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Gerichtsurteil zu UntervermietungenLegalize it!

Gereon Asmuth

Kommentar von

Gereon Asmuth

Untermiethaien den Riegel vorzuschieben, ist gut. Vom Urteil des Bundesgerichtshofs profitieren aber nur Vermieter:innen. Eine kluge Legalisierung könnte das ändern.

Der Wohnungsmarkt müsste kein Haifischbecken sein Foto: Ipon/imago

E in höchstrichterliches Urteil, das den alten Hausbesetzerslogan „Wohnraum darf keine Ware sein“ umsetzt? Diesen Eindruck konnte man gewinnen, als der Bundesgerichtshof am Mittwoch verkündet hatte, dass Mie­te­r:in­nen ihre Wohnungen nicht mit Gewinn untervermieten dürfen. Das klingt zu schön, um wahr zu sein? Ist es auch.

Denn von dem Urteil profitieren werden nur die Vermieter:innen. In dem Rechtsstreit hat ein Vermieter gegen seinen Mieter gewonnen. Ersterer darf Zweiterem kündigen, weil er einem Dritten seine Wohnung überlassen hatte – für mehr als das Doppelte der Miete. In Großstädten ist so etwas eher die Regel als die Ausnahme.

Natürlich ist es äußerst begrüßenswert, wenn solchen Praktiken der Untermiethaie nun ein Riegel vorgeschoben wird. Das Problem ist nur: Der Untermieter hat überhaupt nichts davon. Er kriegt die zu viel gezahlte Miete nicht zurück. Nur die Mieterin fliegt raus. Die Wohnung wird frei und kann dank Mietenexplosion deutlich teurer neu vergeben werden. Es geht nur darum, wer wen abzocken darf. Nicht der Mieter den Untermieter. Aber die Vermieterin die Neumieterin.

Klar, es gibt die Mietpreisbremse. Theoretisch. Praktisch ist sie wirkungslos, weil sich die wenigsten trauen, gegen ihre Vermieter zu klagen. Einzig probates Mittel gegen den Mietenwahnsinn ist derzeit, Altverträge niemals zu kündigen, sondern weiterzugeben per Untervermietung: ein Akt der Solidarität – wenn es fair läuft.

Untervermietung ist ein Schwarzmarkt – und der neigt zum Turbokapitalismus

Mie­te­r:in­nen können von Ei­gen­tü­me­r:in­nen die Zustimmung zur Untervermietung verlangen, müssen aber um Erlaubnis bitten. Weil Ver­mie­te­r:in­nen aber wenig Interesse daran haben und sich querstellen, finden die meisten Untervermietungen unter der Hand statt. So wohnen Zehntausende zwar noch bezahlbar, aber ohne Vertrag und ohne korrekte Meldeadresse. Sie dürfen nicht da wählen, wo sie leben. Nicht mal ihre Kinder in der benachbarten Schule anmelden.

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Es ist ein Schwarzmarkt – und der neigt zum Turbokapitalismus. Die Grenze verläuft nicht zwischen Ei­gen­tü­me­r:in­nen und Mieter:innen, sondern zwischen Besitzenden und Suchenden. Wer Wohnraum zu vergeben hat, zockt ab.

Mietenkontrolle sollte Standard sein

Kontrolle wäre nötig. Und möglich – durch Legalisierung der Untervermietungspraxis. Heißt: Man bittet nicht um Erlaubnis, sondern zeigt sie nur an. Fertig. Dann könnten die Un­ter­mie­te­r:in­nen problemlos bei der Kommune ihren Wohnsitz melden. Und die Meldebehörde könnte im Gegenzug den Mietpreis checken. Das ist kein Hexenwerk; Programme dafür gibt es im Internet zuhauf. Für Wohnungspolitiker:innen, die sich ernst nehmen, sollte so eine Mietenkontrolle als politische Forderung Standard sein.

Nun wird diese Kontrolle aber ausgerechnet den Wohnungseigentümern in die Hand gegeben. So wird das Urteil zur Steilvorlage. Die Folge: eine Welle von Räumungsklagen gegen untervermietende Mieter:innen, die Zehntausende aus bezahlbaren Wohnung vertreibt. Weil Wohnraum eben doch nur Ware ist. Also alles wie gehabt? Nein, alles noch viel schlimmer.

