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Merkel-Klatscher an falscher StelleDas kann die ARD besser

Ann-Kathrin Leclere

Kommentar von

Ann-Kathrin Leclere

Jetzt also auch noch das Erste. Es sendete zwar einen echten Fernsehausschnitt, aber an einer zeitlich falschen Stelle. Das ist unverantwortlich.

Klatschen verbindet: Angela Merkel auf dem CDU-Parteitag in Stuttgart, am 20.2.2026 Foto: dts/imago

J etzt muss der Applaus mal ausbleiben. Die ARD zeigte am Sonntag im „Bericht aus Berlin“ einen Zusammenschnitt zur Wiederwahl von Friedrich Merz als CDU-Vorsitzender auf dem Parteitag am vergangenen Wochenende. Eine klare Sache. Und Angela Merkel applaudierte ihm zur Wiederwahl. Oder? ODER?!

Wie sich herausstellte, klatschte Merkel zwar – aber nicht bei der finalen Abstimmung. Zu diesem Zeitpunkt war sie nämlich gar nicht mehr im Saal. Trotzdem setzte die ARD die Bilder genau dort ein. Das ist problematisch, weil hier Realität verschoben wird. Verstärkt wurde das zudem durch die Offstimme: „Die CDU hat beschlossen: Egal, was vorher war, jetzt zeigen wir Geschlossenheit.“ Da drängt sich die Frage auf: Stand die These von der demonstrativen Einigkeit am Anfang – und wurden die Bilder dafür passend gemacht?

Journalismus muss vom Material ausgehen, nicht von einer gewünschten Erzählung. Alles andere ist Inszenierung. Sehr ungünstig ist auch, dass dieser grobe Fehler ausgerechnet jetzt passiert. Der öffentlich-rechtliche Rundfunk steht unter besonderer Beobachtung. Vor Kurzem zeigte das ZDF-„heute journal“ fehlerhafte Videoausschnitte, einen im falschen Kontext und einen KI-generierten. Die Kommunikation dazu seitens des ZDF war zäh. Transparenz sieht anders aus.

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Und nun das. Der Schnitzer irritiert auch, weil der Beitrag zwar direkt nach der Sendung aus der Mediathek entfernt, bei der Berichtigung aber vergessen wurde. So lief er in einer Wiederholung am selben Abend erneut in der alten Fassung. Das ist nicht nur eine kleine Schludrigkeit, sondern eine große Unverantwortlichkeit, die sich die öffentlich-rechtlichen Sender nicht leisten können, gerade in Zeiten, in denen das Vertrauen in den ÖRR ohnehin sinkt. Seine Wiederherstellung ist kein Selbstläufer, und die Sender müssen eine transparente Fehlerkultur ausbauen. Sonst kommt der Applaus bald noch lauter und deutlicher von rechts – dafür, dass sich der ÖRR immer weiter selbst schwächt.

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Ann-Kathrin Leclere
Aus Kassel, lange Zeit in Erfurt gelebt und Kommunikationswissenschaft studiert. Dort hat sie ein Lokalmagazin gegründet. Danach Masterstudium Journalismus in Leipzig. Bis Oktober 2023 Volontärin bei der taz. Jetzt Redakteurin für Medien (& manchmal Witziges).
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40 Kommentare

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  • Satire EIN => Scheint ein Mangel an Fachkräften zu geben, sowohl in der ARD als auch beim ZDF. Die "Pannen" häufen sich. Ja ne kann ja mal passiern, den Beitrag zeitlich durcheinander zu bringen, wenn man nicht denken könnte da sollte was suggeriert werden. Aber man hätte ja einfach die Kollegen vom ZDF fragen können, wie man auf die Schnelle ein KI Video generieren kann. Da gibt es noch Optimierungsbedarf in der Zusammenarbeit. Ach ja das Budget war in 2024 für ARD, ZDF und Deutschlandradio grade mal 10,389 Milliarden Euro, laut KI Auskunft. Bei einem so lausigen Etat kann das schon mal vorkommen. Da scheint dringend eine Gebührenerhöhung notwendig zu sein. Dann kann man die Mediatheken auch vergrößern, so das die veränderten Sendungsbeiträge nicht immer entfernt werden müssen. Das wird ja sicherlich bei einem öffentlich rechtlichen Sender aus Platzgründen gemacht und nicht aus Intransparenz. Ha, ein Schlem wer böses dabei denkt. Ironie Off!! IAch ja der Bundeszuschuss zur Pflegeversicherung liegt bei rund 10 Milliarden, so wegen Größenordnung.

