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Kabinettsklausur zum Wachstum Falsche Prioritäten

Anja Krüger

Kommentar von

Anja Krüger

Die deutsche Wirtschaft ist stabil, auch wenn sie wenig wächst. Mit dem Kurs der Bundesregierung wird der erhoffte Aufschwung nicht kommen.

D ie deutsche Wirtschaft ist sehr viel widerstandsfähiger, als manche Lob­by­is­t:in­nen der Industrie glauben machen wollen. Klar, wird die Lage systematisch schlecht geredet, dann lassen sich Kürzungen für Beschäftigte und Geschenke für Unternehmen besser durchsetzen. Aber: Trotz widriger Umstände wie dem Irankrieg, hoher Energiepreise und der erratischen US-Zollpolitik ist das deutsche Bruttoinlandsprodukt das dritte Quartal in Folge gestiegen, zwischen April und Juni mit 0,3 Prozent etwas mehr als erwartet.

Manchen mag das als sehr wenig erscheinen. Aber es ist ein Indiz für die nach wie vor große Resilienz der hiesigen Unternehmen. Die Gewinne in etlichen Branchen sind weiterhin hoch. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hat völlig recht, wenn er zu Beginn der Kabinettsklausur auch auf die Stärke der deutschen Wirtschaft hinweist.

Das heißt nicht, dass es keine Probleme gibt. Die hat die deutsche Wirtschaft allerdings nicht exklusiv. Auch andere Länder leiden unter US-Präsident Donald Trump, China und Überkapazitäten in Branchen wie der Autoindustrie. Starke Exportzahlen zeigen die internationale Wettbewerbsfähigkeit deutscher Unternehmen. So schlecht wie Wirt­schafts­lob­by­is­t:in­nen sie reden, können die Standortbedingungen hierzulande nicht sein.

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Trotzdem muss die Politik auf die Herausforderungen reagieren, die die Weltlage, künstliche Intelligenz und die Umstellung auf Klimaneutralität darstellen. Nur: Die Bundesregierung setzt die falschen Prioritäten. Drastische Kürzungen in den Sozialsystemen, rigide Mittelstreichungen in staatlichen Programmen und Steuergeschenke für Unternehmen werden den gewünschten Aufschwung nicht bringen.

Es ist bezeichnend, dass zur Kabinettsklausur nur Ver­tre­te­r:in­nen von Unternehmen eingeladen wurden – keine von Gewerkschaften. Merz und Co wollen gar nicht hören, was deren Rat wäre: Deutliche Entlastung für Bürger:innen, um die Konjunktur anzukurbeln, und mehr Engagement der Regierung für den sozial-ökologischen Umbau.

Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

Anja Krüger

Anja Krüger Parlamentskorrespondentin

Schwerpunkte Wirtschaft- und Energiepolitik
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14 Kommentare

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  • Demokrat

    Es ist einfach,



    Kommt es neben einem schwachen wirtschaft zu Massenarbeitslosigkeit ist dies das Ende der Demokratie.



    Ed wird eine radikale Partei mit einer "starken" Person an die Macht kommen.

    Ob links oder rechts .

  • behr Behr

    Die Regierung setzt „ die falschen Prioritäten“, leider verrät die



    Autorin nicht, welches die „richtigen Prioritäten sind - die



    Gespräche mit den Gewerkschaften wird wohl nicht genügen.

  • Tom Tailor

    "Trotzdem muss die Politik auf die Herausforderungen reagieren, die die Weltlage, künstliche Intelligenz und die Umstellung auf Klimaneutralität darstellen. Nur: Die Bundesregierung setzt die falschen Prioritäten. Drastische Kürzungen in den Sozialsystemen, rigide Mittelstreichungen in staatlichen Programmen und Steuergeschenke für Unternehmen werden den gewünschten Aufschwung nicht bringen."

    Hm. Setzt die Bundesregierung denn die falschen Prioritäten? Schauen wir doch mal was die Gründe für den leichten Aufschwung sind:

    "Warum geht es aufwärts?

