck dass die Stadt auf pKW ausgerichtet wäre. Ich denke den meisten ist vollkommen egal wie die Straße heißt auf der sie gerade wegen einer total absurden Ampelschaltung ich darf stehen müssen.

  • Horst Sörens

    Ich habe selber kleine Kinder, aber mir ist noch nie aufgefallen, dass Fußwege zu schmal wären

  • Tuff

    In dem Interview wurde ein Nerv getroffen, sonst gäbe es nicht so viel "Wäh, wäh, wäh, stimmt nicht!", in den Kommentaren.

    • Horst Sörens

      @Tuff:

      Die Kritik die ich in den Kommentaren lese, ist er, dass nur allgemeines vorgetragen wird, dass dann aber nicht begründet oder mit Beispielen hinterlegt ist.

  • Astrid Sehnefeld

    "Die Stadt ist gemacht für den weißen Mann in einem Auto."



    Und bei Frauen oder einem schwarzen Mann hinterm Steuer springt dann eher die Ampel auf rot oder was?



    Wenn man eine solch skurrile These aufstellt, dann bitte auch ausführen.



    /



    "Das wird zum Beispiel daran deutlich, wie viele Straßennamen nach Frauen oder Personen of Color benannt sind"



    Wenn Straßen nach Personen benannt werden, dann nach Personen die der Allgemeinheit 'bekannt' sind und nicht nach Liselotte Müller...🤷



    Es muss also eine Person von wissenschaftlicher, politischer, gesellschaftlicher oder regionaler Bedeutung sein.



    Und da Europa historisch ein weißer Kontinent ist, ist es logisch, dass da POC wenig bis keine Rolle spielen - vor allem wenn man bedenkt, WANN die Straßen benannt wurden: 95% der Straßen wurden nämlich zu Zeiten benannt, als die Welt noch nicht globalisiert war.



    Wenn ich mir Straßen in Neubaugebieten anschaue, dann sieht das ganz anders aus. Da sind Frauen und Persönlichkeiten fernab deutscher Grenzen durchaus vertreten.



    Es ist also wie bei allem: auch Straßennamen sind ein Kind ihrer Zeit.



    Das ist kein Skandal sondern anschauliche Zeitgeschichte.

  • Martyn

    Ich denke bei der Stadtplanung spiel Geschlecht und sexuelle Orientierung garkeine so grosse Rolle, sondern die Katgorien in die man die Menschen da kategorisieren sollte sind eher: Arme Quartierbewohnende | Reiche Quartierbewohnene | Vorstadtbewohnende | Umlandbewohnende als Mitarbeiter | Umlandbewohnende als Shopping- und Freizeitgäste

    Wenn es um Toiletten geht braucht man die natürlich vorallem dort wo die Shopping- und Freizeitgäste sind. Der Rest geht ja eher daheim in der eigenen Wohnung, am Arbeitsplatz oder bei Freunden auf Toilette aber meidet eher öffentliche Toiletten.

    Das es in einkommenstäkeren Stadtteilen mehr öffentliche Toiletten gibt liegt einerseits natürlich daran, das gerade dahin die Shopping- und Freizeitgäste strömen. Anderseits wären in einkommenschwächeren Stadtteilen öffentliche Toiletten schwierig, wenn man nicht möchte das es erstmal in Richtung Obdachlosenlager und Drogenkonsumraum ausartet, und dann evtl. sogar zu Taschendiebstählen, sexuellen Übergriffen und Messerangriffen kommt.

    Wenn man das möchte, dann müsste man auch gleichzeitig mehr gegen Armut, Obdachlosigkeit und Öffentlichen Drogenkonsum tun.

  • Nachtsonne

    In meiner Stadt haben die verschiedenen Ethnien und Kulturen eine große Gemeinsamkeit. Alle fahren gerne mit dem Auto. Der vermeintliche Zusammenhang zu weißen Männern ist wie begründet?

  • Demokrat

    Es gibt doch auch viele gute Initiativen, welche einfach nur Flächendeckend ausgerollt werden sollten. Schritt für Schritt wird der Erfolg der Getechtigkeit auf der Hand liegen.



    Zum Beispiel charmante Variante Mussoir.



    taz.de/Oeffentlich...n-Berlin/!5937321/

    Super.

