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Krise der VolksparteienDie Stunde der Sozialdemokratie

Die SPD ist mit sich selbst beschäftigt und steckt pathologisch in alten Vorstellungen fest. Dabei könnte jetzt ihr Moment sein.

W as macht eigentlich die Sozialdemokratie so? Man hört ja dies und das. Und ich meine dabei gar nicht den Rücktritt von Bärbel Bas, Arbeitsministerin und SPD-Chefin. Das ist eher ein Detail im Panoptikum der typisch Berliner Politik-Pathologien im gegenwärtigen System. Ein Detail, von dem nicht allzu viel zu lernen ist – außer vielleicht, dass die Sozialdemokraten immer noch nicht verstanden haben, dass die Sozialdemokratie, also die Ideologie, die hinter dem stehen sollte, was die SPD abbildet, größer ist und machtvoller als das, was sie gerade daraus machen.

Denn eigentlich, so könnte man sagen, ist das, was wir gerade erleben, ein sozialdemokratischer Moment. Es gibt eine neue technologische und damit industrielle Revolution, angetrieben von KI, die wohl weniger die Menschheit auslöschen wird als die Welt der Arbeit und damit des Alltags, oder größer gesagt: die Leben der Menschen durcheinander wirbeln wird. Und genau für so einen Moment ist die Sozialdemokratie gemacht, dafür wurde sie im 19. Jahrhundert erfunden: Um das Verhältnis von Arbeit und Kapital unter den Bedingungen einer neuen Technologie so zu regeln, dass sowohl das Soziale als auch das Demokratische besteht.

Das Problem ist: Die deutschen Sozialdemokraten selbst sehen das noch nicht so. Sie sind noch tief in der Geschichte versunken: Mental im Verständnis von Arbeit und Arbeiterschaft (die längst weggelaufen ist, wenn es sie in einer Welt der Angestellten überhaupt noch gibt), wie es sich in der ersten industriellen Revolution herausgebildet hat, als die Maschine die menschliche Arbeitskraft mehr und mehr ersetzte. Und politisch stecken sie immer noch fest in den 1990er Jahren, als die SPD, wie viele andere, die Globalisierung als eine Naturgewalt benannten, die die Rolle oder Handlungsmacht von Politik infrage stellte und die, vor allem in Verbindung mit der toxischen Austerität, die staatliche Investitionspolitik oder überhaupt die Idee und Praxis des Staates massiv schwächte.

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Und nun also, wo die Maschine nicht nur die menschliche Arbeit, sondern die menschliche Intelligenz mehr und mehr ersetzt? Wo sind die Ideen, die Ambitionen, die Personen, die diese neue Zeit gestalten helfen, gestalten wollen? Das dürftige Bild der gegenwärtigen Regierungs-SPD verstellt völlig den Blick auf die Möglichkeiten und Notwendigkeiten, die sich aus der KI-Revolution für die Sozialdemokratie ergeben.

Im Grunde geht es darum, für Deutschland die Grundlagen einer neuen gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Ordnung zu schaffen. Was kann der Staat besteuern, wenn Arbeit verschwindet? Wie verhält es sich mit den massiven Reichtumszuwächsen, also der Ungleichheit, und der Macht der Finanzindustrie? Wem gehören die Infrastrukturen, auf denen die KI-Revolution läuft? Was ist Eigentum und wie lässt es sich neu definieren? Was wird aus der Idee des Gemeinwohls und warum reden darüber gerade vor allem reaktionäre Postliberale?

Im gegenwärtigen Politik-Setup sehe ich keine Partei, außer vielleicht Die Linke, aber das bleibt zu klären, die besser geeignet wäre, diese Fragen anzugehen, als die Sozialdemokraten. Was ich aber nicht sehe, in Deutschland jedenfalls nicht, sind die Personen, die diese Fragen innerhalb der organisierten Sozialdemokratie stellen. International ist das anders. Da ist etwa der spanische Premierminister Pedro Sánchez bei dem amerikanischen Talkmaster Jon Stewart eingeladen und erklärt dort eloquent die Probleme der Privatisierung digitaler Infrastrukturen, auf denen eben nicht nur die industrielle Innovation geschieht, sondern auch demokratische Realität verhandelt wird.