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Gereon Asmuth
Ressortleiter taz-Regie
Leiter des Regie-Ressorts, das die zentrale Planung der taz-Themen für Online und Print koordiniert. Seit 1995 bei der taz. 2000 bis 2005 stellvertretender Leiter der Berlin-Redaktion. 2005 bis 2011 Leiter der Berlin-Redaktion. 2012 bis 2019 Leiter der taz.eins-Redaktion, die die ersten fünf Seiten der gedruckten taz produziert. Hat in Bochum, Berlin und Barcelona Wirtschaft, Gesellschafts- und Wirtschaftskommunikation und ein wenig Kunst studiert. Mehr unter gereonasmuth.de. Bluesky:@gereonas.bsky.social Mastodon: @gereonas@social.anoxinon.de Foto: Anke Phoebe Peters
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42 Kommentare

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  • Vielleicht sollten wir alle Wohneigentum zur Norm machen. Wer aber öfter mal umziehen möchte, tritt einer überregionalen Wohnungsbau- Genossenschaft bei. Und die kooperieren dann , wenn am Wunsch- Ort ein Mitglied nur im großen Verbund was finden kann.



    Also: Das unternehmerischen Risiko trägt der Bewohner. Entweder als Eigentümer oder als Mitglied der Genossenschaft.



    Wer als Mitglied sich nicht benimmt oder die Wohnung misshandelt, fliegt raus bzw zahlt mehr. Genauso wie ein Eigentümer Kosten trägt, wenn er sein eigenes Haus misshandelt.

  • Da zeigt sich der Zeitgeist, alle wollen individuell sein und das geht halt nicht in einer WG oder einem Generationenhaus, da prallen unterschiedliche Vorstellungen aufeinander. Außerdem wer von den jungen progressiven will schon mit einem Boomer-Ehepaar zusammen wohnen?



    Und viele halten es ja noch nicht mal mit einem Partner aus und dann soll das klappen?



    Die meisten Vermieter sind wie die meisten Mieter nette Menschen, aber es kommen immer die extreme Miethai und Messies als Beispiel. Und das der Untervermieter sogar noch extremer ist als der eigentliche Vermieter wird gerne übersehen. Denn er nimmt nicht nur einen höheren Preis, sondern wälzt alle Probleme und arbeiten auf den Besitzer ab ebenso die Kosten für Instandhaltung.

  • Natürlich hilft es Mietern, wenn das Urteil umgesetzt wird. Was der Vermieter nicht darf, ist die Miete beliebig zu erhöhen. Es gibt den Mietspiegel und andere Vorschriften, an die sich Vermieter halten müssen.

    Genau dies ist die Basis des Geschäftsmodells, das hier unterbunden wurde. Der Untermieter macht sich die Differenz zwischen erlaubter Miete und Marktpreis zunutze.

    Allerdings wurde schon darauf hingewiesen, dass solche Differenzen immer einen Schwarzmarkt hervorrufen.

  • Mit einer solchen Änderung würden dann aber auch die wichtigsten Mieterschutzgesetze stark gefährdet.



    Wozu sollte ein Mietvertrag besonders vor einseitiger Kündigung geschützt sein, wenn doch offensichtlich das Mieten einer Wohnung nicht mehr in erster Linie der Erfüllung eigener Grundbedürfnisse dient?



    Der Abschluss eines Mietvertrages wäre nach Freigabe dieser Untervermietforderung jedem anderen Vertrag gleichgestellt und die Kündigung durch den Vermieter ebenso einfach, wie die Kündigung eines Telefonvertrags. Keine Umwege über Eigenbedarf oder ähnliches mehr notwendig. Eine Kündigungsfrist von drei Monaten sollte doch genug Zeit lassen, was neues zu finden.



    Vorsicht mit euren Wünschen. Sie könnten in Erfüllung gehen.

  • Die Idee ist weder gerecht, noch dürfte sie vor dem BVerfG bestand haben. Denn da der Vermieter keinerlei Einfluss mehr darauf hat, wer in seiner Wohnung wohnt handelt es sich de facto um eine Enteignung ohne Entschädigung.