  • Generator

    Ich möchte nur mal anmerken, dass auch queere Afrikanerinnen mit Behinderung Autos besitzen. Auch und besonders wenn sie Kinder haben.

    • Life is Life

      @Generator:

      Die haben aber unsere Städte nicht geplant, oder?

    • Andreas J

      @Generator:

      Ja und? Jeder mit Führerschein darf einen PKW fahren. Ändert aber nichts an der Kritik.

      • rero

        @Andreas J:

        Doch.

        Erheblich sogar.

        Es bezeugt, dass die These, Hamburg seine eine Stadt für weiße Männer nicht realistisch ist.

        War zu erwarten, sonst hätte Frau Wolff ja Beispiele gehabt.

        • Andreas J

          @rero:

          Machen sie doch einen Selbstversuch. Fahren sie doch mal mit einen Rolli queer durch Hamburg. Danach noch mal mit dem Fahrrad. Abends zum Abschluss noch einen Spaziergang durch die dunklen Ecken der Stadt. Kleine Exkursion durch die Angsträume von Frauen . Viel Spaß. Die Städteplanung beim Wiederaufbau hat sich nach den PKW-Verkehr / Pendler gerichtet und das waren hauptsächlich Männer in Autos. Geplant wurde das ganze auch nur von Männern.

  • Leo Onlin

    Identität ersetzt leider nicht Kompetenz. Das ist das einzige, was ich von diesem Artikel mitnehme.

    Umbenennung von Straßen und Plätzen ist übrigens ein typisch herrschaftliches Verhalten.

    • Andreas J

      @Leo Onlin:

      Die Benennung war typisch herrschaftliches Verhalten, nicht die Umbenennung.

      • Ohne_Mitte_geht_nix

        @Andreas J:

        Und die Umbenennung ist deshalb besser und kein herrschaftliches Verhalten?

        • Andreas J

          @Ohne_Mitte_geht_nix:

          Nee, die Umbenennung ist die Korrektur. Im Gegensatz zu früher findet heute eine öffentliche Debatte statt.

      • rero

        @Andreas J:

        Beides ist typisch herrschaftliches Verhalten.

        • Andreas J

          @rero:

          Dann läuft die Umbenennung des Adolf-Hitler-Platzes in Berlin in den Theodor-Heuss-Platz bei Ihnen unter herrschaftliches Verhalten?

  • Christoph Strebel

    Für wen eine Stadt geplant wird, ist eine Frage der Zeit. Vor 1850 musste alles zu Fuß erreichbar sein. Für Transport gab es Fuhrwerke, Ochsenkarren, Kanäle. Dann gab es eine Zeit, wo jede kleine Fabrik einen Gleisanschluss brauchte. Und ab 1955 wollte je Führungskraft Auto fahren.



    Langsam fangen wir an, Fahrrad gerechte Städte cool zu finden . Projekte für den Personentransport mit Flug-Drohnen sind zwar jüngst alle pleite gegangen, aber in 30 Jahren wird der Landeplatz auf dem Dach des Hauses ganz wichtig.

  • Offebacher

    Eigentllich kann man nach "Die Stadt ist gemacht für den weißen Mann in einem Auto." aufhören zu lesen. Fahren Frauen kein Auto? Fahren PoCs kein Auto? Fahren Migranten und deren Nachkommen in zweiter und dritter Generation kein Auto? Aber wahscheinlich stellt sich Frau Wolff diese Frage gar nicht.



    Wenn stehen würde "Die Stadt ist gemacht für Menschen in einem Auto" könnte ich das nachvollziehen. Aber wieso sind eigentlich immer die (alten) weißen Männer alleine die Bösewichte? Wer dies schreibt, macht sich diese Gruppe automatisch zum Gegner oder gar zum Feind.



    Und ich weiss, von was ich schreibe, ich gehöre auch zu dieser Gruppe und würde mich eigentlich über eine Stadt, in der auch Fußgänger, Fahrradfahrer und ÖPNV-Nutzende ihren Platz haben, freuen und diejenigen unterstützen, die sich dafür einsetzen. Aber mit solchen Texten werde ich automatisch zur Opposition.

    Aber zurück zum konkreten Fall: ich empfand den ÖPNV in Hamburg aus zugegeben eingeschränter Touristen-Fußgängersicht als sehr gut.