Oder in Großbritannien, wo der neue Premierminister Andy Burnham vor kurzem auf dem Parteitag der Labour Party eine wichtige Rede hielt, bei der es drei Schlüsselaspekte gab: „Take back control“, also eine Kampfansage an die selbstgeschaffene Machtlosigkeit einerseits und die Rechtsextremen der Reform-UK-Partei andererseits; „honesty“, also eine andere Sprache der Ehrlichkeit, der Reflexion, der Brüchigkeit, der Gemeinsamkeit auch in der Politik, eine Abkehr vom smarten Spin; und schließlich die Einsicht, dass die Sozialdemokratie in den vergangenen Jahrzehnten falsche, neoliberale Ziele verfolgt hat.

Zusammengenommen mit den coolen neuen Demokraten in den USA – etwa dem New Yorker Bürgermeister Zohran Mamdani, dem toughen Senator aus Georgia Jon Ossoff, dem harten, lustigen Debattierer und möglichem künftigen Senator von Michigan, Abdul El-Sayed, oder dem etwas weniger coolen James Talarico, der als nächster Senator aus Texas Geschichte schreiben könnte (sorry, es sind tatsächlich gerade alles Männer) – ergibt sich hier ein auch generationelles neues Setup von im Kern sozialdemokratischer Politik, die sich durch einen eigenen Stil, eine andere Sprache und Klarheit, eine programmatische Härte und eine grundsätzliche Zugewandtheit zu den Menschen auszeichnet.

Georg Diez

ist Autor und Journalist. Er ist Mitarbeiter beim Thinktank ProjectTogether, Fellow beim Max-Planck-Institut für religiöse und ethnische Diversität in Göttingen und er schreibt auf Substack den Newsletter „Überleben im 21. Jahrhundert“. Zuletzt erschien von ihm im Aufbau-Verlag: „Kipppunkte. Von den Versprechen der Neunziger zu den Krisen der Gegenwart.“

Es geht in diesem Moment des aufbrandenden Faschismus auch darum, scheint mir, den Blick über das Katastrophische des Augenblicks hinaus zu weiten und die geschichtlichen Dimensionen zu vermessen. Und wenn man das tut, dann sieht man, dass die Konservativen, wenn man die Programmatik der CDU so zusammenfassen will, auf Neudeutsch gesagt fucked sind – sie haben sich immer schwergetan, eine Vision über das Funktionieren des Staates hinaus zu entwickeln, und nun, da dieses Narrativ vor allem durch die AfD massiv angegriffen wird, haben sie dem inneren Verfall wenig entgegenzusetzen.

Es wäre also der Auftrag der Sozialdemokratie, das Land zu retten. Sie haben das ein paar Mal gemacht, mit der Tendenz zur Selbstaufgabe. Die Herausforderung an diesem Punkt wäre es, gleichzeitig für Stabilität zu sorgen und den Status quo zu überwinden. Ich glaube, das geht – wenn man diese Form der kognitiven Dissonanz nicht als Problem sieht, sondern zu seiner eigenen Stärke macht.

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22 Kommentare

  • Sole Mio

    „Im Grunde geht es darum, für Deutschland die Grundlagen einer neuen gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Ordnung zu schaffen“

    Das ist jetzt die Chance für Berlin es der ganzen Republik und vielleicht auch darüber hinaus zu beweisen, dass Rot und Grün unter Linker Führung die Lösungen bereit halten und diese auch durchsetzen.

  • Andreas_2020

    Georg Diez liegt m.M. mit seiner Einschätzung falsch, weil die SPD sich gar nicht mehr als eine Mitte-Links-Partei oder eine Partei der Arbeiter definiert.



    Die SPD 2026 ist eine Mitte-Rechts-Partei, die mit der CDU/CSU unter Friedrich Merz eine Regierung gebildet hat, die im Schwerpunkt für Unternehmer, Kapitalbesitzer und Konzerne angetreten ist.



