Nach dem Anschlag auf den CSD: Und dann sagte er: Schwule sind Schweine
Ja, es gibt unangenehme Begegnungen mit Schwulenhassern islamischen Hintergrunds. Die Frage ist, wann es richtig bedrohlich wird.
N ach dem Terroranschlag auf den CSD in Berlin kreisen meine Gedanken immer wieder um eine Frage: Nehme auch ich Homophobie aus dem islamistischen Spektrum nicht ernst genug? Denn vor Kurzem hat mich ein Vorfall zwar erschüttert – aber ich habe ihn anschließend auf sich beruhen lassen. War das leichtsinnig?
In meinem Zweitberuf unterrichte ich Deutsch in Integrations- und Berufssprachkursen. Im Frühsommer rastete ein afghanischer Mann aus nichtigem Anlass völlig aus. Er wollte sich nicht von mir sagen lassen, welche Aufgaben er zu erledigen hat. „Ich bin doch nicht schwul! Seit zwei Jahren will diese Schule mich schwul machen! Ich hasse Schwule. Schwule sind Schweine. Und ihr wollt mich schwul machen!“ Er schrie und schrie und schrie. Seine Aggressionen standen förmlich im Raum, ebenso die Angst der anderen Lernenden, überwiegend Frauen. Ich habe mich ebenfalls bedroht gefühlt.
Unter lautem „Deutschland ist scheiße!“ verließ er schließlich türenknallend das Gebäude. Erst wackelten die Wände, dann wurde es still im Raum. Alle atmeten erst einmal durch. „Puh, dass du so ruhig geblieben bist“, sagte ein Syrer. Tatsächlich ist dieser junge Mann einer der Gründe, warum ich mich halbwegs sicher fühlte. Er hat sich auf dem Arm das Datum eintätowieren lassen, an dem sein Vater starb.
Der war Chemielehrer, und als er sich weigerte, für die Islamisten Sprengsätze zu bauen, erschossen sie ihn vor den Augen des Sohns. Ohne nachzudenken, hatte ich mich auf den Rückhalt dieses Schülers verlassen. In den Tagen darauf wartete er immer schon draußen auf mich und ging nach dem Unterricht erst nach Hause, wenn auch ich fertig war. Eine stillschweigende Übereinkunft.
Es bleibt ein Unbehagen
Der Kursträger entschied nach diversen Gesprächen, dass der homophobe Afghane den Kurs verlassen müsse. Ich war erleichtert, aber es blieb ein mulmiges Gefühl. Was, wenn er mir irgendwo über den Weg läuft?
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Doch deshalb zur Polizei zu gehen, schien mir übertrieben. Schließlich war er nicht gewalttätig geworden und hatte auch niemanden ausdrücklich bedroht. Andererseits: Ist dieser Mann dabei, sich zu radikalisieren? Könnte er bei nächster Gelegenheit schon gewalttätig werden? Vielleicht. Aber vielleicht überschätze ich auch die verbale Attacke. Was bleibt, ist Unbehagen.
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