    • Joe Schmoe

      @Offebacher:

      Wer hat die Städte gebaut?



      Weiße Männer.



      Das ist einfach Fakt.



      Wenn die Nennung von Fakten in (alten) weißen Männern eine Opposition gegen eine gefühlte Benennung als Bösewicht hervorruft, dann ist es mit der oft beschworenen Männlichkeit nicht weit her.



      Etwas mehr Großmut stünde der herrschenden Klasse bestimmt nicht schlecht.

      • Offebacher

        @Joe Schmoe:

        Ja, jetzt alte oder oft schon tote weiße Männer haben unsere Städte gebaut, aus Steinen, Beton, Holz, Ziegeln, Metall, mit Baggern und Kränen und Muskelkraft. Und viele davon hat es die Gesundheit ruiniert und manche auch das Leben gekostet.

      • rero

        @Joe Schmoe:

        Weil eine Stadt von weißen Männern mal gebaut worden ist, bedeutet das ja nicht automatisch, dass sie für diese gebaut worden ist.

        Was Sie so lapidar Fakt nennen, müssten Sie erklären.

        Dass es mit der angeblich beschworen Männlichkeit nicht weit her ist, weiß man ja nun seit geraumer Zeit.

        Nur das Patriarchat sanktioniert es, wenn Männer sich verletzlich zeigten.

        Großmut der herrschenden Klasse ist immer gut. Nur was hat das mit dem in Rede stehenden Thema zu tun?

  • Janix

    An Menschen ausrichten, nicht an Autos und deren Grünen Wellen - ganz einfach, und doch haben es die ollen Verkehrsplaners nie gelernt. Können sie aber nachholen.

    Hamburg hat Radwege zugleich mit bösen Autoschneisen und Planung von Autofahrern für Autofahrer. Kann mensch ändern.

  • Ohne_Mitte_geht_nix

    "Die Stadt ist gemacht für den weißen Mann in einem Auto."



    Wieso denn nur für den weißen Mann??

    • Joe Schmoe

      @Ohne_Mitte_geht_nix:

      Mehrheitsgesellschaft & Patriarchat.

      • rero

        @Joe Schmoe:

        Da Minderheiten auch Auto fahren, müssten schon etwas konkreter werden.

        Woran machen Sie das konkret fest?

        Frau Wolff wurde da ja auch schon nicht konkret.

        Sie redete da lieber über Menschen mit Behinderung.

    • Janix

      @Ohne_Mitte_geht_nix:

      Auch der andersfarbige Mann im Auto, auch die Auto-Fahrerin belastet damit den Hamburger Verkehr und wird aber gehätschelt. Ja, deshalb haben sie womöglich teils das Auto, um wenigstens einmal sich hierzulande akzeptiert zu fühlen.

      Ich fand's aber auch eine Drehung zu viel versucht in diesem Kontext.

      • Desti

        @Janix:

        "Ja, deshalb haben sie womöglich teils das Auto, um wenigstens einmal sich hierzulande akzeptiert zu fühlen."

        Weil sie sonst LastenRad fahren würden, fahren oder was?

        Ernsthaft?

        • Janix

          @Desti:

          Ging in Richtung, welches Auto dann gefahren wird.



          Ziemlich miese Wahl, gesellschaftlich gesehen, eines "Statussymbols".

    • Dorothea Pauli

      @Ohne_Mitte_geht_nix:

      Ist das so schwer zu verstehen?



      Jeder Mensch nimmt sich mehr oder weniger als durchschnittlich wahr. Wenn eine Stadt über Jahrhunderte von weißen Männern geplant und regiert würde, dann ist sie eben auch auf deren Bedürfnisse zugeschnitten. Es ist natürlich komplexer als das, aber im Kern geht's darum.

      • Normalo

        @Dorothea Pauli:

        Die ratio ist leicht zu verstehen, aber sie bleibt theoretisch. Was soll die Feststellung, wenn die tatsächlichen, aufzählbaren "planerisch bedingten Diskriminierungen" sich eigentlich gar nicht gegen Frauen richten sondern z. B. gegen Fußgänger, Menschen die in Vierteln mit geringem Durchschnittseinkommen eine öffentliche Toilette suchen, etc.. Inwieweit das alles inkludierender geraten wäre, wenn es mehr Frauen geplant und eingestielt hätten, erschließt sich nicht.