    • @Samvim:

      Naja, so klar ist das nicht. Wenn Sie ein Telefon mieten, dürfen Sie es auch auf eigenes Risiko weitergeben, und Sie haben niemanden "enteignet".



      Dass mensch die Vermieterin m/w/d einbezieht, halte ich aber für guten Anstand, auch wenn es nicht gesetzlich nötig wäre.

      • @Janix:

        Mal davon ab, dass mir neu ist, dass man Handys mieten kann: Wenn sie sich ein Auto mieten dürfen sie dass nicht weitergeben. Wenn sie Baumaschinen mieten können sie die auf eigenes Risiko weitergeben, aber der Vermieter ist jederzeit berechtigt, den Mietvertrag fristlos zu kündigen. Wollen sie das bei Wohnungen auch?

  • "Wer Wohnraum zu vergeben hat, zockt ab."



    Ich zocke nicht mehr ab!



    Dieser üble Ruf, ich würde es üble Nachrede nennen, hat bei mir dazu geführt, dass ich 2001 meine Mietwohnungen verkauft habe. Die ständige neuen Gesetze und Verordnungen waren mir einfach zu viel Aufwand, das pauschalierte Schlechtreden der Vermieter nervte nur noch. Nun arbeitet das Geld von alleine, ohne Legionellen-Test , neuen Dämmvorschriften, geänderter Energieverordnung, Mietpreissperren und ohne dass ich immer lesen muss, wie böse deutsche Vermieter sind.



    Ihr braucht euch doch nicht wundern, warum Privatpersonen keine Mietwohnungen mehr finanzieren. Was bleibt sind Hai-Konzerne, ihr habt es ja so gewollt.

  • Alleine der Vermieter hat zu entscheiden wer in seiner Wohnung lebt.

    • @Hank999:

      In den Grenzen u.a. des Diskrimierungsverbots. Und schikanös darf auch keine Untervermietung verwehrt werden.

      Doch auch hier ist leben und leben lassen, miteinander reden so einfach wie effektiv.

  • Vermieter sind also Abzocker, die sich damit abfinden sollen, dass einfach ein fremder Untermieter in der Wohnung wohnt?

  • Ich verstehe den Artikel nicht ganz. Wenn ich da eben nichts groß abzweige und einen Grund zum Weiterziehen hatte, werde ich doch untervermieten können, zumindest eine ganze Weile, denn es könnte ja sein, dass der Job in Pusemuckel doch nichts ist und ich nach Buxtehude zurückmuss. Solange ich nicht die Heavy-Metal-Band mit Knoblauchhammelfleisch-Sucht im Einzimmerappartement einquartiere, ist das alles im Rahmen, das wird kein Vermieter abweisen können.



    Die Angemessenheit, Transparenz und keine endlose Kette kann ein Vermieter w/m/d wohl verlangen, der vielleicht auch einfach fairer ist, als der Artikel annimmt. Da geht es eher um Ruhe und Vertrauen als um gefälligst zweistellige Rendite wie bei den Finanzfonds der Erben-Familienclans.

  • Auch, wenn es im Mieterland Deutschland niemand hören möchte: in vielen Fällen kann man, wenn man opferbereit ist und eine Zeit lang auf Vieles verzichtet, selbst Wohneigentum erwerben.



    Mir ist klar, dass das nicht für jede(n) gilt. Aber solange ich es mir leiste, in den Urlaub zu fahren, regelmäßig essen zu gehen und den Kaffee to-go kaufe, habe ich genug Einkommen, Geld zurück zu legen und so Eigenkapital zu schaffen.



    Seltsamerweise geht das in anderen europäischen Ländern bei vielen, die maximal durchschnittlich verdienen auch.

    • @Heideblüte:

      Richtig!

    • @Heideblüte:

      Der Verzicht auf Mätzchen und Firlefanz zwecks Wohneigentum ist kein Opfer, sondern meistens ein Gewinn.