    Diese SPD hat kein Interesse einen Übergangsprozess des Kapitalismus zu steuern, sondern sie steht für starke Entlastungen für die Kapitalbesitzer und besonders die Milliardäre und Großunternehmen ein.



    Das ist die neue SPD, sie ist seit Schröder und Gabriel eine Partei für die mächtigsten Wirtschaftsinteressengruppen. Arbeitnehmer, Mieter, Ausländer, Asylbewerber, Frauen, Alleinerziehende, Schüler, Studenten, Doktoranden, Praktikanten, Niedriglöhner, Minijober oder Geringverdiener - diese Menschen will die SPD nicht haben und vor allem will sie nichts für diese Gruppen machen.



    Die SPD 2026 geht Konflikten aus dem Weg und wird dann im Zweifel eben gestellt und terrorisiert, wie etwa Bärbel Bas, die den Acht-Stunden-Tag aufgegeben hatte.



    Aber das reichte ja nicht.



    Insofern interessante Theorie, aber ansonsten unrealisitisch.



    Leider.

  • Sam Spade

    Eher lernen Fische fliegen, als das die deutschen Sozialdemokraten Lösungen für die Probleme finden die der digitale Wandel mit sich bringt. Gilt es doch schon als Auszeichnung eine funktionale Altersbeschränkung für Social Media zu installieren, da dürfte man mit den Herausforderungen der Privatisierung digitaler Infrastrukturen doch überfordert sein.

    Im Gegensatz zu den skandinavischen Sozialdemokraten hat die SPD den Übergang von der Industrie- zur Dienstleistungsgesellschaft nicht hinbekommen, sondern ist dem Wandel mit traditionellen sozialdemokratischen Konzepten begegnet und hat diesen noch etwas Neoliberalismus hinzugefügt um der Globalisierung gewachsen zu sein.

    Und wenn selbst die wesentlich progressiveren Skandinavier bis heute mit keinen zufriedenstellenden Lösungen hinsichtlich digitaler Kontrolle aufwarten können, wäre dieses von der SPD in ihrem derzeitigen Zustand auch zuviel verlangt.

    • Auweiowei

      @Sam Spade:

      Skandinavier sind im Wesen



      Allzeit hell im Kopf gewesen.



      Doch die S-P-D die olle,



      Ohne Schwung und Selbstkontrolle



      Torkelt sie, ein alter Besen



      Ohne Aussicht auf Genesen...

      Bis ein Nordlicht sie erwecke:



      In die Ecke,



      Besen, Besen,



      Bist es viel zu lang gewesen.



      Und der Ruf ertönt fatal:



      Stirb und werde - digital!

      Skol!

      • Sam Spade

        @Auweiowei:

        Hübsch gereimt.

        Nur das Skol gibt es so nicht. Habe ich deutschen Touristen schon oft erklären müssen das es Skål heißt.

        Die Lautsprache davon wäre dann in der Form von skoohl aber nicht skol.

        • Auweiowei

          @Sam Spade:

          Das war mir eigentlich schon beim Hinschreiben klar, weil ich über rudimentäre Dänisch-Kenntnisse verfüge - und z.B. auf "Allzeit..." gekommen war, weil genau an dieser Stelle "Altid..." in meinem Kopf herumspukte.



          Am Ende habe ich dann dem eingedeutschten "Skol!" den Vorzug gegeben, um nicht Verwirrung zu stiften und als seltsamer 'Pedant' dazustehen.

  • Auweiowei

    Fassen wir mal die ganze Geschichte der Arbeiterpartei kurz zusammen:

    Alle Räder stehen still, wenn mein starker Arm es will. [vor 150 Jahren, fast schon im Ton von Völker, hört die Signale...!]