  • Zu jedem Thema findet man auf YouTube bessere Dokus und anayslen als beim ÖRR teilweise gut animiert und fast immer mit Quellen, da kann man dann direkt die wissenschaftliche Literatur finden. Geschichtsdokus auf youtube von Privatleuten gemacht, die transparent ihre Quellen darlegen, kritisch hinterfragen etc. Sind soviel besser als alles was man bei ARD und ZDF kriegt.

    Vielleicht ist es an der Zeit das da mal jemand Kettensägen style ausmisten.

    Für Infotainment braucht es weder ARD noch ZDF d.h. da ist riesiges Einsparpotenzial. Videoclips zussamenschneiden damit sie korrekt wiedergeben was passiert ist kann heutzutage jeder Praktikant, da braucht man nicht soviel Geld ausgeben nur um dann mist zu produzieren wie man jetzt zum zweiten Mal in kürzester Zeit sieht. Aufgabe der Politik wäre es hier konsequent zu sein, jeder Skandal sorgt für 10%Kürzung des Budgets und entöaysung der Führung. Nach 2-3 mal wird die Züchtigung ihre Wirkung entfalten.

  • Kann denn jemand mal sagen, was das genau passiert ist?

    • @ttronics:

      Einfach den Artikel, falls Notwendig dann mehrmals lesen, sie kommen schon darauf!

  • Ich glaube auch eher an die übliche Panne unter Zeitdruck. Es kam auch in den Nachrichten Dlf glaube ich, dass sie schon früher abgereist war, wollte den letzten durchgehenden Zug bekommen. Merkt also die örrphobe Fraktion sofort.

    Das war für viele wohl eine wichtige Sache, Merkel anwesend und dann klatscht sie auch noch und würde guckt sie genau... Ich habe Zweifel, ob das überhaupt ein interessanter Punkt ist. Denn sollte sie jetzt einfach nicht klatschen? Genervt gucken? Gut, jetzt hat sie gerade das Gesicht verzogen, bei gewagten Aussagen bei der Trauerfeier für Frau Dr. Süssmuth. TREFFER!

    Mich beunruhigt eher, wo einfach garnicht berichtet wird, weil da kein Platz mehr bleibt, kein nettes Bildmaterial existiert...

  • Aus dem BBC-Skandal um die manipulativ zusammengeschnittene Trump-Rede letzten Herbst nichts gelernt. Sehr ärgerlich, weil sowas das Mißtrauen in die öffentlich-rechtlichen Sender untergräbt. Auch wenn es sich nur um Schlamperei handelt, sollten Köpfe rollen, einfach als Warnschuss an die Verantwortlichen, damit sie eine Qualitätssicherung einführen. Eine Versetzung auf ein anderes Pöstchen wie beim RBB im Fall Gelbhaar reicht nicht.



    Eine Unsitte ist auch, Berichte anderer Medien ungeprüft zu übernehmen, z.B. letzten September die Meldung, dass eine Mehrheit führender Genozid-Forscher die Kriterien für einen Völkermord in Gaza erfüllt sehen würden. Das wurde damals in Dutzenden internationaler Medien so kolportiert. Das schwedische Fernsehen korrigierte am nächsten Tag immerhin die grob fehlerhafte Prozentrechnung, so dass nur noch ca. 20 % der IAGS-Mittglieder übrig blieben. Vorgestern kamen sie nochmal auf das Thema zurück und berichtigten auch noch, dass es sich bei der IAGS-Umfrage nicht um führende Forscher, sondern mehrheitlich um Laien ohne akademischen Hintergrund gehandelt hatte. Einfach nur peinlich, vor allem, wenn es so lange gedauert hat.

  • Regisseure und Filmproduzenten haben beim Nachrichtenwesen nichts zu suchen.

    Die Regel bei Nachrichten gilt: Keinen Moment zu fälschen.

    Aber ein Regisseur hat gelernt die besten Bilder passend zu seinem Drehbuch auszusuchen.

