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Kyiv Biennial im KW BerlinÜber Umwege zur „Nakba“

Die Kyiv Biennial in Berlin hantiert mit dem Begriff des „Middle-East-Europe“. Das geht nicht immer auf.

Es ist schon einiges gewonnen, sofern sich die Kunst an ihren eigenen Kunstsprachen misst und nicht an zugewiesenen Politparolen.

Insofern ist die jetzt im KW Institute for Contemporary Art in Berlin eröffnete Kyiv Biennial (Titel „A Bird That Cannot Land“) eine ästhetisch eher überraschende Schau, wie eine Pressebegehung mit Kuratorin Sofie Krogh Christensen zeigt. Sie scheint im Künstlerischen vielfältig und durchdacht.

So finden sich dort auch prominente Positionen wie von Hito Steyerl – eine raumgreifende Installation aus Metallröhren, Sound und Video in Zusammenarbeit mit Philipp Goll und Oleksy Radynski –, die Russlands Extraktivismus und Kolonialismus abstrahierend bearbeitet. Es ist das künstlerische Echo auf Nord Stream 2, den fossilen deutschen Opportunismus und rücksichtslosen, kolonialen russischen Imperialismus. (Ausführliche Besprechung auf taz.de, siehe Link unten)

Die Ausstellung

Die Kyiv Biennal ist in dem KW Institute for Contemporary Art in Berlin noch bis 13. Spetmeber 2026 zu sehen. Weitere Informationen zu Führungen und Begleitprogramm unter https://www.kw-berlin.de/de/

Die Kyiv Biennial versteht sich laut Selbstbeschreibung als ein „nomadisches Projekt“. Und sie formuliert im KW in Berlin Mitte den Anspruch, Künst­le­r:in­nen aus dem „postsowjetischen Osteuropa mit Zentral- und Südwestasien sowie dem Mittelmeerraum zu verknüpfen“.

„Gelebte Erfahrungen“

Dabei prägt sie in Analogie zum Begriff des Mittleren Ostens den eines „Middle-East-Europe“. Die räumlich verbindende Frage sei, so der programmatische Begleittext, „wie wir in Zeiten von Kriegen, Unsicherheit und Entfremdung Bedeutung schaffen und Zugehörigkeit erfahren können“.

„Die gezeigten Arbeiten“ spiegelten „gelebte Erfahrungen“ wider, „von Brüchen, Migrationserinnerungen, deren affektiven Architekturen und den historischen Spuren, die sowohl in Körpern als auch in den Räumen fortbestehen, die wir bewohnen“. Das klingt nun jedoch seltsam und nach Eins-zu-eins-Ableitung.

Die Diktion steht in auffälligem Kontrast zu Offenheit und ästhetischer Abstraktion vieler künstlerischer Positionen.

Behauptung und Kontext

Ähnlich bei Samia Halaby. Ihre leuchtenden, digital erzeugten kinetischen Abstraktionen erwecken Aufmerksamkeit. Doch der Erläuterungstext zur Arbeit stellt die Kunst unvermittelt in den Kontext einer unreflektierten „Nakba“-Behauptung.

Kuratorin Krogh Christensen hebt diese bei der Begehung zudem noch hervor. Und versäumt zu ergänzen, dass es arabische Staaten waren, die den UN-Teilungsplan nicht akzeptierten und 1948 Israel angriffen.

„Nakba“ bezeichnet in diesem Zusammenhang als „Katastrophe“ die militärische Niederlage der Aggressoren und das Überleben von Juden und Israel. Solches zu unterschlagen, kann dem Anspruch einer Kyiv Biennial in Berlin nicht genügen.

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5 Kommentare

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  • Die Beschreibung der "Nakba" als ...

    > „Nakba“ bezeichnet in diesem Zusammenhang als „Katastrophe“



    > die militärische Niederlage der Aggressoren und das Überleben



    > von Juden und Israel.

    ... könnte nicht weiter von dem entfernt sein, was es zum Beispiel bei Wikipedia dazu gibt - de.wikipedia.org/wiki/Nakba .

    Ich bin fassungslos.

  • Ein bisschen Einlesen zum Thema zuvor z.B. hier bei Le-Monde-Diplomatique-Artikeln hätte wohl vielleicht geholfen, bevor eine Schnappatmung beim Wort Nakba einsetzt (und vielleicht dem Artikel doch noch einen Punkt verliehen soll). Auch Pappé und Morris sind in gutsortierten Bibliotheken jederzeit zu finden.

    • @Janix:

      "Schnappatmung", sehe ich auch so, warte auf die Freischaltung meiner Kritik an der Rezension, die auch mit Pappe argumentiert.

      Beim Hinweis auf den israelischen Historiker geht es nicht ums Rechthaben in dem komplexen Konflikt und der dazu gehörenden komplexen Erinnerungskultur, sondern ums werben um mehr Differenzierung, die Fanizadeh zugunsten von mehr politischer polemischer Eindeutigkeit und politischer Korrektheit aufzugeben scheint.

      Denn bereits der erste Satz seiner Rezension zeigt, wohin der Wind weht: weniger Politikparolen (Achtung Polemik!) zugunsten mehr Konzentration auf die reine Kunst, womit Kuratorin Sofie Krogh Christensen gemeint sein könnte, die sich in einem Offenen Brief mit vielen anderen Berliner Künstlern gegen den Bekenntniszwang zur umstrittenen IHRA-Definition von Antisemitismus als Voraussetzung für Kulturförderungen des Landes Berlin ausgesprochen hatte und in dem Offenen Brief zunehmende politische Instrumentalisierungen von Antisemitismusklauseln beklagt hatte.

      artsoftheworkingcl...ichen-zusammenhalt

      • @Lindenberg:

        Mmh, vor allem ist es der Auto m.E., der die Politik in den Vordergrund stellt, im von Ihnen beschriebenen Sinne. Zu Kunst kommen da ein paar füllende Fremdwortblüten, um endlich zum politischen Punkte des Autors zu kommen. Der so fraglich ist, wie die Analyse von Nakba falsch.

  • " Doch der Erläuterungstext zur Arbeit stellt die Kunst unvermittelt in den Kontext einer unreflektierten „Nakba“-Behauptung"

    Scharfe Kritik, doch der Rezensent belegt diese nicht an Hand eines einzigen Beispiels!



    Auch wie Amia Halaby in dem Zusammenhang zu sehen ist, scheint ihn nicht zu interessieren.



    "Nakba", das zeigt ein oberflächlicher Blick auf die deutsche wissenschaftliche Literatur, ist ein äußerst komplexer Begriff, der von Generation zu Generation, Land zu Land anders interpretiert und erinnert wird.



    Führend in der Forschung ist die Universität Exeter mit dem Campus European Centre for Palestinian Studies.



    Professor Pappe, einer der führenden israelischen Neuen Historiker, ist international für seine kritischen Forschungen zum israelisch-palästinensischen Konflikt, insbesondere zur Nakba, bekannt. Wie der Rezensent zu diesem umstrittenen Forschungsansatz steht, wird in in seiner oberflächlichen Instant-Rezension nicht deutlich.



    Der Link zu einer Rezension, der eine polemische Passage zu Nordstream 2 und imperialer russischer Politik (was hat Polemik in einer genauen Rezension zu suchen?) unterstreichen soll, fehlt.