      Voraussetzung: Keine allzu großen Veränderungen im Umfeld, dann wären Mieter wiederum flexibler. Voraussetzung: Sie finden eine akzeptable bezahlbare Wohnung. Voraussetzung: Es gäbe genügend Vermieter, denen es nicht ausschließlich um möglichst großen Gewinn geht....

    • @Heideblüte:

      Sehe ich auch so. Ich war voriges Jahr mit 67 zum ersten Mal in der Türkei in Urlaub. Wenn man da die Küste entlang fährt, sieht man ein Hotel neben dem anderen. In Spanien ist es wohl nicht anders. Dort haben viele Deutsche als Reiseweltmeister ihr Geld ausgegeben und zu Hause (damals noch vergleichsweise günstig) zur Miete gewohnt. Gilt natürlich nicht für jeden, aber viele haben eben ihre Prioritäten anders gesetzt.

    • @Heideblüte:

      In vielen anderen Ländern ist es aber auch nicht so verpönt länger bei den Eltern zu wohnen. Gerade wenn man arbeitet kann man das ordentlich Kapital ansparen.

  • Ist ja fürchterlich. Der Vermieter darf entscheiden, an wen er seine Wohnung vermietet. Skandal. Das muss geändert werden.

    Das Modell mit dem Untervermieten bzw. Vererben von Mietverträgen wurde z.B. in Portugal ausgiebig jahrzehntelang erprobt. War nur nichts. Jede Menge verfallene Gebäude, keine Mietneubauten. Das haben dann auch die Portugiesen irgendwann gemerkt. Aber die Berliner müssen ja jeden Fehler selbst ausgiebig austesten. Nur zu.

    • @uwe:

      Ich hab kein Problem damit, dass man austestet. Das Problem ist, dass kein Lerneffekt eintritt.



      Wir haben in diesem Land keine Fehlerkultur, weshalb ein totes Pferd bis zum bitteren Ende geritten wird. Statt einzugestehen, dass man auf dem falschen Weg ist, wird die Realitaet so verbogen bis sie zum eingeschlagenen Weg passt.



      Deshalb mach ich da nicht mehr mit und hab schon vor Jahren die Immobilie mit 3 Einheiten verkauft. Kein Stress mehr mit Schimmel, weil die Leute zu bloed zum Lueften und Heizen sind. Kein Stress vor Gerichten, weil die Grenz-Usteine innerhalb von 40 Jahren um 2-4 cm gewandert sind und der Richter Gefahr in Vollzug sieht und eine "Ueberhangsteuer" ablehnt. Keine Fehler in Mustermietvertraegen, die ich dann vor Gericht auskaempfen kann. Kein Anrufe in der Nacht wegen Bagatellschaeden. Keine schlaflosen Naechte, weil die Bank altersbedingt keinen Kredit fuer Sanierungen gibt, die in keinem Verhaeltnis zum "Ertrag" stehen. Und vor allem keine Hetze mehr von den Vermieterfeinden vom Staate Nimm - sollen sie doch alle bei Deutsche Wohnen und Co einziehen. Wer in diesem Land noch privat vermietet, dem ist nicht mehr zu helfen.

  • Wenn du nicht weißt wer in deine Wohnung ziehst vermietest du irgendwann gar nicht mehr. Wem kann man das verdenken?



    Ansonsten wieder mal: Böse Vermieter, tolle nette Mieter. Realität ist das nicht. Einseitig!



    Als Vermieter kann ich, wie schon oft vier nur sagen: Als Vermieter bist du über korrekte Mieter froh und erhöhst jahrelang nicht oder allenfalls mäßig. Und das ist eher die Regel, Miethaie die Ausnahme. Meine Erfahrung!

    • @Tom Farmer:

      Als ich meine ehemaligen Mieter den Verkauf der Immobilie angekuendigt habe, hat die alleinerziehende Mieterin, der ich oft finanziell entgegen gekommen bin, geweint. Das hat mir erneut die Verantworung eines Vermieters fuer seine Mieter vor Augen gefuehrt. Ich hatte in der Hand, ob sie auf der Strasse landen und die Tochter ihre Ausbildung beenden konnte. Ich bin dann beim Verkaufspreis runtergegangen, um Kuendigungen und Mieterhoehungen vertraglich fuer den Rest der Ausbildungzeit + Puffer auszuschliessen.