  • Um das wieder auszubügeln bräuchte es eine Berichtigung, verbunden mit einer Entschuldigung, am besten in der Tagesschau um 20:00 Uhr.



    Ich bin gespannt…

  • Es handelt sich nicht um ein Missgeschick, sondern um Manipulation...ob beabsichtigt oder nicht. Frau Merkel und Kanzler haben sich immer politisch und persönlich abgelehnt. Verliess sie deshalb den Parteitag vor Verkündung des Wahlergebnis? Immerhin möglich. Wollte Sie nicht ihrem ungeliebten Nachfolger Beifall spenden? Das kann jedenfalls auch als politischer Akt verstanden werden. Das weiß Frau Merkel, sie selbst verdrängte damals Kohl gnadenlos von der Macht. Wenn jetzt ein Journalist der ARD den Fake der klatschenden Merkel in den Nachrichten verwendet, ist das der Versuch eine geeinte Union zu simulieren und ein Verstoß gegen die Wahrheitspflicht und kein Kavaliersdelikt oder Schlamperei!

    .

  • Noch ein schönes Beispiel von desolater Berichterstattung beim ARD-Weldspiegel. Der berichtet im Januar fast 15 Minuten über Militär & Dschungeltraining von US-Soldaten auf Hawai im Kontext der Spannungen mit China. Ein besseres Bundeswehr-PR-Video!

    Vollkommen kritiklos robbt die ARD-Korrespondentin sich bei Schüssen die Ohren zuhaltend mit den Soldaten durch den Dschungel, fängt belanglose O-Töne wie im Dschungel-Camp ein.

    "Jetzt haben wir sie (die Soldaten) verloren, weil wir zu langsam waren!"

    Dabei gibt es auf Hawaii anhaltenden Widerstand von Ureinwohnern und Aktivisten gegen das Training des US-Militärs, insbesondere im Pohakuloa Training Area auf Big Island. Die Proteste richten sich gegen Umweltschäden, Bombardierungen auf heiligem Land und die geplante Verlängerung von Pachtverträgen bis 2029.



    Damit dieses nicht zu erwähnen, macht sich der Weltspiegel vollkommen unglaubwürdig.

    www.youtube.com/watch?v=7NbywkpoPHE

  • Das ist das beste Beispiel, wie man mit einen Zusammenschnitt die Wahrheit was sich zugetragen hat, manipulieren kann! Gerade heute wo viele, die Medienberichterstattung als Fakenews verspotten, da hat die ARD das beste Beispiel für Fakenews geliefert, etwas so darstellen zu lassen, was in dieser Form nie passiert ist. Danke ARD, denn heute braucht man mehr den je, eine ehrliche und unvoreingenommene Berichterstattung die über jeden Zweifel erhaben ist!

  • Letztendlich wird der ÖRR an der Arroganz, entstanden durch die Gewissheit, ewig Milliarden zu bekommen, scheitern.



    Es ist mehr als genug Geld vorhanden, man kommt nur nicht damit hin, weil man zu viele Dinge macht, die nicht dem Grundauftrag entsprechen und den Einschaltquoten bei Sport und Unterhaltung hinterher läuft - und dafür an den Nachrichten und ersthaften Journalen spart, was zu schlechter Qualität führt.



    Das ÖRR braucht keine Gegenspieler, es gefährdet sich selbst, bis zur Abschaffung. Und das ist, aus meiner Sicht, traurig.

  • Ich habe jahrelang in den Katakomben der Öffentlich-Rechtlichen als Cutter gearbeitet – „modern“ natürlich: als Freelancer, ohne Netz und doppelten Boden.

    Um das mal auf den Boden der Realität zu holen: Unter den heutigen, dem Sparzwang geschuldeten Produktionsbedingungen landen visuelle Entscheidungen im Beitrag oft beim Cutter. Der Redakteur – sofern er überhaupt noch das Privileg hat, mit einem Cutter zu arbeiten – schreibt parallel den Text und fährt das Ganze dann heiß in die aktuelle Sendung.

    Passiert das am Wochenende, mit noch dünnerer Personaldecke und ein paar „Jungstars“ am Start – billiger, austauschbarer, und für die Merkel eher eine historische Randnotiz ist als eine politische Gegenspielerin von Merz –, dann braucht man sich über solche Beiträge nicht zu wundern.