    Mehr Demokratie wagen! [vor einem halben Jahrhundert, vorzugsweise mit rauchiger Stimme zu sprechen]

    Take back control [and smash the fucked... zu sprechen oder zu singen im 'neudeutschen' Ton]

    Und immer wieder wird [in Ermangelung besserer Zwischentöne] fleißig 'in die Hände gespuckt' und damit unentwegt an den 'hart arbeitenden Teil der Bevölkerung' erinnert, damit die Sozialdemokratie, wenn es sie denn noch gibt, bleibt, wie sie immer gewesen ist (und wie Georg Diez so schön sagt):



    "tief in der Geschichte versunken".

    Als wär's ein Stück von mir.

  • Pflasterstrand

    eine sozialdemokratie, wie sie die spd verkörpert, ist weder sozial noch demokratisch. da hilft auch nicht der appell, sich irgendwie zusammenzureißen und angebliche kognitive dissonanzen zu überwinden. und ihnen sanchez, burnham oder gar mamdani als positive vorbilder vorzuhalten, ist schon fast frivol. das sind alles sozialisten, die wissen, dass unter den gegebenen umständen nicht mehr geht, als linkskeynesianismus. und selbst der wird vom bürgerlichen zentrum (in dt: cdu, spd und grüne) mit dem messer zwischen den zähnen bekämpft. für ein linkes programm diesen zuschnittes gibt es inzwischen eine andere partei in deutschland. diese vertritt im übrigen (auch in ihrer mitgliedschaft) wesentlich besser den gesellschaftlichen wandel von arbeit, migration und geschlechterverhältnissen, als es die spezialdemokraten tun.

  • MontNimba

    "Was ich aber nicht sehe, in Deutschland jedenfalls nicht, sind die Personen, die diese Fragen innerhalb der organisierten Sozialdemokratie stellen."

    Die organisierte Sozialdemokratie in Deutschland ist die Partei Die Linke. In Großbritannien ist das anders, da dort beide Parteien noch in einer vereint sind und sich mit der Führung abwechseln. Also mal Sozialdemokratie, mal Liberalismus.

  • Astrid Sehnefeld

    Ich bin kein Fan von sozialer Gönnerpolitik in Zeiten leerer Kassen und am Horizont bereits winkender Mehrkosten durch Überalterung (Pflege, Krankenkassen), aber das diese Zeiten statt strikter Sparpolitk auch eine Stunde der Sozialdemokratie sein könnten - dem stimme ich zu.



    Dafür bräuchte es in Deutschland aber erst einmal eine sozialdemokratische Partei mit fähigen Politikern.



    Wir haben seit langem nurmehr eine Partei die diese Bezeichnung im Namen trägt, nicht aber im Ergebnis ihrer Politik.



    Und fähiges Personal sucht man in der SPD und sie selbst seit der Jahrtausendwende - Ära Schröder Steinmeier Müntefering - vergeblich. Das ist nun mittlerweile auch gut 20 Jahre her, dass die ihre Primetime hatten...



    Insofern wirds keine Stunde der Sozialdemokratie geben, weil keine Partei und keine Figuren derzeit auf dem Berliner Parkett wandeln, die sowas im Portfolio haben.

  • Bürger L.

    Ein Beispiel eigenen Versagens liefert die SPD bei den Gesprächen um Bildung einer rot/rot/grünen Regierung in Berlin.



    Anlass ist, dass es unter den 19.000 Mitgliedern der Berliner Linken Einzelne gibt, die sich antisemitisch geäußert haben.

    Mit Forderungen, bei denen es nur vordergründig um den Schutz jüdischen Lebens zu gehen scheint, versucht sich die SPD davor zu drücken, im wahrsten Sinne des Wortes Farbe zu bekennen.

    Angesichts von Globalisierung, digitaler Revolution und dem Umstand, dass am Horizont schon die Grenzen des Kapitalistischen Systems zu erkennen sind, traut sich die SPD (anders als die LInke) noch nicht einmal die Fragen zu stellen auf die sie keine Antworten hat.

    Dass es ihnen Teile der Grünen gleichtun, die trotz Klimakrise noch nicht den Traum vom ewigen Wachstum aufgegeben haben, macht es nicht besser.

