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Reform gesetzlicher Krankenversicherung Die medizinische Versorgung wird sich verschlechtern

Manuela Heim

Kommentar von

Manuela Heim

Die Reform der gesetzlichen Krankenversicherung wurde als großer Wurf versprochen. Doch nun wird die Versorgung schlechter und nicht besser.

D as Sparpaket für die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) hat es durch den Bundestag geschafft. Am letzten Tag vor der Sommerpause haben die Po­li­ti­ke­r*in­nen der Regierungsfraktionen das Gesetz durchgewunken. Ein Eilantrag der Opposition beim Bundesverfassungsgericht auf Verschiebung hatte keinen Erfolg. Die Erzählung könnte also sein: Tatkräftig hat die Regierung eine Reform gegen alle Widerstände durchgebracht und sich die Ferien redlich verdient.

Tatsächlich wird diese „Reform“ die medizinische Versorgung in Deutschland nicht besser, sondern sehr wahrscheinlich schlechter machen. Und das Vertrauen, dass Po­li­ti­ke­r*in­nen bei komplizierten Sachverhalten wissen, was sie tun, ist mindestens angekratzt. Die Genese dieses Gesetzes beginnt mit jahrzehntelangen Fehlsteuerungen im Gesundheitssystem, die in wirtschaftlich guten Zeiten verschmerzbar waren, aber seit einigen Jahren zu deutlichen Steigerungen der Beiträge für gesetzlich Versicherte und ihre Ar­beit­ge­be­r*in­nen führen.

Gesundheitsministerin Nina Warken versprach schon im vergangenen Jahr, dass die Beiträge nicht weitersteigen. Aber ein Schnellschusskürzungsprogramm und milliardenschwere Darlehen des Bundes an die Kassen reichten nicht: Die Kassenbeiträge stiegen auch 2026.

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Für nächstes Jahr hat Warken ihr Versprechen erneuert. Aus den Vorschlägen einer Ex­per­t*in­nen­kom­mis­si­on pflückte Warken einen Strauß von Maßnahmen, der als Gesetzentwurf dem Parlament präsentiert wurde. Dieser Entwurf war allerdings nicht einmal innerhalb der Koalition vernünftig abgestimmt, Interessenverbände fühlten sich nicht ausreichend eingebunden, die Länder murrten, und die Pharmaindustrie schickte Landespolitiker zur direkten Beschwerde zum Bundeskanzleramt. Eigentlich sollte das Gesetz schon Ende Juni im Bundestag beschlossen werden, aber eine Einigung war nicht in Sicht.

Inzwischen war auch klar: Das mit dem Entwurf erreichbare Sparvolumen reichte beileibe nicht, um die Kassenbeiträge zu stabilisieren. Die Folge war eine derart große Anzahl von Änderungen bis kurz vor Gesetzesbeschluss, dass selbst die versiertesten Ge­sund­heits­po­li­ti­ke­r*in­nen den Überblick verloren. Die Mitglieder der Regierungsfraktionen, die für das Gesetz stimmten, taten dies vielleicht im Vertrauen darauf, dass die handelnden Personen wissen, was sie da zusammengeschrieben haben; oder doch vor allem in der Hoffnung, dass bei der Bevölkerung, für die das Gesetz sowieso nicht zu überschauen ist, der Eindruck tatkräftigen Handelns hängen bleibt.

Die Regierung will mit dieser Reform auch etwas beweisen, das mit Inhalt wenig zu tun hat. Welche weitreichenden Folgen das Sparpaket für die Versorgung der Pa­ti­en­t*in­nen hat, ob es tatsächlich ausreicht, um Beiträge zu stabilisieren, und ob der Bund nicht bald wieder Geld mit der Gießkanne verteilt, um Kliniken vor der Finanzmisere zu retten, in die er sie weiterhin hineinmanövriert – das wird sich erst noch zeigen.

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Manuela Heim

Manuela Heim Gesundheit und Soziales

Redakteurin in der Inlandsredaktion, schreibt über Gesundheitsthemen und soziale (Un-) Gerechtigkeit.
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36 Kommentare

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  • "Die medizinische Versorgung wird sich verschlechtern". Das ist etwas unpräzise. Die Summe der medizinischen Leistungen wird sich nicht verringern. Die Leistungen werden jedoch nicht nur den Einzahlen zukommen, sondern auch weiter zunehmend Personen, die nie eingezahlt haben oder auch nicht einzahlen. Fragen Sie die SPD, warum die medizinischen Leistungen für diese Personengruppe nicht aus Steuermitteln finanziert werden soll. Doof nur, das sich die zahlende Mittelschicht deswegen zunehmen als Melkkuh sieht, mit den entsprechenden Konsequenzen an der Wahlurne.