    Vorsichtig wäre ich allerdings auch von Seiten der TAZ, hier das Narrativ angeblich fehlender Neutralität der Öffentlich-Rechtlichen zu Gunsten verbreiteter rechter Theorien zu verstärken...

    • @Stefan Schmitt:

      Um das mal auf den Boden der Realität zu holen: Unter den heutigen, dem Sparzwang geschuldeten Produktionsbedingungen landen visuelle Entscheidungen im Beitrag oft beim Cutter. Der Redakteur – sofern er überhaupt noch das Privileg hat, mit einem Cutter zu arbeiten – schreibt parallel den Text und fährt das Ganze dann heiß in die aktuelle Sendung ....



      ----



      Kann ich von der Seite "Reporter" im ÖRR voll bestätigen.



      Geht im Nachrichtengeschäft oft so weit, das die Redaktion nicht einmal die Zeit hat, den "Beitrag" abzunehmen!



      Prüfen, ob Bild & Text konsistent sind, ... unter Zeitdruck, ... ja passiert auch mal! :-(



      War ein, besser DER Grund, aus dem "Nachrichtengeschäft" gleich bei welchem Medium auszusteigen!



      Denn saubere Arbeit, unter dem Zeitdruck, ist kaum noch möglich! Zeigt sich mMn. nicht nur bei "Audio/Visuellen Medien, auch beim Print, usw. sondern durchgängig!



      Bei einigen "Kommerziellen" ist DAS sicht- & merkbar ABSICHT! Bei seriösen "Anbietern" oft Nichtwissen oder Zeitdruck!



      Mein Fazit: Ehre das "Handwerk", in dem Du IHM genügend Zeit gibst! Nicht nur in den Medien! :-(

    • @Stefan Schmitt:

      Super Beitrag, danke!

    • @Stefan Schmitt:

      "Sparzwang"

      Einige würden daraus ableiten, die Öffis sind eine Pensionskasse mit angehängtem Propagandabetrieb.



      Ich würde so was natürlich nie sagen.

      • @Frank Naumann:

        Medienkritik ist offenbar eine Frage der Blickrichtung.



        Öffentlich-rechtliche Medien gelten rasch als „Propagandabetrieb“.



        Einflussnahmen bei privaten Medien – etwa bei der Washington Post – erscheinen dagegen als bedauerliche, aber legitime Marktfolgen.



        Politische Agenda-Setzungen durch Akteure wie Elon Musk laufen unter Effizienz, nicht unter Ideologie.



        Und bei Fox News wissen dann wieder erstaunlich viele sehr genau, wo Propaganda beginnt.



        Offenbar hängt die Sensibilität weniger von Strukturen ab als von der Richtung, aus der sie wirken.

    • @Stefan Schmitt:

      Danke für den Einblick. Deshalb wäre es um so wichtiger zu erfahren, wie genau die Fehler beim ZDF und der ARD entstanden. Wenn es Personalnot aufgrund der Beschäftigung von freien Cuttern gab, ist das ein strukturelles Problem, das noch verschärft wird, wenn unbedingt einige Stunden später gesendet werden soll und möglicherweise auch das Archiv mit Studenten besetzt war. Fehlermöglichkeiten en masse.



      Da Merkel den Parteitag verließ, stellt sich die Frage, welcher Journalist den Beitrag textete. Etwa jemand, der gar nicht in Stuttgart vor Ort war, also ein Journalist in der Berliner Zentrale? Das wäre ein ziemlicher Skandal.



      Was war es in dem Zusammenhang Vieraugenprinzip? Gab es vielleicht gar nicht?



      Fragen über Fragen, die die ARD nicht beantwortet und dann noch vergißt, das korrigierte Video Online zu stellen. Verantwortungsübernahme in der ARD-Hierarchie gleich Null.

      • @Lindenberg:

        Redaktioneller Alltag ist kein Planspiel, sondern oft Hochrisikosport – nicht ohne Grund ist das Herzinfarktrisiko bei JournalistINNEN eines der Höchsten.

        Ein Vieraugenprinzip und saubere Qualitätskontrollen funktionieren hervorragend – solange Zeit vorhanden ist.