      Deshalb stimme ich Ihnen zu. Ein Mieter, der sich korrekt verhaelt, wird von der grossen Mehrheit der Privatvermieter auch anstaendig behandelt.



      Den Vermieterhassern und ihren politischen Erfuellungsgehilfen ist garnicht klar, dass sie sich ins eigene Fleisch schneiden, wenn sie die Privaten aus dem Markt treiben, da diese nicht in der Lage sind, den immer groesseren Einschraenkungen auszuweichen bzw diese durch Masse oder Auspressung der Mieter auszugleichen.



      Genauso verhaelt es sich bei kleinen und mittelgrossen Betrieben, die an der Buerokratie und der Regelungswut ersticken. In beiden Faellen werden am Ende nur die anonymen Konzerne ueberleben. Prost Mahlzeit.

  • Staatlich festgelegte Maximalpreise, die unter den Marktpreisen liegen, führen zu Schwarzmärkten. Immer.



    Und zu immer neuen staatlichen Versuchen, diese Ausweichbewegungen zu verhindern, was wieder neue Ausweichbewegungen verursacht.



    In unserer dunklen Vorzeit wurde der Schwarzmarkthandel sogar mit dem Tode bestraft. Es gab ihn dennoch.



    Und die DDR ein Land des Mangels? Nicht doch, es gab eigentlich alles. Natürlich gegen West-Mark. Unter der Hand.



    Die massivste Auswirkung des Urteils fehlt übrigens noch in der Betrachtung:



    Der typische Mieter ist nicht das selbstlose, nette Vermieter-Opfer, das aus lauter Nettigkeit ein Zimmer an einen anderen Menschen abgibt. Auch hier ist die Möglichkeit, einen Gewinn zu erwirtschaften, sehr attraktiv. Bedeutet: Ohne diese Möglichkeit wird das Angebot an Untervermietungen stark abnehmen.



    Ist ja auch logisch: Wenn ich mir schon jemand Fremdes ins Haus hole, auf ein Zimmer verzichte und mir Küche und Bad teilen muss, dann muss sich das doch bitte auch lohnen.



    Und auch die Idee des Artikels würde ähnliche Auswirkungen haben: Wer würde denn noch seine vom Munde abgesparte Altersvorsorge vermieten, wenn daraus dann plötzlich eine Studi-WG wird?

    • @Desdur Nahe:

      Auf die "vom Munde abgesparte" Altersvorsorge (Kauftipp: Vonoviaaktie) hätten Sie verzichten können, dann wäre der Kommentar eine angenehme Gegenansicht geworden. So ist es halt das immergleiche rechte Märchen vom anständig erwirtschafteten Vermögen.

      • @derzwerg:

        Interessant, wie schnell ökonomische Zusammenhänge zu „rechten Märchen“ werden, sobald sie politisch unbequem sind.



        Dabei geht es gar nicht um Moral, sondern um Anreize:



        Wer sich Fremde in die Wohnung holt, auf Wohnraum verzichtet und Konflikte in Kauf nimmt, tut das in der Regel nicht aus Altruismus, sondern weil es sich lohnt.



        Entfällt dieser Anreiz, entfällt auch das Angebot – ganz unideologisch.

        Aber vermutlich ist auch das nur ein Märchen. Nur eben eines, das sich seit Jahrhunderten hartnäckig bewahrheitet.

        • @Zippism:

          Es ging mir an der Stelle tatsächlich nur um den Begriff „vom Munde abgespart“. Habe ich eigentlich dazugeschrieben.

          Ich denke, wir können uns ganz ideologiefrei darauf einigen, dass nur ein sehr kleiner Teil des inzwischen akkumulierten Immobilienvermögens vom Munde abgespart wurde.

  • Das einzige was hilft ist das Bauen selbst günstiger zu machen und dann loszulegen.



    Wir brauchen mehr Wohnungen.

    Aktuell macht es für eine Privatperson die eine Wohnung zum weitervermieten kaufen möchte einfach keinen Sinn. Es ist alles zu teuer und das Geld kommt mit der Vermietung nicht mehr rein.