  • Schon die Bezeichnung "Gesundheitsreform" ist falsch. Es handelt sich um keine Reform sondern lediglich um Leistungskürzungen, Beitragserhöhungen (Zuzahlungen, Erhöhung der Bemessungsgrenze etc.), aber das System ist nicht reformiert worden, sondern bleibt was es ist. Gegen die Beamtenlobby im Bundestag kommt man wohl nicht an (will man auch nicht), anders als in der Schweiz, die den anachronistischen Zopf (...hergebrachte Grundsätze...) schnipp-schnapp abgeschnitten (-geschafft) hat _ und bestens damit lebt. Und erst die privaten Versicherer... oh mein Gott! Eine Bürgerversicherung einzuführen ist in diesem verkrusteten Land schlicht unmöglich.

    • @Alex59:

      Eine Bürgerversicherung in Ihrem Sinne würde die Probleme nicht lösen, Sie vergessen, das privat Versicherte ihre Versicherungsleistung komplett selbst bezahlen ohne staatliche Zuschuesse. Bei Beamten müsste der Staat die Beihilfe durch Abgaben an die Bürgerversicherung ersetzen. Der Effekt wäre tatsächlich minimal. In der gesetzlichen Krankenversicherung sind schlicht zuviele Nuzznießer, die nie Beiträge gezahlt haben bzw. nicht zahlen. Die Umstellung auf eine Steuerfinanzierung wird durch die SPD abgelehnt, Warum auch immer. Es ist schlicht kein Geld mehr da. Aber hey, das ist erst der Anfang der Kürzungen, nicht das Ende.

  • Wie oft habe ich gerade hier in den Kommentaren gelesen "wir müssen Wohlstand abgeben", ich habe immer darauf hingewiesen, dass solche Dinge wie zum Arzt gehen zu können, ohne Angst vor einer Rechnung haben zu müssen oder ein Studium aufnehmen zu können, ohne horrende Gebühren zu zahlen. Es ist eben ein abstrakter Spruch ohne tieferes Verständnis dahinter, in welchem Wohlstand hier eigentlich gelebt wird und für selbstverständlich gehalten wird.

    Das ist jetzt eben vorbei.

    Für mich ist diese Entwicklung übrigens nicht überraschend.

  • "Die medizinische Versorgung wird sich verschlechtern."

    Das ist leider die heutige Bedeutung einer Reform, Politiker haben das Wort "Reform" gekapert, weil das einfach euphemistischer klingt als, Ihr werdet noch mehr als zuvor zuzahlen aber gleichzeitig werdet Ihr viel weniger Leistungen dafür erhalten.

  • Hier der Link zur Bundesratsentscheidung zum Leistungssenkungs- und Kostensteigerungspaket für die gesetzlich Versicherten.

    www.bundesrat.de/D...067-pk.html#top-86

    Leider selten erwähnt sind auch die inakzeptaben Entscheidungen zur Pflege. Es gibt keinen Pflege-Personalschlüssel mehr.

    Bis Pflegestufe 2 müssen Ehegatten in Zukunft selbst Beiträge zahlen, und das, obwohl pflegebedürftig und der gesunde Ehepartner üblicherweise erhebliche Pflegeleistungen erbringt. Gilt aber nur für die gesetzliche Pflegeversicherung, nicht für die private Pflegeversicherung von Beamten. Das soll dann eine solidarische Verteilung von Kosten sein?

    2027 erhöht die Regierung den Finanzierungsbeitrag für die Bürgergeldkrankenversicherung von 250 Mio auf 1 Mrd, bei 10 Mrd Kosten. Gleichzeitig senkt sie aber den Bundeszuschuss um 1,35 Mrd, dh der Beitrag steigt nicht um 750 Mio, sondern sinkt faktisch um 600 Mio. Frau Warken und die Regierung drückt sich nicht nur um die Finanzierung politisch gewollter Leistungen, nein, die gesetzlich Versicherten müssen die 600 Mio mehr aufbringen. In der freien Wirtschaft würde man von Dieben und Verbrechern sprechen.