        Wenn aber die Sendung in zwei Minuten beginnt, der Moderator den Beitrag bereits live angekündigt hat und noch zehn Sekunden Bildmaterial fehlen, wird nicht mehr ideal, sondern funktionsfähig entschieden. Dann fliegt eben der Applaus ans Ende und der Parteitag wirkt geschlossen.

        Dass hier ein gezielter Affront zwischen Angela Merkel und Friedrich Merz konstruiert worden sein soll, halte ich für sehr unwahrscheinlich – schon deshalb, weil es ihn auf dem Parteitag so offenbar nicht gab. Vom kurzen Händeschütteln mal abgesehen.

        In solchen Produktionssituationen basiert vieles auf Vertrauen und Arbeitsteilung, mit dem Ziel: rechtzeitig zu senden.

        Auch muss der auf dem Parteitag vertretene Journalist nicht der jenige gewesen sein, der den Beitrag dann auch im Schnitt betreut hat.



        Ich bin mir ziemlich sicher, dass dieser Fehler bei einer weniger zeitkritischen Produktion nicht passiert wäre.

        • @Stefan Schmitt:

          Redaktioneller Alltag ist kein Planspiel, sondern oft Hochrisikosport – nicht ohne Grund ist das Herzinfarktrisiko bei JournalistINNEN eines der Höchsten.



          ----



          Fängt nicht erst in der Redaktion, sondern schon beim EB-Team an.



          Schau mal genau hin, wenn Du dort zuschauen kannst.



          3er Teams, ReporterIn, Kamera, Ton, ... findest du kaum noch. Wenn dann ÖRR! Und beim Blick darauf kommt oft ein Alter von gemeinsam max. 75 J. raus! Meist FREIE! :-(



          Dann im Sender Prügeln um die Schnittplätze, Texten, überforderte Redaktionen, ...



          All DAS geht unweigerlich auf die "Qualität"!



          Radio geht ja noch, doch AV ist oft die Hölle! :-(

          • @Sikasuu:

            Stimmt – und genau deshalb verabschieden sich viele aus diesem täglichen Produktionsprozess.



            Einerseits bewundere ich die One-Man-Shows mit Handystick: Moderation direkt vor Ort, schnelle Bilder, maximale Verdichtung. Andererseits geht dabei zwangsläufig etwas verloren – nämlich der „akademische“ Blick: die Zeit, Distanz zu gewinnen, den Kameramann drehen zu lassen, den Cutter schneiden zu lassen und in Ruhe über den Text nachzudenken.

            Die Frage ist allerdings, ob das vom Publikum überhaupt noch wahrgenommen oder eingefordert wird. Gerade in einer Medienrealität, in der selbst beiläufige Bilder – etwa wenn Angela Merkel für Friedrich Merz klatscht – sofort politisch aufgeladen werden.

            Aber warum sollte es uns anders gehen als den Generationen von Medienschaffenden vor uns, die ebenfalls vom Zeitgeist und Effizienzdruck überrollt wurden?



            Im globalen Maßstab sind das ohnehin Peanuts – verglichen mit einem Donald Trump, der Fake News serienweise produziert und dabei auf offener Weltbühne jedes journalistische Mindestniveau unterläuft.

            • @Stefan Schmitt:

              Stimmt – und genau deshalb verabschieden sich viele aus diesem täglichen Produktionsprozess.....



              ----



              Ja! Freier, fester Freier mit Prognose, dann Ausland, Redaktion,....



              & nach 10- 15 Jahren dort bist du "ausgebrannt", verabschiedest dich von NEWS, machst Doku, Feature oder "Flohzirkusdirektor" in 1-3 Produktionen im Jahr! :-)



              Ps. Und wenn die KSK usw. Dir jeden Monat ein Grundhonorar überweist, Dich genügend Leute in den ÖRR usw. kennen dann darfst Du arbeiten, aber nur wenn Du das willst & das Spaß macht! :-)

    • @Stefan Schmitt:

      Danke für Ihren sachlichen Kommentar als ehemaliger Insider

    • @Stefan Schmitt:

      Danke für die Einordnung .... hatte ich mir SO auch schon gedacht.

