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Rechtspopulisten in GroßbritannienNigel Farages Flucht ins Nichts

Großbritanniens führender Rechter erzwingt eine Nachwahl zum Parlament. Aber die etablierten Parteien tun ihm nicht den Gefallen, anzutreten.

Nigel Farage, Chef der britischen Rechtspopulistenpartei Reform UK, hat sein Parlamentsmandat als Abgeordneter für den südostenglischen Wahlkreis Clacton niedergelegt – aber in der sich nun aufzwingenden Nachwahl wird er auf keine ernsthaften Ge­gen­kan­di­da­t:in­nen stoßen. Weder die regierende Labour-Partei noch die oppositionellen Konservativen, Liberaldemokraten oder Grüne und nicht einmal die neue rechtsextreme Konkurrenzpartei Restore Britain gedenken, sich an der Nachwahl zu beteiligen, deren Datum noch nicht feststeht.

Die von Farage in einer zornigen Ansprache am Dienstagnachmittag ausgerufene „Wahl zwischen dem Volk und dem Establishment“ wird somit zur Nullnummer – fast. Der bei zahlreichen Nachwahlen antretende Scherzkandidat mit dem Spitznamen „Count Binface“ – Graf Mülleimergesicht – hat seine Kandidatur in Clacton angekündigt und ruft sich zum Einheitskandidaten gegen Farage aus. Das sei die wahre Wahl „Volk gegen Establishment“, schrieb Count Binface, der auf X immer als Mülleimer verkleidet auftritt. Möglicherweise werden sich noch andere Splitterparteien anmelden.

Alle etablierten Parteien kritisierten Farages gleichzeitigen Rück- und Antritt mit scharfen Worten. Die konservative Parteichefin Kemi Badenoch sprach von einem Fake-Wahlkampf, den Farage aus Angst vor einer Untersuchung über ihn anzettele. Labour-Außenministerin Yvette Cooper nannte es einen politischen Stunt und ein Ablenkungsmanöver. Grünen-Chef Zack Polanski argumentierte, dass Farage selbst ein Vertreter des Establishments sei. Restore-Chef Rupert Lowe, der sich 2025 mit Farage zerstritten und seine eigene Partei gegründet hatte, sprach von einem Medienzirkus.

In Clacton-on-Sea, einem verarmten Küstenort mit einer überalterten und abgehängten Bevölkerung, hatte Farage den Wahlkreis bei den Parlamentswahlen 2024 mit 46,2 Prozent der Stimmen geholt, aktuelle Umfragen geben Reform UK noch deutlich mehr.

Parlamentarischer Suspendierung zuvorgekommen

Mit der Niederlegung seines Abgeordnetenmandats hatte Nigel Farage auf eine Untersuchung der zuständigen parlamentarischen Stelle reagiert. Es ging um eine Spende von 5 Millionen Pfund des Kryptomilliardärs Christopher Harborne an Farage vor den Wahlen 2024, die Farage nicht deklariert hatte, obwohl Abgeordnete alle Spenden melden müssen, die sie in den zwölf Monaten vor ihrem Einzug ins Parlament empfangen haben.

Die Untersuchung hätte zur Suspendierung Farages im Unterhaus und damit zu einer erzwungenen Nachwahl führen können. Mit Farages Rücktritt ist dieses Verfahren ausgesetzt. Doch sollte Farage die Nachwahl gewinnen, wird es wieder aufgenommen. Das könnte also weiterhin zu einer Suspendierung und somit zu einer zweiten Nachwahl führen.

Eine weitere Affäre bahnt sich im Zuge von neuen Enthüllungen über Geldspenden und Dienstleistungen an, die Farage vor seiner Wahl ins Parlament von seinem engen Vertrauten George Cottrell erhalten hat, der in den USA eine Haftstrafe wegen Betrugs abgesessen hat.

Mit seinem Rücktritt will Farage nun sein eigenes Narrativ über diese Affäre setzen. Es ginge nicht um Spenden, sagte er, die seien alle legal. Es gehe um Verfolgung seiner Person, weil seine Partei seit um die 18 Monate alle Meinungsumfragen klar anführe. Sein Zorn richte sich nicht nur auf die Medien, die inzwischen in die Privatsphäre seiner Tochter eingedrungen seien, sondern auf das Parlament und die dortigen Politiker. Anders als diese verstehe er etwas vom Geldverdienen, sagte er.

Wenig Vertrauen selbst bei den eigenen Wählern

Laut einer am Mittwoch veröffentlichten Meinungsumfrage von YouGov glauben aber nur 12 Prozent aller Briten, dass Farage bezüglich seiner Finanzen ehrlich ist – das ist weniger als die Hälfte derjenigen, die Reform UK wählen würden. Die Partei steht derzeit im Durchschnitt der Umfragen bei 25 Prozent, weiterhin klar auf dem ersten Platz, aber wohl nicht genug für einen Wahlsieg. Bei der Nachwahl in Makerfield bei Manchester im Juni, die den voraussichtlichen nächsten Labour-Premierminister Andy Burnham ins Parlament brachte, unterlag Reform UK deutlich.

Am Mittwochmorgen verteidigte zwar Reform-UK-Führungsmitglied Zia Yusuf seinen Parteichef. „Die Politiker stellen sich nicht auf, weil sie Angst haben vor Farage“, analysierte er den Boykott der Nachwahl in Clacton durch die großen Parteien. Doch Kritik an Farage gibt es intern durchaus. Erst im vergangenen Monat empfahl David Bull, ehemaliger Reform-UK-Geschäftsführer, Farage eine Auszeit.

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3 Kommentare

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  • Was wäre die Folge, wenn Farage ohne Gegenkandidat antritt? Ist die Wahl ungültig?

    • @nutzer:

      Laut Artikel



      "Die Untersuchung hätte zur Suspendierung Farages im Unterhaus und damit zu einer erzwungenen Nachwahl führen können. Mit Farages Rücktritt ist dieses Verfahren ausgesetzt. Doch sollte Farage die Nachwahl gewinnen, wird es wieder aufgenommen. "



      Das heißt, wenn er jetzt gewinnt, was er ohne Gegenkandidat zwangsläufig wird, dann wird das verfahren weitergeführt, er wird (vermutlich) verurteilt und ist dann bei der nächsten Nachwahl raus.



      Also ja: es ist eine Show um zu blenden, das Ganze hat keinen wirklichen Sinn.

      • @Sonderzeichen:

        dass er gewinnt hatte ich schon mal so vorausgesetzt.



        Also geht es darum, sicherzustellen, dass er auch mit absoluter Sicherheit wiedergewählt wird....



        Die Aktion Farages eine Neuwahl anzuzetteln, ergäbe nur Sinn, wenn er eine Chance hätte zu verlieren.... aber nach allen Informationen, besteht diese Chance nicht....