        Banaler ausgedrückt: Den papierenen Kaffeefilter hat berühmtermaßen eine Frau erfunden. Meinen Sie, dass das irgendeinen Effekt darauf hat, ob die Dinger von Männlein und Weiblein gleich gut zu verwenden sind ( also z. B. wenn Melitta Bentz ein Mann gewesen wäre, sie automatisch für Frauen schwerer handhabbar wären)? Wenn ein Mensch etwas entwickelt, dann mag dieser Mensch dabei vielleicht etwas mehr an sein Geschlecht als Benutzer denken, aber inwieweit sich das praktisch auswirkt, ist wohl eher empirisch festzustellen, als dass man es einfach unterstellen könnte. Die Empirie zumindest in diesem Interview fällt etwas dünn aus.

      • Budzylein

        @Dorothea Pauli:

        Der Autoverkehr ist aber nicht über Jahrhunderte geplant worden. Und viele schwarze Frauen haben ebenso wie viele weiße Männer das Bedürfnis, unabhängig von Fahrplänen, in angemessener Zeit, trockenen Fußes und mit der Möglichkeit, zugleich etwas Schweres oder Umhandliches transportieren zu können, von A nach B zu kommen.

  • Jens Köster

    Mir ist nicht klar geworden, warum der Autofahrer weiß sein soll. Mehr Toiletten für Männer als Frauen habe ich noch nirgends gesehen, vielleicht ist Hamburg da eine Ausnahme.



    In vielen Städten ist der Nahverkehr schlechter als das Fahrrad, aber besser als das Auto. Aber wenn es eine Stadt gibt, in der man definitiv kein Auto braucht, dann ist das sicher Hamburg. Ich war bei meinen Besuchen begeistert - und habe das Auto stehen lassen.

    • Silber Silberigel

      @Jens Köster:

      Die Hautfarbe ist liegt hier nahe am Overkill, dürfte aber zB im ÖPNV ganz sicher eine Rolle spielen, was racial profiling und Kontrollen angeht. Was dagegen wirklich aufstößt, sind die "Nichtbinären". Es ist jammerschade - auf diese Weise zieht die Interviewte selber ihre eigentlich guten und wichtigen Argumente selbst ins Lächerliche. Blaugefärbte Haare und ein noch so großes Ego haben wohl kaum direkte Korrelation mit der jeweiligen Raumnutzung.

      • rero

        @Silber Silberigel:

        "zB im ÖPNV ganz sicher eine Rolle spielen, was racial profiling und Kontrollen angeht."

        Welche Rolle?

        Ich kenne ÖPNV-Kontrollen nur so, dass ein bestimmter Abschnitt in einem Waggon kontrolliert wird.

        " Du ja, du nein"-Kontrollen habe ich noch nie erlebt.

    • Janix

      @Jens Köster:

      Männer, egal welcher Hauttönung, schaffen das Urinieren laut Studien in der halben Zeit, Pissoire sparen auch noch Raum. Daher dürfen Frauen/Weitere besser mehr Toiletten haben, um die Schlangen mal gleichmäßiger zu gestalten.

    • Glimmlampe

      @Jens Köster:

      Ich glaube das mit den Toiletten bezieht sich darauf dass Männer nicht so häufig Toiletten benötigen und vermutlich weil pro Fläche mehr untergebracht werden (1 Kabine braucht Platz für ca 2 Pissoirs)



      Aber hätte man jetzt irgendwie darlegen können, anstatt nebulös über Straßennamen zu diskutieren

      • Life is Life

        @Glimmlampe:

        Wenn Sie vor einer öffentlichen Toilette stehen, die drei Türen hat für Männer, Frauen, Mobilitätseingeschränkte, dann heißt das nicht, dass hinter jeder Tür dieselbe Anzahl von Toilettenbecken zur Verfügung stehen...



        In der Damentoilette fehlen halt die platzsparenden Pissoirs.

  • Heike 1975

    "Und wir brauchen gemeinsame Orte im Grünen, wo sich Leute begegnen können."

    Der Ansatz, Grünflächen primär als Orte der Begegnung zu planen, greift zu kurz. Wer im dichten Stadtalltag lebt, nutzt Parks und Naturräume oft gerade als Rückzugsorte vor der ständigen Reizüberflutung. Kann ja nicht Sinn sein, dass man ständig auf dem Friedhof herumhängen muss, wenn man mal keine Mitmenschen im Barbecue-Wahn etc. erleben möchte.