  • Was im Kommentar leider unerwähnt bleibt, sind die Milliarden an versicherungsfreimden Leistungen, die aus dem Topf der GKV entnommen werden: www.imk-boeckler.d...istungen-73331.htm



    Die Aussage von Frau Warken, man könne nur ausgeben, was man auch einnehme, suggeriert hingegen, dass die Leistungen für die Versicherten teurer seien als die Einzahlungen und deswegen das Geld nicht ausreiche. Das macht mich wirklich sauer!

    • @resa:

      Was ist die größte "versicherungsfremde Leistung" laut ihrer Quelle? Die Mitversicherung der Ehepartner, also genau das wo sich Frau Warken erstmalig ranwagt. Natürlich ist der Umfang noch sehr gering und muss ausgebaut werden, aber der erste Schritt ist getan.

  • Das einzige was wirklich helfen würde, jedoch keiner anfassen will ist eine komplette Reform des Staates und der Art und Weise, wie dieser das Geld der Steuerzahler ausgibt.

    Und das über alle Ministerien hinweg bis zur Deutschen Bahn.



    Immer nur Geld drauf schmeißen, hat uns nun dahin gebracht, wo wir gerade stehen.

    Der ganze Staat gehört restruktuiert. Dafür reichen jedoch 4 Jahre Regierungszeit nicht aus. Dazu bräuchte es eine handlungsfähige Mehrheit im Bundestag aus Parteien die mit den extremen Rändern nichts zu tun haben.

    Bildlich gesprochen:



    Seit Jahrzehnten haben wir hier „tiefe Wunden“ kleben aber nur immer ein neues, manchmal auch größeres Pflaster darauf, aber darunter findet keine Heilung statt.

    • @Sole Mio:

      Das ist aber nicht das Geld der Steuerzahler.



      Immer wenn der Staat eine Zahlung tätigt, entsteht Geld aus dem Nichts: Das Zentralbankkonto des Staates geht runter, und das Zentralbankkonto der Empfängerbank geht hoch, woraufhin auch das Girokonto des Empfängers hoch geht, es ist also neues Giralgeld entstanden.



      Eingehende Steuerzahlungen gehen dann den umgekehrten Weg und werden vernichtet.



      Ein neu gegründeter Staat muss ja seine neue Währung auch erstmal durch Ausgaben unter die Leute bringen, bevor er Steuern in dieser Währung einnehmen kann.



      Steuern haben ganz andere Funktionen, z.B. sorgen sie für eine flächendeckende Akzeptanz der staatlichen Währung.

    • @Sole Mio:

      Nein, dahin gebracht, wo wir nun sind, hat uns, dass die Steuern für die Reichsten iimmer weiter reduziert wurden, während immer mehr Steuern auf die abgeladen wurden, die sowieso schon zu wenig haben, um klarzukommen.

      So wird z.B. die Vermögenssteuer seit 1997 nicht mehr eingezogen, w wodurch den Reichsten über 400 Mrd. € geschenkt wurden. Und es wurden über 900 Mrd. € mehr aus der Rentenkasse entnommen als durch Bundeszuschüsse ausgeglichen wurde, weil man das nicht aus dem Bundeshaushalt bezahlen wollte. Denn dort hätten dann auch Milliardäre und Superreiche ihren Anteil zahlen müssen.



      und man besteuert Kapitaleinkünfte nur mit 25% statt mit bis 45% wie Arbeitseinkommen.



      Wenn man Milliardäreund Superreiche auch nur genauso stark wie normale Arbeiter besteuern würde, hätten wir kein Problem.



      So ist das Vermögen von Milliardär Eh und Superreichen seit 2024 um 400 Mrd. € gestiegen. 40% davon wären 160 Mrd. €. Damit gäbe es kein Problem mit der Rente, der Krankenversicherung oder dem Haushalt.

      • @EchteDemokratieWäreSoSchön:

        Bevor der Staat nach mehr Geld schreit muss das vorhandene erst einmal richtig und verantwortungsvoll ausgegeben werden.



        Erst wenn dies geschieht, kann man nach mehr verlangen. Dann auch gerne bei den Superreichen!