    Das liegt unter anderem an den steigenden Exporten. Die sorgten dafür, dass Europas größte Volkswirtschaft im zweiten Quartal um 0,3 Prozent gewachsen ist. Das war bereits das dritte Quartalsplus in Folge. Die Chancen, dass diese Entwicklung auch nachhaltig ist, stehen gut. Grund dafür ist auch die Entwicklung in der Digitalisierung und der KI-Boom....

    Was hat das Sondervermögen damit zu tun?

    Der Staat pumpt Milliarden in Infrastruktur und Aufrüstung. Die Zahl der Großaufträge - etwa für Datenverarbeitungsgeräte, elektronische und optische Erzeugnisse, gehen nach oben..."

    www.tagesschau.de/...ur/konjunkturdaten

  • Der andere Robert

    Massenhafter Verlust von Arbeitsplätzen, Investitionen wenn möglich nur noch im Ausland, international nicht mehr wettbewerbsfähig.



    Waren aus Deutschland können im Ausland nur so viel teurer sein, wie sie besser sind, und sie sind oft nicht mehr so viel besser, wie sie teurer sind.



    Darauf muss reagiert werden, auch wenn das manchen Leuten nicht passt.

  • Sole Mio

    Es ist in dieser Situation sehr wichtig mit der Wirtschaft zu sprechen auch ohne das Gewerkschaften mit am Tisch sitzen.



    Diese müssen auch gehört werden, sind ebenso sehr wichtig, das steht nicht zur Debatte, jedoch macht es Sinn auch einmal mit beiden alleine zu sprechen!

    Ich hoffe nur, dass endlich einmal der Dschungel der Bürokratie und Genehmigungen durchgeforstet wird!

    Ich kenne einige Unternehmen im Umweltbereich, die sich im Ausland in unserer europäischen Nachbarschaft ansiedeln werden, da es in Deutschland zu langwierig und schwierig ist. Hier stehen nicht die Lohn- und Energiekosten im Vordergrund sondern schlicht die Bürokratie.

  • Anna Bell

    Seh ich ähnlich. Und schließlich ist „Jammern des Kaufmanns Gruß“, zumindest von manchen. Frage mich zB bei VW, wie es zum einen möglich ist, substantielle Managerboni und Milliarden an Dividende zu zahlen, aktuell immer noch satt Gewinne auszuweisen, aber auf der anderen Seite damit keine entsprechende Weichenstellung für die Zukunft auf die Reihe zu bekommen.

  • HaBau

    Also die "Drastische Kürzungen in den Sozialsystemen" sehe ich nicht.



    Meine Beiträge für Krankenversicherung, Rentenversicherung und co. werden auch mit Reformen deutlich steigen. Nur etwas weniger stark.



    Auch die Sozialausgaben insgesamt und die Sozialstaatsquote wird vorraussichtlich mit den Reformen nicht sinken.

    Wenn Rentennieveau und Eintrittsalter konstant bleiben würden, dann würde wegen der steigenden Lebenserwartung die Rentenleitung ja ganz automatisch steigen.



    Für den ganzen Lebensabend würde es mehr Geld geben.



    Also ich sehe hier keine "Drastische Kürzungen", sondern das Einbremsen des Wachstums. Demographie bedingt steigen die Ausgaben eben massiv. Das passiert auch mit den Reformen. Nur etwas weniger stark.



    Mir ist nicht klar, wo der Sozialstaat insgesamt kleiner werden sollte. Der Sozialstaat ist ein große Errungenschaft. Aber wenn das System in Schieflage gerät, muss das System zukunftssicher gemacht werden. Das ist eigentlich nur logisch.

  • Frauke Z

    Bei fast 3 % Inflation sind 0,3 % Wachstum eine beträchtliche reale Schrumpfung: Pro 100 EUR Kaufkraft letztes Jahr bleiben dieses Jahr 97,57 EUR übrig. Und das tritt hauptsächlich niedrige Einkommen.



    Es kommt hinzu, dass das Mini-Wachsum - bzw. die noch halbwegs glimpfliche reale Schrumpfung - mit massiver Neuverschuldung erkauft ist - so massiv, dass Deutschland wieder die Maastricht-Kriterien reißt. Leider haben die Staatsausgaben keine Initialzündung ausgelöst. D.h. selbst der nominale Zuwachs ist ein auf Pump finanziertes Strohfeuer.