    Bei uns liegt eine 75m2 Neubauwohnung bei etwa € 380.000-400.000. dann 10% Kaufnebenkosten. Dazu noch Küche und evt eine TG. In Summe dann 420-470.000€.



    Dadurch kommen dann Mieten von €15-€18/m2 zu Stande und der Vermieter kommt dabei noch gerade so durch.

    Das Problem muss bei der Wurzel gepackt werden! Es hilft nicht immer und immer wieder irgendwelche Pflaster darauf zu kleben!

    Mit mehr Wohnungen steigt das Angebot und irgendwann sinkt dann auch der Preis!

  • Es tut mir leid, aber diese wirklich einseitige Sicht hat mit der Realität kaum was zu tun.



    Das wünscht sich jemand wohl die DDR zurück.

    Auch wenn ich ebenfalls der Meinung bin, die Mieten müssen runter, und mehr bezahlbarer Wohnraum muss gebaut werden.



    Aber wer soll denn überhaupt noch vermieten?



    Klar, der Staat soll verstaatlichen... Bringt nur nicht eine einzige Wohnung mehr. Hat man ja in Berlin gesehen wie dämlich das war, von der vonovia Wohnungen abzukaufen anstatt dass Geld für Neubau zu verwenden.



    Selbst im Enteignungs Paradies Berlin bleiben Wohnungen knapp selbst wenn alle enteignet werden würden....



    Was es braucht ist massiver Neubau. Wenn nicht mehr 1000 Bewerber pro Wohnung anstehen, dann können die Vermieter sich auch nicht alles erlauben.



    Das war das Geheimnis des Erfolgs des westdeutschen Mietmarktes. Viele Sozialwohnungen, Förderung von Bau des selbstgenutzten Eigentums. Und dann gab es genug Wohnraum, dass der Mietmarkt für alle gut war. Vermieter bekamen faire Mieten. Und für Mieter war es günstig und es gab Auswahl.

    • @Duplozug:

      Darf ich kurz die Pseudo-Nostalgie doch auch zerpieksen?



      Nicht, dass ich nicht für mehr Sozialwohnungen wäre.

      Aber schauen Sie bitte noch einmal auf die m²/Person damals und heute. Wir hätten heute eigentlich viel mehr Raum.

      Von Mehr-Singles/Witwen abgesehen: Es aasen einfach einige wenige mehr, leben zu zweit auf deutlich dreistelligen Quadratmetern, haben x Wohnungen, lassen leerstehen.



      Die Anreizstruktur sollte also anders werden, und die Vermögens- und Einkommensverteilung wieder fairer und gleicher.



      Das sehe ich als Mahnung der 1970er: Das Versprechen der gleichen Chancen im Leben wurde deutlich ernster angepackt. Was auch ohne Noch-Mehr-Versiegelung ginge.



      Echter Föderalismus würde Bundesämter aus Berlin abziehen in zu fördernde Ecken.

      Wohnungen sollten, wenn, für die Witwe/ den Witwer (um)gebaut werden, dass es in der Gegend eine kleine praktisch pflegbare, barrierefreie Bleibe gibt. Und im Ortskern, nicht auf Außenghetto-Versiegelungen. Straßen und Parkplätze wieder zu gemeinsam genutztem Grün. Gewisse Verdichtung hilft auch bei der Wiederbelebung von Bus und Bahn für alle.

    • @Duplozug:

      Und genau dahin müssen wir wieder zurück!

  • „Wer Wohnraum zu vergeben hat, zockt ab“ - sehr pauschal !!!

  • Die Untervermietung gehört generell verboten. Als Vermieter habe ich das Recht mir meine Mieter auszusuchen, durch Untervermietung wird dieses Recht ausgehebelt und ich habe plötzlich wildfremde Mietnomaden in meiner Wohnung, die ich erst nach jahrelangen prozessieren wieder rausbekomme.

    • @Alberta Cuon:

      1. Der Vermieter ist durch § 553 Abs. 1 BGB gut geschützt. Schon ein negativer Schufaeintrag kann ihn berechtigen, die Erlaubnis zur Untervermietung zu veweigern.