    Viele Menschen ziehen ja gerade wegen der Anonymität und der Freiheit von sozialer Kontrolle in die Großstadt. Der Zwang zur nachbarschaftlichen Begegungsstätte wirkt da wie eine romantische Übertragung dörflicher Strukturen auf den urbanen Raum. Gute Stadtplanung verordnet kein soziales Miteinander, sondern lässt Raum für unterschiedliche Lebensentwürfe.

    Die Umbenennung von Straßennamen löst übrigens kein einziges reales Problem bezüglich Barrierefreiheit, Pflegearbeit oder Sicherheit im öffentlichen Raum. Das Konzept der "Stadt der kurzen Wege" ist seit Jahrzehnten Standard in der europäischen Stadtplanung und kein exklusiv feministischer Erfindungsgeist.

    • Janix

      @Heike 1975:

      Der autofahrende Erwerbsarbeiter (m) hat oft ein anderes Verkehrsverhalten und übersieht viel, das ist der Gender-Punkt darin. Leider ist das oft auch der brav hoch beförderte Planer alten Schlags, Haus im Grünen, nur mit dem Auto durch die Stadt. Fußgänger sollen gefälligst eine Brücke nehmen, Radwege hören plötzlich auf. Autos haben 2 min durchgehend Grün - so etwas.

    • Dorothea Pauli

      @Heike 1975:

      Warum wehren sich alle immer mit Händen und Füßen gegen Straßenumbenennungen? Sicher löst das kein konkretes Problem im Verkehr, der Schule oder der Miete. Aber es ist doch ein positives Zeichen ein paar preußische Generäle gegen Menschen auszutauschen die wirklich was zum positiven bewirkt haben. Ich selbst wohne in der Skalitzer Straße, die an irgendeine Schlacht im 18. Jahrhundert erinnert. Preußen vs. Österreich.



      Was ist der Mehrwert dieses Straßennamens? Ist es das woran wir uns erinnern wollen? Ein leuchtendes Beispiel für die Jugend? Da kann ich mir wirklich besseres vorstellen...

      • rero

        @Dorothea Pauli:

        Ja.

        Daran sollten wir uns erinnern wollen.

        Dass es mal König- und Kaiserreiche gab und auch Preußen und Österreich miteinander Krieg führten.

        Und dass Militarismus solche Kriege verherrlicht.

        Historische Straßennamen sollten nur geändert werden, wenn sie nach Massenmördern benannt sind.

        Alles andere ist Geschichtsklitterung.

        Ich finde es gut, dass es im Osten noch eine Reihe von Ernst-Thälmann-Straßen gibt.

        Der Mann war Stalinist und nicht demokratisch.

        Sehen ich als Mehrwert, dass wir uns mit ihm weiterhin auseinandersetzen.

        Die Jugend nimmt sich an Straßennamen sowieso kein Beispiel.

        Das tut niemand.

      • Suryo

        @Dorothea Pauli:

        Die Sitte, Straßen nach Menschen zu benennen, ist historisch gar nicht besonders alt und ich halte auch wenig davon.

        Es bringt nachfolgenden Generationen doch viel mehr, wenn sie aus dem Straßennamen etwas über die Geschichte der Straße lernen können. Warum also nicht zB einfach mal eine Straße Dönerbudenstraße oder Werkstattstraße oder was auch immer die betreffende Straße prägt, nennen?

      • Generator

        @Dorothea Pauli:

        "Warum wehren sich alle immer mit Händen und Füßen gegen Straßenumbenennungen?"

        Ich vermute, dass es da viel darum geht, dass die Leute viel Arbeit damit haben, wenn die Straße in der sie leben von einem Mann von dem sie nichts wissen auf eine Frau von der sie Nichts wissen umbenannt wird.

        Man muss ja dutzenden Stellen Bescheid geben, dass sich die Adresse geändert hat. Vom Arbeitgeber über die Bank, allen seinen Bekannten, dem Lieferservice und generell allen die einem was schicken sollen. Und wenn z.B. deswegen eine Rechnung nicht ankommt kann man sich ordentliche Mahngebühren usw. einfangen...