    Weder Sozialdemokraten noch Grüne scheinen die historische Dimension der drohenden Gefahr durch rechts-nationaler Rassisten wahrzunehmen.

    Dabei gäbe es in Zeiten großer Umbrüche viel zu tun.



    Zum Beispiel den Begriff Arbeit neu zu definieren und damit die Frage der Verteilungsgerechtigkeit neu zu stellen. Dafür bräuchte es neue linke Verbündete.

    • Peter Clotten

      @Bürger L.:

      Ich wollte gerade einen ähnlichen Kommentar verfassen.



      Auch wenn oich nich tin allen Punkten mit Georg Diez zu diesem Thema übereinstimme: Danke an ihn, die richtigen Fragen zu stellen. Die Beschreibung der Verfassung der SPD ist korrekt. Sie steckt aber bereits spätestens seit den 90er Jahren in dieser Klemme. Seitdem gab es dort keine Führungspersönlichkeiten, die den Ernst der Lage wirklich verstanden haben und fähig gewesen wären, Visionen für eine lebenswerte Zukunft zu entwerfen. Ich zitiere: "Wer Visionen hat, soll zum Arzt gehen." Stattdessen herrschte und herrscht eine vor Arroganz triefende Haltung vor, deren Schlussfolgerungen immer darin münden, dass die anderen einfach zu dumm sind zu verstehen, wie großartig die Partei doch ist. So, wie sie heute verfasst ist, ist sie schlciht unglaubwürdig und nicht wählbar. Schade, denn es könnte tatsächlich die Stunde der Sozialdemokratie sein.

  • Gerhard Krause

    Es sind, und fühlen sich, mehr Menschen ökonomisch an die Wand gedrückt, wobei es rechnerisch nicht darauf ankommt, ob am Monatsende 300 Euro übrig sind, oder 10 Euro im Minus, die Extreme muss man hier überhaupt nicht bemühen, als es gemeinhin gedacht wird, während sich andere Reichtum oder ein gutes Einkommen leicht(er) verschaffen, als es der - selbstverständlich auch beliebig ungerechte - Gusto der anderen Menschen erlaubt. Von einem Selbständigen hörte ich dazu gestern, er werde von der (Steuer-)Verwaltung demütigend geprüft, kleinsten Tatbestände - er ist Dr. iur. - penibel nachgegangen, während sich bei CumExCumCum pp. kaum etwas tue und etablierte Politik das Thema aus seiner Sicht wegwischen wollte. Aus diesen Einzelfällen setzt sich der Hass gewordene Frust m.E. in der Breite zusammen. Aus meiner Sicht ist das nicht mehr das Geschäft der heutigen Spitzen-SPD, aber es ist auch schlicht zu spät.

  • EchteDemokratieWäreSoSchön

    Der Autor hat recht, dass die SPD immer noch in den 1990ern feststeckt.

    Sie glauben immer noch a das neoliberale Weltbild, und dass sie nur Wachstum erreichen müssen, und dafür die Lasten auf die ärmeren 70-80% verteilen dürfen.

    Der erste Schritt für die SPD wäre es, zu erkennen, dass der wichtigste Punkt nicht Wachstum ist, sondern eine gerechtere Verteilung von Steuern und sonstigen Belastungen.

    Insbesondere ist es ungerecht, dass das Vermögen der 5000 Superreichen und Milliardäre alleine seit 2024 um 400 Mrd. $ gewachsen ist. Wenn die SPD dafür sorgen würde, dass diese 5000 auch nur um 1,5-3,5 % ihres Vermögens höher besteuert würden, könnten die heutigen Probleme alle gelöst werden und die Wähler wieder Hoffnung bekommen. Und damit würde auch der AfD Wähleranteil erheblich sinken.

    Aber die derzeitige SPD und vor allem die derzeitige Führung sind davon nicht nur meilenweit von entfernt, sondern Lichtjahre.

    • Albert Rum

      @EchteDemokratieWäreSoSchön:

      Ich würde anregen, auf den Ausdruck "Superreiche" (Super! Reiche!) zu verzichten und das Kind lieber beim (deutschen) Namen zu nennen: Überreiche.