      2. Ein Untermieter kann sich nicht auf die gleichen Rechte berufen, wie ein regulärer Mieter - vor allem nicht auf Kündigungsschutz. Steht ein Möbel im Zimmer, beträgt die Kündigungsfrist zwei Wochen und es muss kein Kündigungsgrund angegeben werden (d.h. die Kündigung ist regelmäßig von einem Gericht nicht einmal überprüfbar...).



      3. Wenn es denn so wichtig für den Vermieter ist, sich seinen Mieter persönlich auszusuchen - warum gibt es dann Mietnomaden?

      • @Cerberus:

        3. ist ein Fehlschluss. Sie vermischen Risikofreiheit mit Risikomanagement.

  • 1) Wer haftet in ihrem Modell eigentlich, wenn der Untermieter sich als Messie erweist?



    2) Finden sie es richtig, dass der Vermieter gar kein Mitspracherecht für einen Untermieter mehr hat. Beispiel: Vermieter ist sozial/liberal eingestellt, Untermieter soll ein Nazi werden. Soll sich der Vermieter das gefallen lassen müssen?

    • @Hans Dampf:

      1) Wenn man es mit einem sog. Messie zu tun bekommt, dann kann der Vermieter froh sein, wenn es sich um einen Untermieter handelt. Bei einem (Haupt-)Mieter kann der Vm unter Umständen den Mietvertrag kündigen. Jedoch sehen Gerichte den Messie als psychisch beeinträchtigt im medizinischen Sinne, d.h. bis zu einem gewissen Grad hat der Vm dies zu tolerieren. Die Vermüllung der Wohnung ist nicht relevant, erst wenn eine "Außenwirkung" z.B. durch Schädlingsbefall oder penetrante Geruchsbelästigung im ganzen Haus eintritt, hat eine Räumungsklage evtl. Erfolg.



      Schadensersatz scheidet aus, da der (psychisch kranke) Mieter nicht vorsätzlich handelt,



      Handelt es sich um einen Untermieter, haftet gem. § 540 Abs. 2 BGB i.V.m. § 543 Abs. 2 S 1 Nr. 2 (... "die Rechte des Vermieters dadurch in erheblichem Maße verletzt, dass er die Mietsache durch Vernachlässigung der ihm obliegenden Sorgfalt erheblich gefährdet") der Mieter in vollem Umfang - er ist nicht "krank" und damit ist die Vorsätzlichkeit gegeben.



      Zu Punkt 2: Ersetzen Sie "Nazi" durch "Migrant" uns Sie können sich vorstellen, was das AGG dazu sagt. Der Vm ist Geschäftsmann, keine Moralpolizei.

      • @Cerberus:

        Da braucht man sich dann auch nicht mehr wundern, warum immer mehr private Vermieter ihre Mietimmobilie zur Eigentumsimmobilie umwandlen und verkaufen. Übrig bleiben dann die Wohnkonzerne, wo Profit an erster Stelle steht.

  • Nette Idee. Aber.



    Muss der Mieter noch Leben oder können Untermieter das Mietverhältnis weitervererben?



    Was ist mit den Rechten der Untervermieter? Dürfen die an Unteruntervermieter weiter vermieten? Anzeige müsste doch genügen, oder? Es wird also absolut unübersichtlich und nur der Original Vermieter darf nicht mitreden, wer in seine Wohnung zieht. Die Wohnungen würden vom Mietmarkt verschwinden.

    • @fly:

      Genau das ist es doch. Bei Firmen ist es ja noch so eine Sache. Aber kein privater Vermieter würde das zurecht erlauben. Blöd gesagt, ich vermiete die Wohnung an eine alleinerziehende Frau mit Kind. Und nachher wohnen dort 6 Leute in einer WG... Ja klar... Und der Vermieter darf sich darüber nicht beschweren?



      Willkommen in der Welt von Wohnungen gar nicht mehr oder nur extrem teuer vermietet werden. Weil es sich sonst nicht lohnt.