        Schauen Sie sich öffentliche Bauvorhaben, die Beschaffung bei der BW, da wird für die selbe Fregatte, die ein Nachbarland kauft mal fast 40% mehr gezahlt. Usw usw usw

        • @Sole Mio:

          Nein, das ist falsch. Sie können gerne verlangen, dass das vorhandene richtig und verantwortungsvoll ausgegeben wird. Das tue ich auch. Aber das ist kein Argument dagegen, dass richtige und sinnvolle Dinge nicht gemacht werden. Im Gegenteil, damit begeht man einen weit schlimmeren Fehler zu dem ersten Fehler noch dazu. Und dann muss man sich auch nicht wundern, wenn immer mehr Menschen in diesem Land so unzufrieden mit der Demokratie sind, dass sie eine Partei wie die AfD wählen.



          Milliardäre und Superreiche nicht mindestens mit denselben Steuersätzen zu besteuern wie normale Arbeiter, ist ein viel schlimmeres Vergehen als eine Fregatte zu teuer einzukaufen.



          Und wenn Milliardäre und Superreiche alleine seit 2024 um 400 Mrd. $ reicher geworden sind, wo wären 30-40% davon ca. 120-160 Mrd. $. Damit könnte man alle Probleme lösen.



          Es wäre einfach, das Problem mit den Fregatten etc. zu lösen. Wenn man festlegen würde, dass jedes Defizit über 3% durch eine höhere Besteuerung von Milliardäre und Superreichen ausgeglichen werden muss, würde die schon dafür sorgen, dass die Fregatten nicht teurer werden als im Nachbarland. Denn das zahlen sie dann.

  • Es wurde mal wieder schnell eine Reform durchgeboxt , ob der einzelne MdB die Einzelheiten und Folgen verstanden hat



    , wage ich zu bezweifeln.



    Das Fazit wird sein:



    Wer reich ist bleibt gesund , wer arm ist kann ruhig sterben .



    Zu polemisch, ich glaube nicht .



    Irgendwann wird es die bittere Realität sein.



    Diese " Reform " ist nur ein weiterer Schritt



    In diese Realität .

  • Es wird schlechter. Kann sein.

    Nur wird sich auch gefragt warum wir das zweitteuerste System der Welt haben und aber trotzdem gesundheitlich nicht auf dem zweit besten Platz stehen?



    Es gibt um uns herum Länder die weniger ausgeben und bessere Ergebnisse damit einfahren.



    Also warum ist die "Linke" Lösung dann immer. Ne, weniger ausgeben geht gar nicht. Lieber noch mehr Geld darauf werfen. Die Reichen haben es ja.



    Nicht dass ich hier widerspreche.



    Aber einfach nur Geld drauf werfen ( das woanders wahrscheinlich mehr bringen würde) ist halt auch nicht die Lösung. Also die Augen zu verschließen vor den Tatsachen.

    • @Duplozug:

      Ein weiteres Besipiel: Beatmungs-WGs. Ein Beatmungspatient im Krankenhaus kostet um die 30.000€/Monat. In der eigenen Häuslichkeit mit außerklinischer Intensivbetreuung ca. 25.000€. In einer Beatmungs-WG kostet das bis 15.000€. Die Krankenkasse zahlt aber aktuell ~25.000€ - es fallen bei diesen Einrichtungen also Übergewinne an und das nicht zu knapp. Seit Jahren gibt es da Reformvorschläge, aber die laufen jedesmal darauf hinaus, dass die Krankenkasse einfach gar nichts mehr zahlt, dann wären die Beatmungs-WGs nicht mehr zu betreiben. Eine Lösung bei der die Kasse 15.000€ zahlt, also ein kostendeckender Betrieb möglich ist und im Vergleich zur 1-zu-1 Betreuung zu Hause oder der Aufnahme im krankenhaus deutliche Ersparnisse anfallen kam aus dem Gesundheitsministerium soweit mir bekannt bislang nicht.

    • @Duplozug:

      Zum einen sind gesundheitliche Outcomes nicht nur vom Gesundheitssystem abhängig - andere Faktoren spielen auch eine wichtige Rolle und würden in anderen Bereichen reguliert werden. Zum anderen geht es of um Detaillösungen und das Gesundheitssystem in D ist im Gegenzug häufig darauf aus zu pauschalisieren.



      Ich habe als Pflegefachkraft mal ein Hilfmittel für etwa 20€ für eine Bewohnerin benötigt. Weil die Zuständigkeit in einen graubereich fiel und unklar war, ob es von Träger der Pflegeeinrichtung oder der Krankenkasse bezahlt werden musste, namen da zwei Rechtsabteilungen die Arbeit auf, in Vorleistung ging keine Seite, ich bekam das Hilfmittel nicht. Die Bewohnerin hatte dann den Schaden, der mit dem Hilfsmittel vermieden werden sollte, was den Träger ungefähr 30.000€ an Arbeitsleitung gekostet hat und die Krankenkasse um die 50.000€ an Behandlungskosten. Das treibt die Kosten im System und bei den großen Reformen kommt am Ende eher ein "Ab jetzt gibt es das Hilfmittel aus Prinzip nicht" heraus.