    Übrigens: Staatsschulden in vernünftigem Rahmen sind kein Problem und sicher kein Grund zur Panik. Zumindest, solange die Wirtschaft wächst. Autsch ...

  • Jalella

    "Klar, wird die Lage systematisch schlecht geredet, dann lassen sich Kürzungen für Beschäftigte und Geschenke für Unternehmen besser durchsetzen."

    Gut erkannt! Aber das gilt für viele Aspekte der Politik der Rechten. Sowohl des Clubs Deutscher Unternehmer (CDU) als auf der Agentur für Desinformation (AfD). Deren Politik besteht zu großen Teilen auf Behauptungen von Unwahrheiten und Halbwahrheiten und der Auslassung bestimmter Wahrheiten.

    So kommen die üblichen Lügen zustanden wie "wir müssen mehr sparen" und "wir können uns den Sozialstaat nicht mehr leisten" und geht an die ungerechterweise hochakkumulierten Milliarden und Billionen-Vermögen nicht heran.



    Wir kürzen bei denen, die 40% Steuern auf ehrliche Arbeit zahlen und subventionieren die, die unendlich mehr besitzen und die für Nichtstun aus Kapitalerträgen und Erbschaften so gut wie nichts zahlen und zu dem Staat beitragen, durch den sie so reich erst geworden sind.



    Wir müssen länger arbeiten und dafür mehr einzahlen weil zu wenig Geld da ist, aber die Beamten, die nichts zahlen und so viel mehr bekommen als Rentner sind kein Problem.

    Bloß gemerkt hat's anscheinend kaum einer. Es ist genug Geld da, es ist falsch verteilt.

  • Martin Rees

    Die Kritik am BIP ist nicht banal:



    "Die mächtigste Zahl der Welt – was taugt das Bruttoinlandsprodukt?



    Das Bruttoinlandsprodukt gilt als Maß der Wirtschaftsleistung. Um seine Steigerung – das Wirtschaftswachstum – dreht sich alles. Allerdings ist ein hohes BIP nicht gleichbedeutend mit gutem Leben"



    Quelle bpb.de



    Weiter dort:



    "Das BIP kann auch nicht erfassen, ob mit der Produktion ein irreversibler Verlust von Biodiversität oder andere Formen der Umweltzerstörung einhergeht. Der Bau eines Staudammes geht in das BIP mit ein, ebenso wie das vielleicht damit verbundene Abholzen tausender Hektar Wald oder das Umsiedeln von Menschen und Dörfern. Mit einer CO2-Abgabe kann die Umweltverschmutzung in den Preisen abgebildet sein, aber negative Umweltwirkungen des Produktionsprozesses bleiben dennoch größtenteils unberücksichtigt."



    Außerdem gibt es die Zusammenhänge mit Inflation und Deflation, der genannte Wert ist insofern Teil einer größeren kritischen Betrachtung.



    www.bpb.de/themen/...ttoinlandsprodukt/

  • Klaus Franz

    Naja, angesichts der nicht ganz geringen Summen, die u.A. als Sonder"vermögen" vom Staat ausgegeben werden, ist 0,3 % Wachstum erstaunlich wenig.



    Was der Artikel unelegant ausspart, ist das nicht geringe Risiko wachsender Arbeitslosigkeit.

    • behr Behr

      @Klaus Franz:

      Und steigender Insolvenzen, steigende Schulabbrecherquoten, dh. junge Menschen, die absehbar



      zukünftig eher den Sozialkostenanteil am Haushaltsbudget belasten als zu entlasten, sowie ca. 1 Mio Jugendliche, die



      weder in Ausbildung, Studium oder Arbeit sind.



      Das gehört auf die Prioritätenliste.

  • nutzer

    0,3% Wachstum.... wenn man bedenkt, wie das BIP hergeleitet wird (nicht berechnet! ), ist das eine Nichtaussage.



    Es ist kein Wachstum, es ist Stagnation.

    • elektrozwerg

      @nutzer:

      Eine Stagnation auf Pump.