    • @Stefan Schmitt:

      Danke für die lehrreiche Erklärung.



      Dann muss aber auch als Konsequenz ein suffizientes Fehlermanagement einsetzen, damit die Klopse nicht zu einer Serie werden.

      • @Martin Rees:

        Dann muss aber auch als Konsequenz ein suffizientes Fehlermanagement einsetzen, damit die Klopse nicht zu einer Serie werden.

        ----



        Ach Martin, dazu brauchst DU ein nicht vorhandenes "Werkzeug", sprich "ZEIT"!



        Und DIE hast Du fast nie im News Geschäft!



        "Und bist Du noch so fleißig, wir senden nur 0:30/ 1:30!"



        Je nachdem ob Radio oder TV!



        Die PreKo, der "Auftritt" um 10:00, 13-17:00 und um 12:00/19 - 20:00 bist Du auf dem Sender!



        Schneide, Texte, Recherchiere, in der Zeit Material, aktuellen Hintergrund, Tiefe & finde mögliche Fehler! :-(

        Ps. Da ist ein Aufsager, direkt "vor Ort", fast ein Kinderspiel! :-(

  • Schon bezeichnend:



    "Friedrich Merz kommt nicht weit. „Liebe Angela“, sagt er oben auf der Bühne, da bricht unten im Saal tosender Applaus aus. Merkel lächelt ihr feines Merkel-Lächeln. Der Applaus will gar nicht mehr enden. Merz muss mehrmals ansetzen, bis ihm endlich wieder jemand zuhört. Merkel ist wieder da, zum ersten Mal seit Jahren, und die CDU feiert ihre Rückkehr.



    Minuten zuvor spielt sich in der Parteitagshalle in Stuttgart eine kleine Szene ab, in der viel Symbolkraft steckt: Um 10.25 Uhr kommt Merkel herein, steuert in die erste Reihe, direkt vor dem Rednerpult. Charlotte Merz ist schon da. Die beiden Frauen sehen sich eine Sekunde lang an, dann wendet sich Merz‘ Ehefrau ab und geht wortlos zu ihrem Platz. Merkel begrüßt ihre Sitznachbarn in der Reihe, am Ende steht sie wieder bei Charlotte Merz, erst jetzt geben sie sich die Hand. Kurz darauf kommt Merz vorbei. Er begrüßt Merkel kurz und knapp, erst scheint es, als wär’s das. Ein kühles Händeschütteln, mehr nicht. Doch dann reißen sich die beiden zusammen..."



    waz.de



    Wenn sie b. Schlussapplaus zur Merz-Wiederwahl gar nicht mehr im Saal war, ist der Bericht die unzulässige Zuschreibung von Zustimmung und eigentlich fatal.

  • Ich will ja nicht sagen, das die Stelle super war, aber ist der Anspruch an den ORR und seine "absolut transparente Fehlerkultur" nicht etwas übertrieben hoch, wenn im Vergleich dazu NIUS , AUF1 und Konsorten nahezu permanent Bullshit verbreiten?

    • @Sonntagssegler:

      Von den öffentlich-rechtlichen Sendern darf man mehr erwarten als von den Privaten. Die einen muss man mitfinanzieren, die anderen nicht. Die Legitimität der Beitragsfinanzierung hängt unter anderem von der Glaubwürdigkeit der öffentlich-rechtlichen Sender ab.

    • @Sonntagssegler:

      Nein, der Anspruch an an den ÖRR und seine "absolut transparente Fehlerkultur" ist nicht übertrieben hoch, denn auf diesen Anspruch begründet der ÖRR seine Existenz und seine Alimentierung durch Gebühren.

      • @Offebacher:

        Nein, der Anspruch an an den ÖRR und seine "absolut transparente Fehlerkultur" ....



        ----



        Das heißt doch, mal ganz einfach gesagt:



        Wer unter Druck arbeitet, macht manchmal Fehler!



        Und dann gibt es/SIE/ er die zu, berichtigt, & weiter geht es!

        Btw. Vergleiche das mal mit Print, Kommerziellen...



        Da werden Fehler gemacht, manchmal mMn. bewusst eingebaut, wg. Tendenz & dann wartest Du Monate auf eine "Rüge" des Presserates! :-(

  • Wer sich die Sendungen des ÖRR aufmerksam anschaut, für den ist doch so ein "Schnitzer" ein eher harmloses Ereignis.