      • @Simon Gunkel:

        Wegen fehlender 20 Euro wurden am Ende 80.000 Euro verbrannt. Mehr Drama, überbordende Bürokratie und politisches Versagen sind kaum vorstellbar. Geht es nicht eine Nummer kleiner? Sie schreiben, keine Seite sei bereit gewesen, in Vorleistung zu gehen. Offenbar war auch die betroffene Bewohnerin nicht bereit, 20 Euro zusätzlich für ihre Pflege aufzubringen. Hätte dieser Betrag sie tatsächlich in den finanziellen Ruin getrieben? Und Sie als Pflegekraft konnten für das laut Ihrer Darstellung „dringend notwendige Hilfsmittel“ ebenfalls nicht kurzfristig 20 Euro auslegen, sondern warteten lieber auf die Antworten zweier Rechtsabteilungen? Endet Eigeninitiative tatsächlich schon bei 20 Euro?

        • @Lola S:

          Mehr Drama nicht, aber es ging da nicht um überbordende Bürokratie. Die Kasse ist für Hilfmittel zuständig, die bewohnerbezogen eingesetzt werden. Die Einrichtung für Hilfsmittel, die nicht bewohnerbezogen eingesetzt werden. In dem Fall ging es um ein Hilfsmittel, das bewohnerbezogen eingesetzt werden sollte, hypothethisch aber auch nicht bewohnerbezogen genutzt werden könnte, falls die Bewohnerin mal versterben sollte. Die Bewohnerin bezog Hilfe zur Pflege, nach Abzug der Zuzahlungsbefreiung keine 150€ im Monat und davon gingen dann noch Kosten für Medikamente ab, die die Kasse nicht trägt. Die Entscheidung lag aber bei der gesetzlichen Betreuung, die dafür nicht die Mittel der Bw. einsetzen wollte, weil ja entweder Kasse oder Einrichtung zuständig waren.



          Die 20€ hätte ich nicht wieder gesehen. Ist so. Und ich habe zwar schon Dinge für die Arbeit besorgt, aber ich habe halt auch 27 Bewohner Ich hätte etliche Beispiele, die eine Nummer oder auch mehrere kleiner sind, man spart 10cent an einer Inkontinenzvorlage, wodurch das Bett nass wird, die Wäscherei berechnet etwa 1€ pro bereitgestelltem Laken und über 5€ für eine Inkontinenzunterlage.

        • @Lola S:

          "Offenbar war auch die betroffene Bewohnerin nicht bereit, 20 Euro zusätzlich für ihre Pflege aufzubringen. Hätte dieser Betrag sie tatsächlich in den finanziellen Ruin getrieben?"



          Sie plädieren demnach für Leistungskürzung statt echten Reformen?



          Denn das ist es, was dabei rauskommt.

      • @Simon Gunkel:

        Eigentlich wäre "Unglaublich" der passende Kommentar, aber leider habe ich ähnliche Dinge erlebt.

  • Ganz in der Tradition von Herrn Spahn - maximaler Deal für die Industrie. Ob da auch eine Villa für Frau Warken drin is?

    • @Sonnenhaus:

      Seine Villa hat sich Herr Spahn redlich verdient .



      Er hat sehr viel für seine zahlreichen Sponsoren getan , die wohl mit ihrem Geld



      das schöne Haus finanziert haben .

    • @Sonnenhaus:

      Den Eindruck hat man jetzt nicht unbedingt. Die Pharmaindustrie ist ja mit der Reform sehr unzufrieden (weil die überhöhten Medikamentenpreise in Deutschland gesenkt werden sollen) und droht sogar mit allerlei Dingen, wie Invesitionen in Standorte zu überdenken.

      • @T-Rom:

        Trotzdem erzählte meine Apothekerin, dass einige Medikamente nicht verfügbar sind, weil andere Länder besser zahlen und DE nichts abbekommt. Es kann doch nicht gleichzeitig alles wahr sein!

        • @Cededa Trpimirović:

          Ganz bestimmt kann das wahr sein. Es kommt immer auf die Details an.