  • Das sind doch alles Folgeprobleme der Mangelverwaltung. Das einzige was die Ursachen angeht ist, die Nachfrage zu senken oder das Angebot zu erhoehen. Da dies aber in der Regel mit den Vorstellungen aus dem linken Spektrum nicht kompatibel ist, man denke an "Wir haben Platz", probiert man die Folgen der eigenen Politik auf die poesen Vermieter abzuschieben. Diese sollen gefaelligst das schaffen, was Genossenschaften auch nicht hinbekommen: Trotz der von der Politik forcierten Baukostenexplosion guenstigen Wohnraum anzubieten. Infolgedessen verabschieden sich immer mehr private Vermieter aus dem Mietmarkt und das Angebot sinkt weiter.

  • "Denn von dem Urteil profitieren werden nur die Vermieter:innen (...) Es geht nur darum, wer wen abzocken darf. Nicht der Mieter den Untermieter. Aber die Vermieterin die Neumieterin."



    Vermietung ist keine Abzocke, sie orientiert sich wie jeder andere wirtschaftliche Vorgang an Angebot und Nachfrage.



    Wenn die Nachfrage massiv das Angebot übersteigt schießen die Preise in die Höhe. Siehe Öl, siehe Kakao, siehe Orangensaft.



    Übrigens ist das kein Phänomen des Kapitalismus, das war im Sozialismus kein Stück anders. In der DDR kosteten gebrauchte Trabis teils mehr als neue, weil sie eben sofort verfügbar waren🤷



    Die Idee, dass es durch Vergesellschaftung billiger werden würde, ist illusorisch. So lange hunderttausende Menschen mehr in Berlin leben wollen als Wohnraum da ist, werden immer Menschen da sein, die ein Mehr bieten um ihre Wunschwohnung zu bekommen.



    Das einzige was den Markt entspannen könnte, ist Wohnraumschaffung. Massive Wohnraumschaffung - und zwar dort wo er begehrt wird.



    Das ist aber schwierig, weil die Altbauten kein Spiel für Aufstockung haben und kaum mehr Baulücken vorhanden sind.



    Büroräume wären noch eine Quelle. Und spekulativer Leerstand.

    • @Antje1971:

      Ja, das KNappheitssignal Preis auszuschalten sollte mensch sich immer gut überlegen. Denn dann müsste Rationierung o.ä. es lösen.



      Effizienter wohnen. Studi- oder Gesellen-_Zimmer,-Heime und -WGs, nicht die geräumige Eigentumswohnung fürs studierende Töchterlein. Einliegerwohnungen - denn alleine im Einfamilienhaus ist kein Spaß: alleine die Fenster putzen im höheren Alter.



      In anderen Ländern wird auch das Haus/ die Wohnung eher der Lebenssituation angepasst und also besser ausgelastet. Also mehr Steuer auf Grund und Erbschaft, aber Makler- und Notarkosten beim Wechsel deutlich deckeln.

      • @Janix:

        Ja das Teilen des Wohnraums im Alter oder Generationenhäuser sollten deutlich positiver beworben werden. Ihr Verweis aufs Ausland unterstreicht das.



        In Deutschland ist die Debatte ums Alter völlig wirr - es geht nur darum, dass die Kosten für Pflege völlig explodieren und wie man genügend ansparen kann, um sich das im Alter zu leisten, bzw wie es der Staat finanzieren kann/soll.



        Tatsächlich ist das in vielen Kulturen rund um die Welt gar kein Thema, die Pflege der Alten ist dort so selbstverständlich wie die Pflege um die Kinder.



        In Deutschland soll immer alles outgesourct werden - Kinder in die Kita, Schulkinder in den Hort, Alte ins Heim. Erklärt wird das unwidersprochen mit der These, dass Frau sonst nicht in die Arbeit kann...🙄😮‍💨



        Aus eigener Erfahrung sage ich: doch, das geht. Und auch mit 25 Stunden fand ich mich nie unterdrückt oder in meiner Selbstentfaltung eingeschränkt.



        Care Arbeit muss gesellschaftlich deutlich mehr gewürdigt werden. Care Arbeit muss aber auch wieder als kostbare Zeit, nicht als Bürde wahrgenommen werden.



        Zusammen wohnen ist eine Bereicherung, kein Drama.