    Hofberichterstattung oder der Mangel an kritischer Einordnung der Aussagen von Politikern und anderen Akteuren sind doch an der Tagesordnung, wobei ich mir das mittlerweile genau deshalb kaum noch antue (und wenn doch führt es regelmäßig zu Programmbeschwerden).

    Fast schon witzig fand ich neulich in der "Hessenschau" eine Passantenbefragung zu irgendeinem Gesetz (vermutlich PsychKHG). Eine Dame sagte nur einen Satz (sinngemäß): "Es wird wieder viel geredet, aber dann passiert nichts."



    Eine völlig sinnlose Aussage, keinerlei Information darüber, WAS denn eigentlich passieren sollte. Wahrscheinlich hatte die Dame das schon noch gesagt, es wurde aber halt weggeschnitten.

    Es leider einfach oft nur heisse Luft - natürlich keine "linke Verschwörung", sondern nur allgemeine Verblödung.

  • Ist halt das alte Problem. Auch der „bebilderte Hörfunk“ braucht selbst für die Nachrichtenfilme verwertbare Bilder. Da haben es die Presseleute deutlich einfacher, die können einfach schreiben und setzen ein „Symbolbild“ aus dem Archiv über die knallige Headline.



    Trotzdem darf so ein nachweisbarer Fauxpas auch beim Fernsehen einfach nicht passieren. Da hat wohl der CvD in der Bildregie gepennt.

  • Kann passieren. Sollte nicht passieren.



    Dass Bildmaterial den Text eher bestimmt als umgekehrt, ist leider die Regel geworden.

  • Legendär das gefälschte bzw. grob-verfälschend gekürzte Putin-Interview von Thomas Roth in 2008 (ARD-'Flaggschiff')



    Im Gegensatz zu den aktuellen Mini-Skandälchen war das tatsächlich sehr substantiell und politisch/international relevant.



    Nur durch die Existenz einer von den Russen zusätzlich aufgezeichneten vollständigen Fassung war die Fälschung damals nach russischem Protest aufgeklärt worden.



    Aber auch unabhängig von solchen direkten Fälschungen/Verfälschungen ist das Programm des deutschen ÖRR thematisch zu sehr eingeschränkt (über was NICHT berichtet wird), Nachricht und Meinung wird sehr regelmäßig nicht mehr getrennt, und es besteht eine deutliche Präferenz der jeweiligen Regierungsmeinung und Regierungsagenda. Nicht mehr das Grundgesetz, sondern die 'Marktkonforme Demokratie' ist Referenzpunkt (Feigenblätter wie 'Monitor' mal ausgenommen).



    Früher nannte sich das 'Hofberichterstattung'.



    ÖRR ist längst ein Teil des Rechtsruck-Problems geworden.



    Dass Tagesthemen Chef (Helge Fuhst) jetzt zur Springer Chefetage gewechselt hat, spricht Bände.



    Irgendwelche inhaltlichen Umstellungen sind für ihn dabei sicherlich nicht mehr nötig.

    • @Anne in Pink:

      Danke, Anne, für den Hinweis auf das manipulierte Interview!



      Auch Deinen sonstigen Bemerkungen stimme ich voll und ganz zu.

    • @Anne in Pink:

      Ach was, früher war der ÖRR nur klarer nach parteipolitischer Präferenz sortiert. Da wusste man und frau schon beim Einschalten was kommen würde. Also bitte keine falschen Nachrufe und Vorwürfe. Ist schon ärgerlich genug, dass die Professionalität trotz üppiger Kassen in den Häusern so gelitten hat…

  • Hochbezahlter Dilletantismus. Das darf den Top bezahlten ZDF Redakteuren nicht passieren. Personelle Konsequenzen müssen folgen.

  • Super das ihr das bringt. Das schlimmste an diesem Parteitag war aber das 10 Minütige Klatschen am Ende. Man muss ja nicht gleich Vergleiche zu Russland ziehen aber es zeigt eine hierarchische Partei in der das politsche Überleben des EInzelnen zählt und nicht des Wohl des Gesamten. Bei der CDU zählt nur die Hausmacht.