          Dtl ist die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt, heißt es immer, fühlt sich im Land selbst aber nicht so an, auch da: auf die Details, auf die Stellschrauben kommt es an.

        • @Cededa Trpimirović:

          Es ist ja nachweisbar so, dass viele - insbesondere Patentgeschützte - Arzneimittel im europäischen Vergleich hierzulande deutlich überteurt sind.



          Dass es daneben auch einige Arzneimittel geben könnte, für die hier weniger gezahlt wird, ist natürlich nicht auszuschliessen.



          Viele günstige (ältere) Arzneimittel werden ja nur noch von ein oder zwei Fabriken prozuziert. Wenn da eine ausfällt, macht sich das natrülich bemerkbar.

        • @Cededa Trpimirović:

          Sicherlich kann es das. Halt nicht un allen Bereichen das gleiche Bild.

  • Was im Artikel fehlt: Es wird auch in der ambulanten Psychotherapie extrem gekürzt werden. Das heißt: Weniger Psychotherapieplätze für alle, die sich das nicht aus eigener Tasche leisten können. Psychotherapie wird (noch mehr als ohnehin) zum Luxusgut. Das Gesetz, das die Mindestvergütung für Therapeut:innen regelt, wurde kurzerhand binnen fünf Tagen einfach abgeschafft. Ohne vernünftige demokratische Prozesse, einfach noch fix mit untergejubelt.

  • Verstehe nicht, wie man dieses Maßnahmenpaket "Reform" nennen kann. Es ist ein Bündel von Preissteigerungen und Leistungsminderungen in der gesetzlichen Krankenversicherung GKV. Eine Reform wäre eine planvolle Umgestaltung. Davon kann ich nichts erkennen. Nach wie vor zahlen nichtselbständige Arbeitnehmer und ihre Arbeitgeber die Zeche. Hinzu kommen jetzt noch Familienmitglieder ohne Einkommen.

    Ärzte, Architekten, Abgeordnete, Beamte, Investoren, Spekulanten, Privatiers, Minjobber, Scheinselbständige, Vermieter, Arbeitnehmer mit hohen Einkommen (über der Beitragsbemessungsgrenze) und andere bleiben weiter verschont. Da wäre Mal eine echte Reform nötig!

    • @leno lebt:

      "Verstehe nicht, wie man dieses Maßnahmenpaket "Reform" nennen kann. Es ist ein Bündel von Preissteigerungen und Leistungsminderungen in der gesetzlichen Krankenversicherung GKV."



      Exakt. Geliefert wie bestellt. Sparen war von Anfang an der Hauptakzent.



      "Eine Reform wäre eine planvolle Umgestaltung. Davon kann ich nichts erkennen."



      Besser hinschauen. Wenn Ausgaben vermindern und Lasten auf Versicherte übertragen der Plan ist, wurde er erfolgreich umgesetzt.

    • @leno lebt:

      Wenn Sie ein entsprechend hohes Einkommen haben, zahlen diese Menschen den Höchstsatz in der GKV. Das sind rund 1300 Euro im Monat.

    • @leno lebt:

      Die Zahlen doch durch ihre privaten Versicherungen recht viel.

  • Deutschland hat unter den Industriestaaten die höchsten Gesundheitsausgaben/Kopf. Genug Geld ist somit im System vorhanden.

    Allerdings erreichen wir in D nur eine mittlere Lebenserwartung.



    Ob die aktuelle Reform wohl zu höherer Effektivität beiträgt?

    • @uwe:

      @usw;



      >Deutschland hat unter den Industriestaaten die höchsten Gesundheitsausgaben/Kopf. Genug Geld ist somit im System vorhanden.

      Das stimmt nicht. USA und Schweiz haben höhere Pro-Kopf-Ausgaben. Nur in Bezug auf die EU liegt Deutschland an der Spitze.

  • Etwas Wichtiges was in Nacht und bei Nebel noch mitbeschlossen wurde, konnte kaum öffentlich diskutiert werden. Die quasi-Abschaffung der bezahlten Psychotherapie:



    www.psychotherapieverbund.de/todesstoss



    Aus dem Text: "Dieser Änderungsantrag bricht gleich mehrere Gesellschaftsversprechen:"



    Und die Pharmaindustrie freut sich, jetzt kann sie mehr Medikamente verkaufen.

    Demokratische Prozesse sehen anders aus!