    • Bücherwurm

      @EchteDemokratieWäreSoSchön:

      Damit die SPD wieder eine wirklich sozialdemokratische Politik machen kann, die ihr einen hohen Wählerzuspruch bescheren könnte, muss sie sich in der Opposition mit neuem Person runderneuern, weil sie als Juniorpartner der Union niemals hohe Steuern für Superreiche durchsetzen wird. Bleibt nur zu hoffen, dass die bis zur Restaurierung der SPD unvermeidliche Regierungsbeteiligung der AFD nicht zu viel Schaden in diesem Land anrichten wird.

      • EchteDemokratieWäreSoSchön

        @Bücherwurm:

        Sie sagen es. Wenn die SPD erst in die Opposition geht, wird zwischendurch die AfD die Regierung anführen.

        Deshalb sollte die SPD jetzt anfangen, eine wirklich sozialdemokratische Politik zu machen.

        Und sie könnte das aus. Denn wenn die SPD sagen würde, dass es keinen Haushalt gibt ohne eine höhere Steuer für Superreiche und Milliardäre, dann hätte die CDU nur die Option, entweder zuzustimmen oder Neuwahlen auszurufen oder mit der AfD zusammenzugehen. Die beiden letzten Optionen würden bedeuten, dass die CDU zerrissen wird, sie nur noch Juniorpartner der AfD ist. Bei Neuwahlen würde außerdem die SPD wesentlich mehr Stimmen erhalten, wenn Menschen sehen, dass sie sich wirklich dafür einsetzen. Denn 80% der Menschen sind dafür, dass Superreiche und Milliardäre höher besteuert werden, sogar die Mehrzahl der CDU-Wähler und sogar Abgeordnete wie Spahn.

  • Michael Andreas

    Wer soll es denn leisten? Das politische Personal der SPD besteht zu gefühlt 90% aus Juristen und Politologen, die von der Uni direkt in den Politikbetrieb eingetreten sind.

  • MontNimba

    "Was ich aber nicht sehe, in Deutschland jedenfalls nicht, sind die Personen, die diese Fragen innerhalb der organisierten Sozialdemokratie stellen."

    Die organisierte Sozialdemokratie in Deutschland ist die Partei Die Linke. In Großbritannien ist das anders, da dort beide Parteien noch in einer vereint sind und sich mit der Führung abwechseln. Also mal Sozialdemokratie, mal Liberalismus.

  • Wolfgang Kleemann

    Das ist mal eine andere, zukunftsorientierte, energetisierende Perspektive auf die Sozialdemokratie! Danke.

  • Tom Farmer

    Bei der eingenommenen Flughöhe des Autors klingt das smart. Aber viel zu allgemein.



    Die realen Herausforderungen müssen aber sauber definiert werden und die Lösungen relativ allgemeingültig ausbuchstabiert werden. Als Agenda zum Zeitgeschehen.



    Kurzum, Butter bei die Fische: Wer schützt die Gesellschaft vor KI Folgen. Wer sorgt und wie wird für KI Sicherheit gesorgt. Welche Schäden werden wie beglichen und wie werden Vorteile allgemein 'verteilt'.



    Kurzum: Who pays and what?



    Und zurück zur These: Nein, Das kann deutsche Sozialdemokratie nicht! Nicht mit diesem verkrusteten Mindset.

  • DiMa

    "Die Sozialdemokratie" übernimmt weder ein Ministerialamt und auch keinen Co-Vorsitz, "die Sozialdemokratie" kennt weder Proporz noch Quote, "die Sozialdemokratie" lässt sich nicht auf Plakaten abbilden, für alles das braucht es Menschen. Nur da sind derzeit geeignete Kandidaten (m/w/d) kaum sichtbar und die letzten drei Kandidatinnen (alle w) die besonders sozialdemokratisch auftreten wollten, sind allesamt krachend gescheitert. Daher bin ich dann doch eher etwas skeptisch.